Ausgabe 
4.11.1883 Erstes Blatt
 
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mit der Errichtung von Baraken vorgegangen werde. Ein -n die Unglücks­stätte abgesandter Flügeladjutant soll dein Sultan eingehenden Bericht erstatten. Der General-Gouverneur von Smyrna telegraphirt, daß der kaiserliche Aviso Ismail" sich mit den angewiesenen Unterstützungen und Hülfsmitteln bereits unterwegs befinde.

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Kiesten, 2. November. sTheater.jEine Biographie Bismarcks" von Julms Rosen steht bezüglich der Conception noch erheblich unter Allem, was unS dieser Autor geboten hat. Vielleicht wäre der Schwank zu retten, wenn die an sich outrirte Rolle des Schulmeisters Fischer nicht noch übertrieben würde.

Das Lustspiel:Wenn Frauen meinen" von A. v. Winterfeld wurde im Allgemeinen besriedtgend gespielt, namentlich wußte Herr Voigt seiner Partie als Herr von Stein die heitersten Setten abzugewinnen.

Das Beste des Abends war das GenrebildAdelaide" von Dr. Hugo Müller. Es sührt uns eine Episode aus dem Leben des großen Meisters Beethoven vor. Ein ungeheures Schicksal", anfangs leise mahnend, dann mit dämonischer Gewalt immer mehr nm sich greifend und unentfltehbar, ein Herzeleid für jedes hörende Menschenkind, aber den Musiker mit Vernichtung bedrohend, überfällt den Künstler; er wird schwer­hörig. Allmälig lockerten sich die Bande, welche den Kranken an die Menschen knüpften; nur mit der Tochter seiner Wirthin, der er die Worte vom Munde abltest, verkehrt er noch. Wenn der Schwerhörige gespannt lauscht und doch unsicher vernimmt, wenn er ängstlich beobachtet, um den Mangel des Gehörs zu ersetzen, dann wuchert schon das Unkraut des Mißtrauens in seinem Herzen. So wurde auch Beethoven immer arg­wöhnischer, verschlossener und reizbarer bisder Umgang mit ihm eine wirkliche An­strengung", selbst für seine besten Freunde wurde. Herr Schölermanu stellte dm unglücklichen Mann in Maske und Haltung ganz ausgezeichnet dar. Wir fühlen lebhaft, wie der Künstler, der sich dem Spotte seiner Feinde anheim gegeben sieht, unter Scham und Gram fürchtet, daß ihm der heilige Beruf, für den feine Seele glüht, entrissen wird, wie er in Trostlosigkeit versinkt und dennoch, weit entfernt, seine Leier zu zerbrechen, seinem Künstlerberufe treu bleibt und muthig weiter schafft.

Die unglückliche Liebe zu einemzauberischen Mädchen", das ihn wieder liebte, ist historisch; nur hieß die Dame nichtAdelaide". Es war die junge Gräfin Gtulietta bi Guicciardi, der er die Cis-moll-©6nate gewidmet hat. Sie vermählte sich plötzlich mit dem Grafen Gallenberg und es ist bisher nicht bekannt geworden, ob Untreue öfter Jntriguen das innige Herzensband zerrissen haben. Sie wurde nicht glücklich. Als sie mit ihrem Gemahl aus Italien nach Wien zurückgekehrt war, suchte sie ihren früheren Geliebten auf. Unter Thränen sah sie ihn wieder, aber er stieß sie von sich. Anders in unfern Stücke. Die Gräfin, von ihrem Gatten geschieden, kehrt nach Wien zurück und sucht Beethoven auf, um ihm fortan als Freundin anzugehören. Beethoven fühlt, daß sein Selben sie für bas ganze Leben von einander scheidet und bittet sie, nicht mehr wiederzukommen.

Das Publikum verhielt sich anfangs sehr kühl und beobachtete eine Zurückhaltung, die uns mit der meisterhaften Leistung des Herrn Schölermann nicht im Einklang zu stehen schien, zeichnete ihn aber später und zum Schluß mit wohlverdientem Bei­fall aus.

sMusikalisches.j Rach uns zugegangenen Berichten der Tagesblätter aus Mannheim und Ludwigshafen vom 27.October hat in letzterer Stadt Fräulein Betty Küchler in bet ersten Kammermusiksoiröe mit großem Erfolge gesungen und wird am 6. b. Mts. in der Tonhalle in Zürich in einem Concert derAllgemeinen Mustk- gesellschast" als Solistin auftreten.r.

- fShakespeare-Abend.^ Zwingender Verhältnisse wegen findet die für heute Abend 8 Uhr angekündigte Freie Recitation durch Herrn Bruno Fried aus Wien erst am Dienstag den 6. d. Mts. definitiv statt. Der Billetverkans ist nach wie vor in Ferber's Universitätsbuchbandlung.

Eingesandt.

Mit dem morgigen Tage nimmt die ßutberfeier in unterer Stadt, wie weithin in ganz Deutschland ihren Anfang. Naturgemäß ist es zunächst die lutherische Kirche, welche bei dieser Feier in den Vordergrund tritt, gilt diese doch ihrem Stifter, dessen Namen sie trägt, dessen im inneren, wie im äußeren Kampfe errungenen Ueberzeugungen die Grundlagen ihres Glaubens bilden. Doch halten wir es für verkehrt, das Fest als ein einseitig evangelisches aufzufassen. Neben seiner Bedeutung als Gründer evangelischen Kirche hat der Reformator noch eine andere weit höhere, wiltgeschichtliches nationale. Luther gehört zu den Geistesheroen, die für die Freiheit der Forschung mit männlichem Muthe eintraten und die uns den Boden bereiteten, in welchem untere Wissenschaft wurzelt. Das ist seine weltgeschichtliche Bedeutung. Und wer wollte verkennen, was unsere Muttersprache, was deutsche Zucht und Sitte ihm verdanken I Wer wollte die nationale Bedeutung Luthers leugnen?

So möchten wir am Vorabend des Festes uns nicht nur an dieevangelischen", sondern an alle deutsch gesinnten Einwohner Gießens mit der dringenden Aufforderung wenden, dieses Fest als ein echt nationales Fest mitzufeiern. Aber auch das ComitS möchten wir bitten, die nationale Seite neben der kirchlichen nicht aus dem Auge zu verlieren. In dem Vortrag des Herrn Professor Oncken wird dieses Moment sicherlich zur gebührenden Geltung kommen, aber auch bei Pflanzung der Luthcrlinde möchten wir diese Seite vor Allem betont sehen und wir würden deshalb den Bürgermeister, als Vertreter der Stadt, für denjenigen gehalten haben, der kraft seines Amtes am geeignetsten gewesen wäre, diese Seite zum Ausdruck zu bringen. Durch die gottes- oienstlichen Feierlichkeiten wird ja der confesstonelle Charakter des Lutherfestes genügend hervorgehoben, aber nur wenn auch die nationale Seite des Lutherfestes zur gebührenden Geltung kommt, kann unseres Erachtens das Fest in einer der Be­deutung Luthers würdigen Weise gefeiert werden. E.

Geehrter Herr Redacteur!

Gestatten Sie eine Erwiderung auf die Notiz aus Grüningen in Nr. 251 Ihres geschätzten Blattes betr. die Grüninger Bürgermeisterwahl.

Der Einsender sagt, der seitherige Bürgermeister, der das Amt 18 Jahre lang zur allgemeinen Zufriedenheit hiesiger Gemeinde geführt Hai, wurde bei der gestrigen Wahl wiedergewählt, ein Zeichen des Vertrauens und Dankes der Gemeinde, ohne zu

erwähnen, daß der Bezeichnete nur 58 Stimmen, sein Gegencandidat Milk ram, .

59 Slimmeu erhielt, von denen allerdings eine Stimme, mell ntot aan»®, IU- schrieben, verworfen wurde und der seuherig- Bürgermeister nun hur* ßo flt:

bestimmt, vorläufig als wiedergewählt vroclamirt wurde. Von Seiten ber ^00B

wurde sofort Reklamation eingeleitet und die Entscheidung einer böberen 5RehSrh.nparle' die Wahl und für Bestätigung ihres Candidaten nachgesucht Beßcn

^ele Wähler in Güningen.

Oandel und Berkehr

Gießen, den 3. Novbr. Aus dem heutigen Markt kostete: Butter ner sm- < M. 1.00-1.05, Hühnereier per Stück 7 H, Käse Stück 5-9 \,Äatte Erbsen per Liter 23 Linsen 32 H, Tauben per Paar 5065 4 '5>'

Stück 0.851.00, Hahnen per Stück M. 0.651.00, Enten pr. StHl Ochsenfleisch per Pfund 7072 4, Kuh- und Rindfleisch 5660 Kalbfleisck -iuÄ 54 Si, Schwemefleffch 6264 H, Hammelfleisch 6070 H, Kartoffeln per 100°^ X 3.00-3.50, Milch pr.Ltr. 13-18 H. Gänse pr. Pfd.H50-58 3oiebeInper «5° M 7.00. Weißkraut per Stück 3-7 4. ^leoein per Ctr.

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ließen.) SExiTtrtftäbter säsänfärtien Ä «A ZLU / I In ftrtV

a. M., 3. Novbr., Nachmittags 2 Uhr Min. fZeleornnMr* Coursdericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Creditactien 235>/i, Staatsbahnactien 266, Galizier 240V«, Lombarden- westbahnactienGotthardbahnactien 94V-, Darmstädter - Bankactien 1501/ Dtsconto Commandrt 181 Vs, Oesterr. Silberrente 66«/iS, 4% Ungar. Goldrente Ws/1' 4% 1880er Ruffen 70'Vw, 5% 1877r Russen -, 2. OtientMÄ/, 3> Spamer, 5°/o Rumänische Rente 93'/-, 4% Unistc. Egypter 68'/-, 50/ s-n,!'0 IOV4, Marienburger, Hess. Ludwigsbahnact. Tendenz: schwach. ' £flrten

Temperatur in Gießen.

Ociober 1883.

Niederste....... 0,8 °R.

Mittlere ....... 4- 6,93

Mittel früherer Jahre 4 7,24

Höchste.......414,0

Niederschlag an 11 Tagen .... 1,61 Par. Zoll.

im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 1,97

Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Giekev

Eheschließungen. u

Ociober. 31. Kappemnacher Salomon Walldorf mit Johanna Stein, Tochter des verstorbenen Hand-.lsmannes Moses Stein zu Gießen. 2- Weißbinder Heinrich Sack mit Caroline Reh, Tochter des verstorbenen Landmannes Johann Wilhelm Rea zu Gießen. 2. Handelsmann Werner Kreuzer mit Margarethe Boß, Tochter des Webers Heinrich Boß zu Gießen-

Geborene.

Ociober. 15. E-ne Tochter von auswärts, Clara. 18. Ein Sohn von auswätts Carl. 21. Dem Schuhmachermeister Wilhelm Schmidt eine Tochter. 22. Ein Sohn von auswärts, Carl. 23. Dem Kaufmann Heinrich Eichenauer eine Tochter, Bertha Emilie Charlotte. 24. Eine Tochter von auswärts, Marie. 25. Dem Bahnarbeiter Heinrich Berg eine Tochter, Katharine Louise Wilhelmine. 25. Dem Schreinermeister Wilhelm Donau ein Sohn, Adolf Heinrich. 26. Dem Hülfsheizer bei der Main-Weser- Babn Wilhelm Ludwig eine Tochter, Auguste Caroline Elisabeth. 27. Dem Dreher Ernst Moos ein Sohn, Hermann Max 28. Ein Sohn von auswärts, Ludwig. 29. Eine Tochter von auswüits, Anna. 29. Dem Schneider Johann Georg Viafl ein Sohn, Carl Justus Adolf Emil.

Gestorbene.

Ociober. 27 Ein Sohn von auswärts, 12 Tage alt. 29 Marie Becker 30 Jahre alt, Tochter des verstorbenen Schuhmachermeisters Philipp Becker. 29. Schuh­macher Adam Leib, 21 Jahre alt, von Krofdorf. 29. Taglöhner Sebastian Schneider 38 Jahre alt, von Willofs. 30. Marie Schmidt, geb. Hittel, 29 Jahre alt, Ehefrau des Dachdeckers Johann Christoph Schmidt von Offenbach a. M. 30. Der Portier bei der Main-Wefer-Bahn Jacob Kehraus, 56 Jahre alt, 30. Leinweber Heinrich Lotz, 46 Jahre alt, von Strebendorf. 31. Georg Allendörfer, 47 Jahre alt, von Lützellinden- 31. Ernst Wilhelm, 6 Jahre alt, Sohn des Schuhmachers Georg Hoos. Novbr. 1. Fuhr­mann Philipp Gorr, 60 Jahre alt- 1. Metzger Johannes Decker, 69 Jahre alt 1. Bergmann Wilhelm Scheurer, 30 Jahre all, von Cramberg.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getaufte.

Den 27. October. Dem Professor Dr. Bernhard Stade eine Tochter, Meta BkUiha Johanna, geboren den 19. September.

Denselben. Dem Kaufmann August Wehn ein Sohn, Max Heinrich Karl Gustav August, geboten dm 25. September.

Den 28. October. Dem Drofchkmsuhrwerksbesitzer Karl Huhn ein Sohn, Wilhelm Max Chrrstian Jacob, geboren den 23. September.

Denselben. Dem Gärtner Johann Saiger ein Sohn, Wilhelm Karl Gustav, geboren den 13. August.

Denselben. Dem Schuhmacher Jakob Gerhard eine Tochter, Marie, geboren den 4. September.

. ,t®1 30 Ociober. Dem Schneider Georg Löb eine Tochter, Karoline, geboren

den 12. October.

Dm 31. Ociober. Dem Fabrikanten August Ackermann ein Sohn, August, geooren dm 24. September.

, Beerdigte.

ri,. Dm 31. October. Marie Becker, ledige Tochter des verstorbenen Schuhmachers Philipp Becker, alt 30 Jahre, starb dm 29. Ociober.

Den 1. November. Jacob Kehraus, Portier an dem Main-Weser-Bahnhof, alt 16 Jahre, starb dm 30. Ociober-

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