statt. Außer der Wittwe, bin Söhnen und der Schwiegertochter des Verstorbenen waren der Erzherzog Joseph In Vertretung deS Kaisers, Generaladjutant Baron Mondel, die Minister, Mitglieder beider Parlamentshäuser und der Landeskommandtrende Graf Edelshetm-Gyulay anwesend. Um 6 Uhr langte der Trauerzug auf dem Bahnhof an, von wo die Leiche nach Zavar (Preßburger Comitat) gebracht wird, um in der dortigen Familiengruft beigesetzt zu werden. Zur Beisetzung reisen Deputationen des Ober» und des Unterhauses am 2. April dorthin. Der Ministerpräsident Taaffe und der Präsident des österreichischen Unterhauses, Smolka, sandten Beileidstelegramme. Die Straßen, welche der Trauerzug passirte, waren mit Trauerfahnen beflaggt, außerdem haben sämmtltche öffentliche Gebäude und zahlreiche Privathäuser Trauerfahnen.
Worwegen.
Christiania, 31. März. In der heutigen Sitzung des Odelsthing ist der Antrag des Protokoll-Comitös, alle Mitglieder des Staatsrathes in den Anklagezustand zu versetzen, eingebracht worden. Die Berathung über diesen Antrag findet voraussichtlich am nächsten Donnerstag statt.
Arankreich.
Paris, 31. März. In Belair, unweit Montceau-les-Mines explodirte am letzten Donnerstag Abend unter der Thür des Hauses des Obersteigers Camus eine Dynamit-Patrone. Camus hatte vor Kurzem einen Brief mit der Unterschrift „Das Executiv-Comitö" erhalten, in welchem er mit dem Tode bedroht worden war. Durch die Explosion ist Niemand verletzt worden, nur die Fensterscheiben des Hauses sind zertrümmert.
Paris, 31. März. Die „Agence Havas" dementtrt das Gerücht des Rücktritts des Ftnanzmtnisters. — „Patrie" hält die Nachricht vom Verkauf des Schlosses Chantilly seitens deS Herzogs von Aumala aufrecht und fügt hinzu, alle Güter der Orleans seien für 75 Millionen, welche von auswärtigen Gesellschaften ausgenommen seien, hypotheclrt. — Viele Journale tritisiren die neueste Entschließung des Kriegsministers, wonach die beabsichtigten Cavalleriemanöver unter General Gallifet unterbleiben sollen. „Temps" sagt, diese Entschließung Thibaudin's stütze sich auf Unzutraglichkeiten, welche aus der Bereisung der Ostgrenze durch zweihundert höhere Offictere entstehen könnten.
— Die Untersuchung wegen der der Louise Michel zur Last gelegten Thatsachen wird, wie angenommen wird, nicht vor Ablauf von 2 Monaten beendigt sein; es scheint aber gewiß, daß dieselbe vor die Assisen verwiesen werden wird.
Rußland.
Petersburg, 31. März. Der „Regierungsanzeiger- bringt eine amtliche Mittheilung Über die im Laufe des dermallgen akademischen Lehrjahrs in dem Neu- Alexandrinischen Forstinstitut in Warschau ftattgehabten Studentenunruhen. Danach haben fortwährend gesetzwidrige Zusammenrottungen der Studenten stattgefunden, letztere haben wiederholt gänzlich unzulässige Forderungen an ihre Vorgesetzten gestellt und sich denselben, namentlich auch dem Curator des Warschauer Lehrbeztrks, Geheimen Rath Apuchtin, gegenüber mit großer Frechheit benommen. Die Demonstrationen der Studenten haben vom November v. I. an bis zum Anfang dieses Monats gedauert, wo auf Anordnung des Curators die Vorlesungen in dem Institut eingestellt wurden. Am 4. März beschloß das Direktorium, einige der hauptsächlichsten Unruhestifter aus- zuw eisen, hierauf verlangten indeß auch alle übrigen Studenten, ausgewiesen zu werden, oa sie alle des gleichen Sinnes seien. Angesichts der fortgesetzten Ruhestörungen ist darauf vom Direktorium beschloffen worden, gegen die Excedenten nach Maßgabe ihrer Schuld weiter einzuschreiten. Demzufolge find 54 Studenten ausgewtesen und des Rechtes, in irgend eine andere Lehranstalt ausgenommen zu werden, für verlustig erklärt, 39 andere find aus die Dauer von 2 Jahren aus der Anstalt entfernt worden; 36 wurden ausgewiesen, erhielten aber die Erlaubntß, andere Lehranstalten besuchen zu dürfen, nur 14 dürfen das Institut wieder besuchen, falls die Vorlesungen in demselben wieder eröffnet werden.
Charkow, 31. März. Durch das Austreteu des Flusses ist eine starke Ueberschwemmung eingetreten, der Bazarplatz, mehrere Straßen und die Vorstädte stehen unter Waffer, viele Kaufläden und Parterre-Räumlichkeiten sind überfluthet. Die Lehranstalten sind zeitwellig geschloffen. Nur die beiden Hauptbrücken haben den Wasserfluthen bis jetzt widerstanden, alle übrigen Brücken sind überschwemmt und beschädigt. Durch die Ueberschwemmung wurden auch mehrere mit Verlust von Menschenleben verbundene Unglücksfälle herbeigejührt.
Men.
Taschkent, 31. März. Heute um 7 Uhr Morgens fand Hierselbst rin ziemlich heftrges Erdbeben statt. — Es wird eine Expedition nach Pamir behufs topographischer und astronomischer Ortsaufnahmen beabsichtigt Die Expedition wird ihre Forschungen an die englischen Forschungen anlehnen. Der Ausgangspunkt der Expedition ist Osch (Ferganagebtet). Eine andere Expedition wird astronomische Ortsbestimmungen für das Amuzadagebiet zum Gegenstand haben und ihre Thättgkeit auf das Terrain von den oberen Flußfurthen bis nach Chiwa erstrecken
Türkei.
Konstantinopel, 31. März. Heute Nachmittag fand auf der Pforte bte erste Konferenz in der Libanonfrage statt. Die Vertreter der Großmächte waren vollständig anwesend. Aarifi Pascha machte die Mittheilung, daß die Vollmachten Rustan Pascha's, über dessen Verwaltung er sich lobend aussprach am 23. April ablaufen und daß der Sultan, gemäß dem Libanon-Re lement von 1861, Prenk Bib Doda Pascha zu dessen Nachfolger bestimmt hätte Aarifi Paicha sprach die Hoffnung aus, daß die Mächte ver Wahl zustimmen würden Die Botschafter Oesterreich-Ungarns, Frankreichs, Deutschlands und der Geschäftsträger Italiens pflichteten den Ausführungen Aarifi's bei und erklärten ihre Zustimmung zur Wahl Prenk Bib Doda's. Der russische Botschafter und der englische Geschäftsträger beschränkten sich daraus, von der Mittheilung Kenntniß zu nehmen und fügten hinzu, daß sie darüber an ihre Regierungen berichten würden. Die Sitzung wurde um 4 Uhr Nachmittags bis zum nächsten Sonnabend vertagt.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Burearr.
Berlin, 1. April. Zur Feier des Geburtstages des Reichskanzlers Fürsten Bismarck fand eine Morgenmusik Seitens der Kapellen des 2. Garde- Regiments und des Kaiser-Alexander-Regiments statt. Mittags fanden sich zahlreiche Gratulanten ein: Prinz Wilhelm, zahlreiche hohe Öfficiere, Hofchargen, Diplomaten und viele Damen der Hofgesellschaft. Von auswärts und von hier liefen sehr viele Telegramme und zahlreiche Blumenspenden ein.
Stralsund, 1. April. Nach den jetzt vorliegenden Resultaten über die in dem Wahlkreise Stralsund-Rügen stattgehabte Reichstagswahl ist Kaufmann Samm (Fortschr.) als gewählt anzusehen.
Kiel, 1. April. Die Weihe der dem Seebataillon verliehenen Fahne hat heute Vormittag bei dem prächtigsten Wetter in Gegenwart des Officier- Corps des Seebataillons, von Deputationen der Matrosen- und Werst-Division
J?er Civilbehörden und eines zahlreichen Publikums stattgefunden' n Wecheakt vollzog der Marmepfarrer Langheld, während 21 Salutschüsse
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Berlin. Der in vier hiesigen Postbezirken gemachte Versuch, die Bestellung von Geld- und Werthsendungen durch zwei fahrende Beamte effeclutren zu lassen, ist, nachdem er vier Tage lang durchgeführt worden ist, wieder eingestellt worden, da auf diese Weise die Ueberbrtngung der betr. Briefe rc. an die Adressaten so viel Zeit in Anspruch nahm, daß dieselbe kaum öfter als zwei Mal des Tages statt- finben konnte.
Worms, 28 März. Gestern waren die Mitglieder des Reichstagscomitss für Vertheilung der für die Wasserbeschädigten eingegangenen Gelder hier zusammen, nur Reichensperger-Crefeld ließ sich entschuldigen. Es waren Köpfer-Mannheim, Groß- Lambshenn, Büchner, Reinhart und Schröber. Der Sitzung wohnte auch der Herr Ministerialrarh Jaup als Vorsitzender des hessischen Lanves-Comii4s bet. Die Zusammenstellung Der Schäden für Hessen, ohne die Schäden an Dämmen, Straßen und Brücken, welche der Staat zu tragen hat. ergaben den Betrag von 1,980,000 JL, darunter Gebäudeschäden mit 924.000 JL Für die Pfalz berechnen sich die Gebäudeschäden auf ca. 1,400,000 A Für Baden wurde der Schaden für Private auf 2*/r Million Mark angegeben. Das hessische Landescomit6 vereinnahmte im Ganzen bis jetzt 806,000 «A. wovon ihm nach Zahlung der Futtermittel und Saatfrüchte noch ca. 280,000 A bet viel größerem Bedarf übrig bleiben Das Comit6 beschloß eine procentuale Vertheilung der bet der Darmstadter Bank in Folge Aufrufs von Reichsund Landtagsabgeordneten eingegangenen 128,000 A, wonach auf die Pfalz und Hessen je 20pCt. entfallen sollen.
Petersburg. Vor einigen Tagen hat Hierselbst ein Piftolenduell zwischen dem aus einem früheren Proceß bekannten Fürsten Scherwaschtdse und dem Flügeladjutanten und Offizier im Preobraschenskischen Regiment Reutern stattgefunden, m welchem Der Fürst verwundet wurde. Scherwaschidse, ein Raufbold erster Elaste, aber besonderer Liebling des Kaisers, hatte, wie man der „K. Z." schreibt, vor ungefähr anderthalb Jahren in dem Restaurant Cascade einem Kaufmann, der unberufenerroeife die Thür zu dem Zimmer öffnete, in welchem Zigeunerinnen einigen Offizieren des Letbhnsaren- regiments Lieder vorsangen, nicht allein mit dem Säbel den Kopf gespalten, sondern den zu Boden Geschlagenen dann noch fortgesetzt derart mit der scharfen Waffe bearbeitet, daß die Zigeuner später aussagten, Scherwaschtdse habe stch wie ein „Fleischhacker" benommen. Der tapfere Fürst wurde damals zu IV- Jahren Arrest verurtheilt (er hatte einen Menschen getödtet und einen zweiten sehr schwer verwundet), und nach drei Monaten bereits erwirkte ihm Woronzow-Daschkow die Begnadigung des Kaisers. Scherwaschtdse trat unter den alten Verhältnissen wieder in bas Leibhusarenregiment zurück und hatte vor einigen Tagen, wie erwähnt, den Zweikampf mit Reutern, den er wegen eines Vorfalls im Nachtclub gefordert hatte.
Ober-Moos, im Kreise Lauterbach, 27. März. In Folge der außergewöbn- lrck kalten Witterung bittet unsere Gegend noch einen völlig winterlichen Anbl'ck. Die Felder sind mit Schnee bedeckt und die am Ort befindlichen großen Teiche noch voll- ftanbtg zugefroren. Das Eis auf den Tetchen ist noch so fest, daß heute die zur Eröffnung unserer — auf Ostern fallenden - Kirchweihe üblichen 3 ersten Reigen, die sonst immer tm Freien getanzt werden, diesmal mitten auf dem Teiche, wo das Eis als Tanzboden diente, ausgeführt worden. Es ist dies Ereigniß in unserem Jahrhundert erst einmal vorgekommen.
Dortmund, 30. März. Durch ein Grubenunglück auf Zecye „Tremonia" kamen heute Mittag vor Ende der M ttagschicht 3 Bergleute zu Tode. Durch eine Mauer drangen aus einem benachbarten Flöz dumpfe Wetter in den Schacht und ehe die mitten in her Arbeit Beschäftigten den Ausgang finden konnten, ereilte sie der Erstickungstod. Bis gegen Abend war erst einer der Erstickten über Tag gebracht- der Obersteiger, welcher die Rettungsarbeiten leiten wollte, wurde bewußtlos aus dem Schacht gefahren.
Paris. Ein Bericht des amerikanischen Consuls in Bordeaux enthält wie die „St. James Gazette" mittheilt, schreckliche Nachrichten über die Lage des 'dortigen Wembau's. Es heißt in dem Blatte: „Die Verheerungen der Phylloxera in dm Weinbergen bei Bordeaux sind derart, daß die Zufuhr von Trauben bedauernswerther Weise gesunken ist. Dies mar schon bekannt; auch die fernere Mittheilung ist nicht neu, daß die Hälfte des heute aus Bordeaux exportirten Weines aus Mischungen von ungarischen spanischen und italienischen Weinen besteht. Dieselben werden mit Master vermischt, falls Bouquet erforderlich ist mit chemischen Essenzen wohlriechend gemacht und dann als „Bouquet Mädocam", „Poudre Anglaise", „SKve de Mädoc" verkauft
r? Aber Vielen bisher nicht bekannt gewesen fein, daß die französische Regierung wahrend sie den Verkauf gefälschter Weine in Frankreich verbietet und Alles tbut, um denselben zu verhindern, gegen des Verfahren, durch welches die Verfälschuna bewirkt wird, nirgends einschrelttt. Den französischen Zollbehörden sind beigegeben, welche die eingehenden Weine zu untersuchen haben aber fehe nnrft fn giftige Mischung darf au§ bem Lande ausgesührt werden und möglicher Weise ist die Regierung nur gar zu froh, die sogenannten Weine loszuwerden welche b^metlen mit Säften höchst gefährlicher Natur versetzt sind. Der Bericht emvfi'eblt bei JtXiTv Nischen Zollbehörde Chemiker anzuftellen, damit die Einfuhr unreimr Weine verhin/ert werde. In England, wo Weinmixturen, welche die Farbe von iBorbeaur bab?« in fn großen Quantitäten consumtrt werden, scheint es noch mehr aedoten bnl tränk' S-s-d-he. um bte Einfuhr der flefä9rlid)^ n, X’ V. L ÄS ZMn’ZUf(D7l! nbe? Dasselbe Blatt enthält noch folgende Notiz: .Rothe Erd- S' ^&k0Qr(Tnter Talk, Bl-istaub, Nudeln und SojavuloVr «ohnen- und Lupinen, Brokkrusten, Eicheln, gedörrte Feigen Rüben Earotten Sagespahn-, Zi-g-lsteinstaub, Asche, Mahagonlspähn-.'pegetabiiisch-^ Erde S°nd^" Was, wird man fragen, soll dies- lange Aufzählung besagen? St-s» Wort für Wort entnommen dem Bericht des Directors des Pariser Munic-pal-Labor° °rüim8 emer Brobe^ bMiael? » "l0* eme, 2iftc ber Substanzen, welche bet der Untersuchung
6 a t Kaffees vorgefunden wurden. Einige theuerere Proben unter® fdöieben sich nur dadurch, daß st- einen größeren oder geringeren Sufah van
abgegeben wurden. Viceadmiral Bätsch brachte das 'Hoch auf Se. Maj. den Kaiser aus.
Pari-, 1. April. Dem „Figaro" zufolge verabschiedete sich der Herzog von Aumale in der letzten Sitzung der Akademie von seinen Collegen, indem er seine Absicht, sich nach Sicilien zu begeben, tnittheilte und erklärte, daß er die orleanistische Bewegung, welche zu organistren versucht werde, als ein gegen ihn gerichtetes Manöver ansehe.
Lokales.
Gießen, 1. April. Schwurgerichtsverhandlung vom 31. März l. I. gegen Karl Kurz von Stockhausen wegen Raubversuchs.
Kurz war angeklagt:
daß er am 28. December 1882 auf der Staatsstraße zwischen Altenstadt und Bönstadt den Entschluß, ein Verbrechen zu begehen, nämlich dem Wilhelm Klehm von Altenstadt Sachen, welche demselben gehörten, mit Gewalt grgen dessen Person und unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben in der Absicht rechtswidriger Zueignung weg- zunehmen, durch Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung jenes Verbrechens enthalten, betätigt habe.
Die Geschworenen verneinten die auf Raubversuch gestellte Frage, bejahten dagegen die von der Staatsanwaltschaft beantragte Hülfsfrage, welche das Verbrechen des Versuchs der räuberischen Erpressung zum Gegenstände hatte. - K. Kurz wurde in eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren verurtheilt und chm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren aberkannt, sowie die Zulässigkeit von Polizeiaufsicht ausgesprochen.
Gießen, 2. April. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag fand am Neuenweg zwischen jungen Leuten eine Rauferei statt; dieselben wurden zur Anzeige gebracht. Einer der Mitbethelligten, welcher einen geladenen Revolver bei sich trug und mit demselben gelegentlich spielte, schoß sich dabei eine Kugel durch die Hand.
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