Ausgabe 
7.1.1883 Erstes Blatt
 
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Nr. s. Erstes Blatt. Sonntag den 7. Januar 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- unb Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau: Schulstrabe 7.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

___ .. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher H li ci l'.

Bekanntmachung.

Gefunden: 1 Brille mit Futteral, 1 Schürze, 2 Handschuhe, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken Zugelauren: 1 gelbe Dogge.

Gießen, am 6. Januar 1882. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

______________________ Fresenius.

durch die

1 Januar. DaS Ministerium des Innern und der Justiz hat an b b jfm6amler bQä folflenbc Äusschr.lbkn g-riLI-l:

? <u unferer Jteiintntg gckommcn, daß beiumztchcnde VIchhLndIcr bcn dcr- S! »ä b! HochstulhlN 6crbelfltfü6tltn Nothslanb ber Llchdisiß-r dadurch au« ®kb ben m nt,r nl?<nf,!*.n bS «unf> ««8<n ober verführen, fie würden ihr ihnffl ibr m , r L? 1 ,d1 "nährrn können und daß sic dieselben dadurch veranlassen. ?* hie länMl*,1 ^trln6ften.s,$r,lf<n ju ""kaufen. Wir weisen Sic an, unvcrzüg. linh berMbn InfmB 6 r,tltI,fl ouf b"b Drmqcnbsle von solchen Vuchkäuscrn abzumahncn 9iieh«f , unb d--u-rnde «eidülsc zur Unlcrbrinftung unb Ernähr,n ihre« 10M SttÄT". ®ic SIvUunge» beb ÄrlcH-imer Barackenlager», in X «mniflrh,hÄ?h?i1Unt1t.t8tbrad,t wnbe" können, finb bereit« aus unser Ansuchen r Not tat unaen wird"^'8? » ^''°gun» gestellt worben. Die 'üeschafsung nnh Sir,m?H,ainUf8rnh?etb ,0 0,1 ln a Slug» gcfaf,,. Für ..susüdrung von Fuller ?.t?,R,Lh,Twn ^r,m,l«,ar.l.fler,tteJc unb lür sach«cmäs,e Verlhellun ttaa-n und ^ons wr ®fftrdtunnt\6lV?ero11- roo t0 3,0111 thul, u»nc,öuinl Sorge n Jaat/a1,, l e ber »oslcn blc Ihnen zur Beifügung stehend«» ü h i fiüJ! ? hlanfl?nfl der erforderlichen Geldmittel unmittelbar

wenden do^tzenden deS Lanbi6=(Somik fl, Grohherzogltchen Ministertalrath I a u p,

Darmstadt, 4. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nebst Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Victoria begaben sich heute zu Wagen nach Erfelden, um die Ueberschwenunung und die dadurch hervorgerufene Nothlage in Äugenschein zu nehmen. Generalmajor v. Wefterweller und Hosjägermeister v. Werner waren im Gefolge. In Erfelden führte der Bürgermeister die Aller­höchsten Herrschaften nach der Kirche, deren Thurm bestiegen wurde, da sich von ihm aus eine weite Ausschau über die endlose Wasserfläche bietet. Bis dicht vor Erfelden reichten die Fluchen; nur durch einen rasch ausgesührten Roth- dämm wurden sie aus den Straßen selbst abgehalten, die indessen durch Grund- wafler doch schon zum großen Theil derart unter Wasser gesetzt waren, daß man nur auf Nothstegen oder in Wagen durchkonunen konnte.

Von Erfelden nach Leeheim wurde die Fahrt im Kahn unternommen; da der Wind entgegen war und ziemlich starke Wellen trieb, sc konnte die Entfer­nung zwischen beiden Orten erst in drei Viertelstunden zurückgelegt werden. Im Borbeifahren sah man, wie der Bensheimer Hof vollständig vom Wasser um­strömt ist; im Hofe selbst soll das Wasser über einen Meter hoch stehen. Eben so hoch stand es auch in Den westlichen Straßen von Leeheim, da wo die Straße vom Bensheimer Hof hineinführt. Zuin Glück liegt die Kirche des Dorfes mit etwa 40 Häusern auf einem so erhöhten Gelände, daß gar fein Wasser dorthin kommt und selbst das Grundwaffer noch über zwei Meter tief liegt.

tsr. Königl. Hoheit dem Großherzog lvurde von dem Premierlieutenant Herpel, welcher mit 50 Mann des Leibgarde-Regiments dorthin commandirt ist, unterlhänigste Meldung erstattet, und Allerhöchstdieselbeil besichtigten darauf die eingerichtete Rothküche, worin für die Armen gekocht wird, sowie den freien Platz, auf welchem Baracken und Nothstülle für die obdachlosen Bewohner und deren Vreh aufgeschlagen werden. Se. Köiiigl. Hoheit der Großherzog erkun­digten sich bei dem Bürgermeister eingehend nach den Bedürfnissen der lieber* schwemmten, und es wurden Allerhöchstdemselben als solche hauptsächlich Rah- rungsmittel und Kähne bezeichnet. Von Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Victoria wurden de.n Bürgermeister wollene Tücher und Decken, sowie Leinwand zur Verthellung au die Bedürftigen übergeben.

, . ^on leeheim nach Wolsskehlen zu gelangen, mußte ivieder über eine Halde stunde im Kahn gefahren werden, worauf Se. Königl. Hoheit die Fahrt zu Wagen fortsetzten und dabei dem Ministerialrath Jaup, dein Vorsitzenden des LandeS-Comitös, begegneten, welcher im Begriffe war, gerade die gewünschten Lebensmittel nach Leeheim zu verbringen. Ebenso waren Artillerie-Bespannungen nut ausgeladenen Rachen unterwegs, so daß Se. Königl. Hoheit die Ueberzeugung gewinnen durften, daß für die nächsten und dringendsten Bedürfnisse der lieber* schwemmten gesorgt sei.

Die Allerhöchsten Herrschaften kehrten hierauf von Wolfskehlen zu Wagen nach Darmstadt zurück.

... ^arun adt, 5. Januar. Ce. Königl. Hoheit der Großherzog haben l^ch heute Vormittag mit Zug 0 Uhr 20 Min. nach Mainz begeben.

... . $en Stänbeu ist eine Vorlage wegen Gewährung einer Zinsgaraiitie Mr eme Actienunternehmung zugegangen, welche den Betrieb einer Dampsketten- .'^Pp-Schiftsahrt auf dem Main von Mainz nach Aschaffenburg herzustellen

trägen Äcn"wir Entgegen.» yWX"We unb Mtel1>»« wriicr zu ftellcnden An.

^2-NU°r. Wie wir foeb.n vernehmen. bat beute Mittag auf x ^Uc"/u b('l H/'r" Staateminm.r« v. Starck eine «efpredjung

Ä L b" 3f,fll<r""a Ullb b>'n tucr anm.fenbcn Mitallcbcru bc«

affen unb bett zweiten AuSichuffe« ber zweiten Kammer bei Stäube über ein« Seiten« b^.Negterunli an bie L'anbflänbc zu r ichtende Vorlage behufs Bervillfgung von Staats- I ? r a,lfrUnfl/Cbrr Wastttsnotb betroffnen tlngeböngcn bed Mo^erzog- tbumö ffattgefunben. Es würben al« .Stele der StaatShülfe bie Errichtung von provt- I

UnterkunftSräumen für bie obdachlos geworbene Bevölkerung unb deren Vieh starb, bie Wiederherstellung ber vernichteten und beschädigten Gebäude und in- 6 M Lanbtscomite'S dazu nicht ausreichen sollten, bie Bestreitung von ^e^.ülren zur Erneuerung des Diehstundes, zur Ergänzung ber vernichteten Futtcr- n°brab?ahfirfi(intU Saalu-ucht unb Sctzkartofieln in bas Äuge geroßt,

Regierung, ben tn ber heutigen Besprechung allseitig rum Ausdruck g brachten Änschauugen g mäg, bie Bewilligung von vorläufig 500OCH) d'' wohl auf demWeg des Ankens Achten hinn ?agm?rhdf-*,eh? % der Bewilligung von Mitteln über diese Summe

binau§ wirb bie Grogh. Regierung eine wntere Vorlage Vorbehalten wenn die Hohe ber Schäden wirb übersehen werben können. 9 ' öenn Mc

Frankreich nach dem ffoöc (lmmlletta's.

W-Hl st ri st en sich Frennbe unb Feinde über Ruhm und Tugenden des per« blichenen Gambetta, über Eins ist aber schwerlich zu streiten: Die Rolle Ganrdetta'S war zu seinen Lebzeiten noch nicht als leitende» Staatsmann und Herrscher auSgespielt, er verstand zu warten, vorzubereiten und aus Mißersolgen Mehren zu ziehen, ja, u übte auch, obgleich er weder Minister noch Kammerpräsident war. auf das gesummte politische Veben Frankreich« immer noch einen hervorragenden Emsiuß, er war Oberhaupt dir mächtigsten Partei unb wichtig und interessant must deßhald die politische Weiter entwickelung Frankreich« nach dem Tode Gambetta'« sein. Am wichtigsten für un« natürlich, waS die auswärtige fianzöstsche Politik andetrifft. Denn so flüssig unb be­weglich auch die französischen Zustände melslenlheil« wann, so wurde doch Gambetta fast allenthalben al« der feste Punkt, al« der Mann der.Snknnsl Frankreich« betrachtet

Telegraphische Depeschnr.

Wolff's telegr. SorrespoNdenz-Vureau.

r ^anuar: Die in den überschwemmten Distrikten gewählten

vesslschen Abgeordneten bereiten eine Aufforderung an sämmtliche deutsche Volks- vettreter vor, ui ihren Wahlkreisen Ausrufe zur Unterstützung der Ueber- schwemmten zu erlassen. 9

. , ~ Großherzog traf heute hier ein und besichtigte unter Führung des ^tadtbaumeisterS Kreyssig und des Obermaschinenmeisters der Ludwigsbabn .Lhomas^ die Schutzarbeiten. Der Rhein ist auf 5,91 Mr. gefallen

Berlin, 5. Januar. DieProv.-Corresp." schließt einen warmen Gambetta gewidmeten Artikel mit folgenden Sätzen: lieber den Tobten den ein ganzes Volk betrauert, prüfend die Waage zu halten, auf welcher' alles mensmncbe bun gewogen wird, kann unsere, des ehemaligen Gegners Sache

Lin. Als Zeitgenossen aber haben wir das Recht und die Pflicht mit Zeugintz abzulegen von der außerordentlichen Bedeutung des Mannes, den wir in heißem ehrenvollem Kampfe kennen lernten und dessen späteren Geschicken wir mit dem achtungsvollen Antheil folgten, den er sich bei Freund und Feind erzwungen hatte. u 0

üncben, 5. Januar. Der hiesige Magistrat beschloß beute die Ge- nebnngung nachzusuchen zur Veranstaltung einer Hauskollekte in Ätünchen unb 9an3 ?^^^rn 311111 Besten der durch die Ueberschwemmilng heimgesuchten bayerischen Ortschaften. J '

Karlsruhe, 5. Januar. Heute hat sich hier ein LandeS-ttnterstützilngs- coniitr gebildet, das aus Vertretern der Regierung, der Gemeinden des rzranenvereinü und des Manner-Hilssvereinü besteht. Für alle an die Hilfs- conutee oder an Behörden adrefsirten Liebesgaben ist im Badischen direeten Uabnuerfdir unb auch im Transitverkehr Frachtfreiheit gewährt. Der Wien- Pariser Schnellzug wird morgen Nachmittag zum ersten Mal wieder die Route Appenweier-S traßburg passireu.

... a- Jlinuar. Die Menge der vor der Leiche Gambetta's

Borüberdesilirenden war heute noch größer als gestern. Bereits über 2000 flränK sind eingetroffen. Der morgigen Leichenfeier werden 400 Delegationen beiwohnen. Die Mehrzahl der Läden wird geschloffen. Am Eingänge von Pr re-la-Ehaise werden acht Reden gehalten werden.Tempü" sagt, die Gambetta eriviesenen Huldigungen bewiesen, daß die Annahme der Ausländer, es gebe in Frankreich keinen Patriotismus mehr, irrig sei.

... , 5. Januar. General Chancy ist in der vergangenen Rächt

plötzlich gestorben. Der Tod Chancv's erfolgte durch Schl'agflnß. Dessen Leichenfeier findet in Chalons statt. Alle Journale beklagen seinen Tod und geben dem Schmerz um Gambetta, der die Seele des Widerstandes war, und Ehancy, welcher der Degen des Widerstandes war, gemeinsam Ausdruck. Der Hoffnung derTimes" gegenüber, Europa werde die die englische Politik betreffs Egyptens darlegende Rote mit Befriedigung aufnehmen, sagtTemps," wir werden es nicht unternehmen, heute Illusionen zu stören,' welche die riinev" über diesen Punkt zu hegen sich den Anschein gibt. Die Seine wächst; sie Überschritt den Wasserstand des letzten Monats.'

Das von einigen Journalen gemeldete Unwohlsein Leon Say's ist ein leichtes ohne jede ernstere Bedeutung.