Ausgabe 
6.2.1883
 
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Nr. 30.

W

Dienstag den 6. Februar 1883.

ießener Anzeiger

Amts- und Anzcigeblatt für dm Kreis Gießen.

---------- ---------------' Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. >rdt Bringerlohn. .

g^tircixu: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher H h e i l.

Betreffend: Das Ersatzgeschäst für 1883. Gießen, am 1. Februar 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir fordern Sie aus, nunmehr mit der Ausstellung der Stammrollen sofort zu beginnen nnd dieselben mit denjenigen sür 1881^'und 1882 u«gesäumt-einMendem die dem Fornmlar vorgedruckte Anmerkung genau zu beachten, insbesondere alle Bestrafungen re. unter Rubrik

Dw Reclamationen sind möglichst bald einzureichen, bezw. die aus früheren Jahren zu erneuern.

Dr. Boekmann. __________

Bekanntmach u n g.

Krnübemoalicbes Ministeriun, des Innern und der Justiz hat dem Vorstand der Freimaurerloge zu Offenbach, welcher bereUs die Erlaubniß erhalten, eine Verloosung von Gebrauchs- und Luxusgegenständen zu Gunsten der Wafferbeschadigten des Großherzogthums mrttelst loOOO -oosen a 5u ver­anstalten, gestattet, weitere 15000 Loose ä 50 auszugeben und in dem Großherzogthum abzusetzcn.

Gießen, den 3. Februar 1883. Großherzogliches Krersamt Greßen.

M Pr. Boekmann. _____ ______ ___

-------- * Gießen, am 2. Februar 1883.

Betreffend: Darstellung über den Zustand der Volksschule, hier Berechnung der Schulversäunmisse in Procenten.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir sehen der Einsendung der Berichte in rubr. Betreff im Laufe des Monats entgegen Es sind darin für !jede Schulklasse besonder» die Versäumnisse in Procenten und zwar in möglichst kleinen gemeinen, nicht Decimal-Bruchen, anzugeben a. unerlaubte Versäummste = %,

b. erlaubte/°<

Der Berechnung sind die sich aus den Versäumnissen der"dre? Jahre vorn 1. Januar 1880 bis letzten December 1882 ergebenden Durchschnittszahlen ;u Grunde^Uglegemad) ]Ucld)Cr bic Berechnung in Procenten ö°rmnehmen ist finden Sie in unserem Amtsblatt Nr. 2 vom 7. Mai 1879.

Sie wollen dasselbe, insoweit dies nicht bereits geschehen, den Lehrern zur Abschnftnahme imb 'Rachackünng zngehen lafftn.

Dr. Bookmann.

Aeutschland.

Berlin, 3. Februar, lieber die anläßlich der Silberhochzeit des Kron- prinzenpaares Hierselbst veranstaltete Ausstellung alter Gemälde und Kunstwerke fällt der Berliner Correspondent des LondonerGlobe" ein Urtheil, dahm gehend, daß der Berliner Privatbesitz an werthvollen Bildern und sonstigen Kunstgegenständen sich mit jenem anderer europäischer Hauptstädte nidjt messen könnte.1 Wenn man die in Rede stehende Ausstellung mit der in London und Paris arrangirten vergleicht, fühle man sich enttäuscht, wenn man gewahr werde, wie untergeordnet der Bestand an Kunstsammlungen am hiesigen Orte sei. Ab­gesehen von den Meisterwerken, welche Eigenthum Sr. Maj. des Kaisers und etwa iger andere^ hochgestellter Persönlichkeiten seien, wäre nichts vorhanden, was der Kenntnißnahme empfohlen werden könnte. Den Kunstkritikern der hiesigen Zeitungen wird der Vorwurf gemacht, daß sie diemehr als mittel» mäßige Ausstellung" in den Hinunel erhoben. Wir glauben nun, daß aus den abfälligen Bemerkungen des englischen Kritikers mindestens ebenso viel Mißgunst als Voreingenommenheit spricht. An Kunstschätzen mag unsere Stadt gegen Rom und Paris zurückstehen an Kunstsinn braucht Berlin aber den Vergleich mit keiner Stadt der Welt zu scheuen!

Die verschiedenen Bedenken und Ausstellungen, welche in letzter Zeit theils in der Presse, theils im Reichstage gegen mancherlei Herkommen bei den Truppentheilen bezüglich der Einjährig-Freiwilligen laut geworden find, haben in militärischen Kreisen lebhafte Beachtung gesunden. Wir erfahren, daß die entscheidende Stelle schon in nächster Zeit mit dem Erlaß von Allordnungen vor­zugehen beabsichtigt, welche die strengste Rachachtung der bereits bestehenden gesetzlichen Bestimmungen bezwecken und die Abstellung vorhandener Mißbräuche zur Folge haben würden.

Die Krankheit, an welcher der Reichskanzler leidet, ist wiederum eine Entzündung der Venen am Bein; dieselbe ist nicht gefährlich, aber höchst schmerz- hast und zwingt den Patienten, möglichst vollständige Ruhe zu beobachten.

Der Reichstag überwies das Schreiben des Reichskanzlers, betr. die Zustimmung zur gerichtlichen Versolgung der Abgg. Frohme unb Geyser wegen der bekannten Eisenbahnsahrkarten-Angelegenheit, an die Geschästsordnungs- Commission. Das Haus setzte sodann die Berathung des Postetats fort. Aba. Möller besürwortet seine auf Herstellmlg weniger luxuriöser Postbauten gerich­tete Resolution. Die Abstimmung über die Resolution bleibt der dritten Lesung Vorbehalten. Das Haus erledigte sodann das Extraordinariulil des Poftetats bis aus die beiden letzten Titel. Die Forderungen für Postbautell wurden durchgehends nach den Kostenanträgen erledigt. Fortsetzuilg Montag.

- Seitdem der Zufluß der Einwanderer in bcn Vereinigten Staaten von Nordamerika mi Intensität etwas nachzulafseu begonnen hat, verschärft sich der zwlschen den transatlantischen Passagier-Dampfer-Gesellschaften geführte Eou-

currenzkanlpf, welcher die Anlockung von Passagieren durch niedrige Ueberfahrts- preise bezweckt. Rach den neuesten Ermittelungen der New-Yorker Einwan­derungs-Behörden stellen sich die Uebersahrtüpreije (für Beförderung von Auswanderern im Zwischendeck) bei den ineift benutzten Linien wie folgt: Von Liverpool, Queenstown, Londonderry, Glasgow 21 resp. 20 Dollars; Dublin 22 refp. 21 Dollars; London, Bristol und Eardisf 24 bis 20 Dollars; Ham­burg , Havre, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam, Bremen, Stettin 27 resp. 25 Dollars. Mit Rücksicht auf die größeren Entfernungen stellen lech darnach die Preise der deutschen Dampferlinien immer noch am niedrigsten.

Berlin, 4 Februar. Im Foyer des Reickstags wmde heute das vom Profeffor Mftna anaefcrtiate <St)p3mob<U M 2BaUotWn Entwurs-s des Reichstagsbauscs aur= gefiel!!. Das Modell -rrtflte allgemeine Bewunderung; es stellt den Wallot schen En.­wurf in ferner ganzen architektonischen Schönheit dar.

Der Kaiser machte beute wieder eine Ausfahrt.

Nach derNat.-Ztg." ist im Befinden des Reichskanzlers eine leichte Lester- ung konstatiri worden, indessen ist derselbe sortwährend genöihigt, sich liegend zu ver­halten und die Dauer der Indisposition ist noch nicht zu übersehen.

Der Fürfidischos oon Breslau hatte im Rainen des Episkopats an dos kronpiinzliche Paar bei der silbernen Hochzeit eine Glückwunsch-Adresse! und bet dem Ableben des Prinzen Karl an den Kaiser eine Condolenz-Adresie gerichtet. Als Ant­wort hieraus ist ihm em königl. Dankschreiben^ugegangen.

Siaatsminister Delbrück tst nicht unbedenklich erkrankt. (ck-

Kcsterrcich.

Wien. 3. Februar. Die heute im Abgeordnetenhaus- eingeb rächte Land­wehrvorlage bestimmt die Stärke der Landwehr im Falle einer allgemeinen Mobilisirung aus 138,000 Mann, ausschließlich Tprols , und Vorarwergv, ferner, daß im Kriegsfälle die Mauuschasteu der Specialwaffen, welche aus dem Heere in die Landwehr übergetreten sind, nach Bedarf zur Verl arkung bu entsprechenden Truppen des Heeres verwendet werden können. Die Ausb>si ungs- zeit der Laudwehr-Fußtruppeu wird aus 8 Wochen, die der Landwehr-Kavallensten auf 3 gr Pr." meldet, wäre zwischen Alontenegro und der

Türkei eine Convention bezüglich des streitigen Territoriums von Kolaschm abgejck-loffeu.^ Uniuerj-.tftt6,iprofc^v Hofrath Sigmund ist tu Padua gestorben.

3 Febr Der Cardinal-Erzbischof Haynald erliefe einen Hirten- Brief an den Klerus der Diöcese Kalocsa tu welcher er ^wiffe^BchrebunM eine« Theiles des niederen Klerus entschieden mißbllllgt. Oer Cardinal sr richt die Hofsuuug au«, das, die Geistlichkeit sich durch unbedachtsame und mäße KundgArunge,, Einzelner nicht werde beirrenlaffe.i, rn AuSubriug ihres Berufes in friedlicheni Geiste fortzufahren; er dankt Gott, daß die Kundgebun- gen einzelner unwürdiger Priester entschieden zurückgewiescn wurden und erachtet für unnöthig, gegen deren Kundgebungen einzuschreitcn, da er dem guten Geiste seiner Diöcesane» vertraut, er kann aber nicht verschweigen, daß außer-