Ausgabe 
2.9.1883 Erstes Blatt
 
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! azr 203 Erstes Blatt Sonntag den 2. September 1883.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

PreiK vierteljährlich 2 3Bori 20 Pf. mit Bringerlghn.

L ,-nreaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 ffi.

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Amtlicher Hheil. Bekanntmachung.

Droschkenbesitzer Karl Huhn dahier hat die ihm am 3. November 1880 erthellte Concession zur Inbetriebsetzung der Droschke Nr. 2 zuruckgegeben. Gießen, den 31. August 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Kraemer. _________________________________________________.

Gefundene Gegenstände:

1 Halsband mit Hundeblechmarke, 2 Potemonnaie's mit Inhalt, 1 desgl. leer, 1 Handschuh, 1 goldenes Medaillon, 1 goldene Brosche, 1 Handkörbcheu, 1 Handkorb mit Inhalt, 1 buntes Taschentuch und eine Mark an Geld.

Gießen, den 1. September 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Kraemer.

Zum Weiten September.

Nicht eitele Ruhmsucht und Siegeslust sind es, welche nun wiederum unser M veranlassen, den glorreichen zweiten September, wo Deutschlands geeinigte Lacht über einen gesährlichen Widersacher siegte, festlich zu begehen, sondern es sich lediglich die erhabenen Gefühle nationaler Freude und des Dankes, welche am Jahrestage der Schlacht von Sedan zum Ausdrucke kommen.Die peinigten deutschen Fürsten und Völker, für ihr gutes Recht kämpfend, sind unibe)iegbar, der deutschen Einheit, dem langentbehrten höchsten politischen Gute, scht kein feindseliges Nachbarvolk hemmend mehr entgegen", dies ist die Freu- driibotschaft, welche die Schlacht von Sedan brachte und die von ihr verkündeten ömungenschasten sind wohl werth, an einem Tage des Jahres gefeiert und den nod) wachsenden Geschlechtern nicht nur als Freudenbotschaft, sondern auch als Mhnung überliefert zu werden. Jeder Deutsche, mag er nun Preuße, Bayer, S'fldjfe, Württemberger, Badenser oder Hesse sein oder mag er einer politischen Partei angehören, welcher er will, muß wißen, daß eine große Frage, Deutsch- lmds Einheit, Macht und Größe, ja unseres Vaterlandes Cultuvmisston, alle Ctammesgenossen einig und stark zusamniensinden muß. Und sind zur Zeit öbefe edelsten Schätze unseres Vaterlandes auch nicht gefährdet, leben wir auch im sicheren Frieden, so gemahnt uns doch die Vorsicht und die Wandelbarkeit (Wer weltlichen Dinge daran, daß unsere Nation doch noch einer neuen Prüf- wng entgegengehen und die bittere Nothwendigkeit noch einmal an uns heran- tifden kann, für des Vaterlandes Einheit und Freiheit das Schwert ziehen $u müssen.

Mit dem Freudenfeste über das Errungene soll sich daher auch eine edle Ngebung und Begeisterung für des Reiches Größe und Einheit paaren und in den nachfolgenden Geschlechtern wach erhalten werden, damit auch sie stets missen, was sie im Nothfalle dem Vaterlande schuldig sind. Denn abgesehen °ni den älteren Mitgliedern unseres Officiercorps sind die Helden der glor- rnchen Schlachten aus dem Kriege 187071 wegen vorgerückten Alters nun sch jammt und sonders aus dein Verbände des Heeres geschieden und Linie >imd Landwehr repräsentiren ein neues Geschlecht, von dem das Vaterland in dtt Gefahr gleiche Thaten erwartet. Mag daher am Natisnalseste des 2- September das neue Geschlecht sich jene Helden zum Vorbilde nehmen, welche einst mit so unerschütterlichem Todesmuthe für das Wohl des Vater- toite eintraten.

Auch soll es ein Theil der Feier des Sedanfestes sein, jener Helden, so- >rchl derer, die noch unter uns leben, als auch derer, welche den Heldentod Zchorben sind, mit rühmender Anerkennung zu gedenken, denn Dank, unver- gWchen Dank ist Deutschland seinen Kriegern schuldig, welche in den großen v'chen 1870/71 das opfervolle Werk, dessen Gedächtniß wir heute wiederum ^8chen, mit bewunderungswürdiger Tapferkeit vollbracht haben.

Deutschland.

Darmstadt, 31. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben uilergnädigst geruht:

Am 23. August den Lehrer am Gymnasium zu Worms, Dr. Theodor ^o.dmann, zum Lehrer an dem Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt imt Wirkung vom 1. October d. Js. an,

... am 24. August den bei dem Kaiserlichen Hauptzollamt zu Hamburg com- Ml^isch verwendeten Finanzaspiranten, Georg Friedrich Feick aus Reinheim, M Wirkung vom 22. Juli d. Js. an, zum Hauptsteueramts-Assistenten 2. Kl. M ernennen.

Darmstadt, 30. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei- l«3e Nr. 20) enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, Abtheilung für und Cameralverwaltung, den Holzpreistaris für die Großh. Domanial- «dungen pro 1883/84 betreffend.

2. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Darmstadt, die Erhebung einer öur Bestreitung der Com.,mnal-Bedürfnisse in der Haupt- und Residenz- Mdt Darmstadt betreffend.

3. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Büdingen, die Nichterhebung der «tage der Gemarkung Unter-Diebach für 1883/84 betreffend.

4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Oppenheim, die für das Jahr 1883/84 zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse der Gemeinde Wolfsheim zu erheben­den Umlagen betreffend.

5. Ordensverleihung.

6. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.

7. Dienstnachrichten:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 7. August dem evang. Pfarramts-Candidaten Ferdinand Stock aus Alzey die erledigte evang. Pfarrstelle zu Hangen-Weisheim zu übertragen.

Am 2. August wurde dem Schullehrer Johann Georg Fritz zu Böllstem die Lehrerstelle an der evang. Schule zu Mommenheim, an dems. Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Peter Ignatz Wahl aus Heidesheim eine erledigte Lehrerstelle an der kath. Schule zu Wald-Michelbach, am 3. August wurde dem Schulamtsaspiranten Peter Hoffmann aus Ober-Scharbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bonsweiher, am 4. August wurde dem Schullehrer Karl Schnob zu Ober-Lais die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Freien- feui^m 9. August wurde dem Schulamtsaspiranten Jakob Wolf aus Auer­bach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Hausen, an dems. Tage wurde dem Schullehrer Heinrich Ludwig Nikolaus zu Grebenhain die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hausen übertragen.

8. Charakterverleihung:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädrgst geruht: Am 25 Juli dem berittenen Oberwachtmeister Görtzhain im Gensd'armerre-Corps bei seiner Versetzung in den Ruhestand am 31. Juli den Charakter als Seconde- Lieutenant zu verleihen.

9. Ruhestandsversetzung.

10. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Die evang. Pfarrstelle zu Ober-Seemen; ^dotatwnsmaßiger Gehalt 1053 das Präsentationsrecht zu dieser Stelle fteht dem Herrn Grasen zu Stolberg-Ortenberg-Roßla zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Stelle an der Gemeindeschule zu Landenhaujen mit einem Gehalt von 900 t/W.; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; die Coneurrech- eröffnung in Beilage Nr. 17 wird hiermit zurückgezogen. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerjtelle an der Gemeindeschule zu Rommelhausen nut einem Gehalt von 900 mit der Stelle ist Organistendienst verbunden., Die Stelle eines Kreisassistenzarztes für den Kreis Schotten, mit dem Wohnsitz zu Gedern, mit einem Gehalt von 600 nebst Jmpfbezirk; Bewerbungen sind binnen 10 Tagen einzureichen. Die evang. Pfarrstelle zu Wetterfeld; dotations- mäßiger Gehalt 2084 das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Grafen zu Solms-Laubach zu. Die evang. Pfarrstelle zu Rothenberg; dotationsmäßiger Gehalt 1763 ; das Präfentations steht dem Herrn Fürsten

von Lciningen zu. Eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Lamptttheun mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemeßenden Gehalt von 1000 bis 1400 JL

11. Sterbefälle:

Gestorben sind: Am 15. April der Gefängniß-Aufseher Georg Haumüller zu Darmstabt; am 13. Juni der Oberlehrer Georg Gumbel zu Ebersheim; am 14. Juni der Hostheater-Scenerie-Jnspector Christian Bormuth zu Darm­stadt ; am 22. Juni der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Bettenhausen Ludwig Wilhelm Lauer; am 25. Juni der Kammermusikus i. P. Wilhelm Niebergall zu Darmstadt.

Berlin, 30. Äuaust. DieNordd. Allg. Ztg." sagt, die Aufnahme und BeurtheUung, L-lch- ihr neulicher Artikel über d°s Verhalten der franzostschen Preße bei den Part er «cltutwn gesunden habe, entsprech- In jeber Richtung den Voraus­setzungen welche sie vernünstiger Weise an denselben zu knüpsen berechtigt war. Bet aller nationalen Empfindlichkeit gebe es in Paris doch auch Zeitungen, welche in den Bemerkungen derNordd. Allg. Ztg " Anknüpfung zu Refl-xiori-n sanden, die wenig» ns mittelbar zu einer gewissen Beruhigung bertragen konnten. Die S eigerung der Aff-c- durch die Leidenschaftlichkeit der R-vanchepredtg-r könne aber naturgemäß nicht auf einen engeren Kreis beschränkt bleiben, wenn eine groß- Anzahl von Zeitungen den­selben zum bereitwilligen Sprachrohr dien- und es an ehrsüchtigen Stell-n,ag-rn ntcht schle, welche di- aufgeregten Jnstincte der Massen für ihre Zwecke verwerthen zu können hoffen. Die überall wiederkehrende Erscheinung des Einflusses der Presse auf d» Stimmung müsse in Frankreich rascher und allgemeiner als °nd-rswcizumDmchbruch gelangen Die sranzösischen Staatsmänner würden sich der Berückfieptigung d-rartigcr Strömungen für lange nicht entziehen können. Damit würden aber auch^dte praktisch Folgen der systematischen Bearbeitung der Franzosen im Sinne des Krieges und Hasst s