Ausgabe 
4.8.1883
 
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Str. 178» Samstag den 4. August 1888

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

vvreau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme deS MsNtagl. Preis vierteljährltch 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlvha.

" Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mark öl) Pf.

Amtlicher T st e i l.

Betreffend: Mililärschießübungen.

Bekanntmachung.

Das Füsilier-Bataillon des 116. Infanterie-Regiments wird Freitag beit 10. August und Samstag den 11. August, von 10 bis 1 Uhr, Lchießübungen in dem Terrain östlich Garbenteich abhalten, und zwar zwischen dem Weg GrüningenSteinbach und demHohen Stein", südlich durch den Weg GarbenteichLich, nördlich durch dasGeseng" und denHöhler Berg" begrenzt.

Die Großh. Bürgermeistereien Lich, Garbenteich, Grüningen, Steinbach, Albach, Hausen, Watzenborn und Dorf-Gill haben dies mit dem Bemerken noch besonders in den Gemeinden bekannt machen zu lassen, daß das Betreten des Terrains innerhalb der Straßen GarbenteichLich, GrüningenSteinbach mb Steinbach -Lich zu der bemerkten Zeit verboten und daß den Weisungen der aufgestellten Sicherheitsposten Folge zu leisten sei-

Eine Sperrung der Chaussee SteinbachLich ist nicht erforderlich.

Gießen, den 2. August 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. B.: vr. Hoffmann, Regierungsrath.

Politische Ueberficht.

Gießen, 3. August.

Die Gast einer Kur Kaiser Wilhelms neigt sich ihrem Ende zu, ta her Kaiser am kommenden Dienstag Gastein zu verlassen gedenkt, um sich vorläufig nach Ischl zu begeben, wo am folgenden Tage die Begegnung mit Ner Franz Josef stattfindet. Der Aufenthalt an den heilkräftigen Quellen Weins ist auch diesmal von der erfreulichsten Wirkung auf das Gesammt- Wnden des greifen Monarchen und befindet sich derselbe trotz des kühlen und tierischen Wetters, welches in den letzten Wochen auch in Gastein herrschte, durchaus frisch und rüstig. Der Ankunft des Kaisers in Berlin resp. Reu- Nelsberg sieht man für den 10. oder 11. August entgegen, um welche Zeit oud) die Kaiserin von ihrem Sommer-Aufenthalt in Koblenz zurückgekehrt Irin dürfte.

Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat nun ebenfalls seine Hmger Kur begonnen und deutet dies darauf hin, daß die sowohl auf dem Mete der hohen Politik, wie in unfern innern Angelegenheiten herrschende Ziuhe allem Anschein nach auch für die nächste Zeit fortdauern wird. Was ekn Punkt anbelangt, so gießt nur die bevorstehende Kaiser - Eutrevue in Al der europäischen Presse Stoff zu eingehenden Betrachtungen und betonen herbei übereinstimmend die deutschen wie die österreichischen Blätter, daß auch h diesjährige Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef Wich die Fortdauer des deutsch-österreichischen Freundschasts-Berhältuiffes und >A Weitern die Erhaltung des europäischen Friedens bedeute. In Bezug auf Neve Politik ist nichts Wesentliches hervorzuheben; auf kirchenpolitischem Ge- biett ist der Waffenlärm fast ganz verstummt und nur dieGermania" und arlchiedene conservative Blätter polemisiren augenblicklich gegeneinander, wozu von derGermania" bekrittelte Ernennung des Hofpredigers Dr. Baur Mi General-Superintendenten für die Rheinprovinz den Anlaß gegeben hat. llch die Discussion über das Reichs-Eisenbahn-Project hat wieder aufgehört, nchdem sich herausgestellt hat, daß man an leitender Stelle in Berlin der Reali- Nliing dieses Gedankens vorläufig nicht näher treten will.

Die furchtbare Katastrophe, von welcher die Insel Ischia gossen worden ist, hat auch in Deutschland große Theilnahme erregt, nament- da sich zahlreiche deutsche Familien zur Zeit des Erdbebens auf Ischia be­iden. Eine Depesche des deutschen ConsulS in Neapel an den deutschen Nneralconsul in Rom meldet nun, daß diese Familien gesund und wohlbehalten ^Neapel angekommen seien; auch ist von Todesfällen unter den Deutschen auf Wia bis jetzt Nichts bekannt geworden.

Der letzte Act der Tragicomödie von Tisza-Eszlar, die Trnchtsverhandlungen von Nyiregyhaza, welche in beu letzten Wochen und Mo- die öffentliche Meinung Oesterreich-Ungarns fast mehr in Anspruch Nititn, als der Nationalitäten-Streit, ist nun zu Ende. Am Dienstag war ^ letzte Verhandlungstag und sollte die Verkündigung des Urtheils am Don- Mag, den 2. August, stattfinden. Daffelbe wird wohl noch einmal die

Wen Leidenschaften entfesseln, denn lautet es aus schuldig, so haben die Wolemiten die beste Gelegenheit, noch einmal über den Nyiregyhazaer Ge- chshof und die judenseindliche Gesellschaft Ungarns herzufallen, lautet das IHeil aber freisprechend, so werden wiederum die Antisemiten laut von der Dltechlichkeit der Richter Ungarns, von dem verderblichen Einflüsse der Balance israölite u. s. w. reden. In jedem Falle hat sich die ungarische Aizpfiege durch die Affaire von Tisza-Eszlar gerade kein glänzendes Zeugniß Mzestellt; es ist eben auch im Lande der Magyaren noch so Manches faul. Das Gerücht, daß die Cholera unter den aus der Bukowina nach Ungarn l^rg.esiedelten sog. Csango - Magyaren ausgebrochen sei, wird behördlicherseits m u-nbegründet erklärt.

In Frankreich beschäftigt man sich gegenwärtig mit großen finanziellen Aag.en. Der Finanzpolitik der Regierung hat die Deputirtenkammer ihre Zu- *nuimg in Bezug aus die Eisenbahn-Conventionen ertheilt, da von ihr die mit i»« OrleanSbahn und der Lyoner Bahn abgeschloffenen Verträge genehmigt M«n sind und auch die Convention mit der Nordbahn die Sanction der Shirmer finden dürste. Ferner hat jetzt die Regierung auch das außerordent- Lihe Budget für das lausende Etatsjahr festgesetzt, das in Ausgaben und Ein- mhmen mit 264 Mill. Frcs. balancirt. Außerdem soll dem Parlament vor -jyWn der Ferien noch der mit dem Ben von Tunis abaeicklosiene Vertraa

vorgelegt werden, welchem zufolge die französische Regierung dem Bey die Auf­nahme einer Anleihe zur Conversion der tunesischen Schuld garantirt; die zur Zinsenzahlung nöthigen Summen sollen von den Einkünften der Regentschaft und der Civilliste des Bey bis zum Betrage von 2 Mill. Piaster vorweg ge- nom'.nen werden.

Die Suezkanal-Angelegenheit nimmt einen für das englische Cabinet Gladstone recht günstigen Verlauf. Der Ansturm, den die Opposition in dieser Frage gegen Herrn Gladstone unternommen hatte, ist kläglich geschei­tert und der conservative Führer Northcote hat sich in der Montags-Sitzung des Unterhauses sogar eine eclatante Niederlage geholt. Von Northcote war der Antrag gestellt worden, eine Adresse an die Königin zu richten, in welcher die Aufmerksamkeit der Monarchen auf die Kanal-Affaire gelenkt werden sollte. Mr. Gladstone bezeichnete aber diesen Antrag als ein entschiedenes Mißtrauens- Votum gegen das Cabinet und das Haus lehnte denselben denn auch mit 282 gegen 183 Stimmen ab, welcher Erfolg den englischen Premier wohl mit neuem Muthe zur Fortführung feiner Geschäfte erfüllen wird.

Die Katastrophe von Ischia beherrscht in Italien aus­schließlich das Tages-Interesse. Der materielle Schaden, der durch das elemen­tare Ereigniß angerichtet worden ist, entzieht sich vorläufig jeder Berechnung und was die Verluste an Menschenleben anbelangt, so gruppiren sich die Ver­lustziffern immer furchtbarer. Jeder Tag erhöht die Zahl der Opfer um Tausende, denn während die ersten Berichte nur von ca. 2000 auf Ischia umgekommenen Personen berichteten, beläuft sich jetzt die Zahl der Todten schon auf ca. 8000 und vielleicht wird auch diese Ziffer noch überschritten werden. König Humbert weilte mit den Ministern de Pretis, Acton und Genala an der Unglücksstätte und in ganz Italien werden Geldsammlungen für die unglück­liche Insel' eingeleitet. Mehrere Ortschaften derselben, besonders Casamicciola, liegen bis auf wenige Häuser gänzlich in Trümmern und die Ueberlebenden Casemicciolas wollen gar nicht mehr an diese Stätte des Unglücks zurückkehren. Der Arbeitsminister Genala hat die Hülfsmaßregeln energisch in die Hand ge­nommen ; für die überlebenden Bewohner der zerstörten Orte werden Baracken errichtet und um dem Ausbruch von Epidemien vorzubeugen, werden die Leichen der Verunglückten mit Kalk überschüttet. Auch eine heftige Eruption des Vesuv wird signalisirt, ein Lavastrom soll sich gegen Torre del Greco hin er­gießen ; ein Zusammenhang dieser Eruption mit dem Erdbeben von Ischia dürste zweifellos fein.

Deutschland.

Darmstadt, 1- August. DerDarmst. Ztg." wird aus Houlgate, 30. Juli, geschrieben:

Seine Königliche Hoheit der Großherzog, Seine Königliche Hoheit der Erb- großherzog, sowie Ihre Großherzogltchen Hoheiten die ^Prinzessinnen Victoria, Irene und Alix hatten trotz der auch an der nordfranzösischen Küste herrschenden regnerischen Witterung während des Monats Juli eines günstigen Badeerfolges Aller­höchst sich zu erfreuen m ,,

Sowohl die Lage der hübschen und praktisch eingerichteten Villa Beauvau, welche die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften bewohnten, Die landschaft tchen Schönheiten der nächsten Umgegend, wie besonders die kräftige Seeluft und der Umstand, daß die Allerhöchsten Herrschaften bei jeder Witterung ohne Unterbrechung die Seebäder fre- quentiren, haben zu diesem höchst erfreulichen Resultat beigetragen. 1S} .

Kleine Ausflüge an dem Strande hin zur Zeit der Ebbe oder landeinwärts in die Umgegend, meistens zu Fuß oder in kleinen, selbst zu fahrenden Aragen wurden mehrmals unternommen. An Sonntagen besuchten die Allerhöchsten Herrschaften den Gottesdienst in der protestantischen Kirche in dem mit Houlgate eine Gemeinde bildenden SeU3eDSeine Königliche Hoheit der Großherzog hoben der ebensolls hier weilenden Königin Mari- von Iteapel und der Herzogin von Aienson, sowie dem Herzog von Al-vgon Allerhöchstseincn Besuch abgestatle! und es wurde derselbe von S-it-n des Herzogs alsbald erwidert. _ m . o i

Am letzten Montag, den 23. d.M., war Seine Durchlaucht der Prinz Ludwig von Battenberg hier angekommen. Hochd-rs-lb- reiste am Donnerstag den 26. 66. übet Trouville Parts nach London weiter, um In England dienstliche Angelegenheiten zu erledigen. Seine Königliche Hoheit der Grohherzog sowie Ihre Grobherzoglichen Hoheiten die Prinzessinnen Pt-torta und Irene haben Hochdem,eiben zu Wagen das Geleite bis zu dem nahezu zwei deutsch- Meilen von Houlgate entfernten Trouville fle8ebe@lner Einladung Ihrer Majestät der Königin von England zusolge werden Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Großherzoglichen Hoheiten die Prinzessinnen Victoria und Irene am 31. d. M-, Abends, Allerhöchstsich mit dem von Ihrer Majestät zur Disposition gestellten SchiffEnchantreß" nach England begeben;