1883
Dienstag den 3. April
Nr. 7S
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bureaut Schulstraße 7.
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Aeutschland.
Berlin - 30. März. Die Verfügung ves Staatssecretärs des Reichs- vostamtes, die Beförderung von Postkarten zwischen dem Reichspostgebiet und Bayern und Württemberg betreffend, lautet:
Vom 1. April ab sollen Postkarten, welche mit Werthzeichen der Reichs- Postverwaltung, der königlich bayerischen oder der königlich württembergischen Postverwaltung versehen sind und im Bezirke einer anderen deutschen Postverwaltung als derjenigen, welcher das Werthzeichen angehört, ausgeliefert werden, gegen Erhebung von 5 Porto und 5 Zuschlaggebühr — zusammen 10 A — befördert werden. Sind jedoch dergleichen Postkarten nach demjenigen Gebiet bestimmt, welchem das Werthzeichen angehört, so ist am Bestimmungsorte von dem Empfänger nur der nach Abzug des Werths der Marke u. s. w. verbleibende Betrag einzuziehen. Hierauf haben die Auflieferungs-Postanstalten gleich bei der Austaxirung der Postkarten Rücksicht zu nehmen. Beispielsweise ist daher eine in Berlin aufgelieferte, mit einem württembergischen Werthzeichen von 5 versehene Postkarte, wenn sie nach Stuttgart gerichtet ist, nut 5 wenn sie nach München oder Köln gerichtet ist, mit 10 H Zutaxe zu belegen.
— Die vom preußischen Cultusminister getroffene Anordnung, nach welcher bei höheren Schulen unter Leitung der Lehrer Turnspiele eingesührt werden sollen, ist, wie man der „Wes.-Ztg." aus der Provinz Hannover Hieltet, dort vielfach mit Freuden als ein bemerkenswerther Schritt zur Auffrischung der Jugend erkannt worden. Die Ausführung des Erlasses ist zunächst den einzelnen Schulen überlasten, und demgemäß werden verschiedene Orte der Provinz alsbald mit Einführung der Spiele vorgehen, und zwar theilweise obligatorisch, theilweise facultativ in der Form, daß die Eltern gefragt werden sollen, ob sie für ihre Söhne den Beitritt zu einem Turnspielverein mit obligatorischer Wirkung für ein ganzes oder halbes Jahr wünschen.
— Die Fraktions - Vorstände des Reichstages bieten Alles auf, um die Mitglieder gleich am Eröffnungstage am künftigen, Dienstag so vollzählig wie möglich hier zu versammeln, da der Reichstag sofort sich einer sehr ernsten Thätigkeit zuzuwenden hat. Man beginnt bekanntlich mit der Berathung über die Erhöhung der Holzzölle, deren Ausgang vorläufig noch gar nicht abzusehen ist. Eine Voraussage läßt sich nicht machen. Ein kleiner Vruchtheil der Fraktion war schon vor den Ferien geneigt, mit der gejammten Linken gegen die Holzzölle zu stimmen. Die Commission für das Militär-Pensionsgesetz wird schon in der nächsten Woche zusammentreten, um eine Verständigung über das Gesetz anzubahnen. Bei dem allseitigen Interesse an dem möglichst baldigen Zustandekommen des Gesetzes steht zu erwarten, dass diese Bestrebungen nicht erfolglos bleiben werden. Möglich ist, daß es dem Kriegsminister gelingt, die früher hervorgetretene Abneigung gegen die geplante Resolution zu Gunsten der Heranziehung des Privatvermögens der Officiere zu beseitigen und damit den Ausgleich zu erleichtern.
— Die beinahe in Vergessenheit gekommene Beigabe des kleinen Belagerungszustandes, die in und für Berlin bestehende Paßpflicht, ist von dein Polizeipräsidium namentlich im Hinblick aus die am 1. Mai d. Js. zu eröffnende Hygieine-Ausstellung in Erinnerung gebracht worden. Danach muß jeder nach Berlin kommende Fremde, gleichviel, ob er in Gasthöfen oder in Privatwohnungen absteigt, sich mit einer Paßkarte oder mit einem Passe versehen, was eben nicht zur Erleichterung und Annehmlichkeit der Besucher beiträgt. Noch ist es gar nicht lange her, daß der Negierungsrath Graf Wilhelm v. Bismarck (zweiter Sohn des Reichskanzlers) in öffentlicher Wahlversammlung die Ansicht aussprach, daß der über Berlin verhängte Belagerungszustand Niemanden belästige und die damals verhängte — Hundesperre viel nachtheiliger wirke. Bemerkenswerth ist es übrigens, daß im vorigen Jahre Angesichts der gleichfalls in Aussicht genommenen (durch den Brand leider verhinderten) Hygieine- Ausstellung eine solche Erinnerung an die Paßpflicht nicht für nothwendig erachtet worden ist.
— Zur Begrüßung der bayerischen Handwerker - Delegirtentage in München richtete die „Südd. Presse" folgende Mahnung an dieselben: „Jeder tüchtige Handwerker bedenke, welche Consequenzen er mit dem Beitritt zur obligatorischen Innung unterzeichnet. Der Begriff „obligatorische Innung" schließt jeden nicht zur Innung gehörigen Meister von dem Betriebe des Gewerbes in
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Betreffend: Den im März 1883 vorzunehmenden Wiesengang. . Gießen, am 31. März 1883.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzog!ichen Bürgermeistereien des .Greises.
Wir erinnern Sie soweit Sie noch im Mckstande sind, an Erledigung der Verfügung vom 15. Februar 1883 - Anzeiger Nr. 43 - binnen 8 Tagen.
Dr. Boekmann. ___________
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dem Jnnungöbezirke aus und trifft sonach unter Umständen gerade am härtesten den rührigen Gewerbetreibenden, welcher keinen Zwang nöthig hat, im Verbände der Innung aber Gefahr läuft, sich oft der ekelhaftesten Majorität rügen zu müssen. Zu welchen Zwistigkeiten in der Jetztzeit solche Zustände führen müssen, läßt sich leicht absehen. Es giebt einen anderen, kürzeren Weg, welcher den Gewerbetreibenden zur Wahrung seiner Interessen führt: Er sorge für die Beschickung der Gewerbekammern durch Fachleute, anstatt, wie es in der Regel geschieht, den Bock zum Gärtner zu setzen und sich seinen Gegnern in die Hand zu geben. Wir vermögen bei dem besten Willen in dem Plan auf Wiedereinführung der Innungen nur einen Anschlag der ultra-conservativen Elemente zu erblicken, welche in letzter Linie die Aufhebung der Gewerbefreiheit und den Rückgang hinter die segensreiche bayerische Gesetzgebung von 1825 im Auge haben. Diejenigen, welche sich zu tief mit den klerikalen Demagogen und gewissen unklaren Köpfen eingelassen haben, mögen deshalb noch einmal die Tragweite ihres gefährlichen Unternehmens bedenken, ehe. sie hülfreiche Hano bieten zur Herbeiführung einer Blamage, welche schon jetzt mit dem Fernrohre gesehen werden kann." , ,
Berlin, 31. März. Der Kaiser empfing heute Vormittag den Prinzen Wilhelm, welcher sich in dienstlichen Angelegenheiten meldete. Dem Vernehmen nach ist Prinz Wilhelm zur Dienstleistung bei dem Garde-Feldartillene-Regiment commandirt, bei welchem er am 1. Juli eintritt. — Der französische Comnnssa- rius Jagerschmidt trifft zur Weitersührung der Verhandlungen über die Literar- Convention in der nächsten Woche hier ein. . . , . OTC .
— Der Großherzog von Baden ist mit dem Prinzen Ludwig heute Abend
8 Uhr nach Karlsruhe zurückgekehrt. Die Großherzogin gedenkt bis Donners- tag zu verbleiben. . , , , ,
— Der nordamerikanische Minister des Auswärtigen hat an das Central- Bureau für den Weltverkehr lBrasch und Rothenstein) hier, em Schreiben gerichtet, worin er im Namen des Präsidenten für die zu Gunsten der nord- amerikanischen Ueberschwemmten veranjtalteten Sammlungen allen Deutschen, deren Sympathien für die Nothleidenden sofort und in dem rechten Augenblicke erweckt worden seien, den wärmsten Dank sagt. Die bewiesene Gesinnung und großherzige Unterstützung habe bei allen Bürgern der Republik die vollste Anerkennung gefunden, die übersendeten Unterstützungen seien der „Gesellschaft vom rothen Kreuz" zur weiteren Vertheilung zugegangen.
Kiel, 31. März. Der Chef der Admiralität, v. Caprivi, hat sich mit dem Dampfer „Notus" nach Friedrichsort begeben, um dort die Rekruten der Matrosen - Division, sowie die Artillerie- und Schiffsjungen - Abthetlung zu mjpi Admiralität, Generallieutenant v. Caprivi, hat seine
Jnspicirungen beendet und reist heute Abend nach Berlin zurück. y
München, 31. März. Der König hat, wie die „Allg. Ztg. melde- die von dem Bischof Dinkel von Augsburg wegen vorgerückten Alters und schwankender Gesundheit erbetene Enthebung von der Reichsrathwurde genehmigt und den Bischof Ehrler von Speyer zum Reichsrath ernannt.
Kcfterreich.
Wien. 31. März. Beim gestrigen Bankett des wissenschaftlichen Clubs zu Ehren Ädols Wagn-l's würbe ein unliebsamer Auftritt ^”Oorgeru ^er00r()öL,'
redner, welcher die chrtstlich-social-u Mom-n e m SBaan« « WnM worauf eine heftig- Replik seitens-anderer Th'tln-hm-i -r^Igt . Berlin,
Wagner und sagte, daß er zwar Mceprästd.nt des lyrim cy I ben man übrigens aber nicht aus orthodoxen Motiven ein Sreunb Snntifemtttäniu« miß’
schwärzer darstelle, als er verdiene, und daß er "°!,Ai>ternbeit der ^uben anerkannt billige. Er hab- stets bk Tüchtigkeit und 9ro8« ’*
und mißbillige, daß N'»" di- Juden, «enn sie auch Th-ilnehmer wollte
ÄlM* b-r Gesellschaft machten
es unmöglich. Unterhaus- hi-'.t der Präsident Pechy, im Oberhaus-
. n Pesth, 31. anara- «3 Gedächtnißrede zu Ehren des ermordeten Präsidenten Mallatb^ b!°b- Schiser^be ch offen auf Antrag ihrer Vorsitzenden, ihrer Trauer im Mallaty, v'lve ^au,cr II Leichenbegängnis in corpore betzuwohnen,
mbTÄÄ 'n Zavar stattfindenben Beerdigung -in- Deputation von
7 Mügli-d° n dmth'n zu entsenden. Vom Ob-,Hause wurde außerdem noch -in- ein- monatliche Trauer um den Veistorbenen beschlossen.
Petth, 31. März. Heute Nachmittag 4 Uhr fand die Einsegnung der Leiche Mailath's tn seiner Wohnung durch den Primas von Ungarn, Cardinal Johann Stmor,
Bekanntmachung.
Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat der Stuttgarter Glasversicherungs-Actiengesellschaft die Erlaubmß zum Geschäftsbetriebe im Großherzogthum Hessen auf Widerruf ertheilt. „ t ra.,
Gießen, den 31. März 1883. Großherzogliches Krelsamt Gießen.
Dr. Boekmann.


