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3.5.1883 Zweites Blatt
 
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Str 1O1 Zweites Blatt. Donnerstag den 3. Mai 1888

Gichmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Msnlagö.

Mureanr Sch ui st raße 7.

widmen konnte.

E n Helles Licht auf Schulze's uneigennützigen Charakter wirft die Verztckt- leistung auf eine Sammlung von etwa 150.000 A die seine Paiteigenossen veranstaltet hatten, um sein gemeinnütziges Wirken zu belohnen, die er aber zu einer Stiftung be- st mmte, deren Zinsen an Männer überwiesen werden sollten, die durch ihre Verdienste in irgend einem Zweige des öffentlichen Lebens einen moralischen Anspruch auf eine solche Zuwendung sich erworben haben. (Fr- I.)

Im Jahre 1848 vertrat er zuerst den Wahlbezirk Delitzsch, dessen Name dann so unzertrennlich von dem seinigen geblieben ist. tn der Nationalversammlung zu Berlin, wo er sich dem linken Centrum anschloß und zum Vorsitzenden des Ausschusses zur Untersuchung des Nothstandes der arbeitenden Klassen ernannt wurde. Die Begut­achtung von mehr als 1600 einschlägigen Bittschriften befestigte damals seine Ueber- zeugung, daß weder von der Rückkehr zum Zunftmonopol, noch von dem Eingehen auf die Systeme der damaligen socialiftischen Vorsprecher Abhülfe zu erwarten, sondern die Hebung der Kleingewerbe lediglich mit Schonung der bestehenden gesellschaftlichen Grundlagen, wiewohl unter Beseitigung aller Fesseln des Verkehrslebens, durch die Beschaffung von Capital und anderen Mitteln des Großbetriebs im Wege der Asso­ciation zu vollziehen sei. Praktische Versuche mit diesen Grundsätzen ließen sich freilich für's Erste bet der bald etngetretenm reacttonären Gegenströmung und nach Auflösung der Nat onalversammlung nur tn engsten Kreisen anstellen. Auf Schulze's Anregung constituirte sich gleichwohl eine Schubmachergenossensckast in Delitzsch, welche ihren Rohstoffbedarf gemeinschaftlich einkaufte und an die Theilnehmer wieder verrechnete. Die Weiterentw'ckelung dieses wichtigen Handwerkerstandes erlitt indessen sehr bald eine

Darmstadt, 27. April. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 7) enthält: ,

1 Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justrz, Ab- theiluna für Schulangelegenheiten, die Ergebnisse der Verwaltung der Wrttwen- und Waisenkasse der Volksschullehrer vom Jahre 1880 betreffend.

2. Zusammenstellung der Ergebnisse der Rechnung über die Staatsschulven- Verwaltung für das Etatsjahr 1879/80.

3. Dienstnachrichten: t

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht: Am 20. März dem zweiten evang. Pfarrer Emil Hof zu Babenhausen die erledigte erste evang. Pfarrstelle zu Babenhausen zu übertragen; am 30 März dem zweiten evang. Pfarrer August Hildebrand von Hungen die erledigte evang. Psarrstelle zu Echzell zu übertragen.

Am 8. November 1882 wurde dem Schullehrer Adam Schoner zu Nau­heim die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reinhardöhain über­tragen; am 31. März wurde der Gerichtsvollzieher-Aspirant Peter Engel aus Monsheim zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Gießen ernannt; am 1 April wurde dem Schulamts-Aspnanten Heinich Adam aus Effolderbach die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rüddingshausen, an dems. Tage wurde dem Schullehrer Jacob Schreiber zu Appenheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gau-Algesheim übertragen; am 4. April würbe bem Michael Wolf aus Stadecken das Patent als Geometer 2. Klaffe für den Kreis Mainz ertheilt.

4. Concurrenzeröffnungen: . t

Erledigt sind: Die evang. Pfarrstelle zu Rohrbach, im Dekanate Budm- qen, dotationsmäßiger Gehalt 1385 das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Fürsten zu Isenburg-Büdingen zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Momart, im Kreise Erbach, mit einem Gehalt von 900 dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rimhorn mit einem jährlichen Gehalt von 900 «X Mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach- Schönberg steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die Lehrerstelle an der kath. Schule zu Hering mit einem jährlichen Gehalt von 900 <X; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Hausen mit einem nach dem Dienst­alter des betr. Lehrers sich bemessenden jährlichen Gehalt von 9001000 <X

Preis vierteljährlich 2 Mark 26 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.

Dr. Hermann Hchtche-Delitzsch

Wir haben abermals den Verlust eines Mannes zu beklagen, der durch die eminente Ausdauer, mit welcher er ferne ganze Kraft in die Dienste des Gemein­wohls gestellt und durch die Erfolge, welche fernen volkswiithschastl'chcn B-strebungen beschieden waren, sich in den liberalen Kreisen einer seltenen Popularität erfreute. Dr. Hermann Schulze-Delitzsch, der Gründer des deutschen G-nossinschafts- wesens, zugleich einer der hervorragendsten w d entschieden begabtesten Führer der Fort­schrittspartei, ist Sonntag früh do- Vollendung seines 75. Lebensjahres nach mehrwöchent­lichem Leiden zu Potsdam verschieden. Die Gffckrchte hat wenig Beisp.ele, einer gleich glücklich n Wirksamkeit für das Volkswohl im Vereine mit der größten Uneigennütz'g- keit zu verzeichnen, als besonders rühmttch aber verdient hervorgehoben zu werden, daß Schulzr-Del'tzsch mit dem wachsenden Erfolg nur vo sichtiger wurde und darauf dachte, die von ihm in's Leben gerufenen Institutionen vor Uebererlungen und Ausschweifungen zurückzuhalten.

Am 29. April 1808 zu Delitzsch geboren, wo fein Vater Bürgermeister war, er­hielt Schulze f.ine Schulbildung auf dem Gymnasium zu Leipzig und w bmete sich später auf'dortiger Universität der Jurisprudenz. Nachdem er die akademischen Studien an einer zweiten Hochschule in Halle beendet, trat er 1830 bei dem Oberlandgericht zu Naumburg als Auscultator ein. Neben den Berufsarbeiten beschäftigte er sich mit Philosophie, Geschichte und deutscher Literatur. Sein 1838 erschienenes Wanderbuck, welches die auf Erholungsreisen in Norddeutschland und Skandinavien empfangenen Eindrücke dichterisch wiedergab, bient als Beleg für feine auch in dieser Richtung nicht gewöhnliche Befähigung. Zur gleichen Zeit auch erfolgte die Versetzung Schulze's als Assessor an das Kammergericht zu Berlin, von wo er unter dem Vorbehalt des Wieder­eintritts in den Staatsdienst 1841 als Patrimonialrichter nach seiner Vaterstadt zurück- kehlte. Dort an fernem Geburtsort war es, wo der Verstorbene jene genaue Bekannt­schaft mit der Lage und den Bedürfnissen der kleinen Gewerbetreibenden gewann, deren Antheilnahme seinen Geist fortan ganz vornehmlich beschäftigte. Eine markige Beredt- samkeit, welche Schulze eigen gewesen, leitete ihn bald darauf zum parlamentarifchen Berus, in welchem er vielfach anregend wirkte und sich die Achtung aller Parteien erwarb.

AUS Anlaß der Theilnahme an dem Steuerverweigerungsbeschluffe von 1848 wurde vom Ministerium zugleich nach Auflösung der Kammer gegen Schulze die An­klage weg-n Aufruhrs gerichtet, welche ihm im Februar 1850 Gelegenheit gab, eine überaus glänzende, seine Freisprechung herbeisührende Vertheidigungsrede zu halten.

Mit der gesammten Patrimonialgerichtsbarkeit war in Folge der Umgestaltung der preußischen Juftizeinrichtungen mittlerweile das Amt, welches Schulze bis dahin bekleidete, eingezogen worden und er mußte es sich deßhalb sehr wider seine Neigung gefallen lassen, an das Kreisgertcbt m Wreschen in der Provinz Pofen versetzt zu werden. Da man ihm hier nun etnrn zur Herstellung seiner Gesundheit erbetenen Urlaub verweigerte, kam er etwas erbittert sofort um feinen Abschied aus dem Staats­dienst ein und zog sich nach der kleinen kaum 4000 Einwohner zählenden, ober durch die Erinnerung an Elternhaus und Jugendzeit ihm immer lieb gebliebenen Kreisstadt Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg zurück- .

Mit verdoppelter Liebe und Hingabe nahm er jetzt die Weiterentwickelung des Gedankens einer Hebung der arbeitenden Klaffen auf der Basis wirtschaftlicher S-lbst- hülse wieder auf. In der Organ sirung lebendiger Gruppen mit gemeinsamem In­teresse als zeitgemäßem Ersatz für die abgestorbenen wenigstens veralteten Gewerbe- Corporationen des Mittelalters glaubte Schulze das gefunden zu haben was er suchte. Nur so schien ihm die Gefahr der Gegenwart, eine Spaltung des Volkes m Pluto­kraten und Proletarier, auf dem Felde des Gewerbesteißes anwendbar. Es entstanden in Folge beffen auf seine Anregung hin in Delitzsch, Eilenburg, Halle, Bitterfeld u. a O. im Königreich Sachsen Genossenschaften ber verschiedensten Art, bte aus kleinen Ein­zahlungen unb fortgesetzten Spareinlagen ber Mitglieder, sowie aus empfangenen Dar­lehen Gelbvorschüsse gegen etwas höhere Z-nsen gewährten unb den Nutzen dieses Betriebes dem Guthaben ber Mitglieber zuwachsen ließen. Dadurch sowohl, daß alle Theilnehmer sich zum solidarischen Einstehen für die Verbindlichkeiten ihres Vereines t verpachten mußten, als durch die feste Haltung, welche Genossenschaften unter selbst schwierigen Umständen bewahrten, stieg ihr Credit. in so hohem Grade, daß ihnen bald aub wetteren Krisen Betriebsmittel zur Verfügung gestillt wurden. Schulze's Erfinder- geist zeigte sich bei dieser volkswirthschaftlichen Schöpfung nicht nur darin, daß er die Voraussetzung erkannte, unter welcher die bis dahin für den Credtt als Nullen be­trachteten capitallosen Arbeiter, wenn sie creditwüidlg sind, wirkliche credstsLH-ge Zahl.n meiden können, sondern auch in feiner praktischen Detailformulirung, bte sich auf tiefe Kenntniß der betreffenden Volksklassen stützte, seinem allmählich erworbenen Einflüsse auf die Gesetzgebung, in dem Muthe, womit er sich ganz seinem großen Zwecke hm- g geben, sowie in der unsäglichen Geduld und Rührigkeit, welche er bei der Ausführung b.thätigt hat. Die letztgenannten Eigenschaften gaben ihm vielfach die Feder in die Hand unb veranlaßten ihn zeitweise zu schriftstellerischen Arbeiten von bleibenbem Werihe. Sehr entschiedenen Widerstand setzte er 1863 und 1864 der stürmischen Pro­paganda Lassalle's für Productiv-Associat'onen mit Staathhülse entgegen durch die Schriften:Die Abschaffung des geschäftlichen Risicos durch Herrn Lassalle" und Ein neues Capitel zum deutsche Arbeiterkatech'smuS".

Auf dem ersten Veretnstage deutscher Vorschußvereme zu Weimar vom 14. bis 16. Juni 1859 übertrug man Schulze nach feinem Vorschläge die Lettung eines Central- bureautz, das die Verbindung unter den einzelnen Vereinen und den Austausch ber Erfahrungen vermitteln sollte. Als Vorstand dieses Bureaus iwb al§ Anwalt jener Vereine war er denn auch bis in die letzten Tage seines Lebens thätig.

An den politischen Angeleger betten betheittgte sich Schulze in hervorragenderer Weise erst wieder seit dem Jahre 1859, indem er zur Stiftung des Nationalvereins mitwirkte und 1861 ein Mandat für das Abgeordnetenhaus in Berlin annahm, welche Stadt er bann sowohl auf dem preußischen Landtage, wie auf dem norddeutschen und deutschen Reichstage als Mitglied ber Fortschr-ttspartei ununterbrochen vertrat, bis ihm 1874 ein Mandat für ben Wahlkreis Wiesbaben - Rheingau übertragen wurde. Auf den Sitz im Abgeordnetenhause leistete er in ben letzten Jahren wiederholt

Dermischte-.

Frtebbera, 27. April. Heute fand im hiesigen Rathbaussaale unter dem Vor­sitze des Großh Kreisraths Dr. Braden eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises ft^t^ in welcher Über die gegen das Vagantenthum zu ergretfenben Maßrege In beratben mürbe Großy Kreisrath Dr. Braden leitete die Verhandlung e n unb erteilte bem Regierungs-Accessisten Fey, welcher das Referat ü£erns^^

Accessift Fey beleuchtete in eingehender unb überzeugender Weise die gwtzen sittl cy n unb volÄtWaftlldjen Schäden, welche d°s immer mehr >'"d'N-Hr um sich gr-Ü-nb- Vagantenthum tm Gefolge Hot, inbem er dieselben, insoweit f <. fp QaI)[en

bte Gemeinben bes Kresies in ben letzten Jahren betiastn, °n der H-nb o H erläuterte. Auf Antrag des R-f-rrnt-n wurden nonder B-rsammlung R-solntionen gefaßt: 1) Es mutz darauf h-"S'wtrki, w . - Gewährung von

©mAreifenb« seitens der P/w°W^,o"en ganzüch auch Argerm-tster ober ein Unterstützungen übernimmt bte Gemeinde tn f Die Unter­

anderes Ortsvorstandsmitglied dieselbe jedem einzeln F abhängig zu machen, stützuna ist thunlichft von vorhergangiger Verrichtung D,^^n derartig zu treffen, Die erforderlichen Einrichtungen hierzu sind in all Gern Ortsstraßen und Wegen, daß ertweder öffentliche Arbeit 9i?bdt bef9 Säten auf bestimmte Zeit

Zerkleinerung von Holz u dgl), obtt baft » «obrlgMtlicb controlirt w7rd- obrigkeitlich angewiesen und bte Verrichtung be» nothwenbigen Lebens-

3) Die Unterstützung barf nur in unmittelbarer Geway allen Gemetnben des

bebürfniffe, nicht aber in @elbfpenben beft yc^)jeu2lnweifun0 auf Naturalverpflegung Kreises zu bestimmten Tageszeiten sto"sinden. jx s^st geeigneten Personen erfolgt vermittelst besonderer Karten. Mit Nachiquartter abzuschlteßen, in

sind Verträge wegen Gewährungi von Spen jeben Zuwiderhandlungssall

welchen bei Meldung namhafter Convent o ^Verabfolgung von Getränken anstatt der Umtausch der Karten gegen Geld od o roerben monatlich mit den hiernach Speise ausdrücklich -u untersagen ist- ^meindekasse ausbezahlt. Besonders

von den Accordanten eine Beihülfe durch den Kreis

in Aospruch g-nomm-neu * Um zu treffen, daß die Arbeitgeber das erwirkt werden. 4) Es sind ^^i ^ner^Stelle anmelden, damit die Möglichkeit gegeben Bedürfmß nach tocit6Irplflc"£Lna|m^iger ßegitimation§paplere und guter Zeugnisse wird, arbeitsamen im Besitz ord« f «MS 5) Durch öffentlichen Anschlag

befindlichen Reisenden andauernde Umfragen im Orte gewarnt und

an den Ortsausgängen e ra*efen njerben, baß sich wegen Arbeit unb Unter»

Störung baburd), baß sein Protektor sich nach Annahme eines Manbats für bte nach gleichzeitig bte Reffenden daras, 1 Qn sonst zu wenden ist. Die Erfahrungen

der octroyirten Verfassung von 1849 berufene zweite Kammer der Sache wenig mehr ^^n^Nach^arländern vor Allem im Königreich Württemberg, aber auch in einzelnen