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Samstag den 3 November
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bvreanr Schulstraße 7.
graphisch nach Bulgarien zurückberufen worden. Es ist noch unbekannt, wie man in Rußland diese herausfordernden Schritte der bulgarischen Regierung aufnehmen wird, doch läßt der Umstand, daß der zur Zeit in Petersburg weilende bulgarische Ministerpräsident Balabanoff am Montag vom Kaiser Alexander in Gatschina — trotz der Sofiaer Vorgänge — empfangen wurde, auf eine Verständigung zwischen Petersburg und Sofia hoffen.
Im Schooße der internationalen Sanitäts-Commission in Alexandrien haben sich jüngst recht demerkenswerthe Vorgänge abgespielt. Die englische Regierung wünschte — natürlich aus Handels-Interessen — daß die in Egypten gegen die aus Bombay kommenden Provenienzen bestehende Quarantäne — die Cholera ist jetzt in Bombay epidemisch — demnächst ausgehoben werde. Die englischen Delegirten besitzen, da sie auch eine Reihe kleinerer Staaten vertreten, in der Sanitäts-Commission die Majorität und folglich ging der englische Antrag, am 7. November die erwähnte Quarantäne aufzuheben, durch; bezeichnender Weise enthielten sich die Vertreter Deutschlands, Oesterreichs, Rußlands, Italiens, Frankreichs und der Türkei der Abstimmung. Bekanntlich ist die Cholera in Alexandrien neuerdings wieder ziemlich heftig ausgebrochen und in Hinblick hierauf giebt das Vorgehen Englands sehr zu denken. _______________
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
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Politische Ueberskcht.
Gießen, 2. November.
Mit der Rückkehr des Kaisers von seinen alljährlichen Bade- und Erholungs-Reisen hat die Saison der großen Jagden des preußischen Hofes begonnen, an denen sich der greise Monarch auch diesmal lebhaft zu betheiligen gedenkt' Den Reigen derselben wird heuer eine Jagd in der Schorfheide am 8 November eröffnen, zu welcher u. A. König Albert und Prinz Georg von Sachsen, sowie Kronprinz Rudolf von Oesterreich vom Kaiser mit Einladungen beehrt worden sind; die genannten Fürstlichkeiten haben auch sämmtlich ihr Erscheinen zugesagt. . ..., -
In diesem Monat, dem vorletzten des Jahres, wird sich auf dem Felde der parlamentarischen Thätigkeit nach längerer Pause wieder neues Leben entfalten. Am 12. November tritt der iächfische Landtag zusammen, diesem folgt am 17. November die Eröffnung der badischen Kammern und drei Tage später, am 20. November, werden, wie numnehr feststeht, auch die beiden Häuser des preußischen Landtages wieder zusammentreten. Die definitive Festsetzung des letztgenannten Termins dürste in der am Montag stattgefundeuen Sitzung des preußischen Staatsministeriums erfolgt sein, ebenso dürste in derselben ein endgültiger Beschluß über den Etat und über die Vorlagen, welche den Landtag zunächst beschäftigen sollen, erzielt worden sein. Was den Zusammentritt des Reichstags aubelangt, so liegen hierüber noch keine bestimmten Mittheilungen vor und heißt es nun, daß die Einberufung desselben in der zweiten Hälfte des kommenden Januars zu gewärtigen sei. Ob der preußische Landtag zu dieser Zeit seine sämmtlichen Vorlagen ausgearbeitet haben wird, ist mehr als zweifelhaft und so müssen wir uns schon mit dem Gedanken vertraut machen, den Reichstag und die preußische Volksvertretung — wenn auch hoffentlich nur für kurze Zeit — zusammen tagen zu sehen.
Der Kaiser soll über die Mißhelligkeiten, welche in Oldenburg zwischen der Bevölkerung und preußischen Osficieren des dort garnisoniren- den Infanterie-Regiments Nr. 91 stattgefunden haben, sein lebhaftes Bedauern ausgedrückt haben" Einer seiner Flügel-Adjutanten, sowie die unmittelbaren Vorgesetzten des genannten Infanterie-Regiments haben sich nach Oldenburg zur Untersuchung dieser bedauernswerthen Affaire begeben, welche hoffentlrch die Thatsachen genügend feststellen wird. Seit Montag haben nach eingegangenen Telegrammen keine weiteren Ruhestörungen in Oldenburg stattgefunden.
In Oesterreich steht man noch unter dem Eindrücke der Erklärungen, welche Graf Kalnoky in voriger Woche in der ungarischen und in dieser Woche in der österreichischen Delegation über die auswärtigen Beziehungen des Kaiser- staates abgegeben hat, Erklärungen, denen man auch im Auslande das ihnen gebührende Interesse entgegenträgt. Im Allgemeinen athmen diese Eröffnungen des Leiters der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns eine große Friedens- zuversicht, welche von dem wiederholten Hinweis auf das deutsch-österreichische Bündniß getragen wird und dieser Hinweis wird wohl auch an der Sterna, voll gewürdigt werden. Im Uebrigen hat sich Graf Kalnoky in der Rede, die, er am Montag in der österreichischen Delegation gehalten, bestrebt, auch das Ver- hältniß zwischen Oesterreich und Rußland als ein durchaus freundschaftliches hinzustellen, woran seine Worte in der ungarischen Delegation allerdings einigen Zweifel erlaubten.
An der Wiener Universität haben jüngst gegen den bekannten czechenfreundlichen Professor, Hofrath Maaffen, wieder Demonstrationen stattgesunden, bei denen es sogar zu Verhaftungen von demonstrirenden Studenten kam. Die Aufregung in den Wiener Studentenkreisen ist eine große. Die Vorgänge knüpften sich an die erste Vorlesung Maassen's im neuen Semester an, bei welcher der Herr Professor von seinen czechischen Hörern mit Beifallrufen empfangen wurde, welche Kundgebung allerdings erst die Demonstrationen der deutschen Studentenschaft hervorgerufen haben mögen. .
England scheint den gegenwärtigen Zeitpunkt für geeignet zu halten, wieder einmal auf „moralische Eroberungen" auszugehen. Das Objekt derselben bildet das blühende Reich Kaschmir int nördlichen Indien, das sich gegenüber der englischen Regierung noch eine ziemlich unabhängige Stellung zu bewahren gewußt hat. Der regierende Fürst von Kaschmir steht gegenwärtig im 55. Lebensjahre, dabei ist feine Gesundheit ernstlich erschüttert und em baldiger Thronwechsel in Kaschmir ist daher sehr wahrscheinlich. England, gedenkt nun bei der Wahl des Thronfolgers ein Wort mitzusprechen und es steht deshalb der Vicekönig von Indien, Lord Ripon, im Begriff, eine, Reise nach Kaschmir anzutreten, welche vielleicht der faktischen Unabhängigkeit dieses Fürsten- thums ein Ende machen dürfte. ,
Die Ereignisse in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, nehmen in Folge der jüngsten Beschlüsse des bulgarischen Ministerrathes einen raschen Verlauf. Der bisherige General-Adjutant des Fürsten Alexander, Oberst Roviger, der ihm allerdings von russischer Seite aufgenöthigt worden war, ist sosort, der Leitung des bulgarischen Kriegsministeriums enthoben und an seiner Stelle Oberstlieutenant Koltenikoff vom Fürsten mit den Geschäften des Kriegsmmljteis provisorisch betraut worden. Oberst Rüdiger galt nur als ein Werkzeug der russischen Generäle Kaulbars und Sobeleff und deren Entfernung aus dem bulgarischen Cabinet mußte nothwendiger Weise auch den Sturz Rüdigers nach sich ziehen. Weiter sind durch specielles Dekret des Fürsten Alexander ne m seiner Suite befindlichen russischen Osficiere aus seinen Diensten entlassen und sämmtliche in Rußland dienende bulgarischen Osficiere, 30 an der Zahl, tete-
Feutschland.
Worms, 31. October. Heute Nachmittag halb 3 Uhr setzte sich der Festzug nach dem Luther-Denkmal in Bewegung, bei welchem letzteren sich bereits vorher viele Tausend Personen versammelt hatten. Professor Bender (Bonn) hielt vor der Luiher-Stalue die Festrede, in welcher er den Reformator als ganzen Mann und als Mann des Volkes schilderte. Die Feier schloß unter Glockengeläute und unter dem Gesang des Liedes: „(Sine feste Burg ist unser Gott." Alsdann fand im Beisein des Großherzogs die Uebergabe der vom Rittmeister Heyl gefluteten Luther-Bibliothek statt. Der Großherzog gab dabei der Freude Ausdruck, daß er an dem heutigen für die protestantische Welt be- deut'Hn Tage diese Zusammenstellung dem Paulus-Museum einverleiben könne. ©päie!lfoereinigten sich die Festtheitnehmer zu einem glänzenden Banket in dem reichgeschmückten Kasinosaal. In den Straßen bewegt sich eine dichtgedrängte Menschenmenge, unter der sich auch viele Fremden befinden.
Berlin, 30. October. Durch kaiserlichen Erlaß vom 4. October ist auf Antrag der Minister des Innern, der Finanzen und des Krieges eine Ergänzung und Aenderung der preußischen Pserdeaushebungs - Ordnung vom 12 Juni 1875 angeordnet worden. Um womöglich eine gleichmäßige Abänderung der „bundesstaatlichen" Pferdeaushebungs-Ordnungen herbeizuführen, hat der Kriegsminister die General-Commandos unterm 18. October ersucht, den bundesstaatlichen Regierungen ihres Corpsbezirks von den Veränderungen Mit- theilung zu machen. r
— Nach amtlichen Zusammenstellungen sind im Lause dieses Jahres aus 449 Remoutemärkten von den sechs Ankauss-Commissionen 17,508 Pferde gemustert und 7054 Remonteu angekauft worden. Der Durchschnittspreis betrug 684 vH., als niedrigster Ankaufspreis sind 300 vH., als höchster 1400 vH. gezahlt worden. Unter den angetansten Werden, befanden sich 6613 dreijährige und 441 ältere Pferde. Nahezu zwei Drittel der neu angekauften kommen auf Ostpreußen, wenig über 500 auf die Provinzen Hannover, Westfalen und Sachsen, obgleich auch dort die Pferdezucht bedeutend ist, übrigens werden dort für junge Pferde meist sehr hohe Preife gefordert.
Berlin. Eine Anzahl patuotifdjer Damen in New -Uork und den anderen (Sroftfläütcn des amerikanischen Ostens orgamsiren gegenwärtig eine Liga zur Austreibung der Pariser Moden aus den Vereinigten Staaten. Die N-wyorker Blatter stehen der Bewegung im Allgemeinen durchaus sympathisch zur Seite. Ihr? An- stisterinnen betonen, daß es bt§ amerikanischen Nationalgefühls unwürdig sei sich von den oftmals bizarren und geschmacklosen Emsällen der Pariser Modisten abhängig zu machen: daß die amerikanischen Damen besser thäten, ihrem eigenen Geschmack zu folgen und das ungezählte Geld, das alljährlich nach Paris wandre, der einheimischen Industrie zuzuwenden. Und bet uns.? .
Berlin, 31. October. In den weitesten hiesigen Kreisen hat die in das Polizeigebäude zu Frankfurt a. M. geschleuderte Dynamitpatrone und deren zerstörende Wirkung eine niederdrückende Stimmung hervorgerufen. Man ist auf das Ergelmiß der eingeleiteten Untersuchung gespannt und glaubt^ annehmen zu dürfen, daß focialdemokratifche Umtriebe dabei im Spiele sind. ,yn Deutschland ist dies der erste traurige Versuch mit einer Dynamitzerstörung. (Köln. Ztg.)
Ärenffurt, 30. October. Aus Darmstadt wird dem „Frkftr. Journ." geschrieben: Die im vorigen Jahre unter Führung des Handelsvereins für Darmstadt und Bessmigen dahier in's Leben gerufene Sectwn des in Frankfurt a. M. bomicilirten „Deutschen Colonialvereins" hat seitdem so große Freunde gesunden, daß in den nächsten itagen die erste Generalversammlung mit definitiver Vorstandswahl in Aussicht steht. Die Section, die schon jetzt als geschlossene Vereinigung mit dem Hauptbureau des Vereins in Frankfurt ständigen Verkehr unterhält, zählt hier und in der Umgebung Darmstadts bereits über hundert Mitglieder. Für Monat November wird nach Bildung des Vorstandes ein größerer, auf die Zwecke und die Bedeutung der Colonial- vereins-Bestrebuiigen zielender Vortrag stattfinden.
Leivria. 31. October. Nachdem bereits in Folge des bekannten Ausrufs zur Begründung einer allgemeinen deutschen Luthersttstung 1134 Personen d-n Beitritt erklärt hatten fand heute in der deutschen Buchhandlerborse eine sehr zahlreiche Ve,; sammlung behufs Constitutrung einer allgemeinen deutschen Lutherstiftung statt. Ober-


