Ausgabe 
4.11.1883 Erstes Blatt
 
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2S7. Erstes Blatt. Sonntag dm 4. November 188A.

(<jießciier Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

- ' ' ~ Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlot-.

Vureau: Schulstrab- 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Lurch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.

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Betr.: Maßregel gegen Landstreicher und Bettler. Gießen, den 1. November 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir sehen Ihrem Berichte binnen 8 Tagen darüber entgegen, welche Einrichtungen Sie in Gemäßheit unseres Ausschreibens v. 14. August l. I. tAmeiaer Nr. 188) getroffen und wie sich solche bewährt haben.

1 9 Or. Boekmann.

-----------~" Gießen, den 2. November 1883.

Betr.: Die Vollziehung des Gesetzes vom 6. Juni 1853, die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr und die Vergütung der Brandschäden.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch int Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 1. October 1883 binnen acht Tagen. Dr. Boekmann.

Gefundene Gegenstände r

i 9 g-nttiontiiAer 1 Taickeniabrvlan 1 Taschenmesser, 1 Säbelkupp'l, 1 Tasche mit Portemonnaie, 1 Stück Druckzeug, 1 Scheere, 1 Gewichtstein

1 Eismolltuch 1 'Pferdeteppich, 1 Mütze, Zwanzig Pfennige, 1 Taschmtuch mit Kaffee und Reis, mehrere Schlüssel und tzundeblechmarken.

Gießen den 3'. November 1883. Grobherzogliches Mizeiamt Gießen.

p Fresenius. ..............

------------------------ Gießen, den 2. November 1883.

Betr.: Die Ausführung des Neichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen.

Das Großherzoglicht-Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Sie erhalten von uns k. H. einen Abdruck des Gesetzes v. 13. Juli l. I. (Regier.-Bl. S 85), welchen Sie der Ihnen seiner Zeit zugesandten Niemer v 1881 Nr 80) amtlichen Handausgabe über das Reichsviehseuchengesetz beibinden lassen wollen.

u'5 8 0r. Boekmann.

Setr.: Den Rundgang der Feldgeschworenen im September und October 1883. Gießen, den 1. November 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreiße«.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 3. September 1883 binnen acht Tagen. Dr, Boekmann. ______________________________

Betr.: Den im October 1883 vorzunehmenden Wiesengang. " Gießen, den 2. November 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 15. September 1883 binnen acht Tagen.

Dr. Boekmann.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's teUflt. CorrespondeM'Bttrtan.

Berlin, 2. November. DerReichs-Anz." meldet, die Rinderpest sei im Reichsgebiet als erloschen anzusehen.

Die deutsche Cholera-Commission begiebt sich nicht, wie zuerst beav- sichtigt war, nach Bombay, sondern nach Kalkutta, welchen Ort der Leiter der Expedition, Geh. Regier.-Rath Dr. Koch, als zur Fortsetzung der wissenschaft­lichen Arbeiten für geeigneter hält.

Ernestine Wegner, die weitbekannte Soubrette des Waüner-Theaters, ist heute Mittag in Wiesbaden gestorben.

Danzig, 2. November. DieDanz. Ztg." berichtet aus Dirschau über die Verhaftung einer sich Piotrowski nennenden Persönlichkeit, welche sich selbst beschuldigt habe, von russischen Nihilisten zur Ausführung eines Attentates auf den Reichskanzler, Fürsten Bismarck, abgesandt zu sein. Bet der Vernehmung habe er angegeben, er sei ein russischer Schauspieler, von den Nihilisten mit Reisemitteln versehen und über Riga nach Danzig gesandt worden. Die Geld­mittel seien ihm in Danzig gestohlen worden. Bei dem Verhafteten seien eine Morphmmsvritze und ein nihilistisches Gedicht vorgefunden worden. ,

London, 2. November Die beiden Gesellschaften der unterirdischen Eisenbahn haben eine Belohnung von je 250 Pfd. Sterl. für die Entdeckung der Urheber der Explosion vom 30. v. Mts. ausgesetzt. Die Regierung soll eine Belohnung von 500 Pfd. Sterl. zugesichert haben.

Kairo, 2. November. Eine osficielle Bestätigung der Nachricht von der Niederlage des Mahdi und der Eroberung von El Obeid durch Hicks Pascha ist bis jetzt noch nicht eingegangen. Die Nachricht wird in Zweifel gezogen, da nach den Berechnungen der militärischen Behörden Hicks Pascha sich noch 7 Tagemärsche weit von El Obeid befunden haben dürfte, als der angebliche Sieg erfochten wurde. , , t ,

Konstantinopel, 2. November. Der Sultan hat befohlen, daß an die von dem jüngsten in Tschesme und Vourla stattgefundenen Erdbeben Be­troffenen Lebensmittel und Baumaterialien verabreicht werden und unverzüglich

London, 1. November. Die Handhabung des Dienstes aus den Fahr­zeugen der englischen Kriegsmarine scheint, im Hafen wenigstens, nicht immer mit der erforderlichen Achtsamkeit controlirt zu werden. Anders kann man es kaum erklären, daß das im Hasen von Deventort ankernde PanzerschiffRoyal Albert", von 3726 t und 500 Pferdekraft, dieser Tage beinahe zu Grunde ge­gangen würde. Man bemerkte nämlich ein allmäliges Sinken des Schiffskörpers; das Wasser stand schon 10 Fuß hoch im inneren Raum, als eine Untersuchung ergab, daß n.icht etwa ein Leck an dem Eindringen des Wassers schuld war sondern ein unter den Seespiegel reichendes Zuleitungsrohr zu dem 'Maschinen raum, dessen Verschluß offen stand. 0) Kann dieser Umstand nur einer grobe! Dienstwidrigkeit zugeschrieben werden, so ist es nicht minder charatieristtsih, das das Sinken des Schiffes nicht etwa von der an Bord befindlichen Wache, son dern von der Bemannung eines zufällig vorüberpassirenden Prlvatdampfev wahrgenommen wurde. DerRoyal Albert" war gerade außer Diu 96 eUt Während in früheren Jahren die englische und französische Hand6- welt den Orient nahezu ausschließlich beherrschte, gewinnt neuerdings auch dr deutsche Handel bereits zusehends an Terrain im ganzen Orient. Der deut, c Handel ist auf allen Gebieten im Orient einheimisch. Son seinen Mitbemt- bern wird ihm das Zeuqniß ausgestellt, daß er bei den großen offemlichen Ar­beiten bis zu den Artikeln des täglichen Lebens die Intentionen der deutscen Politik im Orient vollkommen erfaßt und sich auch hier - wie neuesten m allen Welttheilen - als tüchtig und kühn zugleich bewahrt habe sich begreiflichem Interesse verfolgen daher alle am orientalischen ^xpottge , beteiligten Kreise den Fortgang der in Oesterreich - Ungarn immer lebhcter werdenden Bestrebungen zwecks Regulirung des gesammtm Donault uf , Werk, das in Verbindung mit dem Ausbau des orientalischen Bahnnetzes rem centraleuropäischen Handelsverkehr nach dem Morgenlande einen ganz amr- ordentlichen Aufschwung verleihen dürfte.