Ausgabe 
6.2.1883
 
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halb des Klerus stehende Männer gegen jene unbilligen Agitationen Einsprache erhoben haben und wird nicht aushören, die erforderlichen Maßregeln zu ergrei­fen, um die Ausbreitung dieses gefährlichen, die Hebung der Seelsorge stören­den Geistes hintanzuhalten.

Arankreich.

Paris, 3. Februar. Der Senat setzte die Wahl der Commission zur Verberathung des Entwurfs gegen die Prätendenten auf nächsten Montag fest. Die Linke wollte den Donnerstag, die Rechte setzte aber den Montag durch. Letztere wird in den Bureaus für Republikaner stimmen, welche den Entwurf absolut ablehnen. Das linke Centrum hat sich heute gegen den Entwurf aus­gesprochen, würde aber allenfalls bereit sein, eine Verständigung anzunehmen, welche das Gesetz unpersönlich und allgemein machte und dasselbe seines Charak­ters als Ausnahmegesetz gegen diese oder jene Person entkleidete.

Nizza, 4. Februar. Campon, der javamsische Gonful in Marseille, ist mit 750,000 Francs einer von ihm dtrigirten See-Versicherungs-Gesellschaft flüchtig geworden.

England.

London, 3. Februar. Den durch die Rote Granville'S in der egypti- schen Angelegenheit ausgesprochenen Anschauungen wird russischerseits vorläufig principiell zugestimmt, Detail-Erörterungen behält man sich in Petersburg zu gegebener Zeit vor. Seitens der österreichisch-ungarischen und italienischen Regie­rung werden die Dinge in ähnlicher Weise aufgesaßt. Die deutsche Regierung bat die Mittheilungen entgegenkommend ausgenommen, sich nicht direct intereffirt erachtet und wünscht lediglich die Uebereinstimmung der Mächte. Im Allgemei­nen darf man annehmen, daß die englischen Eröffnungen sympathisch aufgenom­men wurden.

Dublin, 3. Febr. In dem Proceffe wegen des Comvlots zur Ermor­dung von Beamten wurden in der heutigen Verhandlung acht der Angeklagten der Teilnahme an der Ermordung Lord Cavendish's und Bourke's beschuldigt.

Dublin, 3. Februar. Der Zeuge Fitz Simmons deponirte in der heu­tigen Verhandlung des Complot-Proceffes, er habe in dem Hause des Gefange- nen James Carey gewohnt und nach der Verhaftung Carey'S auf dem Boden des Hauses lange Messer gesunden, welche dem Gerichte überliefert worden seien. Diese Meffer sind von den Chirurgen untersucht und ist von denselben constatirt worden, daß mit solchen Instrumenten Bourke und Lord Cavendish ermordet wurden. Andere Zeugen conftatiren die Identität von vier der Gefangenen mit Personen, welche sie im Phönix-Parke einige Augenblicke vor dem Morde gesehen haben. Die weitere Verhandlung ist aus Montag vertagt worden.

Italien.

Rom, 3. Februar. DerMoniteur de Rome" bementirt die TMbung desStandard", daß der Cardinal-Staatssecretär Jacobini eine das Schreiben des deutschen Kaisers an den Papst beantwortende Denkschrist vorbereite.

Rußland.

Petersburg, 3. Februar. Ossiciell wird mitgetheilt, daß der Minister v. Giers die Leitung des auswärtigen Amtes wieder übernommen hat.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S lelcgr. Correspondcnz-Gureau.

Berlin, 4. Februar. Der Kaiser empfing Mittags 1 Uhr einen halbstündigen Besuch des Großfürsten Nikolaus, der auch dem um 5 Uhr beim Kaiser Nartfindenden Farniliendlner beiwohnte. #n letzterem nahm auch der wieder genesene Erbprinz von Meiningen Thell.

Im neuen Gesellschaftshause am Cottbuser Ufer wurde Mittags eine von circa 600 Personen besuchte, Dorro.ejcnb aus Sociaidemokraten bestehende Volksoer sammlung aufgelöst, als ein Redner daran erinnerte, daß schon Lassalle die Fortschrittler wie die ConservalwLN als gleich arbeiterfeindlich und reaktionär bezeichnet habe. Die Auflöiung ging übrigens in vollkommener Ruhe vor sich.

Petersburg, 4. Februar. Die Mittheilung der LondonerSt. James Gazette" über ein von dem Minister v. Giers bereite erlassenes Rundschreiben an die russischen Vertreter im Auslande, betr. die Resultate des Austausches der Ansichten zwischen ihm und seinen Collegen in Deutschland, Italien und Oester­reich-Ungarn, ist demJournal de St. Petersbourg" zufolge unrichtig. Ein solches Circular existirt nicht.

Der Minister des Innern hat der ZeitschriftVaterländ. Annalen" die zweite Verwarnung ertheilt.__

Das Gutachten der Commission jur Untersuchung der Beschwerden gegen die Bhein-Ziegulirung.

V.

m. Darmstadt, 2. Februar.

Ein weiterer Beschwerdepunkt geht dahin: Lediglich den Stromregulirungsbauten und den auf den Verlandungen befindlichen mächtigen Weidenpflanzungen müsse zu- geschneben werden, daß manche Ufergvvndstücke, die früher vorn Angriffe des Stromes nicht zu le-ben gehabt hätten, nunmehr diesem ausgesetzt seien und von Jahr zu Jahr mehr m Abbruch geriethen. Das Gutachten bemerkt hierzu:Wenn auch bie Com­mission keineswegs in Abrede stellte, daß durch die Anlage von Stromcorreclionsbauten und spectell durch Buhnen mitunter Angriffe des Stromes gegen das jenseitige Ufer veranlaßt werden, so hat sie bet der Befahrung der hessischen Stromstrecke hierfür doch nur vereinzelte Beispiele gefunden und legt daher wett mehr Gewicht auf die gegen- theilige Wirkung dieser Werke, nämlich auf den durch dieselben gewährten Uferschutz. Der Unterschied liegt allein darin, daß dieser letztere sich nur indtrect oder gar nur hypothetisch erweisen laßt; vorhanden ist er aber unbestreitbar. Im Interesse der Stromregulirung wartet der Staat m der Regel nicht ab, daß etwa stark im Abbruch liegende Prtvat-Uferftrecken von deren Eigenthümern befestigt werden, sondern schreitet im öffentlichen Interesse helfend ein und schützt dadurch fremdes Eigenthum. Da die Beschwerden zur Sache übrigens weniger die Bauwerke selbst, als die Weidenpflanzungen treffen, die Beseitigung dieser letzteren, soweit sie schädlich sind, aber von der Commission empfohlen ist, so wird in Zukunst wohl kaum noch Veranlassung zu bezüglichen Klagen gefunden werden."

Die letzte Beschwerde endlich lautet: In einzelnen Fällen sei auch durch strom- bauliche Anlagen die Schifffahrt, besonders aber die kleine Schifffahrt, bezw. der Ver­kehr von einem Stromufer zum andern wesentlich gestört worden und hieraus eine erhebliche Schädigung von Prioattnteressen entstanden, zu deren Ausgleichung der Staat verpflichtet erscheine. Die Commission sagt in dieser Beziehung:Wenn Störungen im Schiffsverkehr aus Anlaß der Anlage von Stromcorrectionswerken wirklich ent­stehen, wie dies allerdings geschehen kann, so werden dieselben doch immer nur von befchränkier localer Bedeutung sein und demgemäß einen hemmenden Einfluß auf die zu allgemein öffentlichen Zwecken betri bene, bezw. zu betreibende Regultrung eines Stromes nicht ausüben können. Vorkommenden Falles wird vielmehr gründlich zu untersuchen sein, inwieweit den Privatinteressen Rechnung getragen werden kann, und wird d'es selbstverständlich nach Möglichkeit auch zu geschehen haben-

Am Schlüsse der vorstehenden, zur Sache allgemeinen Betrachtungen halt die

Commission es für ihre Pflicht, insbesondere darauf aufmetffam zu machen, daß die Abstellung der besprochenen Mißstände keineswegs ohne Wettere« erfolgen kann, indem die bauamtltch vorhandenen Stromkarten uno NivellementSpläne zu einer völlig präcisen und unangreifbaren technischen Beurtheilung der ausgeworfenen Fragen keines­wegs ausreichen. Die Commisfton kann daher nur dringend empfehlen, daß hinfort die Kosten zur Ausführung von umfassenden geometrischen und nivellistischen Plan- ausnahmen am Strome nicht gescheut werden."

Damit schließt der allgemeine Theil des Gutachtens; es folgen in 42 Abschnitten die Einzelprüfungen bet von den Gemeinden und Grundbesitzern erhobenen Beschwerden. Auf dieselben auch nur oberflächlich einzugehen, gestattet uns bei der Fülle des Materials der Raum nicht und werden wir uns daraus beschränken, einige Punkte von allge­meinem Interesse in der Folge daraus heroorzuheden.

Das Gutachten ist unterzeichnt von den Herren: Küchler, Provinzialdirektor, Gercke, Geh. Oberbaurath; von Werner, Ministertalrath; Berring, Rhetnstrom- baudirector, RegierungS- und Baurath; Willgerodt, Mtnistenalrath und Wasser- bairtureftor; Schäffer, Oberbaurath^; Sonna, Baurath und ordentlicher Professor an der technischen Hochschule zu Darmstadt; Mölltnger, Bürgermeister, Vorsitzender des landwirthschaftltchen Provtnztalveretns für die Provinz Rheinhessen, und Dr. Klaas, Landesculturinspektor.

Loyales.

Gießen, 5. Februar. Auszug aus dem Verwaltungsrechenschaftsbericht deS Herrn Bürgermeister Bramm für das Etatsjahr 1881/82. (Schluß.)

Die Leseabende des Voiksbildungsvereins wurden im Winter 1881/82 an 35 Wochentagen von 8 bis 10 Uhr durchschnittlich von 55 Knaben besucht. Auch die für häusliche Lecture bestimmte Bibliothek des Voiksbildungsvereins wurde fleißig benutzt. Zu erwähnen ist ferner der hauptsächlich von Herrn Pfarrer Dr. Naumann ins Leden gerufene im März 1881 eröffneteFeierabend", in welchem in den Winter- monaten October bis Apr.l an Sonntag Nachmittagen und Abenden Lehrlinge u. s. w. ihre Unterhaltung in Spiel, Gesang, Lesen, Schreiben u s. w. finden.

Dl Zahl der in die Kleinkinder schule aufgenommenen Kinder im Alter von2*/r bis 6 Jahren betrug im Sommer 1881 150, im Winter 1881/82 162 Kinder.

Der Besuch der Industrieschule für erwachsene 'Frauenzimmer und der Hand- werkerschule war auch im Jahre 1881/82 ein recht erfreulicher.

Für die Armenpflege wurden tm Jahre 1881 und im 1. Quartal 1882, auf welches das Rechnungsjahr 1881 ausgedehnt wurde, aufgewendet:

1 von der Armenkasse 22 422,32 X, 2 von der Plockischen Stiftung 3682,70 X, in welcher Summe jedoch ein Zuschuß zur Armenkasse mit 2700 X enthalten ist, 3. Zuschuß aus der Stadtkasse 13 925 X, sodaß der Gesammtaufwand für die öffent­liche Armenpflege 43 330,02 X beträgt.

Die Gesammtzahl der Familien und einzelstehenden Personen, welche ständige Unterstützung erhielten, betrug 280. Hierunter befinden sich 146, welche auf Grund deS Gesetzes vom 6. Juni 1870 ihren Unterstützungs-Wohnsitz dahier erworben haben. Ebenso erheblich ist die Zahl der vorübergehend mit Geld, Kleidern, Brennmaterial, Lebensrnitteln u. s. w, unterstützten dahier wohnenden Familien und einzelstehenden Personen resp. Derjenigen, welche auf Grund des von der Armm-Deputation mit der Landes-Universität abgeschlossenen Vertrags unentgeltliche Aufnahme in dem akademischen Hospital fanden und solcher, welchen das Schulgeld erlassen wurde beziehungsweise deren Kindern die erforderlichen Schulbücher auf Kosten der Armenkasse angeschafft wurden. Außerdem wurden 16 Kinder auf Konen der Armenkasse in Prioatpflege gegeben, darunter 8, deren Eltern, resp. Mütter dahier nich: heimathberechtlgt waren. Im Bürger-Hospital befanben sich 15 Personen 8 Männer und 7 Frauen von welchen eine Frau verstarb und ein Mann wegen Unbotmäßigkeit ausgewiesen wurde. Außerdem erhalten die von dem Frauen-Vereln für Armen- und Krankenpflege ange­nommenen Diaconlssinnen im Jahre 1881 waren es 2 tm Bürger-Hospitale Wohnung und Mittagkost.

Für 4 in das Landeshospilal Hofhetm und für 2 in die Landes-Irrenanstalt Heypenheim aufgenommene Personen hatte die Armenkasse das Pfleggeld zu entrichten. Von diesen Pfleglingen hatten 2 auf Grund des vorhin etttiten Gesetzes ihren Unters stützungswohnsik dahier erworben. Auch für 2 in der Rettungsanstalt Arnsburg unter­gebrachte Kinder hatte die Armenkasse das Pfleggeld zu bezahlen. In Gemäßheit des S 28 des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz mußten 218 männliche und 23 weibliche ortsfremde Personen bie ersteren zum weitaus größten Theil Handwerks­burschen tm Laufe des Jahre« 1881 wegen Erkrankung in das akademische Hospital ausgenommen weiden und weitere 88 dergleichen Personen wurden mit Kleidungsstücken und in sonstiger Weise unterstützt.

Das Vermögen der Armenkasse hat sich im Etatsjahr 1881/82 aus 350102,51 JL, dasjenige der Plockischen Stiftung auf 100 076 61 JL erhöht.

D'e mit der Firma Aird und Marc in Berlin (der jetzige Alleininhaber der Firma ist Alexander Aird in Berlin) wegen Leitung der in dem Stadtwald erschlossenen Wasser nach her Stadt angeknüpften Verhandlungen, welche eine Zett lang wegen einer in dem Braunsteinbergwerk von E. W. Fernie zu Tage getretenen mächtigen Quelle sistirt worden waren, sind nunmehr ihrem Abschlüsse nahe

Die außerordentlichen Aufwendungen, welche in den nächsten Jahren insbesondere für Straßenbauten, bie Erbauung eines neuen Mädchenschulhauses u. s. w. an bie Stabt herantreten, machten die Aufnahme eint« neuen Anlehns von 400 000 JL nötbiß, mit welcher bie Converfrung bes Anlehns vom Jahre 1876 in ber Höhe von 600 000 a 4 Va PGt. in ein Anlehen von 4 pCt. üerbunben wurde. Das Geschäft wurde mit ber Mittelbeutschen Crebitbank, Filiale Frankfurt a. M unb bem Bankhause Aron Hei chelheim dahier zum (Surfe von 98Vu pCt. am 30. März 1881 abgeschlossen, von welchem Tage die neuen Schuldoerschretbungen datlren Durch Stadtverordneten- Beschluß oom 2. Juli 1881 wurde der Zinsfuß für die bei ber Stabikasse angelegten kündbaren Capitalicn auf SVzPßt. herabgesetzt

Vom 1. April 1881 an ist die hiesige Garnison des Großherzoglichen Infanterie- Regiments Nr. 116 um em weiteres da« Füsilter-Bataillon vermehrt worden, sodaß das Regiment nunmehr wie die übrigen deutschen Infanterie Regimenter aus drei Bataillonen besteht. Der Zuschuß der Stadt zu den Kosten der ständigen Ein­quartierung betrug vom 1. April 1881 bis dahin 1882 8542,25 JL Es hat sich also die Belastung der Stabikasse gegen bas vorhergehende Jahr trotz der vermehrten ständigen Einquartierung und zwar in Folge neuer mit den Quartterträgern abgeschlossenen Verträge nur um eine ganz geringe Summe erhöht. Die Vermehrung des Garnison bedingte auch eine Erweiterung der Exercier- und Schießplätze, demzufolge die Stadt ein Areal von 34 Hectar und 16 Ar Wald abtreiben ließ und dem Reichs-Militär- Fiscus laut Vertrag vom 14. März 1881 vom 1 April 1881 an auf 50 Jahre um den Preis von 20 JL jährlich pro Hectar verpachtet hat.

Die Viehmärkte 31 hatten sich im Jahre 1881 nicht ganz ber früheren Frequenz zu erfreuen. Es wurden aufgetrieben:

1. 24111 Stück Rindvieh gegen 26057 Stück im Jahre 1880,

2. 11362 Schweine 11432

3. 9 Pferde unb 1 Fohlen 39

Geschlachtet wurden im Jahre 1881 1312 Stück Ochsen, 140 Fasselochsen und Kühe, 1287 Rinder und Stiere, 6435 Kälber, Hämrnel und Schafe, 5620 Schweine, 25 Spanferkel.

Gegen das Jahr 1880 sind mehr geschlachtet worden: 370 Ochsen, 40 Fassel­ochsen und Kühe, 292 Rinder und Stiere, 240 Kälber, Hämrnel und Schafe.

Dagegen weniger: 323 Schweine und 3 Spanferkel.

Als Wieger für die Wochenmärkte wurde der frühere Schutzmann Theodor Stoff er an Stelle des verstorbenen Wtegers Heinrich Kloos angestellt.

Im Jahre 1881 wurden 36 Gewerbeslrettigkeiten anhängig gemacht. Hiervon wurden 15 durch förmliches Urthe l unb 12 durch Vergleich erledigt, während die übrigen 9 von den Parteien nicht weiter verfolgt wurden.

In Gemäßheit des $ 420 ber Strafproceßorbnung wurden in 92 Beleidigungs- sichen Termine zum Sühneversuch anberaumt. Nur In 19 Fällen gelang, die Parteien zu vereinigen, in allen übrigen Fällen kam ein Vergleich nickt zu Stande.

Die ordentlichen Einnahmen tm Etatsjahre 1881/82 betragen 362199,44 JL

die außerordentlichen Einnahmen ...... 1 335 392,88

Umlagen........... 236 853,79

die Hauptsumme aller Einnahmen demnach 1 934 446,11 JL

Die ordentlichen Ausgaben betragen. . 556 931,06 JL

die außerordentlichen Ausgaben . 1 275 987,05)

die Hauptsumme aller Ausgaben demnach 1 832 918,11 X