1893
Donnerstag den 4. Januar
Erscheint tüflli» mit Ausnahme des Wentafl».
B»rca„ : Schulstraßc 7.
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*rd» vierteiMhrlich 2 Wart 20 Pf. mit Bringerin. Durch die Post bezogen vierteljkihrlich 2 Mart so Pf.
Deutschland.
Darmstadt, 2. Januar. Se. König!. Hoheit ;bcr Großherzog haben Allergnädigst geruht: • . ...
Am 1. Januar den Oberförster Friedrich Stolze m Oebisfelde aut iem Nachsucheu in den Ruhestand zu versetzen, an demselben Tage den Jagdjunker Dr. Richard v. Eschwege zum Oberförster in Oebisfelde zu ernennen und demselben die Functionen eines Aeinlercommiffürs für Die Aemter Hötensleben und Oebisfelde zu übertragen.
Aesterreich.
S8ien, 2. Januar. Der Gemeinderath nahm nach erregter, _an heftigen Ausfällen gegen die Regierung reicher Debatte den Antrag der «chulsectum, welcher die Lrlaubniß zur Gründung czechischer Schulen als gesetzwidrig und die 9Mk nltteten zu verhetzen geeignet erklärt, an.
Aranstreich.
Paris, 1. Januar. Gambcttn hat kein Testament hinterlaffen und wird bürgerlich begraben werden. Die Familie wünschte die Beisetzung in Nizza, aber bie Gambettrsien sind für Paris. Gambetta's Papiere follerr versiegelt werden, weil er hohe Aemter bekleidet hat.
men z» trotzen und gründete zur Abwehr am 5. November 1871 die „Röpubl' srancaise" mit Challernel-Lacour, Allam-Targe, Nanc und Spuller; wr Wlgle am 12 April 1876 „La Petite Röpubl. francaise." Garnbetta s ^hatigkeit war fortan die politische Agitation in der Presse und aus der Tribüne. In einer Privatvcrsammlunq vom 26. September 1876 proclamrrte er, dre „neue sociale SchiLt", die seit anderthalb Jahren im Aussteigen begriffen sei, woraus General Chanqarnier über die wachsende Kühnheit des Radikalismus Beschwerde erhob. Sein Streben ging jetzt dahin, alle liberalen Elemente zu „verlohnen und um sich zu sammeln. Er proclamirte die „zeitgemäße' Politik und wurde Führer der Linken, der er einen umfassenden volkswirthschastlichen Reformplan als Faime ausstcckte und über der er die inbirccte unverantwortliche Regierung in Scene setzte, die dann zu dem „großen Ministerium" führte, das ihm und ganz Frankreich die berühmte gror.c Enttäuschung brachte. Seitdem war er Dcrftirunt, kränkelte und nahm wenig Theil an den Kammer« und Pretzdebattm. Gambetta's politisches Leben blieb ein Torso: es wurde mehr von ihm erwartet, als er leisten konnte, und er traute sich mehr zu, als ein einzelner ü.ann, obwohl rüstiger Parteiführer, gegen den Instinkt und Willen einer Nation auszu- ftihren vermag, selbst im republikanischen Frankreich.
Das neue Jahr brachte in seiner ersten Minute eme wichtige Kunde । Gambetta, Exdictator der sranzösischeu Republik, ist m der 1 * * * 5 * * 8
Mitternacht, wie die Wolffiche Depesche meldet, gestorben. AIS vor ca. vier Wochen die Nachricht von der Schußwunde bekannt wurde, ahnte kemMensch, daß der französische Staatsmann daran seinen aod nehmen sollte. ^ie Um stände, unter welchen die Verletzung erfolgte, wurden von Anfang ‘ nivsiisches Diinkel gehüllt, das bis zur Stunde noch nicht voUstanbig aufgeklart ist Die Einen behaupten, Garnbetta habe sich unvorsichtiger Weise selbst ver. wundet^ die" Andern 'sagen, daß eine Frau und deren Eifersucht bie nächste Peranlaffung dazu war, daß dem Manne von Lahors cuu Kugel d rch den Arm ging. Ein eigeuthümliches Schicksal der Haupt,mder acher Deusichlands bleibt 'es, daß ihr Tod auf galante Abenteuer zuruckgcfuhrl ivild. Das Ende des Generals Skobclcff, der die Welt vor Jahres,nst nut seinen Brandreden qegen das deutsche Reich in Athen, erhielt, tritt unwillkürlich bei dem Ende Gambetta's in das Gedächtniß. Cherchez la femine .
Der Tod Gambetta's ist von weittragendster Bedeutung. Frankreich hat seinen ersten und besähigsten Staatsiuann verloren und mit ihm die erste un beste Stütze der gegenwärtig bestehenden Staatsform. In Deutschland haben wir keine Ursache, Trauergewänder anzulegen. Wir gangenen da« staatsmännische Talent, den durch Energie ausg>.,iichneten si g machten Mann' Wir achten in ihm den für fern Wim&tedn. erglübenden Patrioten, den .nächtigen Mann der unter den
.eines Staates mit kecker und kundiger Vand die Zügel bei Jkyuiung eig n. Wir lieben ihn nicht, denn er, war unser §emd Ebenso gluhenb wie sein Patriotismus war sein Haß gegen Deutschland. Er war bei Hohepriester de in jcdcr sranzösischeu Brust lebenden Revanche-GedankenS. Niemand kann wissen, was die Zukunft bringt. So viel darf mdeß behauptet werden, daß m dem Augenblick, wo der Kronprinz der französischen Republik seine Augen ans immer schloß, die Wahrscheinlichkeiten französisch • deutscher Verwickelungen in weitere »erneu gerückt sind. Wie sich der Tod Garnbetta 6 in Frankreich selbst äußern wird, läßt sich mit einiger Gewißheit vernmthen. Royalisten und Bonapart.,len werden zu neuen Anstrengungen liefen Athen, hole... Der Alp, welcher die monarchistischen Bestrebungen bedruckte, ist hinweggenommen. ^.r glauben daß die dritte Republik nut dem Ende GambcUa s am Anfänge ihres Ende« sich befindet. Es wäre bem sranzösischeu Volke zu wünscheu^daß die unvermeidlichen Uebergänqe von der republikanischen in bie monarchische otaatöform, welche doch
' t)Cm Charakter beS sranzösischen Volkes näher liegt, alo jedes andere 'Jtegimcnt, sich ohne erhebliche Eruptionen vollziehen möge. Denjenigen, wacher das verlorene Vnftige von Deutschland wieder erobern juoUlc, bedt halb em schwerer Stein. — Löon Michael Garnbetta ijt am 3. April 1838 tn CahorS geboren unb zuerst in einem kleinen Seminar unb bann im Jijccum der Stadt, sodann auf der Rechlüschnle in Paris ausgebildet und 1859 in« «arreou eingeschrieben worben, war bann nach einander Secretär bei den Advocaten Lachaud und Crömieux und trat in politischen Processen auf, spielte 1863 eine Rolle bei den Wahlen und vertheidigte am 17. November 1868 den Jteoacteur beß Mveil, Delescluze, der eine Geldzeichnung zur Errichtung eines Denkmals sür den Volksvertreter Baudin eröffnet hatte. Gambetta's Client wurde verurteilt, der Prvceß machte Yibcr Aussehen, und als der junge 9)iann von Eahorv Dann im März 1869 in Toulouse die „Emancipation" vertheidigte, wurden im l -icht entzündlichen Süden Lrundgebungen sür ihn in'ü Werk gesetzt Diese Stimmung bei den Wahlen von 1869 für den gesetzgebenden Körper klug benutzend, trat Garnbetta sosort in Paris und Marseille zugleich als Candidat auf unb wurde in beiden Orten als „Candidat der unversöhnlichen Opposition" gewählt und nahm für Marseille an. Sein Glück war gemacht. Im gesetzgebenden Körper trat der junge „unversöhnliche Oppositionüniann" am 7 Februar 1870 mit einem Proteste gegen die Verhaftung seines (Sollegen Nochefmt unb am
5. April gegen bas Plebitzcit auf, in welchem er bie Verneinung jeder Verfassung erkannte; dagegen widersetzte er sich wie mehrere andere Mitglieder der Opposition dem Kriege gegen Deutschland und wies die Anerbietungen der Häupter der Internationale zur Hervorrnsung einer Volksbewegung ob. Jaty bem Tage von Seban aber gehörte Garnbetta zu ben Hauptanstiftern bei
republikanischen Bewegung, proclamirte am 4. September 18<0 bie Nepublik,
würbe in Folge beffen Mitglied ber provisorischen Regierung ber nationalen Vertheibignng unb am ß. September Minister des Innern. Da bie Vemieidi- gung in der Provinz nicht viel Anklang sand, wurde Garnbetta durch Teeret vorn 4. October berufen, „sich unverzüglich auf seinen Pesten" nach Tours zu begeben, unb flieg im Luftballon von Paris auf. In Tours nahm Garnbetta ohne Weiteres bie brei Ministerien bes Innern, des Krieges unb der Finanzen in feine Hand. Die Thätigkeit, die Garnbetta jetzt entfaltete, ist bekannt; bie Versuche, nach Bourbaki's Katastrophe einzulenken unb Frieden zu schlichen, brandmarkte er als „sträfliche Leichtfertigkeit" und gab, als er nicht durchdrang, alle in die Hand genommenen „Machtvollkommenheiten" auf, wurde aber am
8. Februar 1871 in neun Departements für die Wationalvcrfammliing gewählt unb nahm für den Niederrhein an, obwohl der Verlust des Elsas; seine Stelle erledigen muhte. Bei den Ersatzwahlen am 2. Juli wieder in drei Departements gewählt, nahm er nunmehr für Paris an, zog sich aber, als ber Commune- Aufstand ausgebrochen war, nach Spanien zurück und wurde in Folge dessen auf ber Tribüne heftig angegriffen. Nach seiner Nückkehr wusste er allen Stür-
ieße.u'v Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießern______
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. lsorrespondenz-Dureau.
Wien, 2 Januar. Neuestens eingelangte authentische Berichte stellen außer ollcn Zweisel, daß der Botschafter Graf Wunpffeu in voller plötzlicher Geistesstörung Hand an sich gelegt hat, und auch die ivemgen Zellen, welche e. in aufgesundenen Briefen hinterlaffen hat, geben den vollgütigen Beweis, dag eine den Verewigten seit mehreren Tagen beherrschende hochgradige nervöse Auf» rcguna sich unter dem Drucke einer fixen Idee zum vollen Wahn,nm gesteigert hat. ' Alle in Umlauf gebrachten Gerüchte über andere veranlassende llrsachcn der unglücklichen Thal erscheinen demnach vollkommen unbegründet, die Ver- mögcnsverhältniffe des Verstorbenen sind vollkommen geordnet.
Pari», 2. Jan. Die heute stallgehabte Leichenschau bat ergeben, daß Garnbetta an einer Entzündung des Dickdarme« und Dünndarmes und ^cr< eitcrung der umgebenden Gewebe gestorben ist. Eine chirurgische Operation wäre nicht am Platze und gefährlich gewesen. Außerhalb der Emgeweide wun e keine weitere Verletzung couftatirt. Der Leichnam Gambetta s wird einbaljanui t. und morgen nach Paris gebracht. ... „,,r
Pari«, 2. 'Min. Die Beerdigung Gambetta S ist am nächsten ,vuiiaj! U Ubt
angesetzt Gainbetta's Vinter bat nach langem
begraben werbe. Tic Veidie (oll beute ober morgen Nacht »ach de. pnlat« ^ omdon gebracht werben; von ba gebt bn« Etvtlbegralmtß nach l'«u lach« ' ' unb
Autopsie statt, welche eine GebSrineentzündun«, Eiterergni ' b.n Untciliil unb schwache Symptome von allgemeiner Peritonitis^«udiKlknt.ultibi n{ ;
chirurgische Operation würbe nutzlos gerne,eu sein Da ber obe nb- dS^»abls abgenommen, wurde beschlossen. N,e,„anbei, mein; mr B->.chNg">'g de. *«1
iflilen Das Gehirn wirb aufbeivabvt. Die ihegtening bcunlliati - W n*. . Beerdigung. Die Garnison von Beriailleo unb Pari» Hü l berf»un departementale unb ausländische Delegationen. Tei .ttöipcr tft unlallantvit. J " Rtoraen bes Sterbetag« batte Garnbetta noch m leuuti .kukn twW- ,,n
von Sbrer Berantwortlichkeit, um gl» Bogern ,1'geuü e> d > -'-e' «m d gke,t nm^ Operation zu erklären: auch idi bade meine .>eiantwortlichkiit, ick km .
iclnvebenben Angelege,ibesteu nützlich sein. 1. penren «te nnch »'am, hin hi<ii*it oiiircr in fi'tvdflcii lieben ii^ie inieil lüsä) an^ biklzi Vllzie X
mich wieder an die Arbeit machen." Man schliesst daran», daß.Ä^^Bcstattung den Italien lob glaubte unb (on.it kem 1 efhimen schrieb. - S"
Gras Wimpsse,,» f.rnb beute unter große, Betbe, gung (einer unb ‘ W«u«
Persönlichkeiten verschiedener Nationen unb de» M'li ars tu« itauen, Utt 1 ■ a Vetdie würbe im Gewäll'e ber Kirche cflintc blvkilde provisotisck ntebergetept unb luirb moraeu mit btt Ostbattn nadi Graz abgehen. . .
Vitrrebutfi, 2. Januar. Samntk'.ichc Mäkler besiuvcheu den ^od Gambetta's. Da« „Journal de 61. Pölersbourg" schreibt, tB'inkteich besaß in


