halten. - Ministerialpräsident Schleiermacher weist die auf die Omutpotenz des Staates bezüglichen Bemerkungen des Vorredners mit dem Hinweis zurück, daß die Rüraer durch die Landstande bei allen Gesetzgebungen und bei Bestimmung ber ©laat§= Vaben Mitwirken - Schade ist für die Selbstdeclaration, ebenso Arnold, Dfannsti" und Äöckel. wiederholt die Adgg. Maurer und Wolfskehl; dagegen svrecken ^alck aus praktischen Gründen, ohne prtnciptell gegen die Selbsteinschätzung tu frtn unb Lautz- — Nachdem noch Geh. Obersteuerrath Baur den Standpunkt der Neaierüna gerechtfertigt, wird ein Antrag auf Schluß der Debatte mach längerer Geschäftsordnungsdebatte angenommen- Nach einem Schlußworte des Berichterstatters M ö Nin g er beschließt die Kammer nach dem Anträge des Ausschusses die Decla- rattonsvfltcht mit 26 gegen 16 Stimmen. Sich gegenüberstehende Anträge der Abgg. Reinhart und Dtttmar bezüglich des Beginnens der Declarationspflicht mit Rücksicht auf die Steuerklassen werden abgelehnt. v
Es wird nunmehr in die Berathung der in Art. 13 enthaltenen Scala der Steuerklassen eingetreten. Hierzu liegt ein präjadicieller Antrag v. Wedekind's vor auf Aenderung der Scala der Steuerklassen in der Art, daß die einzelnen Klassen mit bis auf 100 abgerundeten und durchweg möglichst nahe je 10 pCt. größeren Einkommen steigen und die entsprechenden Steuerkapitalien in germgerer, aber durchweg gleichmäßiger Progression. Er beantragt gleichzeitig Zurückverweisung dieses Artikels an den Ausschuß. - Böhm begründet einen Abänderungsantrag, während Kalck für die von dem Ausschuß zur Annahme proponirte Scala ist und nur etwas größere Klassendifferenzen gewünscht hätte. - Nach einem Schlußwort des Referenten Mölltnger wird der Antrag v. Wedekind gegen 3 Stimmen abgelehnt, die Scala dagegen nach den Anträgen des Ausschusses angenommen. - Die Art. 14-18 gelangen ohne Debatte zur Annahme.
Fortsetzung der Berathung Dienstag Vormittag 9 Uhr
Berlin, 2. Juni. Der Reichstag nahm in namentlicher Schlußabstimmung die Gewerbenovelle mit 160 gegen 127 Stimmen an. Generalfeldmarschall Graf Moltke und verschiedene andere conservative Abgeordnete beglückwünschten den Regierungscommiffar Bötticher. Bei der hierauf folgenden ersten Lesung des deutsch - italienischen Handelsvertrages antwortete Staatssecretär Burchardt aus eine diesbezügliche Anfrage Barth's, daß die Forderung deutscher Industrie nach Gleichstellung mit den Erzeugnissen anderer Länder durch die sog. „Meistbegünstigungs-Clausel" erreicht sei. Auch die Gotthardbahn werde die Handelsbeziehungen fördern, namentlich die Ausfuhr deutscher Roh- producte. Bezüglich der Anfrage Barth's, ob der Anschluß Hamburgs und Bremens bei dem Handelsvertrag mit Spanien in Aussicht genommen sei, erklärte der Staatssecretär, daß er in Anbetracht der schwebenden Unterhandlungen eine Antwort nicht ertheilen könne. Es wurde hierauf der italienische Handelsvertrag, die Literar-Convention mit Frankreich und die Reblaus-Convention in erster und zweiter Lesung genehmigt.
— Ueber die erwartete kirchenpolitische Regierungsvorlage verlautet, daß in der preußischen Rote vom 5. Mai bereits diejenigen Punkte bezeichnet seien, in denen die Regierung die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer »katholischen Untertanen jetzt durch Landesgesetzgebung hrrbeiführen will.
— Die Kaiserin besuchte heute früh halb 10 Uhr die Hygieine-Ausstellung. Sie wurde am Eingänge von dem Kronprinzen, dem Ausschuß und der Jury empfangen. Präsident Hobrecht überreichte ein prächtiges Bouquet. Während bie Kaiserin im Rollstuhl die Rundfahrt unternahm, erschien auch der Kaiser. Die Kaiserin, welche der austro-ungarischen, sächsischen, bayerischen und württem- bergischen Ausstellung ihr besonderes Interesse zuwandte, verließ die Ausstellung erst nach 11 Uhr.
— Das Abgeordnetenhaus nahm heute in zweiter Lesung das Staats- schuldbuchgesetz an, unter Streichung des Minimalgebühren-Ansatzes von 1 «M. für Eintragungen. Rach begonnener Berathung der Landgüter-Ordnung für Brandenburg erfolgte Vertagung bis Montag.
Karlsruhe, 2. Juni. Der neue Jagdzug Köln-Basel, der um 3 Uhr 50 Min. Nachmittags von hiesigem Bahnhofe abgeht, ist auf einen Kieszug ausgefahren. Die Locomotive wurde zertrümmert, kein Menschenverlust. Der Verkehr ist in Folge dessen unterbrochen.
Italien.
Triest, 2. Juni. Die Sängerin Hedwig Neicher-Kindermann ist heute früh 8 Uhr im hiesigen „Hotel de Ville" nach unsäglichen Leiden gestorben.
Rußland.
Petersburg, 2. Juni. Der „Regier.-Anz." veröffentlicht ein durch den Kaiser sanctionirtes Gutachten des Reichsraths, wonach den Sectirern und Raskoliken mehrere bürgerliche und Cultusrechte gewährt werden, so Freizügigkeit im Lande, freier Handels- und Gewerbebetrieb und die Ausübung öffentlicher Aemter, letztere jedoch nur bedingungsweise, die Abhaltung öffentlichen Gottesdienstes und Verrichtung von Cultus-Handlungen nach eigenem Ritus mit Ausnahme von Kreuzfahrten und Processionen. Die Wiedereröffnung der Bethäuser der Sectirer wird mit besonderer Erlanbniß des Innern gestattet, dieselbe hat aber ohne jegliche Feierlichkeit stattzufinden.
Moskau, 2. Juni. Das heutige Volksfest war ein wahrhaft großartiges. Dasselbe entwickelte sich auf einen Raum von etwa hundert Hectaren, auf welchem mehrere Theater, Circus, viele Zelte rc. errichtet sind. Ein weißes, mit Gold und rothem Sammet verziertes Zelt war für den Kaiser und die Fürstlichkeiten bestimmt. Zu beiden Seiten des Kaiserzeltes dehnen sich mächtige Tribünen für die Einaeladenen aus. Das Volk umdrängte die 140 mit Bier gefüllten und mit je 8 Zapfkrahnen versehenen Waggons und jeder dargereichte Becher wurde sofort gefüllt. Beim Betreten des Festplatzes erhielt ein Jeder aus dem Volke einen Becher, eine Pastete, einen Kuchen und ein Säckchen mit Naschwerk. Gegen Mittag waren alle Vorräthe erschöpft, da sich mehr als eine Million als Empfänger präsentirt hatte. Um halb 3 Uhr trafen der Kaiser, die Kaiserin, die kaiserliche Familie und die fremden Fürstlichkeiten auf dem Festplatze ein und wurden von der nach Hunderttausenden zählenden Bevölkerung mit begeisterten Hurrahs empfangen. Ueberall herrschte die fröhlichste Stimmung, kein Streit, keine Thätlichkeit verursachte die geringste Störung. Viele Bauern waren aus weit entfernten Provinzen zu Fuß hergekommeu. Der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzen verließen um 3 Uhr das Fest.
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenz-Birrean.
Bochum, 3. Juni. Nach einer Meldung der „Volks-Ztg." fand gestern Nachmittag aus der Zeche „Präsident" eine Explosion durch schlagende Wetter statt, die 8 Mann tödtete und 3 schwer verwundete.
Paris, 3. Juni. Der „National" erfährt, der französischen Regierung leien von den Behörden der Howas auf Madagaskar zum Zwecke einer Verständigung Eröffnungen gemacht worden. — Der „Fran<,-ais" meldet aus Rom: Am gestrigen Jahrestage des Todestages Garibaldi's sei eine Schaar von etwa
2000 Personen vor das österreichische Botschasts-Hötel, sowie vor den Quirinal und den Vatikan gezogen und habe Hochs auf Overdank und auf Triest ausgebracht.
Rom, 3. Juni. Hier und in mehreren Provinzialstädten wurde der Todestag Garibaldi's mit der Enthüllung von Büsten und Gedenktafeln gefeiert.
Moskau, 3. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind soeben ohne Eskorte unter enthusiastischen Kundgebungen der Bevölkerung durch die ganze Stadt gefahren, um sich nach dem Dreifaltigkeitskloster des heiligen Sergius zu begeben. Heute Mittag finden auf dem gestrigen Festplatze militärische Uebun- gen der Kosaken und Tscherkessen statt, denen die fremden Fürstlichkeiten und Botschafter beiwohnen.
— Die Worte des Kaisers an die Vorsteher der Landgemeinden lauten: „Sagt Euren Genossen, daß alle Vorspiegelungen von Landvertheilung von unseren Feinden ausgehen. Jedermann bleibt in seinem rechtmäßigen Besitz. Es wird den Gutsbesitzern ebensowenig Land genommen, als Euch geschenkt werden."
Lokale-.
Gießen, 4 Juni. In ber Nacht von Samstag zu Sonntag brach kurz vor 12 Uhr in dem Lumpenmagazm von Alexander Mayer in ber Kaplaneigaffe Feuer aus. Innerhalb weniger Minuten stand bas bis unter bas Dach mit Lumpen angefüllte große Gebäude in Hellen Flammen. Die Umgebung desselben, namentlich unser Druckereigebäude, sowie die Gebäude nachher „Stadt Kassel" zu waren in großer Gefahr. Dank jebol) dem wahrhaft aufopfernden Arbeiten unserer beiden Feuerwehren, sowie ber braven Mannschaften bes hiesigen Regiments unb einzelner Bürger wurde ber Brand auf seinen Herd beschränkt. Wir wagen aus eigener Erfahrung die Behauptung, daß, wenn die Mannschaften des Militärs, geführt von ihren Offizieren, nicht so energisch unb ausbauernb bte Feuerwehr unterstützt hätten, heute das Häuserviertel an der Schulstraße unb beten Umgebung ein Trümmerhaufen wäre. Gegen 3 Uhr Morgens war bie größte Gefahr beseitigt. Den gestrigen ganzen Sonntag brannten bte Lumpen immer noch weiter, hier unb da schlugen auch noch helle Flammen auf. War es Mangel an genügenden Arbeitskräften oder sonst etwas, daß gestern nicht so abgelöscht worden ist, wie es nothwendig war, kurzum, gegen 10 Uhr Abends stürmte es nochmals und mußte Feuerwehr unb Militär wiederum energisch eingretfen, weil ein Stallgebäube, an bte „Stabt Kassel" stoßend, tn Hellen Flammen stand. Leider sind auch bet diesem Brande wiederum Ungezogenheiten (um keinen anderen Ausdruck zu gebrauchen) vorgekommen, welche nicht strenge genug gerügt werden können. So standen Hunderte von Gaffern um die Brandstelle herum, ohne nur eine Hand zu rühren, während Militär und Feuerwehr sich abmühten. Ja gestern Abend zwischen 11 und 12 Uhr war der Spektakel derart, daß das Militär einschretten und die Schul- straße mit dem Kolben räumen mußte. Es drängt sich auch hier wieder, wie wir schon oft hervorgehoben, bte Frage heran, kann unser stäbtisches Löschwesen so weitergeführt werden wie bisher? Kann es statthaft sein, daß einzelne Männer Leben und Gesundheit aufs Spiel setzen, während hundert andere um bte Branbstelle herumbummeln und schnöde Bemerkungen machen, wenn einmal ein Schlauch platzen sollte ober ein Feuerwehrmann im Ueberetfer einen letchtverzethltchen Mißgriff begeht. Ganz gewiß sind diese Zustände nicht haltbar und hoffen wir dringend, daß endlich unser Löschwesen ein geregelteres werde.
— In der Nacht vom 2. auf den 3. d. Mts. wurde ein dahier in Condttion stehender Drechslergeselle verhaftet, weil er auf dem Brandplatze von den geretteten Gegenständen (Weißzeug rc.) seine Taschen füllte und sich damit durch's Publikum entfernen wollte. Ein anderer, bis jetzt noch Unbekannter, welcher sich mit einem ebenfalls auf dem Brandplatze entwendeten Hemde entfernen wollte, wurde von einem Soldaten angehalten und ihm das Hemd abgenommen; ber Dieb jedoch ging durch.
— Heute Nacht mußte ein Student, welcher sich an einem aus dem Brandplatze aufgestellten Militärposten vergriff, verhaftet werden-
— Den Fmerlärm am gestrigen Abend benutzend, brach ein Dieb tn bie Wirth- schaft zum Chauffeehaus ein, nachdem er eine Fensterscheibe mit Seife bestrichen und dieselbe eingedrückt. Der Wirth hatte jedoch tn löblicher Vorsicht seine Kasse in Sicherheit gebracht, so daß ber Dieb k ine Werthsachen vorfand.
— Bei dem gestern in Wetzlar stattgehabten Ruderfest siegte die hiesige Rudergesellschaft zweimal und zwar m,tt ihrem 4tuöerigen inrigged Racedoot „Vorwärts" mit IV2 Bootslängen und 4ruderigen deutschen Doltenboot „Lahn" mit 7 Bootslängen gegen den Wetzlarer Ruderclub. — h-
Verwischtes
Darmstadt, 31. Mai. sPostpersonalnachrichten.j 1. Angestellt ist der Postassistent Drißler in Großkarben als Postverwalter.
2. Gestorben sind der Bureauassistent Schmitt in Darmstadt und ber Post-- fecretair a. D. Fuldner in Michelstadt.
— Eine furchtbare Erderschütterung fand in ber Nacht vom 28. zum 29. Moi in Staßfurt in Folge des Niederganges eines Flötzes im Bergwerke statt. Viele Gebäude erhielten Riffe. Die Kirche ist schrecklich zerrissen. In Leopoldshall ist ein Portierhaus eingestürzt.
— sErmordung einer Jüdin in Kiew ) Im Winter des Jahres 1875 lernten sich zwei junge Leute aus dem Dorfe Smjela kennen unb lieben. Sie beschlossen, sich zu heirathen, konnten dieses aber nicht so leicht ausführen, da sie Jüdin, er aber rechtgläubiger Russe war. Ihr Vater wollte als strenger Jude von der Taufe nichts wissen und so beschloß denn die 17jährige Chawakira Umjanskaja mit ihrem Geliebten zr fliehen und sick taufen zu lassen. Das geschah denn auch und sie erhielt in der Taufe den Namen Akulina. Der Tag ber Hochzeit war bereits festgesetzt und der glückliche Bräutigam fuhr in die Stadt, um daselbst einige Einkäufe zu machen. Zurückgekehrt fand er jedoch feine Braut nicht m^hr vor, auch blieben alle seine Nachforschungen vergeblich. Er konnte diesen Verlust nicht ertragen, wurde immer stiller, verschlossener und machte schließlich seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Es kam der Frühling, das Eis ging und das Hochwasser ließ auf dem Ufer einen gefüllten groben Sack zurück. Man fand in demselben den zerstückelten Leichnam der unglücklichen Jüdin, deren Identität übrigens nicht leicht zu constatiren mar. Es ergab sich nun aus den mit großer Energie geführten Untersuchungen, daß ihr Vater sechs Menschen gedungen hatte, welche seine Tochter aus dem Hause des Bräutigams rauben unb tobten sollten. Das geschah. Sie schnitten die Leiche in Stücke, legten diese in den Sack und versenkten sie in das Wasser. Von den 6 Mördern sind 5 ergriffen und ver- urtheilt, ebenso auch der Vater, während es dem sechsten Mörder gelang, zu fliehen unb fich bis fitzt dem Arm ber Gerechtigkeit zu entziehen.
— sKohlenproduktion ber Erde.) In seinem Werke über die Kohlenfelder von England stellt nach dem „Hbdt." Professor Hall Berechnungen über die Kohlenprodukton aUrL= cAQl^en ®rbe an und sucht die Furcht zu zerstreuen, daß die Kohlenlager bald erschöpft sein werden. Er berechnet die Kohlenausbeute auf der ganzen Erde jährlich aus 289 Millionen Tonnen, wovon die britischen Inseln allein fast die Hälfte liefern, bann folgen Nordamerika und Deutschland. Prof. v. Neumann - Spallart in Wien Lr er ? „Uebersicht des Weltverkehrs" die gegenwärtige Gesammtproduktion von Kohlen sogar auf cs. 350 Mill. Tonnen zu 10 Meter-Centnern an, wovon 149 Mill, auf England, 70 Mill, auf die Vereinigten Staaten, 59 Mill, auf Deutschland, 19 Mill, auf Frankreich, 16 Mill, auf Belgien unb 14 Mill, auf Oesterreich entfallen. In den größten Kohlengebieten der Erde hat indessen die Ausbeutung erst begonnen, so nament- L tna' ,?^ches mit ca. 200,000 engl. Quadratmeilen Kohlenfeldern oben an- c , / ^i^Erikanischen Kohlengebiete werden fast ebenso hoch veranschlagt, nächst de« folgt Ostindien. Auch die Kohlenschätze von Japan und Aiistralien sind außerordentlich Ü*® efenfo bie fast noch gar nicht Ausgebeuteten in Rußland. An eine Erschöpfung ber Kohlenlager braucht daher vorerst nicht gedacht zu werden. Weit bedenklicher steht es mit den Waldungen ans, in welcher Hinsicht jetzt sogar in Nordamerika von allen Seiten Warnungsrufe ergehen, der heillosen dortigen Waldverwüstung Einhalt
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Vormittags werden dahier 50t sowie 425 Kilo a fynqt §ammdn> i® SubmWnsweg .Liesernngslustiger jum obigen v ^Bureau der Dm Amisfionskasten v, Die Bedingungen k V und auch be;o Manenschloß, bei
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