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Politische UeberfkchL.

Gießen, 4. October.

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Der frühere Vertreter Bayerns am Petersburger Hofe. v. Rud- ! Hardt. ist zuin bayerischen Gesandten in Dresden ernannt worden.

Der Conslict zwischen Ungarn und Kroatien hat jetzt in der Person des Ministers für Kroatien und Siavonien, Bedekowitsch. ein weiteres Opfer gefordert. Bedekowitsch fühlte sich den Verhältnissen nicht mehr gemachten md gab daher seine Demission; als seinen Nachfolger bezeichnet man den kroa­tischen Reichstags-Abgeordneten Josepovich. Die Schwierigkeiten m der kroati- schm Frage sind eben noch lange nicht behoben, ja, sie werden sah noch ver- irehrt durch die Präcisirung der Forderungen der Kroaten, wie sie gegenwärtig von Seiten der kroatischen Abgeordneten erfolgt ist. Diese Forderungen be- ftchen der Hauptsache nach in Folgendem: Wiederherstellung der Wappenschilder mit der alleinigen kroatischen Umschrift, baldige Wiederherstellung der verfassungs- mäßigen Negierung in Agram, Einberufung des kroatischen Landtages und Ad- stellung der Mißbräuche und Beschwerde:! durch eine Regnicolar-Depulation; außerdem erklären die kroatischen Abgeordneten, an den Verhandlungen des Reichstages über die Wappensrage nicht theilnehmen zu wollen. Am Montag eonstituirte sich das ungarische Abgeordnetenhaus für die letzte Session und wählte Baron Johann Kemeny und Paul Szontagh (Sonntag) : zu Vrce-

Nation in der Perlon ihres Herrschers ^gefügten Schimpf im Tone der höch­sten Erregung und es ist sogar von einer nach Paris zu richtenden Protestnote die Rede. Die ganze Angelegenheit i|t jedenfalls nur dazu angethan, die Be­ziehungen zwischen Frankreich und Spanien wesentlich zu verschärfen und me erregten nationalen Leidenschaften machen sich bereits in verschiedenen Vorgängen Luft. So wurden in Paris mehrere spanische Officiere in Uniform von Pöbel- Haufen insultirt, während andererseits in Madrid vor dem französischen Gesandt­schafts-Palais feindliche Demonstrationen stattfanden, so daß dasselbe jetzt von Gensd'armen bewacht wird.

Der dänische Reichstag ist am Montag eröffnet worden. Das Folkething (Abgeordnetenkammer) wählte den Führer der Linken, Berg, zum Präsidenten; int Landsthing (Herrenhaus) wurde der bisherige Präsident Siebe

Die^Demission des serbischen Cabinets ist nun doch erfolgt, obwohl eine Verständigung desselben mit der radikalen Mehrheit der Skuifchtina nicht aussichtslos erschien. Sofort nach der Ankunft König Milan s m Belgrao welche am Montag Nachmittag 3 Uhr erfolgte, begab sich der Mmchterprasident Pirotfchanatz zum König und überreichte ihm die Demission des Mmisteiiums. Darüber, wer die Bildung des neuen Ministeriums übernehmen wird ist noch nichts Positives bekannt; es wird aber versichert, daß durch den Cablnets- wechsel die freundschaftliche Haltung Serbiens gegen Oesterreich m keiner Welse Einbuße erleiden werde. , , , , m ......

In dem neuen bulgarischen Cabrnet unter dem Präsidium Dankows irt die Stelle des Kriegsministers noch immer unbesetzt. Fürst Alexander soll zwar 'beabsichtigen, das Portefeuille des Krieges dem russischen General Lessovoy zu übertragen, Dagegen hat aber der russische Agent Ionin in Sofia selbst protestirt und erklärt, daß ihm Lessovoy nicht genügend bekannt sei. ^ursi Alexander ist nun aber entschlossen, an Lessovoy festzuhalten und so hat sich denn Ionin nach Petersburg gewendet, um die Entscheidung in dieser Angele­genheit herbeizusühren. Man sieht derselben nut großer Spannmlg entgegen, da sie einen positiven Anhaltspunkt dafür geben wird, wie man sich in Peters- burg zu dem neuen bulgarifchen Cabinet zu stellen gedenkt.

Darmstadt. 3. October. Se. Kömgl. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom heutigen Tage geruht:

den Präsidenten des Oberlandesgerichts, Wirkl. Geh. Rath Dr Geoig Kempff, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung.femer auch m dieser Stellung geleisteten treuen und ausgezeichneten Dienste in den Ruhestand zu ersetzen,

den Senatspräsidenten bei dem OberlandeSgenchte Joseph Gorz zum ^^^^den^Olwrland^gerühtsrath bei dem Oberlandesgerichte Dr. Herni. Müller zum Senatspräsidenten bei diesem Gerichte, onis,

den Landgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Oberhessent 2Bil- helin Pfannmüller zum Oberlandesgerichtsrath bei dem Oberlandesgerichte, " ^Femer^haben Se. König!. Hoheit der Großherzog unterm heutigen Tage dem Vorsitzenden des Vorstandes der Anwaltskammer, Rechtsanwalt Adolph Buchner, den Charakter alsGeheimer Justizrath..ö« verleihen geruhü

Berlin 2 October. Die Festigung des sittlichen Gefüges unserer gesellschaftlichen ^Ordnung hat in den letzten Jahren zwar Fortschritte gemacht, aber doch nicht in dem Maße, um den Vaterlandsfreund befriedigen zu können. Namentlich erscheint der Procentsatz der jugendlichen Verbrechernoch mime, un­erwünscht hoch. Die für das Jahr 1882 oeroffently$te ® tatifWb« Jertri5<$en und Vergehen qiebt die Zahl aller Verurtheilten über Haupt auf 329,968, die Ser(unter 18 Sauren) auf 30,790 an, es kommen 9,3 ,ugend- l'che auf 100 verurtheilte Wnem ltmig ber ¥#rifet- «ährend der An-

,11 Lobt für fete Republik eine Quelle schlimmer Ver-

wesenhett des Königs von Sp kläglich genug, daß Frankreich

legenheiten zu werden- Ist es a> das Gebot des einfachsten inter-

sich mit geradezu herausfordernder Nonchai . r. verlek nde Dotnte

nationalen Anstandes HUrwegsktzen zu können 6lai , f dünste de vtz werden eines solchen Gebahrcnsnoch^^^bhaft^^on^tE

feeren stolzes Selbstgefühl Z? . o-ufce lebt und sich nun in der Person ihres durchaus ^l-rekttm, freund ch ^.ch'impft sehen muß Daß die dem König Alphons ,Souveräns aus die roheste zb 1 otnafTufe 3^entfdienb6ffe§ der

zug°'ü«ttn Jnsutten in ffiabrw nur in SMflu»J

fflarifer Bopulac wann, . tamM^c\elerap^nbnreau, welches sich bei Moment ins Jew.cht fall . n B-richt-rstattung befleitzigl, kann gleichwohl

Ätftta W di- sich stnseiis ber Pyrenäen aller Gemülber ohne Unteischied der polittswen Richtung bcwächttgt hat. Heute ist nicht mehr die Sttbe von Republtkanern, Förderalisten, Demokraien, Liberalen ober

Die Kaisertage am Main und Rhein gehören nun der Bergan- -mheit an, aber ihre Eindrücke, besonders was die Natwnalfeier auf dem Nie­derwald anbelangt, werden noch lange im deutschen Volke haften bleiben. Auch m Auslande hat letztere ihre mächtigen Eindrücke hinterlassen, wie die für Deutschland so wohlwollenden Betrachtungen der Wiener und Londoner Blatter über die Niederwald-Feier beweisen und es ist bemerkenswerth, wie von den- f'lben bei dieser Gelegenheit die Friedensliebe des deutschen Volkes betont wird; vielleicht, daß der ganze Verlauf der Festlichkeiten am Rhein auch den Franzofen flulaß zum Nachdenken giebt. .

Der Kaiser erholt sich gegenwärtig in dem lieblichen Baden-Baden m der Seite seiner erlauchten Gemahlin von den Anstrengungen, welche die Manöver und Festlichkeiten der letzten Wochen für den greisen Monarchen mit sich brachten. Es heißt, daß der Kaiser sich bis ungefähr zum 20. October in Baden-Baden aushalten und dann im Verein mit der Kaiserin direct nach Berlin m-Äckkehren werde. Der Umstand, daß der Kaiser noch so lange in Baden zu «weilen gedenkt, widerspricht wohl am besten den immer wieder austauchenden Gerüchten von einer bevorstehenden Zusammenkunft zwischen ihm und dem Kaiser von Rußland, denen die Verlängerung des Aufenthalts Kaiser Alexanders in der dänischen Hauptstadt neue Nahrung gegeben hat. Wie nunmehr feststeht, verläßt der russische Herrscher am 11. October Kopenhagen, um direct nach Petersburg zurückzukehren. Die Begegnung zwischen den beiden Dionarchen soll -Üerbings ernstlich geplant und nur in Rücksicht auf die Anstrengungen, denen sich der greise deutsche Kaiser in den letzten Wochen hat unterziehen müssen, «usqcqeben worden sein. Es wird aber versichert, daß der Feststellung des Be­schlusses von der Zusammenkunft abzufehen, ein Austausch herzlicher Kund­gebungen zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Alexander vorangegangen sei, wobei der russische Diilitär-Bevollniächtigte in Berlin, Fürst Dolgoruki, den Ver-

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Bekanntmachung.

Betreffend' Das Einhalten der Tauben zur Saatzeit. r . YL c

Diejenigen Einwohner von Gießen, welche Tauben halten, werden hiermit, bei Meldung der in Art. 79 des Feldstrafgesetzes angedrohten Strafen mfgefordert, dieselben ohne Ausnahme vom 5. October bis zum 5. November d I. in den Schlagen eingesperrt zu halten.

ü Gießen, den 2. October 1883. Großherzoglrches Polizeiamt Gießen.

F r e s e n i u s.

Mx. 23 L Freitag den 5. October 1883

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Präsidenten. M ,r . ,£ , < .

Die scandalösen Demonstrationen der Pariser Radikalen bei ber Ankunft des Königs Alfonso in der französischen Hauptstadt haben well über die Grenzen Frankreichs hinaus Erstaunen und Entrüstung hervorgerufen. Dieselben haben begreiflicher Weife den spanischen Herrscher tief verletzt und er rvollte sofort weiterreifen, nur mit Mühe vermochten ihn seine Begleiter von der Ausführung dieses Entschlusses zurückzuhalten. Die unabweisbare Noth- mndigkeit, dem durch das Benehmen eines Theiles der Pariser Bevölkerung jo Ichwer beleidigten Monarchen eine Satisfaction zu geben, hat den Prälidenten QMut) zu dem für Frankreich demüthigenden Schritte veranlaßt, den König in formellster Weise für die ihm zugefügten Unbilden um Entschuldigung zu bitten. König Alfonso ist auch chevaleresk genug gewesen, dieselbe zu gewähren und an toetn Banket, das ihm zu Ehren am Sonntag Abend im Elysäe veranstaltet würbe, theilzunehmen; trotzdem haben aber die feindseligen Manifeltationen des Pariser Janhagels aus den König einen derartigen Eindruck gemacht, daß er «ller Bitten Grövy's und seiner Atinister, noch einen Tag in Paris zuzubringen, Ulngeachtet schon am IKontag früh die ungastliche Hauptstadt Frankreichs wieder '«erlassen hat. In Madrid ist durch diese Vorgänge ein wahrer Sturm der < 'Entrüstung entfesselt worden, ein eigener Ministerrath hat anläßlich derstlden

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