Ausgabe 
5.8.1883 Zweites Blatt
 
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Diäten beziehen (9 JL 43 A pro Person und pro Tag) und wo für den Präsidenten besondere Gehälter ausgeworfen sind, für den der Kammer der Standesherren 12,857 vtl, für den der Kammer der Abgeordneten dagegen nur 8571

D erwischte-.

Darmstadt, 31-Juli. (Menschenhandel) In voriger Woche bemühten sich rwet feingekleidete Herren, tft der Gegend von Heppenheim junge Mädchen zu werben, um denselben in Englandflute Stellen" zu verschaffen. Ein junges Mädchen aus Gadernheim ging auch wirklich auf den Leim- Es wurde nun in einer Wtrthschaft ru Heppenheim die Sache abgewickelt und festgesetzt, mit dem nächsten Zuge abzureisen. Glücklicherweise befanden sich in der gedachten Wirthschaft Leute, die ebenfalls mit dem- selb-n Zuge nach Darmstadt zu fahren gedachten und von dem langst bekannten un­sauberen Treiben der beiden Herren Wind bekommen hatten- Während der Fahrt hierher aaben nun diese Leute an die hiesige Bahnverwaltung eine Depesche auf mit der Bitte, die Bahnverwaltung möge in Darmstadt Polizei requirtren, um die Verhaftung der beiden Seelenverkäufer bewirken zu können. Leider konnte jedoch wahrend der Zwtschen- ÄCit diesem Wunsche nicht entsprochen werden, da ein Schutzmann in der Nähe der Bahn- böse nicht zu finden war. (!) Die hiesige Bahnverwaltung übernahm daher selbst die Functionen der Polizei; sie verfolgte die Gauner telegraphisch bis nach Mainz, wo sie denn auch endlich festgenommen werden konnten. Hoffentlich wird den Herren das Handwerk auf längere Zett gelegt werden. Bemerkenswerth ist noch, daß diese Seelenverkäufer mit ihrem Opfer nur Wagen 2. Classe benutzten, ganz gewiß nur tn der Absicht, um hierdurch den Augen des größeren Publikums mehr entgehen zu können^^^ bei| Capitän Webb's liegen nunmehr ausführlichere Berichte vor. Webb war eine Wette um 10,000 Dollars eingegangen, die Niagarafälle gleich unter­halb des großen Absturzes durchschwimmen zu wollen. Trotz aller Mahnungen, von einem Unternehmen abzustehen, welches den sicheren Tod bedeute, schritt Webb am Dienstag Nachmittag in Anwesenheit einer ungeheuren Menschenmenge daran, die un­erhörte That zu vollführen. Etwa 300 Schritte oberhalb der alten Hängebrücke sprang er m den Strom, dessen dahinrasende Wasser ihn sofort mit aller Wildheit erfaßten und zu verschlingen drohten. Webb wurde jedoch Herr der tosenden Gischt und schwamm die Fälle hinunter, wobei ihn die Zuschauer ab und zu erblickten. Zuletzt sah man ihn alö er in den Bereich des großen Strudels kam, dem bisher noch Niemand mit dem Leben entronnen ist. Webb schwamm mit kräftigem Stoß in die verhängnißvollen kreisenden Wogen, war aber nicht weil gekommen, als er, die Arme emporhebend, plötzlich verschwand. Der Strudel hatte ihn verschlungen. Der Verunglückte war unstreitig der kühnste und ausdauerndste Schwimmer der Welt- Er wurde im Jahre 1848 in Shropshtre geboren und trat als Knabe in die Kauffahrteiflotte ein, in welcher er es, kaum 25 Jahre alt, zum Capttän brachte. Das Schwimmen war ihm von Jugend an Leidenschaft. Mitten im Atlantischen Ocean fiel während eines Sturmes ein Mann von Webb's Schiffe Über Bord, Webb sprang ihm nach und kämpfte durch 3 Stunden mit den Wellen den Matrosen auf dem Rücken. Für diese That erhielt er die große goldene Rettungsmedaille, welche ihm von dem Herzog von Edinburg persönlich über­reicht wurde. Im Jahre 1875 schwamm er von Dover nach Calais, wozu er 21 Stunden 45 Minuten brauchte, eine Leistung, die unerreicht dasteht. In der letzten Zeit schienen seine Kräfte etwas abzunehmen; Webb glaubte aber nicht daran und sein übergroßes Vertrauen in seine Kraft veranlaßte ihn, die Wette anzunehmen, die er nun mit seinem Leben bezahlt hat. . _

Newyorker Telegramme enthalten die weitere Nachricht, daß nur etwa 3-400 Personen Augenzeugen des Wagestückes waren. Webb wurde häufig gewarnt, aber sein einmal gefaßter Entschluß konnte nicht wankend gemacht werden. Er machte indessen ein Testament zu Gunsten seiner Frau- Die Meldung, daß ihm die amerikanischen Eisenbahn-Gesellschaften 10,000 Doll- für den Versuch, durch die Stromschnellen des Niagara zu schwimmen, geboten hätten, entbehrt der Begründung.

[@ine Hetraths-Annonce bei den Kaffem.) Die C'vilisation der Wilden in Südafrika schreitet mit Riesenschritten vorwärts. Die Kaffern haben bereits ihre eigene Leitung, dieJsigidirnt" heißt und in Port-Elisabeth erscheint. In einer der letzten Nummern liest man den folgendenHeirathsantrag":Der Einsender, ein Kaffer, bittet allen Mädchen bekannt geben zu dürfen, daß er mit einer hübschen Jungfrau tt] den heiligen Ehestand zu treten wünscht. Er verlangt von feiner Zukünftigen, daß sie tm Lesen und Schreiben gut bewandert sei, Schulbildung genossen habe und alle Haus­arbeiten zu verrichten weiß. Der Einsender ist es müde, gestampfte Maiskolben und ungesäuertes Brod zu cssen. Er ist von mittlerer Größe, 25 Jahre alt, hübsch, gesund, hat einen tüchtigen Schnurrbart und wiegt 135 Pfund. Er weiß, wie man arbeiten muß. Das Mädchen, das sich entschließt, ihm in diesem Leben durch Dick und Dünn zu folgen, wird eine ausgezeichnete Wahl getroffen haben. Diejenigen, welche auf dieses Inserat antworten wollen, werden gebeten, Photographieen beizulegen, welche den freundlichen Berathern des jungen Mannes zur Auswahl vorgelegt werden sollen. Nicht Angenommenes wird retournirt. Discretion Ehrensache. Pomes (b. h.

kleine Frauenzimmer) wollen sich nicht bemühen. Chiffre A- B. C. an die Expedition dieses Blattes/'

Von der Leichtgläubigkeit des russischen Volkes weiß derJushnyt Krai" folgende bezeichnende Geschichte aus dem Flecken Daschewo, Kreis Llpowetzk. zu erzählen- An einem Markttage erschien in dem genannten Flecken ein unbekannter Mann in der Kleidung eines Landgendarmen und sing an, den Weibern und Mädchen den Halsschmuck abzunehmen, indem er vorgab, durch einen kaiserlichen Ukas sei das Tragen eines Halsschmuckes verboten. Man kann sich die Verwirrung vorstellen, die unter dem schönen Geschlecht entstand. Nachdem der Gauner eine gute Masse verschiedener Schmuck: gegenstände sich ungeeignet hatte, verschwand er. Erst später erfuhr das Volk, daß der vermeintliche Landgendarm ein Gauner war. Es wäre interessant, zu erfahren, wo während dieser Zeit die wahren Landgendarmen, die Wächter der Ordnung, gesteckt haben, besonders an solchen Tagen, an denen Märkte abgehalten werden, an denen es bekanntlich besonders häufig zu Ruhestörungen kommt-

(Aus Kindermund.) Mama geht mit dem 4jährigen Paul spazieren. Da marschirt eine Compagnie Soldaten durch die Hauptstraße.Sieh nur, Mama", ruft der Kleine stehen bleibend,das sind einmal viele Vettern von unserer Kathrine!"

(Augenlos geboren ] Vor einigen Tagen wurde dem Schlosser LetzguS'schen Ehepaare in Cannstatt ein anscheinend ganz normal ausgebildetes Mädchen geboren. Als nach Verflutz von einiger Zeil die Kleine ihre Acuglein nicht öffnete, wurde ein Arzt zu Rathe gezogen, welcher die traurige Entdeckung machte, daß die Augenhöhlen leer und gar keine Augen vorhanden sind. Ein Spelialarzt, welcher ebenfalls confultid wurde, behauptet, daß dies ein sehr seltener Fall und schon fett 1861 nicht mehr vor­gekommen fei.

(Das Muster eines Correcturbogens.) Ein deutsch - amerikanisches Blatt gibt seinen Lesern eine Vorstellung von den Mühen eines Correctors durch Mltiheilung der folgenden uncorrfgirten Notiz:Concert. Wir nehmen hiermit Gelegenheit auf das in der nächsten Wache von Herrn Z. zu verunstaltende Concrtt aufmerksam zu machen. Es gilt den Mänen eines Pichlers der sich N'cht nur als polnischer Schriftstehler bewahret, sondern sich auch in der dalmatischen Unterwelt einen geächteten Namen erworben hat. Herr Z, der als R nner des häutigen GeschnackeS hinriechend bekannt ist, hat feinen ganzen Schaafsinn aufgeboten, um für dies Maul den größten Pump zu entfalten. Er hat die fämmtlichen Bäume seines Gattens zur VerfÜrung gestellt. Sausende von Lumpen und Arstonnen werden die Nachi talghell erleuchten. An verschiedenen Ställen werden Musik und Säugerchöre ausgestellt sein. Der beleibte Komiker£, der wegen seiner unverwüstlichen Heiserkeit so hoch geschätzt wird, wird unter unterem den dämlichen Vortrag halten, der ihm schon einen hohen Preis von Verehrern verschaffte. Nach Beerdigung der Vorstellung findet ein allge­meiner Fall statt, an dem die unwesenden Herom gratis theilnehmen können- Be­merken wir noch, daß auch Fräulein A, die Blame unseres Balles, die Ve stellung mit ihrer gütigen U berstürzung verschönern wird, so haben wir nichts mehr hinzw zulÜgen. Möchte ein hoher Abll, wie alle niederen Bewohner unserer Stadt, deren Eselwnth und wildes Herz ja bekannt sind, auch den bekümmdten Hinterbliebenen eines g riemten Dichters als peilender Engel erscheinen und das N-ft des Herrn Z. beehren, der die Billettz dazu schon von heute an versaufen wird."

(Die Schwalben und d^e Cholera.) Die Italic" in Rom berichtet:Eine alte Redensart besagt, daß die Vögel alle jene Orte meiden, an denen Epidemien herr­schen. Diese Beobachtung wurde in den letzten Tagen in Rom gemacht, wo ein Herr, der das höchste Stockwerk eines Hauses mit der Aussicht auf ein Kirchendach bewohnt, Folgendes erzählt:Ich bemerkte, daß die Schwalben, welche das Kirchendach bevölkern, alljährlich am 15 ober 16. Juli nach dem Süden flogen Sie gehen bann stets nach Egypten an die Küste des Mittelmeeres. Auch dieses Jahr haben sie bie gewohnten Vorbereitungen gemacht mnd sind zur bestimmten Frist davongeflogen. Ich wünschte ihnen eine gute Reise und ein Wiedersehen übers Jahr; aber stehe da, heute, nach acht Tagen, sehe ich Schwälblein um Schwälbletn wiederkommen und ihre alten, kurz vorher verlassenen Nist- und Ruheplätze aufsuchen. Ist das nicht merkwürdig?"

(Vom Schweinfurter Liederkranz-Jubiläum.) Der Deutsche kann bekannter­maßen Steine erweichen, wenn er zu dichten anfängt, und Gelegenheiten, wie 50jährige Jubiläen läßt er sich ungern entgehen, um den Pegasus zu besteigen. Ein Schwein­furter Jubiläumsdichter hat denn auch Wunderbares geleistet. Als die neue Fahne von einer sittigen Jungfrau dem Lieberkranz überreicht wurde, mußte natürlich eine Art Prolog vom Stapel gelassen werden, der mit folgenden erhebenden und ohne Zweifil tief ergreifenden Versen beginnt:

Schüchtern steht, nicht ohne Zagen vor Euch, hochverehrte Sänger, Hier die Jungfrau, deren Pulse höher schlagen schon fett länger."

DiesesWcihegedicht" hat sechsunddreißig Zeilen, doch befindet sich, wie man hört, btr Dichter sowohl wiedie Jungfrau, deren Pulse schon seit länger höher schlagen", bn Umstanden nach wohl.

(Starke Familie.) Beamter:Wie stark ist Ihre Familie?" Bauer:Wam mer zusammehalte, so verhaue mer 's ganze Dors." _____

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