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geimpfte Kinder sind von der Krankheit gar nicht ergriffen worden, trotzdem sie als in Blatternhäusern wohnend zu Hunderten der Ansteckung ausgesetzt waren.

Es hat sich auch bei den diesjährigen Erkrankungen wieder gezeigt, daß die in den Hospitälern unserer Städte zur Jsoltrung ansteckender Krankheiten getroffenen Einrichtungen nicht ausreichend sind. In Mainz sind die Blattern in die Umgegend des Hospitals verschleppt worden, in Oppenheim im Hospital selbst bei einem wegen anderer Krankheit Verpflegten, ebenso in Gießen bet einem Bediensteten, der mit der Krankenpflege gar nichts zu thun hat, ausgebrochen. Nur die Stadt Offenbach erfreut sich einer vor der Stadt belegenen und lediglich für Jnfectionskrankheiten bestimmten, zweckmäßig eingerichteten Jsolirbaracke.

Italien.

Rom, 29. April. Heute Nachmittag fand im Quirinal die Civiltrauung des Herzogs von Genua mit der Prinzessin Isabella durch den Präsidenten des Senats als Civilstandes-Beamten des Hofes und den Minister des Aeußern als Notar der Krone statt. Anwesend waren alle Mitglieder der königlichen Familie, die Minister, die Präsidenten des Senats und der Kammer, die Mitglieder der bayerischen Gesandtschaft und eine Deputatton der Stadtbehörde. Zeugen waren der General della Rocca und Minghetti.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Corresponderrz-Bureau.

Wiesbaden, 30. April. Se. Maj. der Kaiser sah am Sonnabend zum Diner bei Sich die Generäle Frhr. v. Schlotheim, Kameke und v. Sehkopp, sowie den brasilianischen Minister Jtajuba, und empfing den Besuch Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs von Hessen. Gestern Morgen wohnte Se. Majestät dem evangelischen Gottesdienste bei und besichtigte dann das evangelische 23er' einshaus. Zum Diner waren geladen: Graf Solms-Laubach, Gräfin Schimmel­mann, Frhr. v. Rothschlld, der vorher eine Audienz bei Sr. Majestät gehabt hatte, General von dem Knesebeck und Oberst Werkmeister. Heute hatte der Hosmarschall Graf v. Perponcher - Sedlnitzky und der Chef des Civil - Cabinets v. Wllmowsky Vortrag bei Sr. Majestät. Die Großherzogin von Baden be­sichtigte die Wilhelm-Augusta-Stiftung. Der Kaiser wird heute Abend um 8 Uhr nach Berlin abreisen.

Berlin, 30. April. Reichstag. Der Präsident widmete Schulze-Delitzsch einen ehrenden Nachruf und hob hervor, daß die socialpoltttschen Verdienste des Verstorbenen eine weit über Deutschlands Grenzen hinausretchende Bedeutung hätten.

Das Haus nahm dann § 69 des Krankenkassengesetzes (Gemeindeoersicherung) nach längerer Debatte fast einstimmig an. Schließlich wurde der Rest des Gesetzes (Straf- und Uebergangs-Bestimmungen) angenommen.

Nächste Sitzung morgen.

Abgeordnetenhaus. Das Haus berieth die Nachtragsforderung von 157,000 A für Grunderwerb zum Bahnbau im Eifelgebiel. Prinz Arenberg sprach der Reaterung seinen Dank aus für die Fürsorge für die Bewohner des Eifelgebietes; Berger wünschte die Uebernahme der gesammten Grunderwerbskosten auf den Staat, wie bet der Weichselstädtebahn; Maybach erklärte, die Regierung verlangte den Nachtragskredit lediglich, weil die Verhältnisse im Elfelgebtet sich inzwischen verschlechtert hätten, weiter könne die Regierung nicht gehen, wettergehende Mehrforderungen müsse er als gleich­bedeutend mit der Ablehnung der Vorlage bezeichnen. Das Haus verwies die Vorlage an die verstärkte Budget-Commission. Der Rest des Organtsationsgesetzes wurde so­dann mit unwesentlichen Abänderungen angenommen.

Nächste Sitzung morgen.

DieNordd. Allg. Ztg." findet, daß die Aeußerungen desMoniteur de Rome" über die Annahme der konservativen Resolution zu den Windthorst'schen Anttägen die von vornherein gehegten Befürchtungen bestätigen, daß die Resolution für den Fortgang der Verhandlungen nachtheiltg sei und die Aufgabe der Regierung er­schwere. Den gesteigerten Erwartungen des Vatikans gegenüber werde v. Schlözer einen noch viel schlimmeren Stand haben als vor 8 Tagen.

DerNordd. Allg. Ztg." zufolge begibt sich der Minister Maybach zur Wiederherstellung seiner Gesundheit alsbald mit Urlaub nach Oberttalten, demnächst nach St. Moritz.

Endlich tritt dieNordd. Allg. Ztg." den Gerüchten über die im auswärtigen Amte entstandenen Friktionen und Demissionsabsichten Hatzseldt's entgegen und be­zeichnet das Gerücht als eine wohlfeile, gänzlich aus der Luft gegriffene und Hang zu Nörgeleien dokumensirende Erfindung. \

Potsdam, 30. April. Die Beerdigung des Reichstags-Abgeordneten Dr. Schulze-Delitzsch findet am Donnerstag den 3. Mai, des Nachmittags um 1 Uhr, statt.

Würzburg, 30. April. Hartmann von Gaubüttelsbrunn und dessen Schwägerin Schell sind wegen Giftmordes an der zweiten Frau Harttnann's vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt worden.

Port Said, 30. April. Anläßlich der religiösen Feierlichkeiten bei Gelegenheit des griechischen Osterfestes kam es hier zwischen der griechischen und arabischen Bevölkerung zu Streitigkeiten und Thätlichkeiten, wobei mehrere Per­sonen sowohl Griechen und Araber, wie auch GenSd'armen, die die Ruhe wieder herzustellen suchten gelobtet oder verwundet wurden. Zum Schutze der den Griechen gehörenden Kirche bildeten englische Truppen und englische Matrosen von dem englischen KanonenbootFalcon" einen Kordon um dieselbe, der griechische Consul flüchtete sich an Bord desFalcon." Die Ruhe wurde schließlich wieder hergestellt, unter der Bevölkerung herrscht aber noch große Erregung.

Lokales.

Gießen, 1. Mai. Der an dm Gebäuden in Wenzels Garten gelegentlich des Brandes dottselbst entstandene Schaden ist gestern mit 38449 Mark 50 Pfg. abtaxtrt wordm.

..................................B-L-. -1-1 .L-JJJ-.1 Vermischtes.

Grüningen. Auch hier ist auf Anregung und unter dem Vorsitz des hiesigen Geistlichen vor Kurzem eine Pfennigsparkasse gegründet worden, deren Verwaltung die Herren W. Gilbert, H. Bender und P. Euler übernommen haben. Wie sehr dieselbe einem allgemein gefühlten Bedürfntß entgegenkommt, geht daraus hervor, daß sich in den 14 Tagen ihres Bestehens bereits 100 Einleger bethetligt haben; die Einlagen der 3 ersten Sammeltage betrugen nahezu 100 A. Wir dürfen demnach hoffen, daß sich genanntes Institut als segensreich für unsere Gemeinde erweisen werde.

Berlin, 30. April. Der Andrang zu der heutigen schwur gerichtlichen Ver­handlung gegen Sobbe war sehr groß; viele Damen wohnten der Verhandlung bei. Vom Justtzmtntstertum war der Wirkliche Geheime Rath Starke, seitens der kaiser­lichen Post waren mehrere Geheime Posträthe anwesend. Der Commis Johann Feld. Ernst Sobbe, 1856 zu Gernrode geboren, erklärt laut und vernehmlich und mit großer Ruhe:Ja, ich bekenne mich schuldig, den Briefträger Cossäth vorsätzlich ermordet zu haben, um ihn zu berauben." Sobbe wurde der vorsätzlichen Ermordung und Beraubung Cossäths durch die Geschworenen mit mehr als sieben Stimmen schuldig erklärt und vom Gerichtshöfe zum Tode und Verlust der Ehrenrechte verurtheilt.

Fritzlar, 25 April. Der Bau der Secundärbahn Wadern-Fritzlar-Wtldungen wird demnächst in Angriff genommen werden. Die leitenden Haubeamten haben ihr Bureau bereits in Wildungen eingerichtet und sind mit der letzten Fixirung der Bahn­strecke beschäftigt-

Mayen, 24. April. Ein hiesiger Bürger, der Fröschen die Hinterbeine abschnitt und die armen Thterchm so verstümmelt weiter leben ließ, ist zu 3 Wochen Gefängntß verurtheilt worden. Eine Warnung für alle Thierquäler.

Frankfurt a. M , 25. April. (Glückliche Sängerfahrt.j Zwei Frankfurter, früher eifrige Pfleger des Gesanges, gingen vo^ges Jahr als passive Sangesbrüder nach Hamburg zum Sängerfest. Dort an der Quelle der Hamburger Lotterte ließen sie sich verleiten, ein ganzes Loos zu spielen. Ein Freund von ihnen besorgte die Bezahlung und nahm auch das Loos in Empfang. Wie freudig war ihre Überraschung, als sie dieser Tage eine Depesche erhielten, worin ihnen die MUtheilung gemacht wurde, zur Erhebung des Geldes nach dorten zu kommen, da ihr Loos einen Treffer von 70 000 Mark gemacht habe. Der eine Gewinner ein kleiner Beamter nahm sich Urlaub und reifte nach H. ab, von wo er nun mit dem Segen Fortuna's hierher zurück- gekehit ist.

Frankfurt, 29. April. Heute früh um halb 11 Uhr brach in der Bettina- straße in dem Zimmermeister Neumann'schen Holzschuppen, in welchem Herr Bau­unternehmer Barthel eine große Menge Bauholz lagert, Feuer aus. Der Schaden beträgt 10,000 Mark und war nicht versichert. Ueber die Entstehung des Feuers ver­lautet noch nichts.

Homburg v. d. H., 29. April. Der um 9 Uhr 20 Minuten von Frankfurt abgehende Homburger Zug hatte ein Unglück auf der Strecke kurz vor Oberursel bet Bommershetm, gerade mitten auf dem hohen Damme. Es platzte der linke Kolben- cylinder der Maschine. Zum Glück gelang es noch zur rechten Zeit, den Zug zum Stehen zu bringen, so daß ein größeres Unglück, das hier sehr leicht hätte bedeutende Dimensionen annehmen können, verhindert wurde. D'e Passagiere stiegen auf freiem Felde aus und g'ngen bis Oberursel auf dem Bahnkörper, eine von Homburg tele­graphisch herbeigeholte Reservemaschine holte den Zug bald ab und beförderte ihn nach Homburg, wo wir mit 3/i Stunden Verspätung eintrafen. Der Zug war von Frankfurter VergnÜgungszÜglern stark besetzt. * (F. I.)

Gelnhausen, 26 Apr.l. Aus Berlin wird geschrieben: Nach einer Mittheilung des Conservators der Kunstdenkmäler wird im Laufe des Sommers die Restauration eines vor zwei Jahren in Gelnhausen durch den Conservator Bickell (Marburg) ent­deckten romanischen Hauses vorgenommen werden. Dasselbe entspricht dem Hauptbau der Kaiserpfalz Barbarossas und hat jedenfalls einem öffentlichen Zwecke gedient. Das Haus, am Untermarkt belegen und seit etwa drei Jahrhunderten durch einen Fachwerk- vyrbau verdeckt, ist in seinem alten massiven Kern etwa 15 Meter lang und 10 Meter tief, hat einen hohen Unterbau, ein Hauptgeschoß und ein Obergeschoß. Sehr schön erhalten und werthvoll sind die dreilh iligen Gruppenfenster auf zum Theil achteckigen, durchgehends sehr zierlichen Säulen mit Eckblatlvasen und mit einem kleeblattartig geschlossenen Portal, von welchem aus eine Freitreppe auf den Markt führte. Ein wohlhabender Kunstfreund in Gelnhausen hat das Haus angekauft, um es auf seine Kosten (18 000 Mark) restauriren zu lassen.

(Vacante Stellen für Militäranwarter im Bereich des 11. Armeecorps.j Darmstadt, Postamt 2, Postschaffner, 980 A jährlich. Eltville, Bürgermeisterei, Feld­hüter, 600 A jährlich. Gießen, Postamt, 2 Postschaffner, je 980 A jährlich, Postschaffner, 944 A jährlich. Rüdesheim a. Rh, Bürgermeisterei, Bürgermeistereigeh'lfe, 750 A jährlich. Siegen, Magistrat, 2 Bureaugehtlfen, 1220 A jährlich. Soden, Amt Höchst a. M., Feldhüter, 400 A jährlich, Polizetdtener, 900 A Gehalt.

SchiffSbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dietz Nachfolger, Gießen.

Bremen, 27. April. Der Poftdampfer Elbe, Capt. W. Will'gerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. April von Newyork abgegange« war, ist heute 1072 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Poft und Ladung heme 12 Uhr Mittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 315 Passagiere und volle Ladung.

Bremen, 27. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hohenstaufen, Capt. Th. Jüngst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. April von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Handel und Werkehr.

Gießen, den 1. Mai. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund A 1.25, Hühnereier per Stück 45 Käse per Stück 59 Käsematte 3 Erbsen per Liter 22 Linsen 30 H, Tauben per Paar A 0.901.00, Hühner per Stück A -.2 >1.70, Hahnen per Stück A 1.302, Enten per Stück A. 2.äÖ2.50, Ochsenfleisch per Pfund 6670 Kuh- und Rindfleisch 5660 Kalbfleisch 45 bis 50 Si, Schweinefleisch 6064 H, Hammelfleisch 6070 Kartoffeln per 100 Kilo A 8.0010, Zwiebeln per Centner A 3.005.50, Milch per Liter 1318 H.

Frankfurt, 30. April. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Ange­trieben waren ca. 290 Ochsen, 10 Bullen, ca. 220 Kühe und Rinder, ca. 268 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. A 7072, 2. Qual. A 6264, Kühe und Rinder 1. Qual. A 6566, 2. Qual. A 5862, Kälber 1. Qual. A 62, 2. Qual. A 52 per 100 Pfund Schlachtgewicht.

Frankfurt, 30. April. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesigeru. Wetterauer A 207<, fremder A 207424, Roggen eff. hies. A 147r1572, fremder A 147216, Gerste eff. hies. ü. Wetterauer A 177218 V2, fremde A 1820, Hafer eff. hiesiger A 1272137r, frember A 12721472. Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. A 3872. Branntwein eff. ohne Faß A 46.

731) lieber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, . wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von BS A ASi^'^$TlESj%T 46s WOGSuEfci in Frankfurt a M. (Karlsruhe, Stuttga/t oder München) zuvor Auskunft, einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blatter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt

empfiehlt

Sonntag den 6. Mai,

Vormittags 11 Uhr, (att-)katholischerGottesdienst in derStadtkirche. Pfarrer Steinwachs wird predigen.

Allgemeiner Anzeiger.

Königs-Reisstärke,

Feinste Weizenitärke, Primn Kernseife, Kugelblnu, Borax re. re.

2135

Gg. Wilh. Weidig.

Lony s Bierkeller.

Von heute an ist die Wirthschast auf meinem Bierkeller täglich geöffnet. 2992

Die Winterloealitäten bleiben dagegen geschloffen.

Chr. Lony, Bierbrauerei.

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