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die Besitzer der bewohnten Gebäude oder deren Stellvertreter hinsichtlich der Bewohner derselben, die HaushaltungSvorslände hinsichtlich der zu ihrem Haushalt gehörigen Personen und die Gewerbtretbenden, sowie alle sonstigen Arbeitgeber hinsichtlich der bei ihnen beschäftigten, wenn auch anderwärts wohnenden Personen verpflichtet. Dte Arbeitgeber ohne Ausnahme sind namentlich verbunden, auf Verlangen der Bürger­meisterei oder der Steuerbehörde dte Gehalte ihrer Beamten, sowie Löhne und sonstigen Bezüge der bet ihnen beschäftigten Personen, ferner eintretenden Falls abgesondert den Anschlag für Kost und Wohnung vollständig anzugeben. - Dte Vorstände der Spar­und Leihkassen und ähnlicher Institute sind gehalten, der Steuerbehörde auf Verlangen über die Einlagen bestimmter, seitens der Steuerbehörde namhaft zu machender Personen Auskunft zu erlheilen."

Hierzu beantragen dte Abgg. Molltnger, Theobald, Osann und Wolfskehl: A. zu Absatz 1: zu streichen dte Worte:zur Auskunftserthetlung in allen ihnen bekannten die Einkommensteuerpflichtigkett be­rührenden Beziehungen"; einzuschalten vorverpflichtet" die Worte:zur Beantwortung bestimmter durch Formular vorgeschrtebener, auf dte Einkommensteuerpflichtigkett der betreffenden Personen sich be­ziehender Fragen, jedoch nur insoweit, als den Befragten dte ein­schlägigen Verhältnisse aus eigener Wahrnehmung bekannt sind." B. zu Absatz 3: an Stelle des Wortessind" zu setzen:dagegen sind nur".

Abg. Böhm beantragt Strich der Worte im ersten Absatz:und die Ge- w erbtreibenden, sowie alle sonstigen Arbeitgeber hinsichtlich der bet ihnen beschäftigten, wenn auch anderwärts wohnenden Personen", ferner Strich der Absätze 2 und 3.

Dte Abgg. Lautz und Grünewald beantragen Strich des Absatzes 3.

Abg. Reinhart ist .für den Antrag Böhm, weil durch diesen GesetzeSarttkel das seither bestandene gute Verhäitntß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern untergraben werde. Lautz hebt für dte Aufhetzung des Abs. 3 insbesondere das Interesse der so überaus wohlthätig wirkenden Spar-und Lethkassen hervor. Miniftertairath Müller erklärt sich Namens der Regierung mit dem Antrag Lautz, sowie mit den Anträgen Möllinger und Genossen einverstanden, hält jedoch den Antrag Böhm für zu wett gehend, da es sich lediglich um Ermittelung der Wahrheit handle. Wolz theilt dte Befürchtungen deS Abg.Lautz nicht, während sich Möhn den AusführungenReinhart's anschließt. Abg. Wasserburg ist für Beibehaltung des Abs. 3, um nicht in den Sparkassen für Diejenigen ein Asyl zu schaffen, welche ihr Einkommen und Vermögen der Besteuerung entziehen wollen. Nach einer kurzen Befürwortung seines Antrags Seitens des Abg Böhm wird dte Debatte wegen vorgerückter Tageszeit abgebrochen.

Fortsetzung derselben morgen Vormittag 9 Uhr.

Telegraphische Depeschen.

Wolsf'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 31. Mai. In seiner heutigen Sitzung nahm der Reichstag das Kranken­kassengesetz in Schlußabsttmmung mit 216 gegen 99 Stimmen an. Die Sozialisten hatten, einer vor der Tagesordnung von dem Abg. Dietz abgegebenen Erklärung ge­mäß, dagegen gestimmt. Dte SS 5v und 57 der Gewerbenovelle wurden unverändert angenommen.

Zu S 57 (Versagung des Wander-Gewerbschetns) werden zwei Abschwächungs- Anträge Baumbach's angenommen. Zu S 57b wurde ein Antrag Baumbach-Schalscha mit großer Majorität angenommen, wonach die Zuchthaus- oder Gefängnißstrafe, auf Grund deren der Wandergewerbeschein versagbar ist, wegen ehrloser Verbrechen, Sttt- ltchkettsvergehen, Diebstahl verhängt sei und mindestens 3 Monate (anstatt 6 Wochen) betragen muß. Ein Antrag Ackermann, wonach der Wanderschein zu versagen ist, wenn der Nachsuchende nicht genügend für Unterhalt und Unterricht seiner Kinder gesorgt hat, wurde mit 169 gegen 143 Stimmen angenommen.

Das Abgeordnetenhaus nahm in zweiter Lesung den Gesetzentwurf, 6etr. die Landesbank in Wiesbaden, unverändert an. Minister v. Puttkamer bekämpfte den Zusatz der Commission auf Einführung persönlicher Bürgschaft neben hypothekarischer Sicherheit, sodann wurde dte 2. Berathung des Schuldbuch-Gesetzes begonnen und der erste Paragraph angenommen.

In der gestrigen Commissionsberathung des Milttärpensionsgesetzes äußerte der Kriegsminifter als seine persönliche Meinung, daß er das Gesetz auch mit dem Amendement Bennigsen - Hammer für unannehmbar halte. Einen Beschluß habe der Bundesrath zu treffen, dem er nicht vorgreifen wolle.

Potsdam, 31. Mai. Die heutige Parade der Potsdamer Garnison vor Ihren Majestäten war vom herrlichsten Wetter begünstigt und verlief in der glänzendsten Weise. In der Parade standen: Das 1. Garderegiment z. F., in welches Prinz Friedrich Leopold und der Erbgroßherzog von Baden einge- treten waren, das Garde-Jäger-Bataillon, das Lehr-Jnsanterie-Bataillon und die Unterosficier-Schule, das Regiment Gardes du Corps, das 1. und 3. Garde- Ulanen- und Garde-Husaren-Regiment. In letzterem hielt Prinz Wilhelm unter den Stabsosficieren am rechten Flügel. Beim Vorbeimärsche cotoyirte Se. K. K. Hoheit der Kronprinz das 1. Garde-Regiment. Se. Maj. der Kaiser, in vollster körperlicher Frische, war mit der Kaiserin Vormittags halb 11 Uhr von Berlin mittelst Extrazuges eingetroffen. Ihre Maj. die Kaiserin wohnte mit Ihrer K. K. Hoheit der Kronprinzessin und deren Töchtern, der Prinzessin Wilhelm und den Prinzessinnen Friedrich Karl und Friedrich von Hohen- zollern von den Fenstern der etrurischen Kammern im Stadtschlosse aus der Parade bei.

Neuwied, 31. Mai. Die Königin von Schweden ist heute Nachmittag zum Besuch der fürstlichen Familie hier eingetroffen, dieselbe wurde auf dem Bahnhofe vom Prinzen von Nassau, der Königin von Rumänien, der Fürstin und der Fürstinmutter von Wied empfangen.

London, 31. Mai. Von Paris wird hierher gemeldet, m Kairo werde ein anonymes Circular verbreitet, worin von einer sog. patriotischen Liga die Rede ist, welche die Fremden vertreiben und anläßlich des Jahrestages des Bombardements von Alexandrien eine Manifestation veranstalten wolle. Unter den Eingeborenen herrsche große Aufregung. Selbstverständlich wird diese Nachricht hier als eine lediglich aus die Beeinflussung der Börse berechnete Sen­sations-Nachricht betrachtet, wie wir im Laufe der letzten acht Tage deren ähn­liche zu verzeichnen hatten, als: Explosion im Cabinet der Kaiserin in Peters­burg, Giftmordversuch auf den Kaiser Alexander, Erkrankung des Kaisers Wilhelm, bedenkliche Verschlimmerung des Gesundheitszustandes des Fürsten Bismarck und Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und China.

Mo-kau, 31. Mai. Se. Königl. Hoheit Prinz Albrecht von Preußen hat Moskau gestern Abend 11 Uhr verlassen. Heute findet die Übertragung der kaiserlichen Regalien aus dem Thronsaal in die Rüstkammer statt, dann in Granowitaja Palata ein Festbanket für die Geistlichkeit und die Mitglieder bei­derlei Geschlechts der ersten zwei Rangklaffen. Am Abend veranstaltet der Moskauer Adel einen Ball.

Warschau, 31. Mai. Der Generalgouverneur von Warschau, General Albedinsky, ist heute Morgen 8 Uhr gestorben.

New.Uork, 31. Mai. Bei der durch den falschen Lärm über das Einbrechen der neuen Brücke zwischen hier und Brooklyn entstandenen panik­artigen Verwirrung haben, wie weiter verlautet, 12 Personen das Leben ein- gebüßt, 26 andere wurden mehr oder weniger schwer verletzt.

L o ka l t 4

non Gestern Abend wurde ein Knecht der Actienbrauerei im Stall

X 'Bfcrbe Sachlagen und dadurch schwer verletzt. Der Verunglückte wurde

zur Klinik verbracht und ist ihm, wie wir hören, das Schlüsselbein sowie die Kinnlade, zerschmettert.

Vermischtes.

Frankfurt a. M-, 31. Mai. Die Deutsche Nähmaschinenfabrik, vormals Jos. Wertheim in Bornheim, ist heute Mittag zum großen Theil ein Raub der Flammen geworden. Die beiden Hauptflügel sind völlig ausgebrannt, die Mauern derselben zum Theil zusammengestürzt. Das Quergebäude, in welchem die Kessel und Maschinen stehen, ist bis auf das Dach, welches vom Feuer beschädigt wurde, unver­sehrt geblieben. Als das Feuer bemerkt wurde, suchten die Arbeiter, die von allen Seiten herbeieilten, desselben Herr zu werden, ohne daß, wie es scheint, die Berufs­feuerwehr sofort benachrichtigt worden ist. Wenigstens erschien erst eine halbe Stunde nach Ausbruch des Feuers unsere Berufsfeuerwehr, der aber in Folge deS mangelnden Wassers es befinden sich in der Nähe der Fabrik nur zwei Hydranten ein kräftiges Einschreiten sehr erschwert wurde. Später erschien die inzwischen alarmirte freiwillige Feuerwehr, eine Menge Gießfässer mit Wasser gefüllt fuhren heran und so herrschte denn bald auf der Brandstätte, die von Tausenden von Menschen umlagert war, eine fieberhafte Thätigkeit. Viel war da aber nicht mehr zu retten. Durch den hölzernen Verbindungsgang hatten sich die Flammen dem zweiten Flügel der Fabrik mitgetheilt und vernichteten innerhalb weniger Stunden das ziemlich leichte Mauerwerk detz Ge­bäudes. Namentlich wagte sich kein Mensch in die brennenden Gebäulichkeiten hinein, aus denen die Flammen haushoch emporloderten und deren Mauern hier und dort krachend zusammenstürzten. Das Quergebäude gelang es, wie gesagt, fast unversehrt zu erhalten, indem man es mit dem verfügbaren Wasier überschüttete und zeitig die Zugänge vermauerte. Letzteres war kein kleines Stück Arbeit in der unmittelbaren Nabe der Flammen, unter zusammenftürzevdem Gebälk und Mauerwerk und sprühendem Funkenregen. Gegen 3 Uhr gelang es endlich, des FeuerS Herr zu werden. Die Gebäulichkeiten sammt Inhalt sind beim Deutschen Phönix hier versichert. Die ein- tretende Betriebsstörung ist ein harter Schlag für das Unternehmen, daS übrigens, rote man uns mitgetheilt, im alleinigen Besitz des Herrn Wertheim ist. Mehr als 450 brave Arbeiter sind auf längere Zett brodlos geworden. ES war ein recht trauriger Anblick, wie die Arbeiter, nachdem sie sich vergeblich abgemüht, den Brand zu löschen, in dichten Reihen mit vielen ihrer herbeigeeilten Frauen und Kinder schweigsam, trüben Angesichts die ausgebrannte Stätte umstanden, die ihnen seither reichlichen und sicheren Verdienst gegeben hatte. (F. I.)

Hersfeld, 28. Mai. Heute fand dahier der 21. Verbandstag der hessischen Vorschuß- und Credit-Vereine statt. Im Anschluß an den bereits im vorigen Jahre zu Friedberg gefaßten Beschluß, einen Verbandsrevisor anzustellen, wurde nach längerer Berathung Verbandsdirector Diehls (Kassel) mit der Revision der einzelnen Vereine betraut. Die weiteren Verhandlungen erstreckten sich besonders auf folgende, den einzelnen Vereinen vorgelegte Fragen: Besitzt der Verein Hypotheken? Beleiht der­selbe Kaufschillinge? Genießen die Vorstandsmitglieder aus der Vereinskasse Credtt? Zum nächstjährigen Versammlungsort wurde Nauheim bestimmt.

Handel und Verkehr.

Gießen, 29. Mai. Auf den heutigen hiesigen Viehmarkt rourben aufgetrieben: 1056 Stück Rindvieh und 1428 Stück Schweine. Die Preise aller Viehgattungen, namentlich bei Schweinen, waren bedeutend niedriger als auf den vorhergehenden Märkten.

Nächster Markt Dienstag den 19. und Mittwoch den 20. Juni d. I., am letzten Tage auch Krämermarkt.

Witterungskunde.*)

2. Juni. Die Lage vom 1. Juni entwickelt sich deutlicher, frühmorgens trüb, bedeckt, regnerisch und verhältnißmäßig kühl, dann strichweise etwas aufgebessert, auf Mittag zu Haufenwolken oder Haufenschtchtwolken, Nachmittags besser, Abends bedeckt, bis zu Niederschlägen, Nachts, auch abgesehen von der mangelnden Insolation, kühler; namentlich im südlichen Deutschland wird das Temperaturminimum jetzt und in den folgenden Tagen stark herabgehen. Winde in Mittel-Eurapa frisch bis stark, örtlich stürmisch. Nach Osten und Norden zu ist es mehr gewitterhaft, nach Westen und Süden zu mehr allgemein bedeckt mit Niederschlägen.

3. Juni. Bet Sonnenaufgang kühl, schleierig, nachher zunehmend bedeckt bis regnerisch, Nachmittags aufgebessert bis ziemlich heiter. Die Abkühlung spät Abends laßt Niederschläge erwarten; dazu sind die Winde, in Nordeuropa Nordwest, in Mittel­europa West bis Südweft, stark bis stürmisch, nach Osten zu sind Gewitter und Graupelböen zu erwarten, nach Süden zu starke Niederschläge. Die Wasserstände werden steigen in Mittel- und Westeuropa. Im Allgemeinen ist das Wetter kühl, windig, Regenschauer mit Sonnenblicken wechselnd.

4. Juni. Frühmorgens noch kühl, im günstigen Falle matt sonnig, nachher bedeckt, auf Mittag zu Haufenschichtwolken, Nachmittags aufgebessert bis ziemlich heiter, Nachts Niederschläge bei herabgehender Temperatur, Winde noch stark böig, zum Theil stürmisch, abwechselnd aus Südwest und Nordwest. Im Allgemeinen ist das Wetter in Mitteleuropa namentlich nach Süden zu kühl und regnerisch, nach Osten und Norden zu noch gewitterhaft. Auf Höhenlagen ist selbst leichter Schneefall nicht ausgeschlossen. Die Wasserstände steigen.

*) Aus Dr. L. Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juni, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 J4). Nachdruck verboten.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst r

Sonntag den 3. Juni (2. nach Trinitatis).

Vormittags 9V2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosser- Kinderkirche: Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.

. c Katechlsmuslehre für die neuconfirmirten Realschüler findet um halb 9 Uhr rn der Stadtkirche statt.

Die Katechismuslehre für die neuconfirmirten Mädchen findet in der Friedhof­kapelle Nachmittags 2 Uhr statt.

Am Sonntag, den 10. Juni, wird das heil. Abendmahl gefeiert werden- Die Beichte findet am Tage zuvor, Nachmittags 2 Uhr, statt.

Die Pfarrge schäfte in der Woche vom 3. bis 9. Juni besorgt Pfarrer Drngeldey.

Katholische Gemeinde.

. 3. Sonntag nach Pfingsten-

m (Fest des h. Bonifacius, Patrons der Pfarrkirche.)

.. Von 6 Uhr an: Beichte. 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Commumon.

V2IO Uhr: Hochamt und Festpredigt. 2 Uhr: Festandacht

Nach dem Gottesdienst Collecte, deren Ergebniß für bedürftige katholische Ge­meinden an Orten mit vorwiegend protestantischer Bevölkerung bestimmt ist.

Freitag den 8. Juni.

. o Großes Gebet.

Um V28 Uhr: Hochamt. Nachmittags 6 Uhr: Schlußandacht mit Tedeum.

Gottesdienst in der Synagoge.

n5«,1?8 ÄL7'5 U6r- Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 8w Uhr.

Wafferwärme der Lahn.

Am 1. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 15»/.o R-, Luftwärme 4-21°^-

L. Ehr. Rübsamen.