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Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenz-Birreau.

Berlin, 30. Mat. Der Reichstag nahm heute § 55 der Gewerbenovelle unver­ändert an, berreth sodann § 56 und lehnte den Antrag Baumbach auf Freigebung des Lausirens mit Goldwaaren, Stlberwaaren und Taschenuhren mit 143 gegen 131 Stimmen ob Stöcker, Bödicker, Windthorst und Günther befürworten einen Zusatzantrag Acker­mann, Schriften und Bildwerke, sofern sie in sitilicher oder religiöser Beziehung an­stößig oder mit Prämien, resp. mit Gewinn vertrieben werden, vom Hausirbetriebe aus- mschließen. Dagegen sprachen Baumbach, Rlchter, Blum, Kapp. Der Antrag Ackermann wurde mit 172 gegen 146 Stimmen angenommen und der so veränderte Paragraph genehmigt. Bei S 56 b (Verordnungsrecht des Bundesraths in Seuche­fällen vorbehaltlich der späteren Zustimmung des Reichstags) beantragte Ackermann die Legalisirung des Reichstags zu streichen, welcher Antrag nach längerer Debatte abgelehnt wurde.

Fortsetzung morgen.

Gegenüber der Auffassung der Zeitungen, daß das Anerbieten Spaniens, mitten Handelsvertrag abzuschließen, wenn Die Giltigkeit desselben auf das Reichszoll- gebiet beschränkt werde, gegen Die Hansestädte gerichtet sei, sagt diePost", Spanten ginge stets von dem Princip aus, daß es mit Rücksicht auf die Erhöhung der deutschen Hölle seinerseits auch die spanischen Zölle erhöhen müsse. Den Hansestädten gegen­über, die keine Schutzzölle hätten, liege kein Grund vor, die Zölle zu erhöhen. Die gesonderte Behandlung des Reichszollgkbieis und der Hansestädte sei demnach für die letzteren keineswegs unvortheilhaft; Spanien könne den Hansestädten Zugeständnisse wachen, zu denen es sich dem Reichszollgebiet gegenüber nicht verstehen könne.

Berlin, 30. Mai. Das Abgeordnetenhaus berieth heute Petitionen aus Beyen­burg und Ohligs, betreffend Reconfessionalisirung der dortigen Simultanschulen. Der Regterungscommissar Esser erklärte, daß die Regierung in neue Erwägung der An­gelegenheit getreten sei und daß die Verhandlungen noch schweben; er könne noch nicht berichten, ob der coafessioneüe Character dort herstellbar sei oder nicht. Das Haus möge daher die Petit'onen der Regierung zur Erwägung überweisen oder zur Tages­ordnung übergehen. Windthorst beantragte den Gegenstand von der Tagesordnung abzusetzen, welchem Anträge v. Rauchhaupt, v. Zedlitz-Reukirch und v. Minnigerode beitraten, während v. Eynern die Durchberathung wünschte. Das Haus nahm den Antrag Windthorst gegen die Stimmen die Nationalliberalen an. Das Haus überwies dann die Petition der Gemeindeältesten der Elbinger Ortschaften wegen der Rogat- rrgulirung an die Regierung zur Berücksichtigung, ebenso die Petition der Elementar- lebrer in Langensalza um ein Schuldotationsgesetz, beschloß zu einer Petition von Handwerkern um Abschaffung der Handwerksarbeit in Gefängnissen, einen rnotivirten Uebergang zur Tagesordnung, indem ein Antrag Metzner auf Berücksichtigung derselben abgelehnt wurde.

Se. Majestät der Kaiser hielt heute im besten Wohlsein, begleitet von der Kaiserin, dem Kronprinzenpaar und den Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses, die erste Frühjahrsparade über die Berliner und Spandauer Garnison ab. Dieselbe ist äußerst glänzend verlaufen.

Berlin, 30. Mai. Die MilitärpLnsions-Commission nahm den Antrag Bennigsen mit 11 gegen 10 Stimmen an, daß das Privateinkommen der Offi- ciere communal zu besteuern sei mit dem Zusatze Hammer, daß die zur Dispo­sition gestellten ebenso zu behandeln seien wie die pensionirten. Mit der Majo­rität stimmten die Nationalliberalen, Secessionisten, der Fortschritt und die Freiconservativen, mit der Minorität die Conservativen und das Centrum. Windthorst erklärte, gegen den Antrag zu ftimmeu, da nach der Erklärung des Ministers das Gesetz nicht zu Stande komme; auch der Vertreter der Volks- , partei ist gegen den Antrag, weil seine Partei gegen das ganze Gesetz stimmen werde. Richter erklärte, er stimme zwar für den Antrag, behalte aber alles Weitere für das Plenum vor. Der Kriegsminister erklärte das Gesetz mit dem Antrag Bennigsen für unannehmbar.

Breslau, 30. Mai. Nach einer Meldung derSchlesischen Volksztg." - ist der Fürsterzbischof von Olmütz, Kardinal Fürstenberg, in Hotzenplotz vom Schlage getroffen worden und hat die Sterbesacramente empfangen.

Moskau, 30. Mai. Der Kaiser stattete heute gegen halb 3 Uhr dem Prinzen Albrecht von Preußen, anläßlich des Hinscheidens seiner Mutter, Prin­zessin Marianne der Niederlande, einen längeren Condolenzdesuch ab. In Be­gleitung des Kaisers, der den Weg im offenen Wagen und ohne Escorte zurück­gelegt hatte, befand sich der Großfürst Alexius. Der Kaiser trug die Uniform seines preußischen Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1. Nach fast halbstündigem Aufenthalt verabschiedete sich der Kaiser in herzlichster Weise von dem Prinzen, der heute Abend 11 Uhr Moskau verläßt. Im Laufe des heutigen Vormittags hatte Prinz Albrecht den unter Führung des deutschen Consuls erschienenen Vorstand des hiesigen Vereins deutscher Neichsangehöriger empfangen.

Moskau, 30. Mai. Anläßlich des Todes der Pcinzflsin Marianne der Nieder­lande, der Mutter des als Krönmigsbotschafters hier anwesenden Prinzen Albrecht von Preußen, ist der für Freitag angesetzt gewesene Ball bei dem deutschen Botschafter, Generallieutenant v. Schweinitz, heute abgesagt worden.

New-Uork, 31. Mai. (Privat-Depesche). Als gestern Nachmittag eine große Menschenmenge auf der neuen Brücke zwischen Brooklyn und New- Jork sich befand, entstand auf den Ruf:Die Brücke fällt!" eine Panik, wobei mehrere Personen umgekommen, viele niedergetreten und dabei schwer verletzt sind.

Lokales.

Metzen, 31. Mai. Die hiesige Rudergesellschaft ist bereits für bevorstehende Saison in voller Thätigkeit; jeden Morgen und Abend finden Uebung und Jnstructions- sahrten statt und find bereits zwei Mannschaften in Training gestellt worden; einer Einladung des Wetzlarer Ruderclub Folge leistend, werden sich nächsten Sonntag 3 Boote zu Wasser dorthin begeben, um sich an der daselbst projecttrten Auffahrt zu

betheiligen. Die Gesellschaft wird sich außerdem und zwar mit Senior-Mannschaft an der Ende Juni in Ems stattfindenden Kaiserregatta bethe ligen und Anfangs Juli auf Wunsch der Kurhausverwaltung auf dem Teiche zu Bad Nauheim die IV. Ludwigs- Regatta veranstalten. _h.

Auf unser Local.s vom Gestrigen, Turnerisches betreffend, haben wir nate zutragen, daß zu den bestimmten Hebungen auch Freiweitsprm-g gehört.

Verwischtes.

Die neue Brücke, welche New York mit Broklyn verbindet und welche am 24. d. M- dem Verkehr übergeben wurde, ist die größte und längste Hängebrücke der Welt. Die Hauptspannung, welche die eigentliche Brücke bildet, hat eine Länge von 1595Vr Fuß. Die Spannungen von den Thürmen bis zu den Verankerungen betragen auf jeder Landseite 971 Fuß. Die Gesammtlänge der Brücke beträgt somit mehr als eine englische Meile (5,989 Fuß). Die Brücke ist in fünf parallel laufende Avenuen getheilt, denen jede 16 Fuß Breite besitzt. Die zwei äußeren Wege, zunächst den acht Fuß hohen Brückengeländen, sind für den Wagenverkehr bestimmt. Neben ihnen laufen die Wege für die Tramway-Waggons, welche durch eine endlose Kette fortbewegt werden. In der Mitte liegt der Weg für Fußgänger, welcher eine Erhöhung von 12 Fuß hat und nach allen Richtungen hin einen freien Ausblick ge­währt. Die Kosten der Brücke waren mit 7 Millionen Dollar veranschlagt. In Wirklichkeit kostete jedoch die Herstellung, da man sich nachträglich entschloß, die Ketten statt aus Eisen aus Stahl anzufertigen, über 15 Millionen Dollars.

Eingesandt.

An die verehr!. Redaction desGießener Anzeiger."

Nachdem bereits in früheren Jahren Klage über diesen Uebelstand geführt und solcher abgestellt worden war, ist es unbegreiflich, wie der Gestank des Schoorgrabens in diesem Jahre abermals zum Nachtheil der Gesundheit, abgesehen von der Unan­nehmlichkeit, vorkommen kann. Zu manchen Tageszeiten ist es ohne Befürchtung einer Ohnmacht geradezu unmöglich, den prachtvollen Spaziergang um die Schoor zu frequentiren- Die Rücksichtslosigkeit gegen die Angehörigen der Stadt ist desto größer, je leichter die Abstellung des Uebelstands möglich ist. Es braucht nur mehr Wasser aus der Lahn eingelassen zu werden und die Sache ist abgemacht. Hoffentlich bedarf es nur der Anregung in Ihrem geschätzten Blatt, um die dringend erforderliche Abhülfe zu veranlassen. Achtungsvoll

N. N-

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 30. Mai. Auf dem heutigen Markt koste!e der Centner Herr JL 3.003.60, Stroh 1.802.30, Eier das Hundert <A 4.50, Stück 5^, Butter

1. Qualität 1.30, 2. Qualität JL 1.20, Kartoffeln per Centner -/-L 3.504.40, frische Kohlrabi 10 H per Stück, Rothkraut 3050 Spinat per Pfund 25

Poularden 2.503, Huhn 1.703, 1 Ente 2.503.50, 1 Taube 5060

Hahn utl 1.702.50, Sommergans <AL. 46.

Limburg, 30. Mai. Rother Weizen <M. 18.25, Weißer Weizen ,AL 18.10, Korn «X 12.10, Gerste 9.20, Hafer 7.25, Erbsen <X, Kartoffeln .

731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man- von der Annoncen - Expedition -von HAASERfSTElRf «fe VOGLEB in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt

Wafserwärme der Lahn.

Am 31. Mai, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 15W

Wittern» gskunde.*)

Herr Dr. Ludw. Ooerzier, Lehrer der Naturwissenschaften an der höheren Gartenbau-LehranstaltFlora" zu Köln hat eine Wetterprognose für den Monat Juni iestgestellt, welche auf Grundlage der Berechnung der atmosphärischen Gezeiten und der Einfügung der Werthe für Wärme, Druck und Feuchtigkeitsgehalt der Luft beruht- Wir glauben unseren Lesern tinen Dienst zu erweisen, wenn wir ihnen vorerst probeweise im Monat Juni diese muthmaßliche Wettervorhersage jedesmal für 3 folgende Tage im Juni zur Kenntniß bringen und bemerken hierbei, daß wir solche aus Dr L- Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juni, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M- Lengfild'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1

'*ne$L*Sunt. Frühmorgens dunstig bis bedeckt, dann etwas besser, auf Mittag zu Schleier bis Haufenschichtwolken, die Ballen aus Südwest und Westsüdwest gereiht, Nachmittags kurze Heit besser, dann wieder gegen Abend schleierig bis bedeckt, Winde frisch bis stark aus^West und Südwest. Im Allgemeinen ist es in Mitteleuropa wolkig bis trüb und regnerisch, in den südlichen Gebieten, von Frankreich auf Oesterreich zu, fallen ergiebige Niederschläge, nach Osten zu ist es etwas mehr heiter, Nachmittags gewitterhaft, Temperatur subnormal. Die Wasserstände werden steigen- Die Depressionen nehmen ibren Weg ostnordöstlich-

2. Juni. Die Lage vom 1. Juni entwickelt sich deutlicher, frühmorgens trüb, bedeckt, regnerisch und verhältnitzmäßig kühl., dann strichweise etwas aufgebessert, auf Mittag zu Haufenwolken oder Haufenschichtwolken, Nachmittags besser, Abends bedeckt, bis zu Niederschlägen, Nachts, auch abgesehen von der mangelnden Insolation, kühler; namentlich im südlichen Deutschland wird das Temperaturminimum jetzt und in den folgenden Tagen stark herabgehen- Winde in Mittel-Eurapa frisch bis stark, örtlich stürmisch. Nach Osten und Norden zu ist es mehr gewitterhaft, nach Wcsten und Süden zu mehr allgemein bedeckt mit Niederschlägen.

3. Juni. Bei Sonnenaufgang kühl, schleierig, nachher zunehmend bedeckt bis regnerisch, Nachmittags m>fg-b-ss-,t bis ziemlich Heltes Die Abkühlung pat Abends läßt N'ederschläge erwarten; dazu sind bte Winde, in Nordeuropa Nordwest, in Mittel- cnropa West bis Süd- est, stark bis stürmisch; nach Osten zu sind Gewitter und Graupelböen zu erwarten, nach Süden zu starke Niederschlage. Die Wasserftande werden steigen in Mittel- und Westeuropa. Im Allgemeinen ist das Wetter kühl, windig, Regenschauer mit Sonnenblicken wechselnd.

*) Nachdruck verboten-

Allgemeiner

Anzeiger.

Sängerkranz.

parlhie nach tzlausmberg per e.tira»ig Sonntag den 3. Juni.

Abfahrt präeis 3 Uhr Nachm. 3764

Rückfahrt präeis SV2 Uhr Abends.

BilletS L HO die Person, für beide Fahrten gültig, verkaufen bis zum Sonntag Mittag die Herren Wilh. Herbert, Marktplatz, und Carl Lüdeking, Seltersweg.

Kinder unter 14 Jahren fahren frei.______________Der Vorstand.

3767 Die Grasnrrtzung in der ehern. Gute iFdbhranbbarkllcine § Keck'schenBesitzung ist zu verkaufen durch

Emil Fischbach. fortwährend zu haben bei Chr. Haubach.

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Eis.

Verehrlichem Publikum zur gefl. Nachricht, daß ich einen

Berkaus von Eis

in hiesiger Stadt errichtet habe und wird dasselbe durch meinen Eiswagen den geehrten Abnehmern zugesithrt.

Unter Zusicherung reeller und pünktlicher Bedienung bitte um jwrigt« Zuspruch. Jakob Elfenbein. ob DU _____________ -______- ----------------