III. Aus der philosophischen Fakultät: Büdinger, Simony, E. Hoffmann, Zimmermann, Lorenz, v. Eitelberger, v. Lang, Sickel, Sueß, Mussafia, Hanslick, Loschmidt, v. Härtel, v. Zeißberg, Heinzel, Tschermak, Claus, Wiesner, Goinperz, Reinisch, Schranf, Lieben, Schenkt, Weiß, v. Oppolzer, Hirschseld, v. Barth, Schipper, Hann, Benndorf, v. Kerner, Thausing, Neumayr, Bübler, Schmidt, Königsberger.
Von den 13 ordentlichen Professoren der juristischen Fakultät haben 11, von den 18 ordentlichen Professoren der medicinischen 16, von 43 der philosophischen Fakultät 36 die Adresse unterzeichnet; an die Vertreter der theologischen Fakultät, sowie an die außerordentlichen Profefforen und die Privat- docenten war eine Einladung zur Unterschrift nicht erlassen worden.
Hierauf hat Rector Professor Maassen mit folgender Zuschrift erwidert: Hochgeehrte Herren! Ich habe nicht daran gezweifelt, daß Sie das formelle Recht des jewelligen Rectors, seine Virilstimme im Landtage lediglich auf Grund seiner persönlichen Ansicht auszuüben, anerkennen. Ebensowenig bezweifle ich aber, daß Sie neben diesem Rechte auch die Pflicht des Rectors nicht bestreiten werden, daß er da, wo es unvermeidlich für ihn wird, sich in einer Frage für oder wider zu entscheiden, selbst im Widerspruche zu den unter den Mitgliedern der Universität vorwaltenden Ansichten die seinige bekenne. So aber lag der Fall. Ich sollte ein Verhalten billigen, das zu billigen ich nicht im Stande war. Ich sollte „ja" sagen, wo ich nur „nein" sagen konnte. Ich sollte eine Maßregel der Regierung als ungesetzlich bezeichnen, die in meinen Augen gesetzlich war. Ich sollte Schwarz nennen, was für mich Weiß war. Die in meiner Rede ausgesprochenen politischen und nationalen Ueberzeugungen, welche nicht zu thellen Sie erklären, habe ich bereits gehabt, als ich im Jahre 1851 zum ersten Male nach Oesterreich kam und als ich im Jahre 1855 hier ein zweites Vaterland sand. Ich bin mit diesen Ueberzeugungen im Jahre 1867 bei einem bestimmten Anlasse öffentlich hervorgetreten, ich habe seit dieser Zeit öfter Gelegenheit gehabt, sie laut und offen zu bekennen. Diese Ueberzeugungen bilden einen Theil meines Wesens. Ich erkenne sie als sich von selbst ergebende und nothwendige Ausflüsse der moralischen Weltordnung des Christenthums. Ich stehe und falle mit ihnen. Wenn etwas mir die Erfüllung der Pflicht des Dünnes, dem, was er als recht und wahr erkannt hat, nicht zuwiderzuhandele, in dem gegebenen Falle erschweren konnte, so ist es der Gedanke gewesen, daß ich durch mein Votum mich mit den Anschauungen so viUer von mir verehrten Collegen in Widerspruch setzte.
Wien, 24. Juni 1883.
In ausgezeichneter Hochachtung
Dr. Friedrich Maassen, derzeit Rector der Wiener Universität.
Irankreich.
Paris, 30. Juni. Der „Voltaire" will wissen, daß zwischen den Mächten Besprechungen behufs Bildung einer internationalen und permanenten Sanitäts-Commission in Egypten stattfänden.
— Rach Nachrichten aus Konstantinopel wären durch kai serlichen Firmen die Pllgerfahrten nach Mekka zur Zeit untersagt worden.
Italien.
Mailand, 30. Juni. Nach Dervivo ist Gensd'armerie geschickt worden, well Ger dortige Geistliche die Bevölkerung dadurch aufregt, daß er den Theaterbrand als Gottesgericht darstellt. (j^r. Ztg.)
Neapel, 30. Juni. Das Gerücht von einem hier vorgekommenen Cholerafall ist völlig unbegründet; nicht einmal ein cholera-verdächtiger Erkrankungsfall hat stattgefunden.
Aegypten.
Alexandrien, 30. Juni. (Telegramm des „Reuter'schen Bureaus"). Die gestrige Meldung, daß am Donnerstag in Damiette und Mansurah vier Cholera-Erkrankungen erfolgten, von denen drei tödtlich endigten, ist unrichtig. Es starben vielmehr in Damiette 107 Personen an der Cholera, in Mansurah von vier Erkrankten drei.
— Dasselbe Bureau meldet: Gestern wurden in Damiette 122 Cholera- Erkrankungen constatirt, von denen 113 einen tödtlichen Ausgang hatten. In Port Said starb von zwei Cholerakranken einer, in Mansurah sanden 7 Todesfälle statt.
Es sind Hierselbst Sanitäts-Commissionen eingesetzt worden. In Mansurah sind heute 7 Personen an der Cholera gestorben. — Die Proceßver- handlung gegen Said Bey Khandil wurde heute wieder ausgenommen.
Amerika.
New-Uork, 30. Juni. Auf Befehl der Auswanderungs-Commission sind mehrere aus Irland ausgewanderte mittellose Familien heute nach Irland zurückgesandt worden.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Corresporrdenr>Bureau.
EmS, 1. Juli. Zum Diner bei Sr. Majestät war gestern das Osficier- Corps des Bonner Königs-Husaren-Regiments geladen. Am Abend wohnte der Kaiser der Theatervorstellung bei. Heute früh machte Allerhöchstderselbe die gewohnte Kurpromenade.
Koburg, 1. Juli. Der Herzog von Edinburgh ist nach Kissingen zum Kurgedrauch abgereist.
München, 1. Juli. Heute vollzog Prinz Luitpold im Auftrage des Königs die feierliche Eröffnung der internationalen Kunstausstellung im Glas- Palaste im Beisein der hier verwellenden Prinzen und Prinzessinnen, des diplomatischen Corps, der Staatsminister, der Würdenträger des Hofes, der Militär- und Civilbehörden und zahlreicher geladener Ehrengäste. Der Präsident des Ausstellungs-Comites, Professor v. Miller, hielt eine Ansprache über Entstehung und Bedeutung der Ausstellung und wurde nach einem Hoch auf den König bie Ausstellung eröffnet.
Pari-, 1. Juli. Nach einem Telegramm der „Union" aus Frohsdorf ist Graf Chambord plötzlich nicht unbedenklich erkrankt.
Rom, 1. Juli. Die „Gazette ussiciale" veröffentlicht die Gesetze, durch welche die Handels- und SchifffahrtSvertrüge mit Deutschland und England mit dem heutigen Tage in Wirksamkeit gesetzt werden, sowie das Gesetz, welches die Ermächtigung zur Verlängerung der italienisch-französischen Schifffahrts- Convention ertheilt.
Triest. 1. Juli. Der Lloyddampfer „Ettore" ist heute Morgen mit der ostindisch-chinesischen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen und zur Quarantäne in das neue Lazarett) beordert worden.
Alexandrien, 1. Juli. (Telegramm des „Reuter'schen Bureaus). An der Chalera starben gestern in Damiette 109 Personen, in Port Said eine Person. In Samannud ist ebenfalls die Cholera ausgebrochen; es sind dort vier Personen an derselben gestorben.
Washington, 1. Juli. Die Staatsschuld der Vereinigten Staaten hat im Monat Juni um 17'/z Millionen abgenommen, die Abnahme der Staatsschuld im Laufe des vergangenen Finanzjahres betrug 137 Millionen.
Lokale-.
t Gießen, 2. Juli. In der festlich geschmückten Aula wurde am Sonntag 1. Jult, das Stiftungsfest unserer Hochschule begangen. Nach einem tn- troductrenden Marsche und dem vom Akademischen Gesangverein vorgetragenen Salvum fac regem hielt der derzeitige Rector Herr Prof. Dr. Stade die Festrede. Nachdem er im Emgange ehrfurchtsvolle Wünsche für das Wohl des Landesfürsten dargebracht, hielt er eine Umschau „über die Lage der evangelischen Kirche in Deutschand". Mit der Unumwundenhett und dem Fretmuth, der einem Vertreter der Wissenschaft gebührt, legte er die Schäden der Kirche und ihre Schwäche dar.
Er fand sie darin, daß die drei Facloren, welche im Reformattonszeitalter die Reformation getragen haben, Fürsten, Theologen und Bürgerthum, ihr thetls nicht mehr die gleichen Dienste leisten, theils sich von ihr abgewandt haben. Die Fürsten können ihr schon wegen der anders gewordenen Verfassung der deutschen Staaten nicht mehr die gleichen Dienste leisten, das Bürgerthum aber wird wesentlich von politischen Interessen bewegt und ist kirchlichen wenig zugänglich. Die Schuld hieran aber trägt wesentlich die Theologie, welche ihnen Aufgaben nicht gewachsen ist, welche durch ihren vtettstischen Charakter das durch angestrengte Berufsthättgkeit vor Gefühlsseltgkeit geschützte Bürgerthum abstößt, das Sektenthum befördert, in katholisirender Weise Religion und Politik vermischt, vielfach lediglich in apologetischer Weise eine ältere Stufe der Erkenntniß festzuhalten sucht und hierin durch ihre Einflußlosigkett auch nicht irre gemacht ro*rb. Zugleich l'eß der geschätzte Redner interessante Streiflichter auf das Wesen der katholischen Kirche und auf den Ultramontantsmus fallen, der, wenn er auch die ganze moderne Cultur mit dem Bann belegt habe, doch mit ihren Waffen kämpfe.
Wo steht nun die evangelische Kirche? Am Abzrund oder in den Anfängen einer neuen Zeit? Ist sie tm Niedergang oder im Anfang einer besseren Zukunft? Der Redner sand, daß unverkennbar in der evangelischen Kirche sich neue Kräfte regen und daß die vergangenen Jahrzehnte derselben manche Förderung gebracht haben. Durch den Kulturkampf ist auch für weitere Kreise die Bedeutung der Religion wie des Umstandes, daß Deutschland confessionell gethetlt ist, sichtbar geworden. Auch hat er das Gefühl für die E'genthümltchkett der evangelischen Kirche geschärft. Sociale Schäden, welche der Staat nicht lindern kann, haben gleichfalls auf die Bedeutung der Religion und Kirche hingewiesen. Unsere Zeit ist eine Zeit werkthätiger Liebe und eine Zeit der Associationen. Auf dem Wege der Associationen können viele Defekte in unserer Kirche gedeckt werden, so im Cultus wie in der Organisation. Pflege deS kirchlichen Vereinswesens ist besonders wichtig. Damit es gesund bleibe und etwaige unberechtigte pietistische Eigenthümlichketten abstretfe, ist lebhaftere Betheiligung des Bürgerstandes wünsckenswerth. Den deutschen Bürgerstand, der in den Tagen der Reformation die beste Stütze protestantischer Religiosität gewesen und es jetzt leider nicht mehr ist, müssen wir wieder für diese zu gewinnen suchen. Vor allen Dingen aber muß eine den Aufgaben der Gegenwart gewachsene, in wissenschaftlicher Problemstellung arbeitende, auf den reformatorischen Gedanken fußende Theologie erstehen.
Mit dem geehrten Vortragenden hoffen auch wir, daß das Ende der gegenwärtigen Zustände die Entwickelung der Kirche zur Selbstständigkeit und ihre Wiedergeburt sein wird; die Zukunft wird Denen gehören, die das versöhnende Wort für Christenthum und Cultur finden.
An den fesselnden Vortrag, der IVs Stunden gedauert hatte, schlossen sich die üblichen Mittheilungen über die Veränderungen im Lehrpersonal der Landesuniversitär und die Ergebnisse der gestellten Preisaufgaden an, worüber wir besonders berichten werden.
— Bei dem am Sonntag den 1. Jult stattgehabten 30. Feldbergfest wurde dem Turner Hch. Rühl von Gießen der 26. Preis unter203 Mitbewerbern mit SOVz Punkten zuerkannt.
Vermischte-.
Aachen, 29. Juni. Einem Specialbericht der „Köln. Volksztg." entnehmen wir über den großen Brand Folgendes: Das Feuer begann gegen V24 Uhr Nachmittags in der Mtstgasse im Spiritus- und Petroleumlager von Monheim. In Folge des Explodirens von P-troleumsässern fand dasselbe reichliche Nahrung. Sofort wurde die städtische Feuerwehr, bestehend aus 20 Mann Berufsfeuerwehr, sowie die freiwillige Wehr alarmirt und gleich nachher Alarm für das Militär geblasen- Zu gleicher Zett ertönten die Sturmglocken von allen Kirchen. Neben dem Monheim'schen Hause standen bald noch zwei andere Häuser tu Flammen. Im Schnellschritt rückten rasch himer- etnander Abtheilungen des hier garnisonirenden 53. Regiments an und sperrten die Brandstelle ab. Die große Hitze des Tages hat dem erstaunlichem Umsichgreifen des Feuers augenscheinlich Vorschub geleistet. Ein scharfer Nordost wehte die Funken wirbelnd zum Himmel auf. Dieselben zündeten rasch in der Kletnkölnstraße in vier Häusern, die ganz ntederbrannten., Das Feuer übersprang dann die Antonius- und Krämergasse und zündete im linken Rathhausthurm, ergriff sofort das ganze Dach und dann auch den rechten Thurm. Es muß ein schreckenerregender Anblick gewesen sein, als vielleicht nach dreivtertel Stunden zuerst der linke und dann auch der andere Thurm prasselnd in sich zusammenstürzten. Zu gleicher Zeit brannte das dicht am Ratbhaus liegende Haus des Uhrmachers Cotti bis zum Keller aus. Die anstoßende Löwen- apotbeke wurde bis zur ersten Etage durch das Feuer zerstört. Eine unbeschreibliche Bestürzung bemächtigte sich der Volksmassen, als so die Flammen in kurzer Zett an drei Stellen zugleich zum Himmel emporschlugen. Für das Münster begann man bereits große Befürchtungen zu hegen. Niemand vermochte in diesen Augenblicken für die Zukunft der altehrwürdigen Katserstadt noch zu bürgen. Nur xn t Mühe konnten Polizei und Militär die entsetzte Menge von den Brandstätten zurückhalten. Rasch nacheinander kam nun Hülfe von den Feuerwehren der umliegenden Dörfer Dann erschien, durch Extrazug befödert, die Stolberber Feuerwehr, später die Wehren von Eupen, Düren und Düsseldorf. Alle legten sofort mit anerkennenswerthem Muth und Eifer mit Hand an bei dem Rettungswerk und threen vereinten Anstrengungen ist es denn auch gelungen, die Stadt vor dem ärgsten Unheil zu bewahren. Es muß als ein großes Glück bezeichnet werden, daß der anfangs herrschende Wind sich langsam legte. Um einen Begriff von der durch das verheerende Element erzeugten Hitze zu geben, führe ich an, daß man in der dem Rathhause gegenüberliegenden Apotheke an den Fensterscheiben Schwefelhölzchen anzünden konnte. Nach Einstürzen der Thürme des Rath- Hauses concentmte sich die Hauptanstrengung auf die Erhaltung des Mittelbaues- Trotzdem Dachstuhl und oberes Stockwerk ausbrannten, blieb der berühmte Kaisersaal erhalten. Das massive Steingewölbe hat ihn gerettet- Ob zwar die berühmten Rethel- schen Fresken nicht durch Hitze und Wasser gelitten haben, muß sich noch zeigen. An der Front des Rathhauses waren eben die Gerüste ausgrschlagen, um hie neuen Statuen der deutschen Kaiser in die Nischen einzusetzen- Das ganze Rathhaus soll bei der Aachen-Münchener Gesellschaft zu 1,600,000 Jt. versichert fein. Sämmtliche Stadtakten wurden auf einem naheliegenden Polizetburcau geborgen. Inzwischen hatten die wehenden Funken die Dächer von mehreren auf der anderen Sette des Marktes und in der Jakobstraße gelegenen Häusern entzündet. Doch gelang es dort, dem Feuer
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