Ausgabe 
3.5.1883 Zweites Blatt
 
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Kreisen deS Großherzogthums (Dieburg, Darmstadt und Offenbach), haben den Beweis geliefert, dah bte Durchführung der vorstehenden Grundsätze das nahezu vollstLndtge Verschwinden der Stromer zur Folge hat Die Durchführung ist aber, abgesehen von der Tbätigkeit der Gemeindeorgane, vor Allem abhängig von der M twtrkung des Publikums. In erster ß nie muß sich Jedermann zum Grundsatz machen, Stromern keine Geldunterstützung zu geben, sondern sie an die Gemeinde zu verweisen. Wer Almosen geben will und kann, möge seine Mittel für die Ortsarmen, nicht aber für die durchziehenden Vagabunden aufwenden. An zw iter Linie steht zu hoffen, daß die Gemeinden auch seitens des ardertgebenden Publikums unterstützt werden. Wirken die Gemeindebehörden und das Publikum einheitlich zusammen, so kann der Erfolg nicht fehlen.

Wiesbaden, 29. April. Zur Abwehr gegen den Artikel deSMainz Anz." und derFranks. Ztg." über die angeblich hier ausgebrochene Blatternepldemie ver­öffentlicht heute das amtliche Wiesbadener Anzeigeblatt eine vom PoUzeidirector Herrn Dr. v. Strauß und Torney und vom Bürgermeister Herrn Coulm unterzeichnete Be­richtigung, welche die in dem erwähnten Artikel ausgestellte Behauptung, daß die Wiesbadener Behörden ihre Blatternkranke und Jnfictrte, so lange es noch angehe, einfach aus der Stadt weisen, ohne sich viel daium zu kümmern, wohin jene sich wenden, für eineg>obe Unwahrheit" erklärt- Nicht ein einziger Blattern-Kranker oder nachweisbar Jnficnter sei aus der Stadt gewiesen. Weiter heißt es in der Berichtigung: Es ist bte obige Behauptung eine Beleidigung und Verleumdung der hiesigen Behörden, die vor dem Strafrichter ihre Verfolgung finden wird."

Worms, 26. April. Eine Z^geunerbande von etwa 20 Köpfen belästigt^ heute die hiesige Einwohnerschaft mit Betteln und wurde in Folge dessen verhaftet. Um das Haftlokal von Ungeziefer rein zu halten, ließ die Polizei den 4 männlichen.Mitgliedern der Gesellschaft die Haare schneiden, was em probates Mittel fein dürfte, sie künftig von Worms fernzuhalten. Wenigstens schworen sie, nie mehr hierher zu kommen, da ihnen ihr Haarwuchs noch nirgends geraubt worden sei.

Mainz, 28. April. Die Stadtverordmten haben den Antrag, die Octro - Erhebung auf Verbrauchsgegenftande aufzuheden, mit allen gegen vier Stimmen verworfen.

Gestern Nachmittag wurden vor dem Neuthor bei dem Betonntren drei Arbeiter verschüttet; die Arbeiter waren mehrere Meter tief in der Erde beschäftigt, als letztere zusammenrutschte und die drei Leute vergrub. Da indessen alsbald Hülfe zur Stelle war, so gelang es, sofort zwei der Arbeiter mit nur geringen Verletzungen wieder emporzuziehen, der dritte Arbeiter, der später auch noch lebend aufgefunden wurde, trug eine ernstlichere Verletzung davon.

Ein höchst interessanter Fund wmde gestern Nachmittsg im Rhein bei dem Brückenbau gemacht. Beim Versenken des Caisson zum ersten Strompfetler stieß der­selbe bei einer Tiefe von IVr Meter unter der Nheinsohle auf ein stark gebautes e-chrnes Schiff. Die einzelnen Rippen und die Schalung des Schiffes müssen, um die Arbeiten nicht zu hindern, in dem Caisson herousgemeiselt werden. Das Holz des Schiffes Hot genau die Farbe und die Härte des Holzes der aus dem Wasser entfernten Holz­pfeiler der Römerbrücke.

Frankfurt, 27. April. (Gestörte Metzelsuppe.) Ein Gewerbsmann in unserer Nachbarschaft hatte geschlachtet und seine Freunde und Verwandte zur Schlachtschüssel eingeladen. Dieselben waren auch zahlreich erschienen und warteten mit Sehnsucht auf den Moment, wo die im Kessel dampfenden Würste zum Genüsse aufgetragen werden. Die ganze Gesellschaft hatte sich bereits am gedeckten Tische niedergelassen und eben sollte aufgetragen werden, als ein Gerichtsvollzieher erschien, die ganzen Würste nebst Zubehör pfändete, aus dem Kessel herausholte und in einem Schranke sorgfältig ver­schloß. Der hartherzige Mann des Gesetzes nahm keine Rücksicht auf die schwer ent­täuschten Eßlustigen, versteigerte vielmehr einige Tage danach die Würste in einem Restaurant, wo dieselben zum größeren Theile von einer glücklicheren Gesellschaft von Gläubigern des Gewerbsmannes sofort verzehrt wurden-

Paris, 26. April. Vorgestern Abend ergötzten sich die Figuranten des Ambigue- Theaters nach der Vorstellung desAs de Trbfle in ihren Ankleidezimmern mit Turn­übungen auf den Gasvorrichtungen und verursachten da, vielleicht ohne es zu w sscn, einigen Schaden. Während sie sich gestern Abend costümirten, knallte es plötzlich rings um sie, Wände und Balken stürzten ein und unter den durch die Gasexplosion in Dunkelheit gehüllten ©latiften entstand ein entsetzliches Geheul- Der Direclor S'mon wurde von einem Schauspieler benachrichtigt, und bewahrte, indeß er gleich nach Hülfe sandte, so viel kaltes Blut, statt die schon versammelten Zuschauer von dem Unfall zu unterrichten und in Verwirrung zu bringen, welches unfehlbar größeres Unglück ange­richtet hätte, ankündig.N zu lassen, Taillade wäre unversehens erkrankt, die Aufführung müßte unterbleiben, die bereits gekauften Billets würden für heute Abend dienen obir an der Kasse zurückbezahlt werden. So löste die Versammlung sich murrend, aber in aller Ruhe auf und erfuhr erst vor dem Hause, welcher Gefahr sie entgangen war. Vier Aerzte und Löschmannschaften waren auf den ersten Ruf aus den umliegenden Theatern herbeigeeilt und 13 Verwundete Tode gab es zum Glück keine wurden theils an Ort und Stelle selbst, theils in den nahen Apotheken verbunden- Mehrere derselben sind sehr schwer verletzt; die Meisten wurden nach dem Spital Saint-Louis, einige nach Lariboisiere gebracht.

(Russisches.) In einem südrussischen Dorfgericht wurde, wie man dem Petersb. Herald" mittheilt, die Sache eines Bauers verhandelt, der eines Vergehens angeklagt war. Der Angeklagte hatte sich einen Advokaten irgend einen verab­schiedeten Kreisbeamtcn bestellt und war wohlweislich und vorsichtshalber nicht zur

Audienz erschienen. Der Advocat vertheidigte ihn sehr geschickt, konnte aber die Richter von der Unschuld seines Clienten nicht Überzeugen. Und das bericht fällte das Urtheil, dem Angeschuldigten seine fünfundzwanzig Ruthenhiede zu erthellen. Da aber der Schuldige nicht zur Stelle war und der Advocat seine Bertheidigung Übernommen hatte, so beschlosst« die Dorfsalomonen, an dem Verthetdiger bte directe Strafe vollziehen zu lassen, da es ihm nicht gelungen sei, seinen Clienten rein zu waschen und er also für ihn einspringen müsse, und trotz alles Sträubens und Protestirens bekam der Ver- theidtger die becrettrten Hiebe vollständig aufgezählt und konnte noch zufrieden blerben, soleichten Herzens" davon gekommen zu fein.

(Ein hundertfacher Millionär.) Wie demDaily News" aus Newyork gemeldet wird, hat Jay Gould Freunden gegenüber erklärt, daß er sich in einigen Monaten vom Geschäftsleben zurückziehen werde. Er läßt sich eine Vergnügungsyacht mit einem Kostenaufwande von V« Mill. Dollars bauen, welche im August oder September fertiggestellt fein wird, worauf er mit ferner Familie eine Rundreise um die Welt anzutr.ten gedenkt. Sein Geschäft beabsichtigt er seinem ältesten Sohne zu übergeben- Goulds Vermögen wird auf 100 M>Ü- Dollars geschätzt. Davon sind 20 Mill, in Western Unionactten und ein gleicher Betrag in den Actten der Miffourt- und Pacific Eisenbahn angelegt. Sein Grundeigenthum repräfentnt einen Betrag von 5 Mill. Dollars und der Rest seines kolossalen Vermögens ist in Obligationen ver­schiedener Eisenbahn-Gesellschaften angelegt- Der Millionär ist 47 Jahre alt und hat 6 Kindtr-

(An den Beinen gestiefelt.) DasHann. Sonntagsbl." veröffentlicht folgende Anzeige:Die Pfarre Hemeringen wird um Pfingsten Dacant. Haus neu, Garten schön, Gegend gesund und lieblich, Arzt am Orte, Postoerbindung, 17 Ortschaften mit 2400 Einwohnern und 3 Schulen. Einkommen etwa 2900 Kräftige, bekenntwßlreue, zurSeel'orgeeifrige, an denBeinen gestiefelte Pastoren über 35Jahremö^ensich innerhalb 14 Tagen beim Consistorio bereit erklären. Der Kirchenvorstand von Hemeringen: Aug. Meyer, Pastor." Ob es eine Eigenthümlichkeit der hannoverschen Landeskirche ist, daß man bte Beine gestiefelt trägt?

- (Lebensversicherurgsbank für Deutschland in Gotha.) Die vorgenannte älteste und größte deutsche Lebensoersicherungsan'ialt hat im vorigen Jahre 4787 neue Ver­sicherung, n abgeschlossen und dadurch 4103 neue Theilhaber, sowie 33 834 700 Mark neue Versicherungssumme gewonnen. Nach Abzug des Abgangs, welcher durch Sterbe­fälle sowie durch Ablauf, Aufgabe und Erlöschen von Versicherungen etntrat, erhielt der Versicherungsdestand der Bank durch obigen Neuzugang einen reinen Zuwachs von 2153 Versicherten und 20 893 700 Mark Versicherungssumme und erhöhte sich in Folge dessen auf 59 702 Personen mit 415458000Versicherungssumme. In keinem früheren.Jahre wurde ein gleich großer Zugang und Zuwachs erzielt.

Auch in finanzieller Hinsicht erwiesen sich die Geschäftsergebmsse wieder außer­ordentlich günstig.

Als reiner Ueberschuß des Jahres 1882 ergab sich die Summe von 5 561130 Mark, ein Betrag, welcher ebenfalls in gleicher Höhe noch in keinem früheren Jahre erübrigt worden ist- Dieses günstige Ergebniß ist hauptsächlich dem guten Zinsertrag von dem Bankvermögen, sowie dem außerordentlich niedrigen Aufwand für Verwaltungskosten, welche einschließlich der Agentenprovisionen und Arzthonorare im Ganzen nur 5,11 pCt- der Jahreseinnahme ausmachten, zu verdanken. Weiter trug jedoch auch der günstige Verlauf der Sterblichkeit unter den Versicherten wesentlich mit zur Erzielung jenes hohen Ueberschusses bet. Währcnv nach den Rechnungsgrundlagen der Bank eine Sterbefall Ausgabe von 8 516 293 Mark für 1343 Personen zu erwarten war, wurden im Ganzen nur 7104 800 Mark für 1176 Gestorbene, demnach aber 1411493 Mark weniger, als erwartet werden mußte, zahlbar.

Der zum größten Theil gegen hypothekarische Sicherheit ausgeliehene Bankfonds erhöhte sich um 6 010 006 Mark und wuchs dadurch auf 108 480 716 Mark an, wovon 82 617 088 Mark die erforderlichen Piämien-Reserven und -Uebertrage begreifen und wertere 1908 720 X zur Deckung sonstiger Verpflichtungen dienen; die übrigen 23 954 908 Mark aber reine Ueberschüsse bilden, welche in den nächsten 5 Jahren an die Versichert n als Dividende zur Vertheilung kommen.

Im Jahre 1883 beträgt die Dividende 43 pCt. und im Jahre 1884 wird sich dieselbe auf 44pCt. belaufen.

Im Ganzen hat die Bank während ihrer nun 54jährigen Wirksamkeit bereits mehr als 140 Millionen Mark an fällig gewordenen Versicherungssummen ausgezahlt und mehr als 64 Millionen Mark an Dividenden an ihre Versicherten zurückgewährt.

GchiffSbericht. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Lloyd tu Bremen, C W. Dietz Nachfolger, Gießen.

Bremen, 30. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hannover, Capt. PH. Berdrow, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 25. Avril wohlbehalten in Montevideo angekommen.

Bremen, 30. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Rhein, Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 15. April von Bremen und am 17. April von Southampton abgegangen war ist am 28. April 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

V^men, Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Ohio, Capt. G- Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 15. April von Bremen abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

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