Aeutschkand.
Darmstadt, 5. September. Se. Königl. Hoheit der Großherzog und die Großh. Familie werden für die Zeit der Kaiser-Manöver im Großh. Palais in Frankfurt residiren. Dortselbst werden auch J.J. K.K. HH. der Herzog und die Herzogin von Connaught als Besuch absteigen.
Darmstadt, 5. September Se. Königs. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 23. August den Kreisschulinspector bei der Kreisschulcommission Mainz Christian Metzger auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Dienste in den Ruhestand zu versetzen;
an dems. Tage dem Kreisschulinspector Christian Metzger in Mainz den Charakter als „Schulrath" zu verleihen;
am 24. August den Kreisbauaufseher Johann Stief zu Gießen auf sein Nachsuchen aus dem Dienste zu entlassen;
an dems. Tage den Expeditor Wilhelm Alt zu Bickenbach, sowie den Bahnwärter bei der Main-Neckar-Eisenbahn Jacob Dell, beide auf Nachsuchen, und den Bahnausseher Heinrich Jäger zu Nieder-Mockstadt in Berücksichtigung seiner geschwächten Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen;
an dems. Tage den Kreisbauausseher bei dem Kreiübauamt Alsfeld Ludwig Arnold in gleicher Diensteigenschast an das Kreisbauamt Gießen, sowie am 29. August den Expeditor Friedrich August Escher zu Heppenheim in gleicher Diensteigenschast aus die Station Bickenbach und den Pfandmeister bei dem Rentamt Gießen Heinrich Feidner in gleicher Diensteigenschast an die Obereinnehmerei Mainz zu versetzen;
an dems. Tage den Telegraphisten bei der Main-Neckar-Eisenbahn Karl Bonn zu Bensheim zum Expeditor, sowie den Expeditions-Gehülfen bei der Main-Neckar-Eisenbahn Heinrich Friedrich Becker von Nidda zum Telegraphisten bei dieser Bahn zu ernennen.
Darmstadt, 4. Septbr. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 21 enthält:
Allerhöchste Verordnung, die Gebühren der Rechtsanwälte betreffend.
Darmstadt, 5. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Obersten z. D. Gerlach, den Oberstel, z. D. Renouard, den Secondelieutenant Brüstletn vom Großh. Aitillerie-Corps, die Herren Professor Dr. Büchner, Director Wulkow ur.b Professor Roquette, Mitglieder des Comite's für den deutschen Schrifl- stellertag, den Kirchenrath Baur aus Friedberg, den Oberhofprediger Bender, den Oberbaurath v. Hügel; zum Vortrag den Staatsminister Fretherrn o. Starck, den Hosjägerme ster v. Werner, den Oberslallmeister Fretherrn v. Nordeck zur Rabenau, den Hoftheater-Director Münzer.
Friedberg. Nachstehendes geht uns zur Veröffentlichung zu: Der Conferenz- debatte der evangelischen Conferenz entnehmen wir Folgendes: Soeben ersehe ich aus einer Anzeige in der „Wormser Zeitung", daß man die Janssen'sche Geschichtsauffassung, insbesondere sein „Charakterbild" Luther's in kleinen billigen Büchlein unter verfänglichem Dtel und verfänglicher Empfehlung: „Verlag der Paulinus-Druckerei in Trier : Dr. Martin Luther. Ein Charakterbild. Zum Lutherjubiläum dem deutschen Volke gewidmet von Jacob Wohlgemuth. 134 S. in 8°; Preis 1 J4. Ein Verständniß der Reformation wird nur durch genaue Kenntniß des Charakters des Reformators, sowie der damaligen Zustände in Staat und Kirche ermöglicht. Beides liefert diese Schrift in gedrängter Kürze, aber doch ausreichender Ausführlichkeit. Der Verfasser führt in der Charakterschilderung Luther's fast nur dessen eigene Worte ober die seiner Freunde an. Vorräthig „in allen Buchhandlungen", im Volke zu verbreiten sucht. Als Autor des da angezeigten Schriftchens nennt sich ein „Jacob Wohlgemuth". Möge ihm und seinen „Freunden" durch den Verlauf der Lutherfeier und ihre Mitwirkung in Deutschland der Muth dcch etwas sinken. — Le'der müssen wir die obige Vermuthung auf Grund eigener Prüfung vollauf bestätigen. Das in der „W. Z " dem „deutschen" (also doch auch evangelischen) Volke gewidmete „Characterbild"Luther's ist ein unter täuschendem Titel in das Volk geschleudertes jesuitisches Machwerk, das mit einer in Haß und Gift getauchten Feder ein greuliches Zerrbild des großen Reformators entwirft. Alle alten und neuen ultramontanen Lügen und Geschichtsfälschungen über Luther und die Reformation werden — unbekümmert um die protestantischen und überhaupt historischen Widerlegungen derselben — mit unerhörter Dreistigkeit und Frechheit wiederholt. Wir können daher das evangelische Volk vor dem in Wohlgemutes Pamphlet verborgenen jesuitischen Gifte ;*nr ernstlich warnen.
Berlin, 5. September. Wie wir aus sicherer Quelle vernkhmen, werden Se. Maj. der Kaiser nach der Beendigung der Manöver auf der Reise von Wiesbaden nach Karlsruhe den Großh. Hof in Darmstadt mit Allerhöchst- feinem Besuch beehren.
Nr. 207
Freitag den 7. September
1888
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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oon Feniern, die in London und Liverpool erfolgen sollen, wo in den letzten Wochen eine ganze Anzahl verdächtiger Personen gelandet ist. — Die „Pall Mall Gazette" bringt anläßlich des Sedanfestes einen Artikel, der in dem Sa'e gipfelt, daß Deutschland die einzige Macht sei, die durch Verfassung, Temperament, Lage und Interessen geeignet sei, die Führerschaft Europas auszuüben.
Fürst Nikita von Montenegro hat am vorigen Sonnabend die türkische Hauptstadt nach längerem Aufenthalt wieder verlassen, um nach seinen heimathlichen Bergen zurückzukehren. Von türkischer Seite ist Alles gethan worden, um dem montenegrinischen Herrscher den Aufenthalt in Stambul so angenehm als möglich zu gestalten und zugleich den Schleier der Vergessenheit über die Jahrhunderte langen blutigen Kämpfe zwischen Türken und Montenegrinern zu ziehen. Darüber, was Fürst Nikita während seiner Anwesenheit in Konstantinopel eigentlich erreicht hat, sind jedoch noch nähere Berichte abzuwarten.
Die englische Occupations-Armee in Egypten wird im Laufe des October und November bis auf 300 Mann vermindert werden. Ein Bataillon soll in Kairo, die übrigen in Alexandrien bleiben. Es werden Anstalten getroffen, um nöthigenfalls 2000 Mann nach dem Sudan zur völligen Unterdrückung des Aufstandes zu entsenden.
5922
Amlie: ck, Realster.
Politische Ueberficht.
Gießen, 8. September.
Die Sedanfeier ist in diesem Jahre an vielen Orten Deutschlands und namentlich in den größeren Städten besonders glänzend und unter reger Theilnahme der Bevölkerung bedangen worden. Es mag hierzu der Umstand, daß das Sedanfest diesmal auf einen Sonntag fiel, das Seinige beigetragen haben, trotzdem ist aber mit Genugthuung zu constatiren, daß der patriotische Sinn in unserem Volke im Laufe der Jahre nichts an seiner Frische und Lebhaftigkeit eingebüßt hat und so wird es hoffentlich immer bleiben. — Leider hat die Sedanfeier in der Reichshauptstadt durch die erschütternde Steglitzer Eisenbahn-Katastrophe einen recht traurigen Abschluß erhalten. Am Sonntag Abend zwischen 9 und 10 Uhr hatte sich auf dem Bahnhofe Steglitz bei Berlin eine große Menschenmenge angesammelt, welche den einige Minuten vor 9 Uhr von Potsdam in Steglitz eintreffenden Personenzug zur Rückfahrt nach Berlin benutzen wollte. Letzterer war noch nicht zum Stillstehen gebracht, als die Menge unter Durchbrechung der Barrieren von der falschen Seite auf ihn losstürmte. In diesem Augenblicke brauste von Berlin ein Kourierzug heran, mitten durch die Menschenmenge, welche sich auf dem für ihn reservirten Geleise drängte, hindurchsahrend. 18 Frauen, 17 Männer und 5 Kinder waren aus der Stelle tobt, 5 Personen wurden schwer verwundet, während sich die Zahl der Leichtverletzten noch gar nicht hat seststellen lassen. Die Untersuchung ist im vollsten Gange, doch scheint das Eine schon sestzustehen, daß sich die Perrons des Steglitzer Bahnhofes in Anbetracht der täglich durchpassirenden Züge und des großen Sonntags-Verkehrs als viel zu klein erwiesen haben.
In dem ungarisch-kroatischen Rationalitäten- und Prin- cipien-Streit haben die Kroaten vorläufig den Kürzern gezogen. Die am Sonntag in Wien stattgefundene gemeinsame Minister-Cvnferenz hat einhellig die Beschlüsse des ungarischen Ministeriums genehmigt und die gejammte Civil- und Militär-Verwaltung Kroatiens dem commandirenden General Ramberg übertragen; dem Vernehmen nach haben die Beschlüsse des gemeinsamen Miuister- raths bereits die kaiserliche Sanction erhalten. Kroatien ist also unter Militär- Dictatur gestellt worden und dies dürste auch das einzige durchgreifende Mittel sein, um den in diesem Lande herrschenden anarchischen Zuständen ein Ende zu machen; daß diese noch andauern, beweist die Nachricht, daß in Krapina in der Nacht vom 31. August zum 1. September 2000 kroatische Bauern das Gemeinde- und Steueramt stürmten. Hoffentlich ist auch General Ramberg der geeignete Mann, Ruhe und Ordnung in Kroatien wieder herzustellen. — Kronprinzessin Stefanie ist am Sonntag von einer Tochter glücklich entbunden worden, deren Taufe bereits am Mittwoch, den 5. September, in Schloß Laxenburg stattgefunden hat. — Am Montag hat in der Klosterkirche Castagnavizza m Görz die feierliche Beisetzung der Leiche des Grafen Chambord stattgefunden. Dem Trauerakte wohnten der Fürst Thurn und Taxis, als Vertreter des Kaisers von Oesterreich, Deputationen der Royalisten aus Frankreich, zahlreiche Geistliche, der Großherzog von Toscana, die Ci-vil- und Militärbehörden u. s. w. bei. Nachdem der Fürst-Erzbischof unter Assistenz mehrerer Geistlicher die Absolution ertheilt hatte, wurde der Sarg unter dem Geleite der Kirchenfürsten und der übrigen hohen Herrschaften zur Gruft gebracht.
Im Lager der f ranzösischen Royalisten ist ein ernster Zwiespalt ausgebrochen, nachdem sich zu Görz kaum die Gruft über den letzten Der Emurbonischen Prätendenten geschlossen hat. Die eigentliche Veranlassung hierzu mg in der Anordnung der Gräfin Chambord, daß bei den Leichenfeierlichkeiten in Görz ein näherer Anverwandter (welcher?) des Grafen Chambord seinen Platz noch vor den orleanistischen Prinzen haben sollte. Diese Verfügung hat ei den in Frohsdorf eingetroffenen Prinzen von Orleans derartig verstimmt, vaß sie es nicht einmal über sich gewinnen konnten, den sterblichen Ueberresten Heinrich V. in Görz die letzte Ehre zu erweisen. Ohne Görz zu berühren, haben die Prinzen von Orleans, an ihrer Spitze der Graf von Paris, von Wien aus die Heimreise nach Frankreich angetreten und somit zwischen Orlea- mften und Legitimisten einen eclatanten Bruch herbeigesührt. Der gerade nicht von großem Taktgefühl zeugende Schritt der orleanistischen Prinzen wird, wie kä Icheint, von Seiten der Legitimisten wie der Organisten Resolutionen und ^amststationen zur Folge haben, die jedenfalls einen eigenthümlichen Nachklang dm Görzer Leichenfeierlichkeiten bilden. Indessen neigt sich die größere An- Dl der Anhänger des französischen Königthumes anscheinend den Orleans zu; ine aus Görz gemeldet wird, hielten die Roylisten mehrere Versammlungen ab und sandten dann eine Adresse an den Grafen von Paris ab, in welcher sie Denselben als Haupt des Hauses Frankreich anerkennen. An die Gräfin Cham- md wurde keine Adresse gerichtet.
Zwischen der spanischen und der französischen Regierung ili Las vollständigste Einvernehmen wieder hergestellt worden, nachdem die Be- HAngen zwischen Madrid und Paris durch die eigenlhümliche Haltung der ümzösischen Behörden gegenüber dem spanischen Ausstand getrübt worden waren. Mglich Zorrilla's, des zur Zeit in Genf weilenden Führers der spanischen Malen, ist für den Fall seiner Rückkehr nach Frankreich ein Ueöereinkomlnen Msfchen den Cabineten von Madrid und Paris getroffen worden.
In Glasgow, der Hauptstadt Schottlands, sind dieser Tage Irländer wegen Theilnahme an der im Januar d. Js. erfolgten Sprengung W ®/Q§9oroer Gasometers und anderer Dynamit-Excesse verhaftet worden, illain betrachtet diesen Vorfall nur als den Vorläufer weiterer Verhaftungen
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Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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