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Hohe erste Kammer richtet an Großh. Regierung das Ersuchen um Vorlage etaeS Gesetzentwurfs, durch welchen die Bestimmungen der Art. 16,17 und 23 des sog. Schulgesetzes dahta abgeändert werden, daß in Zukunft die Errichtung, bezw. der Fortbestand einer Fortbildungsschule nur von denjenigen Gemeinden verlangt wird, deren Gemeinde- und Schulvorstände in ihrer Mehrheit sich für eine solche mrssprechen; und durch welchen ferner der betr. Schulvorstand das Recht erhält, solche Schüler von chem Besuch der Fortbildungsschule -u entbinden, deren Berufsthätlgkeit eine derartige ist, daß fie ihm den Besuch der Schule in hohem Grade erschwert oder zu einem nutzlosen macht."

Die Eingaben rc. in obigem Betreff werden am Schluffe des Berichts für er­ledigt erklärt.

Aegypten.

Kairo, 2. December. Eine dem Khedive zugegangene Depesche meldet, in Khartum seien zwei Personen eingetroffen, welche die Nachricht von der Niederlage Hicks Paschas bestätigten. Derfalsche Prophet" sei mit Kanonen, Gewehren, großen Munitions-Vorräthen und Kameelen, welche er von den Egyptern erobert hatte, nach Obeid zurückgekehrt. Die egyptischen Truppen feien nach den zweitägigen harten Kämpfen vollständig vernichtet worden. Der falsche Prophet" habe keine Gefangenen mit sich sortgeführt.

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Telegraphische Depeschen.

WoLff'S telegr. Eorresporrdenz-Brrrearr.

Berlin, 3. December. Der Botschafter v. Schweinitz ist Abends von Friedrichsruhe zurückgekehrt.

Frankfurt, 3. December. Die in der BerlinerGesellschaft für Erd­kunde" gemachte Mittheilung vom Tode des Nordpol-Fahrers Payer bestätigt sich nicht, derselbe befindet sich vielmehr hier im besten Wohlsein.

Paris, 3. December. DerTelegraphe" theilt mit, daß heute von Nizza zwei Schachteln ankamen, wovon eine an Leffeps, die andere an Couvreux, den Unternehmer der Panamakanal-Arbeiten, adressirt waren. Als Couvreux die Schachtel öffnete, explodirte eine auf dem Boden derselben befindliche Patrone ohne Jemanden zu verletzen. Die an Leffeps adressirte Schachtel ist noch nicht geöffnet.France" undNational" glauben, daß Tseng die Antwort Chinas auf Ferry's letzte Note erhalten habe, doch scheine von einem Ultimatum Chinas keine Rede zu sein.

Portsmouth, 3. December. Zur Verstärkung der britischen Statio­nen in China wird der TransportdampferHankow" mit 900 Mann Infan­terie, Geschützen und anderem Kriegsmaterial demnächst von" hier abgehen.

Madrid, 3. December. Das von der Municipalität im Stadthause veranstaltete Fest verlief äußerst 'glänzend. Das Stadthaus war von Außen lageshell erleuchtet, im Innern strahlte elektrisches Licht, alle Räume waren überfüllt; der König, die Mitglieder der königlichen Familie, die Minister, die Mitglieder des diplomatischen Corps und die erlesenste Gesellschaft von Madrid nahmen an der Festlichkeit Theil. Der König trug die Generalkapitäns-Uniform mit dem großen Banv des Schwarzen Adlerordens, der deutsche Kronprinz erschien in der Uniform seines schlesischen Dragoner-Regiments mit dem großen Bande des St. Fernando-Ordens. Der Kronprinz wurde von dem Altälden feierlich empfangen und verweilte mit der königlichen Familie bis nach Dritter- nacht; mehreren Personen gegenüber sprach der Kronprinz seine hohe Befriedi­gung aus über die ihm in Madrid gewordene Aufnahme. r'

Gestern Nachmittag hatte der Kronprinz den Präfidenten der Rechts- Akademie, Romero de Robledo, empfangen, welcher ihm das Diplom als Ehrenmitglied der Rechts-Akademie überreichte.

Barcelona, 3. December. Der hiesigeDiario" meldet, daß nach eingegangenen officiellen Depeschen der deutsche Kronprinz nicht vor dem 14. ober 15. December hier eintrifft, da er zuvor noch einige Städte Andalusiens besuchen wird.

Petersburg, 3. December. Der bezüglichen Londoner Meldung des Temps" gegenüber erklärt dasJournal de St. -Pckersbourg", die russische Regierung habe keinerlei Telegramm aus Hongkong über eine angebliche Schlacht bei Haiphong erhalten. Auch die Nachricht, daß wegen der Gefahr eines fran­zösisch-chinesischen Krieges in hiesigen Kreisen große Aufregung herrsche, sei ein absolutes Phantasiegebilde.

Hier sind 4 Grad Kälte eingetreten, aus Schlüffelburg wird gemeldet, daß das Eis in großen Massen aus dem Ladoga-See in die Newa trete.

Kairo, 3. December. (Telegramm desReuter'schen Bureaus.") Die egyptische Regierung hat die Mitwirkung des englischen Cabinets nachgesucht, um von der Pforte die Erlaubniß zu erhalten, türkische Rekruten nach dem Sudan einstellen zu dürfen. England hat noch nicht geantwortet, sondern einst- niellen nur Auskunft verlangt, ob die Rekruten von europäischen Officieren be­fehligt werden sollen.

Lokale-.

Gießen, 4. December. Se. König!. Hoheit der Großherzog passirte gestern Mittag mtttelft Extrazugs die hiesige Station.

Ihre K. K. Hoheit die Kronprinzessin des Deutschen Reiches und von Preußen passirte heute Nacht die Station Gießen.

Gießen, 4. December. Aus zuverlässiger Quelle erfahren wir, daß neuerdings in Rotterdam, im Haag und anderen holländischen Orten eine Anzahl Schwindelfirmen entstanden find, welche sich besonders in deutschen Handelskreisen.rhre Opfer suchen. Diese Firmen wechseln sehr häufig thrDomicil, so daß doppelte Vorsicht geboten ist. Deutsche Geschäftshäuser werden gut thun, sich vor der Anknüpfung von Geschäftsverbindungen mit unbekannten Firmen in Holland an zuständiger Stelle über letztere zu informiren.

Allgemeine

Gießen, 4. December. Wir erhielten nachstehende Zuschrift zur Beröffcut- lichung:

Gestern Mittag requirirten Einwohner des Neuenwegs auf der Polizeiwache deshalb einen Schutzmann, weil sich in genannter Straße zwei freche Fechtbrüder Herumtrieben, HauS für HauS biS unters Dach abklopsten, dabei in jede offene Stube eindrangen und sich in höchst frecher Weste benahmen. Dem sofort hinzueilenden Schutzmanne -ing der eine Stromer am Neuenweg durch, während der andere sich entschieden weigerte, mitzugeben und sich hartnäckig widersetzte. Einem zweiten hinzu­kommenden Schutzmann griff der Arrestat sofort mehrmals ins Gesicht, schlug und trat nach den beiden Schutzleuten, welche ihn mehrmals aufforderten, gutwillig mttzugehen. Am Kreuzplatz angekommen, widersetzte er sich wiederholt derart, daß einige Civilisiea bin Schntzlenten zu Hilfe fernen, und namentlich ein Bürger auf dem Kreuzplatz brachte, um den Unbändigen unschädlich zu macken, den Schutzleuten ein Stück Kordel, halff ihn, da er immer noch nach denselben schlug und trat, an den Händen binden, worauf ihn die Schutzleute endlich abführen konnten. Der Bürger wurde nun wegen seine« Pflichtgefühls von mehreren Andern Überfällen und zur Rede gestellt, namentlich aber von einem hiesigen BÜrgersobne mit dem TitelPavian rc." tnfnltfrt und ihm als Lohn für seine Ordnungsliebe Ohrfeigen angeboten. Wir fragen hier einfach, ist em solches Benehmen zu qualifictren? Muß das Publikum nicht froh fein, wenn die Stadt von lästigen Fechtbrüdern gesäubert und dadurch die öffentliche Sicherheit gefördert wird.

Wir macken die Leser auf die im amtlichen Theile des heutigen Blattes ent» baltene Bekanntmachung des hiesigen Polizeiamts speciell aufmerksam.

Gerwisch t«K.

Im Hinblick auf die gewissenlosen Ausbeutungen, welchen eine große Zahl epileptischer Kranken durch den Geheimmittelschwindel ausgesetzt ist und in der Absicht» dieselben nicht nur vor materiellem Schaden, sondern vor ollem vor Verschlimmerung ihres Leidens zu behüten und ihnen rechtzeitig die richtige Hülfe zu verschaffen, ehe sie in Folge der Anfälle ihre Geisteskraft einbüßen, erklärt sich derVorstand der Anstalt Bethel bei Bielefeld in Westfalen", in welcher Anstalt feit ca. 16 Jahren mehr als 1400 epileptische Kranke durch erfahrene Aerzte behandelt wurden, bereit, allen, die sich an ihn wenden, kostenlos dasjenige Heilverfahren mit- zutheilen, welches sich daselbst als das sicherste bewährt hat und denselben auch in den einzelnen Fällen und im Verlauf der Krankheit mit Rath be'zustehcn. Der Vorstand bittet olle, die von diesem Anerbieten Gebrauch macken wollen, dem Gesuch eine ganz kurze Beschreibung des Leidens beizufügen, namentlich wie lange dasselbe bereits besieh!: und zu adrsssiren: Anstalt Bethel bei Bielefeld, mit dem Buchstaben.^, damit das Gesuch gleich in die richtige Hand kommt.

Die rätselhafte Röthung des Himmels, die hier wie anderwärts vor mehreren Tagen bemerkt wurde und sich an verschiedenen Abenden wiederholt bat, tft der Gegenstand mehrfacher Anfragen und Erörterungen geworden. Von der Wetter­warte derKöln-Ztg." ist die Erscheinung für ein Nordlicht erklärt worden Dagegen spricht allerdings, ganz davon abgesehen, daß der Mittelpunkt des Phänomens auffällig weit nach Westen gelegen, zweierlei: 1) daß sich die beobachtete Erscheinung nicht nur zu nahezu derselben Stunde wiederholte, sondern daß sie auch vor Sonnenuntergang stattgefunden hat. AuS London wird nämlich gemrldtt, daß sich seit mehreren Tag»rr bei Anbruch der Nacht und in den frühen Morgenstunden Theile des Firmaments in­tensiv blutig rotb färben und so einige Stunden lang verharren. Besonders stark war diese Röthe am Donnerstag von 5 Uhr Morgens an b-s nach Sonnenaufgang bemerk- bar. Der ganze östlicke Himmel schien von einer furchtbaren Feuersbrunst geröthet zu sein; 2) sind keine Störungen der Telegraphen! ituvgen festgestellt worden; 3) fehlten bisher alle Nachrichten über Nordl'chterschetnungen aus hohen Breiten, namentlich au8 Skandinavien. Man behauptet daher auf sachverständiger Seite, wie z. B. eine Stimme in derElb. Ztg.^, daß es sich lediglich um eine intensive Abend- und Morgemöthe gehandelt. Die Stärke der roihen Färbung bei der Abendröthe beruht nach ben Unter- suchungcn von Fordes und Sorby auf dem größeren oder geringeren G halt von Wasserdampf in der Luft. Danack müßte also im vorliegenden Falle die Atmosphäre in hohem Grade wasserdampfhaltig gewesen sein und allerdings erhellt dies aus meteorologischen Beobachtungen. Dem »Wests. Merk" schreibt man dagegen, daß das fragliche Objekt wahrscheinlich nicht irdischer, sondern kosmischer Natur gewesen iftT Es wird nämlich an ben prachtvollen Sternschnuppenschworm erinnert, der fick im Jahre 1872 um dieselbe Zeit (27. November) gezeigt und der von dem in der Auf­lösung begriffenen Bielastchen Kometen herrührt. Die Erde naht alljährlich um düse Zeit der Bahn dieses Kometen. DaS eigenthümlicheNordlicht- könnte also vielleicht leuchtende Kometenmasse gewesen sein. Daß dieselbe an verschiedenen Tagen sichtbar war, kann bei bet weiten Vertheilung des dünnen Stoffes nicht auffallen. Natürlich ist eS nicht auSaeblieben, daß an vielen Orten und nicht blos auf dem Lande, daS Volk in der Röthung des Himmels das Vorzeichen seines großen Krieges sieht, em deutlicher B-weis für die Zähigkeit des Aberglaubens.

Gießen, ben 4. Deebr. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 1.151.20, Hühnereier per Stück 78 Käse Stück 48 $, Käsematte 3 Erbsen per Liter 20 Linsen 28 H, Tauben per Paar 6000 H, Hühner per Stück «X 0.900.00, Hahnen per Stück 0.700.00, Enten pr. St. X 1.501.80,

Ochsenfleisch per Pfund 7072 Kuh- und Rindfleisch 5660 Kalbfleisch 50 bis 54 4, Schweinefleisch 6264 H, Hammelfleisch 6070 Kartoffeln per 100 Kilo X 3.003.50, Milch pr. Ltr. 1318 H. Gänse pr. Pfd. <9i 4554. Zwiebeln per Ctr» X 7. Weißkraut per Hundert X 47.

Herborn (an der Köln Gießener Eisenbahn), 3 Dcc'mber. Auf den heutigem hiesigen Markt wurden gebracht: 516 Stück Rindvieh und 661 Schweine. Der dies­jährige Weihnachtsmarkt wird am Fre tag den 21. December und der Neujahrsmarkt^ am Freitag den 28. December I. I. dahier abgchalten.

H. K. Die Ladefristen. Bekanntlich ist in den letzten Jabren in Folge des gesteigerten Verkehrs vor Eintritt des Winters öfter von ben Effmbahnverwaltungen eine Beschränkung ber Ver- und Entladestiften für Wagcnladungsgüter ongemdmt worden. Die lebhaften Klagen über diese Belästigungen haben die Eisenbahnverwal» tungen bestimmt, zu einer Herabminderung der Ladefristen künftig nur für ben Fall, des äußersten uib dringendsten Bedürfn'sseS zu schreiten, daß sie aber dazu die Mit­wirkung der betheiligttn Kreise in dem Sinne bedürfen, daß Versender und Empfänger von Wagenladungsgütern sich ihrerseits bemühen, die Beladung und Entladung von Eisenbahnwagen so schnell als möglich zu bewerkstelligen.!

Die Handelskammern sind besonders ersucht worden, die Interessentenkreise auf diese Sachlage aufmerksam zu machen.

Zur geil. Beachtung.

Schrifiliche Anfragen wegen Auskunstsertheilung über J?lserate rc. können wir nur dann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort beigelegt (ft. lieber Inserate bezüglich deren Offerten einzureicken sind, ist die Exp diiion zu keinerlei Auskunstsertheilungen befugt. Offertenbriefe sind soweit keine bestimmten gegentbeiligen Abmachungen getroffen wurden in der Expedition abzuboken.

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