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Nr. 232. Samstag den 6. Oktober 1883.

TCKPHPL ^.LII Ir lllr l Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau: Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher Htjeil.

Betreffend: Winter-Cursus der Ackerbauschule des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen zu Friedberg pro 1883/84.

Bekanntmachung.

Der diesmalige Winter-Cursus hiesiger Ackerbauschule beginnt Freitag den 2. November und wird gegen Ende März geschlossen. Der Unterricht erstreckt sich auf allgemeine Schulgegenstände, die verschiedenen Zweige der Naturkunde und landwirthschaftlichen Fächer. Er wird von zwer Land- Mhschaftslehrern, einem seminaristisch gebildeten Hauptlehrer, dem Dr. med. C. Becker und anderen geeigneten Hülfslehrern ertheilt. Die nöthige Anschauung gewähren die reichen Lehrmittel der Anstalt, sowie Excursionen nach nahe gelegenen Gutswirthschaften, gewerblichen Anlagen und sonstigen belehrenden Em- ijchtungen. Aufnahmsfähig sind alle unbescholtene junge Männer, welche die Volksschule mit gutem Erfolg absolvirt haben. In die II. Klasse werden nur iolche Schüler ausgenommen, welche vorher die I. Klasse besuchten, oder nachweisen, daß sie sich anderweitig die Kenntnisse angeeignet haben, welche das Lehr- pl der I. Klasse bilden, alle anderen Schüler kommen in letztere. Das Schulgeld beträgt für die l. Klasse 45 X für die II. Klasse 35 M. Anmeldungen nimmt der Anstaltsdirigent, Großherzoglicher Landwirthschaftslehrer vr. Tob isch, entgegen, welcher gewünschtenfalls auch anderweitige bezügliche Auskunft ertherlt.

Friedberg, den 12. September 1883. Das Curatorium der Ackerbauschule zu Friedberg.

Dr. Braden, Dr. Freihr. v. Gemmingen-, Schmidt

Kreisrath. Kreis-Assessor. Kreis-Schulinspector.

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Betreffend: Wie oben. Gießen, den 17. September 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung des Curatoriums der Ackerbauschule zu Friedberg empfehlen wir Ihnen, sich dafür zu bemühen, die Ackerbauschule durch recht viele junge, der Landwirthschaft sich widmende Leute aus Ihren Gemeinden besucht wird. Wir bemerken zugleich hierbei, !>l>ß für wenig Beinittelte Unterstützungen zur Disposition stehen und wir es nicht zu beanstanden finden, wenn auch von Gemeinden, aus welchen junge Leute die Schule besuchen, Unterstützungen verwilligt werden, indem wir recht gerne derartigen Beschlüssen Genehmigung ertheilen.

Dr. Boekmann.

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BelkidiZrmg des spanischen Volkes in der Person seines Monarchen und zu guter letzt der Confl.ct mit China. Das alles sind furchtbare Waffen in den Händen einer rücksichtslos agirenden Opposition, und mehr als genügend, um ein Cabtnet in Frage zu stellen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's teLegr. Correspsndsnr-Grrreare-

Baden-Baden, 4. October. Se. Maj. der Kaiser nahm gestern das Diner bei der Herzogin von Hamilton ein und empfing später den deutschen Gesandten, Wirkt. Geh. Legationsrath v. Bülow, zum Bortrag. Den Abend brachte der Kaiser in seinen Gemächern zu. Heute Vormittag nahm Se. Maj. den Vortrag des Chefs des Civil-Cabmets, Wirkl. Geh. Raths v. Wilmowski, entgegen. Der spanische Gesandte in London, Marquis de Casa Laglaisia, ist hier angekommen.

Siel, 4. October. Der Chef der Admiralität, Generallieutenant v. Ca­privi, hat heute die CorvettenElisabeth",Prinz Adalbert",Arcona" und das KanonenbootNautilus" inspicirt.

Leipzig, 4. October. DasTageblatt" meldet: Gegen Antoine (Metz) ist vom Reichsanmalt auf Grund des vorliegenden Belastungs-Materials die Einleitung der Voruntersuchung angeordnet. Die Verhaftung desselben ist vom Untersuchungsrichter in Metz verfügt. Neber die von Antoine gegen die Ver­haftung erhobene Beschwerde werde das Reichsgericht zu entscheiden haben.

Pesth, 4. October. Die Conferenz der Unabhängigkeits-Partei nahm einen im Reichstag einzubringenden Antrag an, der das Vorgehen der Regie­rung in der kroatischen Frage entschieden tadelt.

Bern, 4. October. Das neue Hotel der Gebrüder Hauser am Gieß­bach ist heute Morgen abgebrannt.

Brüssel, 4. October. DerJndependance" zufolge haben gegen 2000 Kohlengruben-Arbeiter der Kohlenbecken bei Mons die Arbeit eingestellt.

Paris, 4. October. Die ottomanische Gesandtschaft dementirt das Ge­rücht von einer Erkrankung des Sultans.

Heute Vormittag wurde ein Ministerrath abgehalten, dem der Kriegs­minister Thibaudin beiwohnte.

Es bestätigt sich, daß die Regierung eine Untersuchung über die bei der Ankunft des Königs Alfonso in Paris vorgekommenen Zwischenfälle ange­ordnet hat. Dieselbe wird sich nicht auf die zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffenen Maßregeln, sondern nur auf die Urheber der Demonstration erstrecken, um deren Bedeutung danach zu beineffen. L

London, 4. October. Bei der Ersatzwahl in Manchester wurde Houlds- worth (cons.) gewählt. _ L m ,r

Christiania, 4. October. In der heutigen Sitzung des Reichsgerichts wurde auf Verlangen des Vertheidigers des angeklagten Staatsministers Selmer die weitere Verhandlung auf den 19. October verschoben.

Belgrad, 4. October. In der heutigen Sitzung der Skupschtma wur­den die königlichen Erlasse verlesen, durch welche dis Wahl der Präsidenten be­stätigt und der Ministerpräsident ermächtigt wird, die Skupschtma zu eröffnen. Sodann wurde ein weiterer Erlaß des Königs verlesen, durch welchen die Skupschtma sofort wieder geschlossen wurde.

New-York, 4. October. Nach einer Meldung aus St. Thomas sind bei dem Ausstand in Port au Prince auf Haiti an 800 Häuser durch 1 Feuer zerstört worden.

Deutschland.

Berlin, 3. Oktober. Der Deutschenhaß, der sich in den Spalten der Pariser Tagespresse dr.it macht, findet ein mmdestens gterchwerthtges Pendant in den analogen Leistungen der Provinzblätter. Letztere entziehen sich zwar in der Regel der Kenntniß- nahme weiterer Kreise, man darf aber deßhalb nicht etwa glauben, ihr Treiben sei chativ ungefährlich. Im Gegenteil beherrschen d e departementalen Zeitungen ihr Leserpublikum womöglich noch unumschränkter als ihre Pariser Collegen sich dessen rühmen können, daher denn auch ihre Aussaat fanatischen Deutschenhasses üppig in die Halme schießt. Auf welche Weise man der Revancheldee den Weg ebnet, mag das Beispiel des in Lille erscheinendenEcho du Nord" darthun, welcher die Niederwald- >e!er zu chauvinistischen Zwecken fruktificirt. Der Artikelschrewer beginnt damit, die Weihe der Germaniastatueeine neue Erniedrigung Frankreichs" zu nennen und in- linuitt, das Niederwalddenkmal soll in der Einheit Deutschlands die Niederlage Frank- lkichs verewigen. Beiläufig wird der Leser desEcho du Nord" dahin belehrt, daß linke Rheinufer, auf welches der Blick vom Niederwald hinüberschweift, seiner geographischen Position nach zu Frankreich gehört, daß aber ein Tag kommen werde, das Denkmal antiquitirt sein wird und nur noch das besiegte Deutschland dar- Htßen wird.

Lassen wir daher fährt der Art-kelschreiber fort ohne uns zu entrüsten, die Ceremonie des Niederwaldes sich vollziehen. Statt der Beharrlichkeit Deutschlands ^.Feiern seiner Siege von 187071 beleidigend zu finden, wollen wir daran denken, jenes Land selber sich nach Jena für die Revanche vorbereitet hat. Das geschah Pläuschlos und die Stunde der Vergeltung schlug. Dieses sein Beispiel sollen wir un§ zu Nutze machen.

Uebrigens sind die Ereignisse für uns thätig; das Niedersinken der Hülle, die dmte Morgen noch das Bild der kriegerischen Tochter Hermann's verdeckte, ist ohne Zweifel die letzte große Ceremonie, an welcher die drei Greise, die uns geschlagen haben, Mhelm, Moltke und Bismarck, werden theilnehmen können. Was wird aus Deutsch- unb nach ihnen werden? Wird es den partikularistischen Ideen, welche sich in seinem herzen regen, widerstehen können? Wird es nach dem Hinscheiden seiner Schöpfer die ^aft und das Selbstvertrauen bewahren, von welchem cs so lange geleitet wurde? y e Antwort ist schwierig: aber wenn einmal die Männer, welche ihm den Strahlen- seines Ruhmes aus's Haupt setzten, von der Bühne abgetreten sind, wenn Herr - -öismmck, dessen Elsenhand nur mit Mühe die freiheitsdürstenden Völker nteoers Malten vermag, nichts mehr sein wird denn ein Name, dann wird eS vielleicht einen Mik Zusammenbruch geben und von diesem ganzen Bauwerk wird nichts mehr übrig leiben als ein melancholischer Zeuge auf der Höhe des alten Stromes:Die eherne Germania des Niederwaldes-""

Krankreich.

m Paris. Am Horizonte der inneren französischen Politik thürmen sich schwere E'en in Gestalt einer drohenden Cabinetskrise empor. Das Ministerium Ferry hat, ../Astens in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung, entschieden abgewirthschaftet und -^Ncheint fraglich, ob Herr Ferry durch das Opfer einiger seiner Collegen den Sturm, ^,"Z)ie Opposition gegen ihn selber doibereitet, wird abschlagen können. Jetzt, wo icrnV11" erunß Üe kommt, sind die officiellen Kreise in Paris ob der Samstags- 'di-nn^eist kleinlaut geworden und wissen kaum, was sie alles angeben sollen, um JUpu u n Eindruck, den das Gedahren des Straßcnpöbcls in der ganzen civckisirten hervorgebracht hat, zu verwischen. Soviel steht fest, daß die schon in der chinesischen 'weid ?rS compromtttirte Position einiger Cabinetsmitglieder seit dem spanischen »SAoi 8 l den letzten Halt verloren hat, und wenn man, um wenigstens den äußern «Irin x "AhdÜrftig zu wahren, den Austrag der Krise bis nach dem Wiederzusammen- IbeftUo Plumern hinausgeschoben hat, so dürften alsdann die Geister nur um so »^Ä^"^derplatzen. Selten bietet sich irgend einer parlamentarischen Opposition hbpn fs V616 Gelegenheit, an den Akten des Ministeriums vernichtende Kritik zu t der französischen gegen die Amtsführung der jetzigen Machthaber, speciell im rium auswärtigen Politik. Die Beschaffenheit des Verhältnisses der Republik hinlänglich bekannt; dazu gesellen sich die wachsende Ver- i icbkn in? Italiens gegen Frankreich, die in der Schweiz sehr übel vermerkten militäri- her Tom?*11 rt^etten auf neutralem Gebiete; die Mißhelligkeiten mit England wegen amatave-Affaire und sonstiger colonialer Concurrenzgeschäfte; jetzt noch die schwere