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Freitag den 5. Januar

1883.

Nr. S

iehener Anzeiger

Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

»Surcati: Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

Amtlicher Hheit.

Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau. Gießen, am 2. Januar 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Groß herzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Groß-Linden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang.Gons, Langsdorr, Leihgestern, Lieh, Mulchenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horloff und Utphe.

Wir erinnern Sie an Einsendung der Tabellen über die im zweiten Halbjahr 1882 crepirtcn Thiere, soweit Sie noch nicht Vorlage gemacht haben, und verweisen hierbei auf unser Ausschreiben vom 24. December 1881, Anzeiger Ar. 302.

____________________________Or. Boekmann. _____________

Das Großhcrzoglichc Stküer-Commiffariat Gicßcn

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien deS Bezirks.

Unser Ersuchen vom 8. v. M. wegen Einsendung der Brandkataster bringen wir hierdurch in Erinnerung, da die meisten Landgemeinden noch rückständig stntk S ü f s e r t._____________________________________________________________________________________

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Rachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schul­zeugnissen.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dunst nachsuchen uollen, werden bierdurch auf oie nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden, Vorschriften mit dem Ansügen aufmerksam gemacht, dcß hiernach unvoll­ständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegcben werden.

1. Das Gesuch lst bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großberzog- thum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2. Die Berichtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berech­tigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen.

3. DaS Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Act en formal (nicht Briefpapier) zu ver­wenden. Auch erscheint eS zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.

4. Dem Gesuche sind folgende Papiere brizufügcn:

u. GeburtSzeugniß;

b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit unb Fähigkeit den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

c. ein Unbescholtenheitszeug nist, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progvmnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienst­behörde auszustellen ist;

ck. das Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

Zu pos. b.: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen dars.

Zu pos. <1.; daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugniffe für die Prima der Gymnasien und Realschulen 1. Ord., sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-Ordnung (I. Theil der Wehr-Ordnung vom 28. September 1875 Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen.

Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Ordnung verwiesen.

Großherzoglichc PrüsungS Commission sür einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende:

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Politische Uebersscht.

Gießen, 4. Januar.

Der NeujahrSenipfang bei den kaiserlichen Majestäten ist in der üblichen Weise verlaufen ; wie hierbei aus Berlin gemeldet wird, ist der Kaiser erfreulicher Weise auch in das neue Jahr in Frische und Gesundheit übngetreten.

Die Neujahrünacht hat die politische Welt mit einer bedeu­tungsvollen Trauerkunde überrascht in der Mitternachtsstunde ist Garn- betta in Villa d'Avrey bei Paris verschieden. Vergebene hatten seine ver­zweifelnden Freunde noch in ben letzten Tagen und Stunden über den eigent­lichen Zustand de- Ex-Dictcttorü hinwegzutäuschen versucht, Oer starre Finger des Todes hat die» mehr oder weniger absichtliche Gewebe von Jrrleittmgen und Fälschungen zerrissen! Es braucht kaum daraus hingewiesen zu werden, wie bedeutungsvoll das Ableben Gambetta's in erster Linie für Frankreich ist. Mit Gambetta ist der populärste Niann der dritten französischen Republik dahin­geschieden und wenn derselbe auch seit seinem Sturze vou dem Nttuister- Präsidentenseffel nicht mehr über die Majorität in den Kammern verfügte, so übte doch der Zauber seines ^Namens noch immer einen gewaltigen Einfluß aus seine Landsleute aus.

In den Kreisen der österreichischen Diplomatie hat der Selbstmord des Grasen Wimpffen, des Vertreters Oesterreich -llugarus bei der französischen Negierung, begreiflicher Weise großes Aussehen erregt, lieber den Grund des Selbstmordes sind die Lesarten verschieden; nach der einen Version hätten Ueberreizung und Geistesgestörtheit, nach der andern schwierige finanzielle Verhältniffe, nach einer dritten Lesart ein hartnäckiges Blasenleiden ben Bot­schafter zum Selbstmord veranlaßt. Gras Wimpffen war erst seit dem 25. Juli 1882 al» Botschafter bei der sranzösischen Republik accrebitirt.

Gutem Vernehmen nach wird Lord Edmond Fitzmaurice an Dilke'ü Stelle zum Unterstaatsfecretär im eiujlifdjeii Auswärtigen Amte ernannt werden. Im Uebrigen versichert man, daß der Eintritt Derbys und Dilke's in das englische Cabinet keinerlei Veränderungen in den diplomatischen Beziehungen Englands Hervorrufen werde.

Die Diseufsion, welche in den spanischen Cortes über bie von Serrano angeregte Frage der VersaffungS-Revision stattfand, hatte bekannt­lich eine große Majorität gegen dieses Verlangen der Opposition ergeben. Ein ebenfo günstiges Resultat für die Monarchie hatte die Debatte über ben confer* nativen Vorschlag in einer der letzten Sitzungen vor Weihnachten zur Folge, nämlich dem Könige die Glückwünsche der Kammern zur Geburt der zweiten Infantin zu übermitteln unb ihm zugleich die Anhänglichkeit der Demokraten an bie Dynastie mitzutheileu. Der Antrag warb mit großer Majorität ange­nommen, nur die Gruppe Castelar stimmte dagegen, deren Chef heb alo einen unversöhnlichen Feind der Monarchie erklärte. Die Resultate der zwanzigtägigen Campagne der spanischen Corteü sind folgendem Die Berfaffungs-Revtsion ist von der Tagesordnung verschwunden, das Ministerium Sagasta hat ein Ver- trauensvotum erhalten, das im Zusammenhang mit dem Ausgange der General­rathswahlen das Cabinet als befestigt erscheinen läßt.

Die neuerlich wieder sich bemerkbar machenden Cholerafälle in Suez und andern Ptttilten des Suezkanals fordern die Aufmerksamkeit Europas übermal» heraus. Mit dem Suezkanal i)t die Cholera an den äußersten L Horen Europas angelangt und die Gefahr hat sich hiermit gesteigert, daß der gefürch­tete asiatische Gast Europa selbst einen Besuch abstatten wirb. In Arabien gewinnt die Seuche trotz aller Vertuschungsversuche bei türkischen Regierung immer mehr an Ausdehnung, namentlich haben sich die Cholerasalle in Medina gemehrt. Hoff.-ntlich trifft die internationale Gesundheits-Commission in Alcran-