Ausgabe 
1.11.1883 Erstes Blatt
 
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fix.e Starrkrampf, Darmverschlingung, Kindbettfieber, Darmcatarrh. Von den ändern welche sämmtlich sich noch tm ersten Lebensjahre befanden, starb eins an 1 *Ortner Schwäche, eins an Gehirnhautentzündung, zwei an Krämpfen.

Vermischtes.

Frankfurt a. M, 30. October. Heute Mittag um 3 Uhr ist Herr Ludwig der langjährige Dirigent unserer Palmengarten-Kapelle, gestorben.

$eft6, 30. October. Im Ctrcusgebäude ist Abends Feuer ausgebrochen, das rlikere Dimensionen angenommen. Der Circus steht vollständig in Flammen. Inn Mensch ist umgekommen. Die Pferde sind gerettet; der Brand wurde lokalisirt.

Straßburg t. E, 25. October. Ein ungeheuerer Letchenzug bewegte sich heute »inrmittag aus der Langgasse zum Friedhöfe von St. Urban. Man brachte ein Opfer Mordnacht, den zweiundvierzig Jahre alt gewordenen Provisor Franz Lienhard, ffirabe- Er war ein edler und braver Mensch sein Leben lang, der in treuer Aus- K .n kiner Pflicht, in fürsorglicher Eile, einem leidenden Menschen den heilenden 7rank zu reichen, unter Mörderhänden fiel. Was er geworden, verdankte er der eigenen gLft feine jahrelangen Ersparnisse hatte er in der Weise angelegt, daß er ein kleines Maschen in Niederbronn erwarb und darin feinen armen hochbetagten Eltern eine beimstälie bereitete. Als dienstfertiger und allezeit hülfbereiter Arzneikundiger war er L Armen seines Viertels ein treuer Beroiher und Helfer, wenn der Arzt nicht bet der Sand oderzu thcu-r" war. Er hinterläßt eine unbemittelte Wittwe mit zwei nach nicht erwachsenen Kindern. Die Straßburger Presse hat für die ihres Ernährers ?. M beraubte Familie eine öffentliche Sammlung eröffnet.

1 1 _ sFranzösische Studenten contra Bier.j Die französischen Blätter donnern unausgesetzt gegen die deutschen Biere. Neuerdings wurde die Epistel eines Studenten aus dem Quartier Latin veröffentlicht, welche wir zur Erheiterung unserer Leser mite Met! wollen. Sie lautet;Herr Redacteur! Es ist uns jetzt unmöglich, einen Schritt in unserem Quartier Latin zu machen, ohne auf den F-nstern der Bierwirth- Mften Inschriften zu begegnen, welcheBibre tedesque gleichsam als Beleidigung unseres Patriotismus annonciren. Bayerisches Bier, Münchener Bier, bayerisches Bier Münchener Bier, immer derselbe Refrain! Es ist zum Verrücktwerden! Und menn ich denke, daß wir in diese Kneipen unser Geld tragen, welches dann den Banditen M Chateaudun und Bazailles zufließt! I! Ist es nöthig, uns durch das Trinken des teutonitschen Cats an jene wilde Armee zu erinnern. Wie müssen sie jenseits des Weines lachen, wie wir uns immer dem König von Preußen unterducken! Ist es nicht mit den fünf Milliarden genug? Machen wir ein Ende! Ja ober nein, find toir basjunge Frankreich", welchem die schwere Aufgabe der nationalen Wiederauf- tiötuttg zugefallen ist!? Ja oder nein, fließt das alte gallische Blut noch in unseren Adern, daS alte vom Wein unserer Berge durchglühte Blut! Franzosen, trinken wir französisches Erzeugniß und Pfui über das deutsche Bier! Ich bin überzeugt, Herr Macieur, daß ein so palriotesches Journal wie das Ihrige, sich nicht weigern wird, den nachstehenden Gesetzentwurf zu unterstützen. Gesetz, betreffend die deutschen Biere. Einziger Artikel. Das deutsche Bier ist allen Studenten im Quartier Latin verboten and jedes Etablissement, welches ein Zuwiderhandeln verheimlicht, wird auf den Index gefegt. Genehmigen Sie, Herr Redacteur rc. Ein Student. Das Blatt schreibt hierzu: Mr schließen uns den von unserem ehrenwerihen Correspondenten geäußerten Ideen Mig an. Es ist durchaus schmachvoll, zu sehen, wie die sranzösifche Jugend diese verräucherten Kneipen füllt, in denen man mit voller Nase den Preußen riecht. Man muß dem entgegenzuwirken suchen und wir zweifeln nicht, daß die Jugend unserer Schulen ihrer Pflicht nachzukommen wisse. Wir schlagen schließlich vor, einige Wirth- schasim des Quartier Latin, beten germanische Unverschämtheit zu weit geht, besonders ju kennzeichnen.

[ffio ist das Lenchen?s DasFranks. Jvurn." erhielt von einem angeb­lichen Schneidermeister in Karlsruhe einen herzzerreißenden Schreibebrief, den wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen. Vielleicht ist Einer von ihnen vom Glücke begünstigt und findet dasauswärts gelaufene" Lerchen, in welchem Falle wir bitten, cs uns behufs Uebermittelung an denarg unglickltchen" Schneidermeister jujufenben.

Das Schreiben hat nachstehendenbarbarischen" Inhalt;Hochgeehrter Herr. Weil ich im Kaffee Nowack, wo ich als Abends mein Glas Bier trinke, schon sehr lang Ihr verehrtes Blatt lese, bitte ich Sie auch mir zu helfen. Mir ist meine Frau, Lenchen heißt L>ie durchgeprannt. Ich bin nämlich Schneibermeister arbeite für Herrn Moritz Majer und Loewenthal unb bin schon stark vierziger, währenb Lmchen noch nicht zwanzig alt ist. Ihr Herr Vater seliger war ein guter Freund von Mir und bat mir gesagt: gelt Hans er hat mich Hans geheußen aber ich heuß Josef ober Seppel gelt Hans hat er gesagt wenn ich sterbe nimmst du die Lene und ich Habs gebahn. Ich hab Ihr oft gesagt Lenchen hab ich gesagt ge mehr auswärts, denn sie ist mit dem einen Bein scheff gelaufen. Ge auswärts hab ich gesagt, denn wenn dich die jungen Brinzipäler sehn, not schäm ich mich. Geehrter Herr jetzt kommts denn wie ich geftert bin nach Hause gekommen war ein Bnbier auf dem Tisch gelegen unb da ftanb drauf Lieber Hans, sie hat mich auch gehanst Lieber Hans ist drauf ge- flanben Ich bin auswärts gegangen, sie war in der höheren Töchterschule dcßhalb hat sie so geschrieben. Ich hab gemeint mich rlhre 2 Schläg, denn jetzt mlrs siedend

heiß eingefalle, daß se Mittags mit dem Moritz und dem Adolf schen gethan hat und die sind wie ich von den Alte gehört hab pletzlich nach Frankfurt. Lieber Herr guge fe doch in der Fremdenlischt nach ob die Herrn Majer jung und L. jung mscht dort angekommen und bann schicken Sie mir mein Lenchen zurück ich mach Ihnen auch einen Winteriberzieher um den halben Preis und d-e Lenchen soll einwärts laufen so viel Sie wollen und Ich bin arg unglicklich. Bitte schreiben Sie mir bald an Josef Stumpf Schneidermeister in Karlsruh und Kordiener von der Babaria!"

sDas Budget in der Ehest Unter je tausend Menschen denken zumeist kaum hundert, sobald sie em Ehebündnlß eingeben, daran, was ste ausgeben dürfen, mit dem, was sie einnebmen, resp. besitzen, in Einklang zu bringen. In den ersten Jahren gehen wohl die Meisten über ihre Verhältnisse hinaus. Der Mann will der jungen Frau einen Wunsch, den sie gerade geäußert, nicht unerfüllt lassen, diese hat gewöhnlich gar nicht die richtige Vorstellung von dem, was sie begehren darf, ohne ihr Budget zu Überschreiten; meisthin Überschätzt sie die Einkünfte ihres Gatten, hat keinen Einblick in sein Geschäftsgebahren; in leicht eiklärllcher, doch wenig verzeihlicher Schwäche spricht er Ihr nur vom Gewinn-, nie vom Verlustconto, sie glaubt, da es ja dem Gatten so brillant geht, gar nicht unrecht zu thun, wenn sie sich statt des Woll- ein Seidenkleid, statt der Fee- eine Nerzgarnitur anfchasft. wenn sie statt des einen wenig hantirllchen Mädchens eine perfecte Köchin ober wohl gar bald ein feines Stubenmädchen nimmt. Die X- unb Z. haben ihr immer gesagt, baß die Männer wenig Anerkennung für eine sparsame Frau besitzen; sie will gefallen, will ein Haus machen und denkt es auch zu können, denn der gute Alfred hat Ihr ja immer nur von seinen glänz nden Einkünften gesprochen. Möchte sie nur einmal in ruhiger Stunde Bleistift und Papier zur Hand nehmen unb bas kleine Z ffern Regiment vor sich Revue passiren lassen. Da gebe es zu regiftriren: Ausgaben für Wohnung, Kleibung, Wäsche, Beköstigung, für Vergnügen, Reisen, Aerzte, Unterricht ber Klnber, für Gesellschaften, gemeinnützige Zwecke, Vereine, Assekuranzen, und wenn sie bann die einzelnen Posten addtrt, würde sie elnseheu, daß ein recht respectables Sümmchen herauskommt, größer vielleicht, als sie ahnte, größer als die Einkünfte ihres Ehegatten.

Witterungskunde.*)

1. November. Donnerstag. Meist tagsüber kalt, unbeständig mit Niederschlägen. Frühmorgens nebelig bis sonnig, bann dunstig bedeckt bis zu kurzen Ittebcrschlägen, örtlich etwas Schnee oder Hagel, spätnachmiitags aufgebessert, Nachts Niederschläge, die stellenweise gewitterhaft auftreten. Das nächtliche Temperatur­minimum liegt verhältnißmäßig tief, so daß an expontrten Lagen mäßiger Nachtfrost zu erwarten ist. Die Wasserstände steigen mäßig, soweit sie aus südlichen Gebieten gespeist werden. Nach Norden zu ist die Witterung tagsüber mehr aufklärend.

2. November. Freitag. Kalt, unbeständig mit Regenschauern, stellenweise mit Schneefall ober Graupeln. Frühmorgens nebelig bis sonnig, Mittags unb Nachmittags dunstig bedeckt bis zu kurzen Regenschauern, örtlich etwas Schnee oder Graupeln, spät­nachmittags vielfach aufklärend, Nachts Niederschläge, zumal im <L>üden, das nächt­liche Temperaturminimum liegt zwischen 0° und 4° C. Winde Nachts lebhaft. Die Wasserstände steigen mäßig. Nach Norden zu ist bie Witterung tagsüber mehr ausklärend.

*) Aus Dr. L. Overzter's Wetter-Prognose (Verlag der M-Lengfeld'- schen Buchdandlung in Köln, Preis 1 JLY Nachdruck verbot'».

Schiffsnachrichten.

Bremen, 29. October. sPer transatlantischen Telegraphst Der Postdampfer Hohenzollern, Capt. A. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 6. October von Bremen abgegangen war, ist am 26. October wohlbehalten in Galoeston angekommen_______________________________________________________

** Die häufigen Klagen über die Erfolglosigkeit einer Annonce und das dafür weggeworfene Geld würden verstummen, wenn man von Haasenstein & Vogler in Frankfurt (Main) über die Form, den Inhalt und die geeigneten Zeitungen zuvor fachmännischen Rath einholen möchte. 962

Zur geft. Beachtung

Schriftliche Anfragen wegen Auskunftserthettnng über Inserate rc. können wir nur dann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort beigelegt ist. lieber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist die Exp dition zu keinerlei AnSkuuftsertheilmigen Befugt. Offertenbriefe find soweit keine bestimmten gegenseitigen Abmachungen getroffen wurden in der Expedition abzuholen.

Kirchliche Anzeigen der ev. Gemeinde.

Donnerstag, 1. November, Abends 6 Uhr: Erbauungsstunde in der Stadtkirche Pfarrer Dingeidey. (Luther's letzte Lebensjahre.)

NchMche Anffordermg.

Die Wittwe des Schneidmüllers Karl Hermann von Lich hat als ge­setzliche Vormünderin ihrer minder­jährigen Kinder die Erklärung ab­gegeben, daß sie die Erbschaft ihres Ehemannes nur unter der Rechts- wohlthat des Inventars antrete. Forderungen an diesen Nachlaß sind binnen 14 Tagen bei dem unterzeich­neten Gericht anzumelden, als sonst ße bei der Regulirung und Ver- Alung des Nachlasses nicht berück­sichtigt werden könnten.

Lich, den 26. October 1883.

Großherzogliches Amtsgericht Lich.

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