Vorstellung in der Oper, die eine öffentliche war, bei. Als derselbe mit der königlichen Familie in der Loge erschien, wurde er von den zahlreich anwesenden Zuschauern, welche sich von ihren Sitzen erhoben, mit einer lebhaften Ovation begrüßt, während dre Musik den deutschen Kaisermarsch spielte. Der Schluß der Vorstellung, welcher gegen 1 Uhr erfolgte, bot von Neuem Anlaß zu einer enthusiastischen Kundgebung für den deutschen Kronprinzen. Derselbe hatte das Band des Großkordons des Mtlitärordens vom h. Ferdinand angelegt, während der König das Band des Schwarzen Adlerordens trug. Heute Vormittag wird der Kronprinz dem Gottesdienst in der Kapelle der englischen Gesandtschaft beiwohnen und mit dem Könige einer E-nladung zum Dejeuner in der englischen Gesandtschaft folgen.
— Der deutsche Kronprinz stattete gestern vor dem Ausflug nach Pardo dem Patriarchen von Indien einen Besuch ab. Heute Nachmittag besichtigte der Kronprinz die königlichen Marställe. Abends findet im Nachhause das von Seittn der Stadt «rrongirte Fest statt. Für morgen ist die Jagd tn Casa Camps und für Dienstag ein Ausflug nach dem Escurio! in Aussicht genommen. Am M'.ttsoch wird der Klonprinz einer Felddienstübung der Truppen der Garnison beiwohnen.
— Der Ministerpräsident Posada Herrera hat b et einem Zusammenstoß seines Wagens mit einem Privatfubrwerk eine Verletzung der Hand erlitten.
— Der französische Botschafter hat dem Ballfcst am Freitag Abend wegen einer leichten Unpäßlichkeit nicht beiwohnen können.
Lokale-.
Gießen, 2. December. (Theater.) Die Posse von Kalisch: „Einer von unsere Leut'" gehört, mit dem durch die besten Muster der Posse gebildeten Maßstab gemessen, zu den besseren ihres Genres. Daß sie schon einige Dccennien zählt, merkt man an den Anspielungen, die sich auf politische und sociale Vorkommnisse der fünf; ziger Jahre stützen. Die Hauptfigur ist der Handelsjude Isaac Stern, ein edler, braver Mensch, der eS sich zur Aufgabe macht, die Ehre seines ungerecht angeklagten Vaters und die des zur Untersuchungshaft gezogenen Schlossermeist^rs Frühauf zu restitutren und alle Hindernisse für daS zu copulii ende Liebespaar wegzuräumen. Herr F. Braut- lecht hielt sich im Ganzen in den Grenzen darstellerischer Msß'gung; nur müssen wir gegen solchen auf den Beifall deS Galeriepublikums speculirenden Wrtz, wie er ihn sich in der Apotheke zu Schulden kommen ließ, im Interesse der guten Sitte aufs Entschiedenste protestiren. Ein kleiner Zusatz Ehrbarke,t in seinem überschäumenden Blute wird ihm und seinem Institute nur zum Vortbeile gereichen. — Neben ihm traten vortheilhast aus dem Rahmen heraus: Here Schreiner (Gerichtsbeamter Ducker), Herr Rtckelt (Frühauf), Fräulein Pögner II. (Ernestine Früh auf) und Herr Peters (Apothekergehilfe Stößel).
Gießen, 3. December. (EiS Verein j Um vielfache Zweifel zu heben, theilen wir hier nochmals die feiner Zeit in unserem Blatte veröffentlichten Siatuten-Bestimm- uvgen über Beitritt und Beitrag mit: Mitglied des Eis Vereins kann ohne Unterschied des Alters und Geschlechts jeder Freund deS Schlittschuhlaufen^ werden. Der jährliche Beitrag der Mitglieder beträgt 1 X 50 für wertere Familienglieder und alleinstehende Schüler und Schülerinnen j: 50 Der Beitrag einer Familie soll 3 X nicht übersteigen, so daß Familien von über 4 Köpfe für die weitere« Glieder nichts zahlen.
Jedes Mitglied hat feinen Beitritt dadurch zu erklären, daß eS seinen Namen in daS Mitglieder-Verzeichniß eintragen läßt. Zum Austritt auS dem Verein bedarf eS einer schriftlichen Anzeige beim Vorstande, dieselbe ist jedoch nur bis zum 1. November für den folgenden Winter zulässig.
Die Mitglieder - Verzeichnisse zur Beitritts-Erklärung liegen bei den Herren E. Balser und Fehsenfeld offen.
Vermischt« s.
Watzenborn und Steinberg, 2. December. Bei der am 28. November statt- gehabten Bürgermeisterwahl wurde unser seither ger OrtsgerichtSmann Balthaser Heß II. von Steinberg mit 148 Stimmen als Bürgermeister für die Gemeinden Watzenborn und Steinberg gewählt. Möge sein Amt ein recht langes und segensreiche- werden, auch das Zutrauen, welches ihm die Gemeinde schenkt, in Erfüllung gehen.
— Ein furchtbares Verbuchen wurde am vorletzten Samstag in Laconia (New- Hampshire) verübt. Ein gewisser Thomas Somon ermordete eine Frau Ford, bei welcher er logirte, packte die Leiche in einen Koffer und fuhr mit demselben nach dem eine Meile entfernten Hause eines gewissen Jamrs Ruddy, bei w-lchem er sich ein- logirte. In der Nacht am Samstag ermordete er Ruddy und dessen Kind und verwundete Frau Ruddy mit einem Beile derartig, daß er glaubte, sie sei tobt. Dann steckte er das Haus mittelst Petroleum in Brand. Das Feuer alarmirte einen
Nachbar, der Frau Ruddy im Freien liegend send. Sie war nämlich auS dem Fenster gesprungen. Das Feuer wurde gelöscht. Frau Ruddy liegt im Sterben, ist aber im Stande gewesen, Aussagen zu machen. Samon wurde am nächstfolgenden Tage verhaftet.
Eingesandt.
Nächsten Freitag und Samstag wird, wie wir vernehmen, Herr H. Müller Oberregisseur der König!. Schauspiele zu Hannover, in drei seiner besten Nollen gastiren, nämlich als Bloom in „Nosrnmüllcr und Ftnkr", als Rath Presser in w@r muß aufs Land" und alS Dorfrichter Adam tn Kleist's „Zerbrocyenen Krug". Herr Oberregisseur Müller ist in weiteren Kreisen durch seine Bearbeitung des Goethr'schen Faust bekannt welche Einrichtung (an 4 Abenden) bereits mehrere Male im Hostheater zu Hannover in Scene gegangen tft. Herr H. Müller ist ein vorzüglicher Vertreter der humoristischen Väter- und Charakterrollen. Nach Döctng's Tode wurde er als Einziger würdig befunden, den Falstaff am König!. Schauspielhause in Berlin zu spielen. Es ist dies Gastspiel jedenfalls ein Eretgniß für das Gießener theaterbesuchende Publikum, dem ein solch außergewöhnlicher Kunstgenuß selten geboten wird. Wir wollen nicht verfehlen, nachdrücklichst darauf aufmerksam zu machen.
Handel und Derkehr.
Grünberg, 1. December. (Fruchtpresse.) Weizen X 18.60, Korn X 16.70, Gerste X 14.00, Hafer X 14.00, Erbsen X 17.10, Lein X 00.00, Samen X 24.70, Kartoffeln X 0.00.
Frankfurt, 1. December. Auf dem heuttgen Markt kostete der Eentner Heu X 2.80—3.50, Stroh X 3.20—3.50, Eier das Hundert X 6.40—9.50, Butter 1. Qualität X 1.25, 2. Qualität X 1.15, Kartoffeln per Centner X 1.70—2.25, Kohlrabi 3—5 H per Stück, Erbsen per Pfd. 00—00^, Rothkraut per St. 12—30 Poularden X 0—0, Huhn 1.50—2.20, 1 Ente X. 2.00—3.00, 1 Taube 50—60 4/ Hahn X 0.75—1.30, Gans X 5—8.00, Welsche X 8—9.
MsEA-et tu M.- 3. Decbr., Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 237Vh, StaatSöahnactien 263 Vz, Galizier 240V«, Lonrdarden 118 V«, Nnrd- weftbahnactien 153 Vg, Gotthardbahnactien 94V«, Darmstädter - Bankactien 153-/., Disconto Commandit 185V«, Oesterr. Silberrente 6613/ie, 4% Ungar. Goldrente 73Vg, 4°/q 1880er Russen 7£3/8, 5V0 1877r Ruffen 90V«, 2. Orient-Anleihe 55V«, 4<V0
Soanier —, 5% Rumänische Rente —, 4% Nnific. Egvpter 64V«, 5% Türke»
96/&, Marienburger 90, Hess. Ludwigsbahnact. —. Tendenz: abgeschwächt.
Repertoir der vereinigten Stadttheater ;u Frankfurt a. M.
Opernhaus.
Dienstag den 4. December: Ftdelis.
Mittwoch den 5. December: Gastspiel deS Königl. Kammersängers Herrn Voal auS München. Lohengrin. (Lohengrin: Herr Vogl.) Außer Abonnement.
Donnerstag den 6. December: Zum ersten Male wiederholt: Lakme.
Freitag den 7. December geschlossen
SamStag den 8. December: Gastspiel des Königl. bayr. Kammersängers Herrn
Vogl. Tannhäuser. (Tannhäuser: Herr Vogl.)
Sonntag den 9. Dec-mber: Don Juan.
Schauspielhaus.
Dienstag den 4. December: Zum ersten Male wiederholt: Der König von Kandia.
Mittwoch den 5. Dec-mber: Die Journalisten.
Donnerstag den 6. December geschloffen.
Freitag den 7. December: Neu einstudirt: Er muß aufs Land.
SamStag den 8. December: Die KarlSschüler.
Sonntag den 9. December: Er muß aufS Land.
Temperatur in Gießen.
November 1883.
Niederste . . . .. . . . — 4,0 OJEL
Mittlere.......+ 3,55 „
Mittel früherer Jahre 4- 2,63 ,
Höchste.......-ft 9,8 „
Niederschlag an 22 Tagen .... 1,78 Par. Zoll.
„ im Mittel früherer Jahre an 16 Tagen 1,97 „
Allgemeiner Anzeiger.
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