Oesterreich.
Wien, 30. October. An der Universität fanden heute erneuerte tumul- tuarische Demsnstrationen gegen Maassen statt. — Der Reichsrath tritt am 4. December zusammen.
WitterungSkund«.*)
2. November. Freitag. Kalt, unbeständig mit Regenschauern, stellenweise Schneefall oder Graupeln. Frühmorgens nebelig bis sonnig, Mittags und NachmstiIS dunstig bedeckt bis zu kurzen Regenschauern, örtlich etwas Schnee oder Graupeln, IP - nachmittags vielfach aufklärend, Nachts Niederschläge, zumal im Süden, das i» Hefte Temperaturminimum liegt zwischen 0° und 4° C- Winde Nachts le h Die Wasserstände steigen mäßig. Nach Norden zu ist die Witterung tagsüber IW aufklärend^Ember. Samstag. Kälter, thecks nebelig, theils bedeckt m°t kurzdauernd-n Niederschlägen, örtlich mit Schnee oder Graupeln. Frühmorgens nebelig, nachher «» ' geheitert, Mittags und Nachm ttags strichweise bedeckt mit Regen oder ' Hagelschauern, Abends aufgeklärt, Nachts vielfach Niederschlage bei lebhaften in Süddeutschland bedeutendere Niederschläge, namentlich Nachts. Die Wassc I steigen mäßig. Haparanda hat 12 bis 20° Kälte. Das nächtliche Temperaturmlnunum sinkt vielfach unter Null und liegt in geschützten Lagen noch etwas über Null. Wa» 8 - nicht nachhaltiger Nachtfrost. Nordlicht in diesen Tagen. Nach Norden zu I Witterung mehr auiklärend.
*) Aus Dr. L. Overzier's Wetter-Prognose lV-rlag der M-Lengs'ld- scheu Buchhandlung in Köln, Preis 1 — Nachdruck verboten.
Telegraphische Depesche«.
Wolffs telegr. CorrespoNdem-Werrearr.
Worms, 31. Ociober. Bei der gestrigen feierlichen Begiühung der Festttheil- nehmer hieß der Stadrpfarrer Müller die Gäste willkommen, Ober-Conststorialrath Goldmann aus Darmstadt dankte Namens derselben. Professor Stade aus Gießen überbrachte die Grüße der dortigen Untversiiät. Superintendent Sell aus Darmstadt brachte dem Dichter deS Festspiels, Hans Herrig, ein mit »roß-m Beifall aufge- nommenes Hoch. Professor Bender aus Bonn wies auf die Volksihümlichk it und den nationalen Charakt* des Festes hin. - Heute früh ertönte F-stgelaute und Cboral- mustk von der Dreifaltigkeitskirche. Dem F-stgottesdienst m der gedrängt vollen Kirche wohnte der Großherzog von Hessen bei. ,
Berlin, 31. October. Der „Reichs-Anz." enthalt eine amtliche Bekanntmachung von gestern, welche eine gesundheitspolizeiliche Kontrole wegen des Ausbruchs der Cholera in Peking anzeigt.
— Der Kaiser besuchte heute Abend mit dem Prinzen Wilhelm und zahlreichen Generälen den in der Kriegsakademie stattgehabten Vortrag des Afrika-Reisenden Lieutenant Wißmann über die erste Durchquerung des äquatorialen Afrika. ,
Frankfurt, 31. October. Das „Frkstr. Journ." therlt mit, man habe bei der gestrigen Absuchung des Epplosionsraums im Polizei-Präiebialgebäude weder Papier noch Pappdeckel-Stückchen gefunden und neige daher der Annahme zu, daß der Sprengstoff in einem Glasballon untergebracht gewesen sei. Die im Schutte vorgefundenen 9 Kugeln hätten alle die Größe eines Taubeneies, seien langgesormt und zeigen einige kleine in's Innere führende Löcher. Das Gewicht der Explosionskörper spreche gegen die Annahme, als befände sich in ihnen ein mit einer leichteren Masse als Blei gefüllter Hohlraum. Wohl sei Nitroglycerin in den Kugeln festgestellt, jedoch nicht derart, daß der ganze Hohlraum damit ausgesüllt sein konnte. Sämmtliche Personen, welche aus Anlaß der Explosion verhaftet waren, konnten ihr Alibi beweisen und sind daraufhin freigelassen worden.
Dortmund, 31. October. Die Schwurgerichts - Verhandlungen gegen die 32 wegen Landfriedensbruchs angeklagten Bergleute der Zeche „Germania" wurden heute nach sechstägiger Dauer beendigt. 17 Angeklagte wurden schuldig befunden und mit Gefängniß von 4 Wochen bis .zu 9 Monaten bestraft, die übrigen wurden freigesprochen.
Breslau, 31. October. Der Fürstbischof ist aus Rom zuruckgekesrt.
Leipzig, 31. October. Der Centralvorstand der allgemeinen deutshen Lutherstiftung, der sich heute hier constituirt hat, besteht aus Anhängern ier- schiedener Schattirungen der evangelischen Kirche, darunter Oberhofprebiger Kitzel, Lisca, Levetzow, Bennigsen. Es wurde ein Aufruf zu Beiträgen erlassen.
Wien, 31. Octobcr. Professor Lorenz hielt heute in sein-m großen, dcht- gefüllten Lehrsaale -m-Ansprache an die Studenten, worin er erklärte, daß die gestrgen Vorgänge im Lehrsaale des Professors Maassen eine Schandung aller Lehrkanzeln der Universität bedeuteten, sie hätten Maassen bewogen, seine Vorlesungen so lange zu sts- pendiren, bis die Ordnung wieder hergestellt sei. Durch die Vorgänge gegen Profesor Maassen halte er sich für miibeleidigt, durch die Beschimpfung seines College» hilte er sich rnitbeschimpft; er bedaure, Maassen im vorigen Jahre entgegengetreten zu ei« und fühle sich gleichsam schuldig, daß er wegen eines Anlasses, bei welchem er Diel weniger sachlich als vielmehr formell anderer Meinung gewesen sei, mit Profesor Maassen in Differenz gekommen fei. Professor Maassen gehöre zu den größten wisen- schastlichen Sterben der Wiener Universität. Er halte sich nicht für würdig, dieem Manne, was seinen Ruf und feine in der deutschen Wissenschaft anerkannte Größebe- treffe, die Schuhriemen aufzulösen; erwürbe, wenn es so fortgehe, keine Bebecken tragen, abzubanken, benn er erachte cs unter seiner Würbe, an einer Universitä zu dociren, wo die Lehrfreiheit gestört sei.
des Majors Steinmann ausgeboten. Zum Glück scheint es ruhig geblieben zu sein, ba I U,efterC®?ea$:orgänflenifnt Olbenburg erregen hier großes Aussehen. Die conservattven Blätter bemühen sich offenbar, bte Sache todtznschweigen. Die liberal«! Zeitungen I taibmen ihr lange Besprechungen. Nähere Berichte liegen erst spärlich vor. Die srtat.sta" weiß zu berichten, daß Major v. Stetnmann inzwischen von seinen vier Hauptleuttn gefordert worden ist, daß ein zweites Duell bereits stattgesunden hat. Von einer Seite, die mit militärischen und Hoikreisen Fühlung hat, wird nun berichtet daß der Kaiser sofort strenge Untersuchung angeordnet hat. Auch sollen sich ekt kaiserlicher Flügeladjutant und die unmittelbaren Vorgesetzten des 91. Regiments naeft Olbenburfl beaeben haben. Das ,B. T-", bas einen Bericht aus Olbenburg erhalten hat, erfahrt, baß Steinmann beim Großherzog in tiefster Ungnade, bet Hofe total unmoßlid), in dem Ossiciercorps ohne Sympathie, bet den Truppen grenzenlos mit glühendem Haffe verfolgt wird-
Berlin, 30. October. Am Dienstag, Mittags 12 Uhr, trat der engere Ausschuß der Parlaments-Baucommission, bestehend aus den Herren Staatsminister v. Bötticher, Reichstags-Präsidenten v. Levetzow und Reichstags- Abgeordneten v. Forckenbeck unter Hinzuziehung der Herren Professor Adler, | Oberhofbaurath Persius, Bauinspector Häger und des Architekten Wallot zu einer Berathung zusammen. Dieselbe hatte den Zweck, Detailfragen wie die der inneren Raumeintheilung und Herstellung der Communikationen zu erledigen. Das bekanntlich von der Parlaments-Baucommission genehmigte umgearbeitete Projekt wird wohl in Bälde Sr. Maj. dem Kaiser vorgelegt werden. Wenn in einzelnen Blättern neuerdings die Rede davon ist, daß die Grundsteinlegung des neuen Reichstagsgebäudes am 18. Januar k. Js. erfolgen wird, fo wird uns dies als eine willkürliche Combination bezeichnet.
Eine neue Art Falschstücke von Doppelkronen (Zwanzigmarkstücken) ist in München vorgekommen, welche erst bei dem Wiegen als falich erkannt werden und im kleinen Verkehr recht vielen Schaden anzurichten geeignet sind.
Danzig, 30. October. Ein ruchloses Attentat wurde auf der Strecke Dirschau-Bromberg verübt. Bei Laskowitz waren drei Schwellen über die Schienen gelegt, was zur Folge hatte, daß die Maschine des Courierzugs erheb- heblichen Schaden erlitt.
— Einem hiesigen Handlungshause wurde ein Verlust von 200,000 M. zugefügt, indem einer der Theilhaber der dem Hause gehörigen Fabrik zu Marienburg in Berlin deren Erzeugnisse um esetzt und mit dem Erlöse ver- muthlich nach Amerika oder nach Australien sich geflüchtet hat.
Sautertmrfl i. E., 31. October. Der heutige Straßburg-Berliner Nacht- Schnellzug fuhr vor der hiesigen Station um 6% Uhr auf einen mit Getreide belaßenen Lastwagen, welchen zwei Pferde nicht über bas Geleise Hinwegzubringen vermocht hatten. Der Wagen würbe zertrümmert. Die Getreibesacke lagen zerstreut ber Bahn entlang. Niemanb ist verletzt- Der Zug ist einer großen Gefahr entgangen.
— Professor Maassen konnte heute in Folge ber Intervention des Dekans Vorlesungen wieder beginnen. ~ 'e nc
Paris, 31. October. „Temps" meldet, es würden gegen den Ex-Krieas- minister Thibaudin disciplinarische Maßregeln ergriffen werden wegen eines an einen Cercle in Toulon gerichteten Briefes desselben, worin er seine früheren Collegen tm Cabiuet kritlsirt.
Loudon, 31. Octoder. G siern Abend Haden an zwei St-llen der untetirbiid». haupistädr scheu Eisenbahn Explosionen stattgesunden, welche große Bestürzung dV ursachttn und die Cuculasion der Züge unterbrachen. 38 Personen sind verletz! worden bte Ursache ist unbekannt- '
— Die Ursache ber gestern Abend bei ber hiesigen unterirdischm Eisenbabn stattgkhabten Explosion ist bis jetzt noch nicht ermittelt, um eine Gasexplosion - ursprünglich angenommen isurbe — scheust es sich nicht zu hanbeln- Der durch die Explosion angerichtete Schaben läßt eher aus bte Wirkungen von Dynamit schließen man hält bie Explosion für ein von den Feniern ausgegangenes Attentat. W« Stationen ber unterirdischen E senbahn wurden in der vergangenen Nacht von der Polizei bewacht, ebenso wurden starke Trupps von Polizeirnannschasten zur Bewachung des Parlamevtsgedäudes herbeigezogen.
— Nach dem Ergebnisse ber polizeilichen Untersuchung sind die Explosionen auf der unterirdischen Eisenbahn weder durch Gas, noch auch dm ch Dynamit, sondern wahrscheinlich durch N troglyccrin herbeigeführt. Der Bahnverkehr ist heute nrteber vollständig hergestellt.
London, 31. Ociober. In einer gestern in Buxton gehaltenen Rede sprach der Staatsfecretär des Krieges, Lord Hartinglon die Hoffnung aus, Gladstone werde bei dem bevorstehenden Gustdhall-Bankst die Versicherung abgeben können, daß bet europäische Friede gesichert und bte Schwierigkeiten, welche zwischen Frankreich und England zu entstehen drohten, in hinreichender Weise geregelt seien. Was Egypten angehc, so habe England Europa gegenüber sein Wort gehalten und nachdem es die Awrechihaltung der Ordnung und den Schutz der europäischen Interessen dost sichergestellt, sei es nicht dort geblieben, um sich mit noch größerer Verantwortlichkeit zu belasten, zumal dieselbe schon jetzt fast zu groß für bas britische Reich fei.
Petersburg, 31. Ociober. Das „Journal de St- Pdieisbonrg" mißt den jüngsten Vorgängen in Bulgarien eine nur locale Bedeutung bet und behauptet, dieselbe tntereffne bte Cabinete nur insoweit, als sie die Ruhe ber Balkantzalbwsil stören könnten. Das Einvernehmen ber Cabinete fei in dieser Hinsicht ein vollständiges. Die Urtheile ber „Norbdeutschen Allgemeinen Zeitung" und ber „Post« seien den Gefühlen Rußlands entsprechend, hoffentlich werde eine Lösung eintreten, die alle besriedige. General Kaulbars sei beauftragt, mit dem Fürsten von Bulgarien über bte Stellung ber russischen Offiziere eine Vereinbarung zu tr-ffen. Aas keinen Fall aber könnten biefe Schwierigkeiten ben beschränkten Kreis, in bem sie entftanben, überschreiten, noch irgenbwte bie Beziehungen ber Regierung m altertren. Alarmirenbe Commentare darüber seien aus Börsenmunöver zurückzuführen.
Lokale-.
Gießen, 1- November- (Theater.) In „Haus Loney" von Adolf L'Arronge werden uns die Verhältnisse einig Kausmannshauses vorgesührt- Der Vater der Famlie, der sich durch eigene Kraft zu einem reichen und geachtsten Manne emporgeschwungen bat, verfährt gegen feinen 21 Jahre alten, noch bie Pnma eines Gymnasiums besuchenden Sohn mit wohlbegründeter Strenge. Dieser, hierdurch beengt, glaubt seine Freiheit tm Berufe eines Schauspielers zu finden und wendet sich zu diesem Zwecke an ben Schauspieler Reinhard». Herr Reinharb, ein edler Charakter, besucht den Vater, um ihn von ber Absicht bes Sohnes, bte er nicht billigt, zu benachrichtigen; mit biefem verbindet er einen weiteren Zweck, bie liebenemüibige Tochter bes Hauses kennen zu lernen. Kurt sällt im Examen durch (merkwürdigerweise weil der Schulrath den Sallust gewählt hatte, während Kurt sich auf den Horaz vorbereitet hatte!), der Vater verstößt ihn nach einer heftigen Unterredung und Kurt sucht in der Verzweiflung frin Leben in ben Fiuthen bes Canals zu beenden. Reinhard rettet ihn und weiß durch sein edles Benehmen das Vormtheil des Commerzienraths gegen einen „Cornödianten" so uwzuwandeln, daß ber letztere, nachbem auch Kurt mit Reinhards Hilfe bas Examen bestanden, die Hand seiner Tochter dem Schauspieler _n>chi mehr verweigert. Als Nebenhandlung zieht sich durch bas Stück ein Liebesverhäliniß eines armen Edelmanns mit einer reichen Erbin.
Das Stück, daS trotz seiner Schwächen noch immer genug des Wirksamen bietet, um das Publikum zu erheitern, fand eine recht freundliche Ausnahme. Herr Voigt stellte den Schauspieler Reinhard, diesen in allen Sätteln gerechten Alleeweltshelser, bet ebenso gut ben Hamlett oder Othello spielt, wie er ins Wasser gefallene Jünglinge appoitirt und ßectionen tm Lateinischen und Griechischen ertheilt, frisch und lebendig, geistvoll und jovial, in ernsten Momenten der männlichen Würde nicht entbehrend und ließ es glaubhaft erscheinen, daß demselben alle Herzen zufl egen. — Eine treffliche Leistung bot Herr Peters als Christian Hummel; bte gutmüthige unb selbstgefällige Bornirtheit kam hier zu drastischem Ausdrucke. — Die sehr gelungen ausg-sührien Skizzen des Seewald-Drosselhetm'fchen Haushofmeisters (von Herrn Nickell) trugen ebenfalls zur Erheiterung bei. Hervorzuheben find noch Frau Brcde (Fresträulem von Seewald-Diossttheim), Herr Muss (Commerzienraih), Fräulem Pöguer I. (dessen Frau), graulen Kohrsen 1. und Herr Schönwasser (Kari). Ihnen schlossen sich Fräulein Helgen unb Herr Schölermann in ihren wenig dankbaren Rollen verdienstlich an.
Kirchh ain, 30. October. Bei dem heute Abend um 6 Uhr nach Kassel abfahrenden Zuge der Mcitn-Wejer-Bahn ereignete sich ein gräßliches Unglück. Der seil Jahren hier wohnhafte Handelsmann I. Nußbaum war mit bem Zuge angttommen und wollte sich vom Trittbrett aus noch von einer Mitreisenden verabschieden; als der Zug sich jedoch in Bewegung setzte, verlor Nußbaum bei bem Zu-ückireten bas Gleichgewicht, stürzte herab unb tarn unter bie Räder, wo ihm ber Kopf vollständig nom Rumpfe getrennt wurde. _____ _________
Eingesandt.
(Shakespeare-Abend.) Ein hoher Kunstgenuß steht uns bevor! Wie unf mitgethttlt wird, gedenkt Herr Recüator Bruno Fried aus Wien, Declamator Ihrer | Majestät der Königin von Hannover, welcher sich gegenwärtig auf einer Tourrie durch die Rbeinlande befindet, auch in Gießen demnächst an einem Abende aufzutt-ttu un° dabei eine Auslese ber schönsten um wirksamsten Svenen aus Shakespeares Meisterwerken zum Vortrag zu bringen. Die Darstellungen bes Herrn Fried, bem etni i - beutenber Rus als Shakespearc-Jnterprit vorangeht, gewinnen ein um so höhere» Interesse durch den Umstand, baß derselbe Declamation in t Action verbinbet und tre ans dem Gedä chtntß vortiägt. Wir machen auf biefen interessanten Vortrag m Voraus ganz besonbers aufmerksam.
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