Sonntag den 5. August
Zweites Blatt
Nr. 179
1888
alä.
Miestemr Anzeiger
j Amts und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Burrn»l Schulstraß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». 2 ?!’ ^'^dringerlehn.
«K. D ” Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.
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Die Kosten der deutschen Parlamente.
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407,670 168,510
1,2(0,520 397,325 126,400 342,886
97,220 47,453 29,850 23,000 16,800 19,912 40,980
4,560 2,000 3,320 5,800
13,950 2,000 6,160
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PreiS viert^ijührlich 2 Mark 20 Pf. bitt Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.
den Reichstag.......
das preußische Herrenhaus ....
das preußische Haus der Abgeordneten
den bayerischen Landtag.....
die Ständeversammlung des Königreichs Sachsen die Landstände in Württemberg .... die badischen Landslände.....
Die erschütternde Katastrophe von Ischia hat weit über die Grenzen Italiens allgemeine Theilnahme gefunden. Ganze Ortschaften auf diesem von der Natur so bevorzugten Eilande sind in Schutt und Trümmer gesunken, die Weinpflanzungen, Gärten und Felder vernichtet — aber was will all' dieser ungeheuere materielle Schaden gegenüber dem Verlust an Menschen« leben besagen? lieber 8000 Menschen sind bei dem elementaren Ereignisse um's Leben gekommen, der zahlreichen Verwundeten nicht zu gedenken und wer weiß, wie viel Leichen unter den Trümmern von Casamicciola u. s. w. liegen! König Humbert selbst weilte am Mittwoch, begleitet von den Ministern de Pretis, Mancini, Acton und Gemala, anderthalb Stunden an der Unglücksstätte, von der weinenden Volksmenge ehrfurchtsvoll begrüßt; der Monarch war sichtlich tief bewegt. Leider scheinen sogar die Rettungsarbeiten Opfer zu verlangen; vom 11. Artillerie-Regiment werden ein Lieutenant, ein Sergeant und 10 Mann vermißt und fürchtet man, daß dieselben beim Aufräumen von hereinbrechenden Schuttmassen verschüttet worden sind.
Die Cholera in Egypten scheint endlich ihren Höhepunkt überschritten zu haben, wenigstens was Kairo anbelangt. Es erlagen hier der Seuche vom 31. Juli bis 1. August 275 Personen, darunter 4 englische Soldaten, und da in den vorhergehenden Tagen die Zahl der täglichen Cholerafälle mit tödtlichem Ausgange immer zwischen 300 und 400 schwankte, so scheint die Epidemie allerdings an Heftigkeit nachgelassen zu haben. Trotzdem werden die europäischen Regierungen noch immer längere Zeit auf dem Posten stehen müssen, denn eine einzige Nachlässigkeit könnte sich furchtbar rächen.
Im Zululande droht der Tod des Königs Cetewayo zu ernsten Verwickelungen zu führen. Der siegreiche Häuptling Usipebo soll in Streitigkeiten mit den andern Häuptlingen der Zulus wegen des Besitzes des Reiches Cetewayo's gerathen sein, daneben wird von neuen Zusammenstößen zwischen den Boers und den Eingeborenen berichtet, so daß die Engländer wohl wieder Ordnung werden stiften müssen.
die von Hessen-Darmstadt......
den Landtag des Großherzogthums Sachsen-Weimar . die Landesoersammlung des Herzogthums Braunschweig den Landtag des Herzogthums Sachsen-Meiningen die Landschaft des Herzogthums Sachsen-Altenburg .
Landtag des Herzogthums Anhalt
des Fürfievthums Schwarzburg-Sondershausen
von Schwarzburg-Rudolstadt .
vom Fürstenthum Waldeck.....
von (der jüngeren Linie) Reuß-Schleiz
Landtag von Lippe-Detmold ....
. .. von Lippe-Schaumburg die „Bürgerschaft" von Lübeck
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Die Frage, was dem deutschen Volke seine parlamentarischen Vertretungen kosten, findet ihre Beantwortung in dem im Verlage von Velhagen u. Klasing (Bielefeld und Leipzig) erschienenen „Staatshandbuch des Reichs und der Etnzelstaaten". Nach den offenbar auf amtlichen Mtttheilungen beruhenden Angaben desselben betragen (wohl im Durchschnitt pro Jahr berechnet) die Ausgaben für v*L
Jnsgesammt JL 2,966,216
Für die Großherzogthümer Oldenburg und beide Mecklenburg, für das Herzog- thum Sachsen-Coburg-Gotha und das Fürstenthum Reuß ältere Linie, sowie für die Bürgerschaften in Hamburg und Bremen sind die Kosten nicht angegeben; bei Mecklenburg-Schwerin und Strelitz deßhalb nicht, weil die Staaten gar keine constttuttonMe Verfassung mit parlamentarischer Vertretung haben und ein Etat nach modernen Begriffen dort, wie das genannte Handbuch sagt, gar nicht existlrt. Stellt man sofern es sich um die Zahl der Vertreter und die Höhe der Diäten handelt Oldenburg etwa Braunschweig gleich, Sachsen Coburg aber, weil hür neben dem allgemeinen Landtag für Coburg-Gotha noch Sonder-Landtage in Gotha und Coburg bestehm, dem nach Flächenraum und Einwohnerzahl etwas größeren Großherzogthum Sachsen und Reutz älterer Linie, wo die Abgeordnetenzahl allerdings um vier Kopfe Seringer ist, als bet Reuß-Schleiz, in das V-rhältmß der letzteren, und berechnet man.endlich die Kosten der „Bürgerschaften" von Hamburg und Bremen unter Berücksichtigung der g ob Zahl der Vertreter (160, resp. 150 zu 120) nach Maßgabe der von Lübeck aufgewendeten Kosten, so würden den oben angeführten Zahlen ^tnautreten:
für Oldenburg .... 23,000 JL, „ Coburg ..... 29,800 „ „ Reuß-Greiz . |'35O *
„ Hamburg .... v,i60 „
Bremen . . • • * » •
Es würde sich "danach als Gesammtaufwendunsi die Summe von 3,039,200^ Herausstellen. Schätzt man die Bevölkerung des deutschen R chs aurund 45,240,WO Einwohner, so würden auf je 14 Personen nahezu 1^ jährlich an^Ausgaben für die parlamentarischen Vertretungen kommen. Die Diäten für die- geordneten find n den Einzelstaaten (an die Retchstagsmttglieder nrnben®latcn JÄÄJn
sie haben nur freie Fahrten auf den Eisenbahnen) sehr verschieden normirt, sie stufen sich ab von 15 JL (Preußen) bis 5 JL. (Braunschweig). In den meisten Staaten erhalten die am Orte der Landesvertretung wohnenden Abgeordneten gar keine Diäten; in Preußen werden dieselben dagegen unterschiedslos gezahlt. (In ^--"8 auf Braunschweig scheint die Angabe nicht ganz correct zu sein. Die Diäten sind dort hoher als 5 «X und dürfte diese Summe nur für die am Orte wohnenden Abgeordne en maßgebend sein. Präsident und V'cepräsident erhalten die höchsten Diäten. Außerdem werden Reise-Entschädigungen gezahlt.) Am sreigebigstenist - in Bezug auf die Allgemeinheit der Diätenzahlung — Württemberg, wo die Mitglieder beider Kammern
Gießen, 4. August.
Die abgelaufene Woche schloß sich der vorhergehenden in Bezug auf den Mangel eines hervorragenden Ereignisses in unserer inneren Politik vollständig an. Nur die fortgesetzte Polemik zwischen der „Germania" einer- der „Kreuz-Zta." andererseits über die kirchenpolitischen Angelegenheiten bringt noch etwas Leben in die gegenwärtig herrschende politische Oede. Auch die osficiöse ^Prov.-Corresp." giebt ihr Scherflein, zu dem Streite; indessen, man kann sich weder für die Auslassungen des leitenden Organs unserer Ultramontanen, noch für die Repliken der genannten hochconservativen Blätter besonders erwärmen. Die ganze Polemik läßt aber erkennen, daß es mit dem conservativ-klerikalen Bündniß nicht zum Besten steht, wenn man vielleicht auch aus beiden Seiten an leitender Stelle bemüht ist, über die eintretende gegenseitige Verstimmung hinwegzutäuschen. Zu erwähnen ist aus dieser Woche noch, daß am Montag eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums stattgefunden hat, in welcher dem Vernehmen nach die Staatöregierung den Verwaltungsgesetzen ihre endgültige Zustimmung ertheilt hat; dieselben dürften sodann sofort dem Kaiser zur Unterschrift nach Gastein zugesendet worden sein.
Der Fortschrittspartei ist abermals einer ihrer Vertreter im Reichstage durch einen jähen Tod entrissen worden. In lakonischer Kürze meldet em Telegramm der „Strals. Ztg.", daß Senator Stoll, Abgeordneter für den ReichötagSwahlkreis Greifswald-Grim«.»en, als Leiche in den Flnthen des Rheins unterhalb Kölns aufgefunden worden se». Darüber, ob Stoll verunglückt, oder ob hier ein Selbstmord oder gar ein Verbrechen vorliegt, fehlen zur Stunde noch nähere Mittheilungen. Stoll war im vorigen Jahre an Stelle des ver- »oibenen Abg. Professor Hueter, welcher ebenfalls der Fortschrittspartei ange- ! i°rte, gewählt worden; die Wähler von Greifswald-Grimmen müssen nun zum dritten Male in dieser Legislaturperiode an die Wahlurne treten.
Die „National-Zeitung" weiß von bevorstehenden Veränderungen m bayerischen Staatsministerium zu berichten. Dr. v. Fäustle, der Justiz- mister, gedenkt den demnächst frei werdenden Präsidentenposten am obersten Landesgericht in München zu übernehmen und soll Herr v. Lutz, der Cultus- minister und Ministerpräsident, Willens sein, das Justizministerium zu übernehmen. An Stelle des Herrn v. Lutz würde dann Herr v. Ziegler, der ehemalige langjährige Cabinetssecretär König Ludwigs II., Cultusminister werden. Wir geben diese Nachrichten nur mit allem Vorbehalt wieder.
Die Tragicomödie von Tisza-Eszlar hat in dieser Woche aus- Sespielt, da am gestrigen Tage, den 3. August, die Verkündigung des Urtheils folgte. Jeder, der dem Gang des Proceßverfahrens aufmerksam gefolgt ist, loweit dies eben bei den durch die Partei-Leidenschaften getrübten gerichtlichen Verhandlungen von Nyiregyhaza möglich war, muß sich sagen — selbst auf die ! Gesahr hin, als Philosemit (Judenfreund) verschrieen zu werden — daß das Urtheil frei sprechend lauten mußte, denn weder aus dem Zeugenverhör, nch dem Beweisversahren läßt sich die Richtigkeit der gegen die angeklagten v)Uden erhobenen schweren Beschuldigung des rituellen Mordes nachweisen.
Die französische Politik schickt sich — wenigstens was die | ®neren Angelegenheiten anbelangt — nun ebenfalls an, ihren Sommerschlaf zu 1 Men. Die Conventionen mit den großen Eisenbahn-Gesellschaften sind von | ;cV Deputirtenkammer sämmtlich genehmigt worden und werden unverzüglich l| «m Senat zugehen. Außerdem ist der Deputirtenkammer am Dienstag noch ! mit dem Bey von Tunis abgeschlossene Vertrag und das außerordentliche mdget für das laufende Etatsjahr vorgelegt worden und es ist nicht zu be- | ^iseln, daß die Kammer auch diesen Vorlagen zustimmen wird. Endlich hat H letztere noch mit den Abänderungen zu befassen, die vom Senat an dem J über die Gerichtsreform vorgenommen worden sind, worauf sofort der chluß der Session erfolgt. Der Präsident der Republik, Herr Jules Grövy, !| F16 spätestens zu Anfang der kommenden Woche auf seinem Sommersitz j! liM-sous-Vaudrey in den Vogesen erwartet. — Wie die jüngsten Meldungen AS Paris besagen, hat die Deputirtenkammer am Mittwoch die Justizreform i dem vom Senat votirten Abänderungen angenommen, so daß zur Stunde i schon der Schluß der Session erfolgt ist. — Aus Tongking liegen ch keine weiteren Mittheilungen über den Erfolg der französischen Waffen bei mni-Dinh vor.
I Im britischen Jnselreiche haben sich die anläßlich der Suezkanal- . «Klegenhelt so hochgehenden Wogen der öffentlichen Meinung in Folge der ruhigen « begonnenen Haltung der englischen Regierung wieder etwas geglättet. Auch Parlament hat dargethan, daß es darauf vertraut, daß das Cabinet Glad- w« die Würde und das Interesse Englands in der Kanal-Angelegenheit wahren «»e, denn bekanntlich lehnte das Unterhaus in seiner Sitzung vom 30. Juli , ™ reIantrag beä conservativen Parteiführers Northcote mit einer Dlajorität | * ay .Stimmen ab, was einem Vertrauens-Votum des Unterhauses für das »miftenum Gladstone gleichkommt. Lebhaft wird in England augenblicklich die rmordung des Kronzeugen Carey besprochen. Derselbe, als Angeber seiner Whuldigen Genoffen, aus dem Dubliner Mordproceß her bekannt, flüchtete SkSuba^vaV um ber Rache der irischen Vehme zu entgehen, die ihn aber W>em ereilt hat. Der Irländer O'Doanel, welcher Carey erschoß, wird mmg bewacht. In femschen Kreisen hat man, wie aus London berichtet wird, M61".6 Subscription eröffnet, um die Kosten für die Vertheidigunq Carey's ^nbezeichnend°U^ ®e|lnnutI3 ber 'risch-fenischen Verschwörer jedenfalls


