Ausgabe 
1.2.1883
 
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darauf verzichten müssen, den Vertretern der städtischen und anderen Genrein- wesen, der Körperschaften, Vereine und Anstalten einzeln zu danken. Wir wählen diesen Weg, um alle Diejenigen unserer herzlichen Erkenntlichkeit zu Der» sichern, die uns in der Nahe oder in weiter Ferne freundlichen Antheil bewiesen haben. Dabei geben wir gerne der besonderen Genugthuung Ausdruck, daß unsere Silberne Hochzeit Veranlasiung geworden ist, durch wohlthätige Stiftun­gen und Sammlungen zu edlen, gemeinnützigen Zwecken dem Tage, an dem wir einst unseren Ehebund schloffen und mit Gottes Hülse das Glück unseres Lebens begründeten, durch Mildthätigkeil und Wohlthun in schönster Weise eine unserem Sinn und Wunsch entsprechende Bedeutung zu verleihen."

Telegraphische Depeschen.

Wolff'ö telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 30. Jan. Reichstag. Der Präsident überbringt dem Hause den herzlichen Dank des kronprinzlichen Paares für die Gratulation anläßlich der Silbernen Hochzeit. Das Haus erledigte sodann in zweiter Berathung den Militäretat unter Abstrich der Forderungen für Kasernenbauten zu Kassel und Hofgeismar und begann daraus die Berathung des Postetats. Staatsfecretär Stephan erklärt die Resolution Lingen's über eine Einschränkung des Sonntags­verkehrs mit den berechtigsten Interessen des Verkehrs für unvereinbar. Bötticher beklagt den Mangel einheitlicher Postwerthzeichen für das Reichsgebiet. Staats­fecretär Stephan anerkennt die Berechtigung der Klagen, die Angelegenheit beschäftige den Ausschuß des Bundesraths, ein Beschluß sei aber noch nicht gefaßt. Fortsetzung morgen.

Die Steuer-Commission des Abgeordnetenhauses beschloß mit 14 gegen 6 Stimmen die Aushebung der beiden untersten Klassensteuerstusen, für die Be­seitigung der drei untersten Klassensteuerstusen sprachen sich nur 2 Stimmen aus, für die Beseitigung der vier untersten Stufen 6 Stimmen.

Der Finanzminister hat in das Extraordinarium des Etats 50,000 JL zur Aufbesserung der Lage der Eifel-Bewohner eingestellt.

DerReichs-Anz." ineldet die Erhebung des Prof. Helncholtz in den Adelstand.

München, 30. Januar. Oberconsistonalrath Adolf Stählm ist zum Präsidenten des protestantischen Oberconsistoriums in Bayern ernannt worden.

Schwerin, 30. Januar. Das erbgroßherzogliche Paar ist heute in Begleitung des Obermedicinalrathes Dr. Müller über Paris nach Mentone ab­gereist, woselbst der Erbgroßherzog wegen angegriffener Gesundheit Aufenthalt nehmen soll. Die Ankunst in Mentone wird Donnerstag Nachmittag ersolgen.

Paris, 30. Januar. Aus Ersuchen des Präsidenten Grevy werden der Kriegsminister und der Marineminister die Geschäfte bis zur Ernennung ihrer 'Nachfolger fortführen. Wie es heißt, hätte General Eampenon sich bereit erklärt, das Kriegsministerium zu übernehmen. Von den gestern verthellten zwei Gelbbüchern betrifft das eine die egyptischen Entschädigungen, das andere die Frage bezüglich Madagaskars. Letzteres weist auf die fortgesetzten Placke­reien der Behörde der Howas den französischen Staatsangehörigen gegenüber hin. Die Verhandlungen mit der madagassischen Gesandtschaft in Paris seien an der Frage wegen des Eigenthumsrechtes der Ausländer gescheitert. Frank­reich habe unter Bezugnahme auf den Vertrag von 1868 das Eigentumsrecht in Anspruch genommen, während die Howck nur eine Erbpacht auf 25 Jahre zugestehen wollen. England sprach daraus die Befürchtung aus, daß feindschaft­liche Maßregeln Frankreichs die Sicherheit der Ausländer in Madagaskar gefährden könnten. Duclerc erklärte, er halte solche Auffassungen für unge­rechtfertigt, doch seien Feindseligkeiten in Folge des Abbruches der Unterhand­lungen immerhin möglich. Lord Granville bot darauf eine Mediation Englands an, welche Duclerc jedoch unter Danksagung für die freundschaftliche Haltung GranMe's ablehnte, indem er gleichzeitig erklärte, er halte es für unnütz, daß der madagassischen Gesandtschaft durch die französische Regierung nochmals Auf­klärungen über die Ansichten Frankreichs gegeben würden.

Paris, 30. Januar. Die Besseruna im Befinden deS früheren Minister- präsidenten Duclerc hält an, der Krättezustcmd des Erkrankten tft aber noch em sehr schwacher und wirb eine absolute Ruhe und Zurückgezogenheit dcsfelben für un­umgänglich nothwendig erachtet.

Rach einer Meldung auS Creuzot (Departement Saone und Loire) wurde in der Nacht vom 28. zum 29. ds. Mts. eine Gensdarmerie - Patrouille bet dem Ein­schreiten wegen eines unter italienischen Arbeitern entstandenen Streites durch einen aus etwa 200 Italienern bestehenden Hausen mit Steinwürfen angegriffen, eS wurden 8 Personen verhaftet. Gcstern wurden 12 rodiere Verhaftungen oorgenommen. Der Präfekt des Departements Saone und Loire ist hier angekommen.

Das Gutachten der Commission zur Untersuchung der Beschwerden gegen die Rhein-Uegulirung.

c m- Darmstadt, 30. Januar.

Zu den Ausführungen unter A. bemerkt das Gutachten u. A., es falle besonders in's Gewicht, daß die vorliegenden Wasserstandsbcobachtungen nicht über die Badisch- refp. Bayerisch-Hessische Grenze hinautzgehe, Denn nur durch Zurückgreifen auf die in den Sommer - Wasferftänden des Obrrrhems etwa nachweisbaren Ntveaudifffrenzen werde man Klarheit zur Sache gewinnen können. Werden zunächst tue Hochfluthen resp. stattgehabten höchsten Wasserstände in's Auge gefaßt, so fehle eS zwar zur ver­gleichenden Beurthetlung derselben an ausreichenden Vermerken, indessen könne mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß eine Steigerung bctfelben nur in bet Stromstrecke zunächst und oberhalb Mainz eingetreten sei; anderwärts seien Anzeichen einer solchen nicht vorhanden. Die bekannten höchsten Wasserstände seien an den vier hessischen Hauptpegeln verzeichnet wie folgt:

k I am Pegel zu Worms = 6,1 Meter,

! « Oppenheim 5,6

1845 Mainz 5,7

1855 Bingen 5,8

Der mittlere Jahreswasserstand betrage im Hessischen Stromgebiete durchschnitt­lich 1,5 Mtr. am Pegel. Die Ufer fehn vorwiegend niedrig, denn ziemlich allgemein werde das Vorland vor den Dämmen schon bei Wasserständen von 2,5 bis 3,5 Mir. überfluthet. Bereits diese, bezw. noch höhere Wasserslände gelten daher im Frühjahr und Sommer mit Recht als schädlich

Das Gutachten fährt sodann wörtlich sott:Die Frage, ob in den mittleren JahresMasserständen, wie die Beschwerdeführer behaupten, zum Nachtheil her Vanb; wirthschast Veränderungen eingetteten seien, ist Seitens der Commission möglichst ein­gehend geprüft worden tub im Allgemeinen zu bejahen. Aus den zur Sache vor- ^^Euden Beobachtungen und namentlich aus den in den Jahren 1880-81 von den Großh Kreisbauämtern zu Worms und Mainz erstatteten Berichten kann dies nach- gewiesen werben. ^Lie stattgehabku Vcränberungcn sind jedoch weder durchweg gleich mzw. von gleichem Nachtheil, noch auch für die verschiedenen Stromstrecken mit gleicher Genauigkeit herzuletten und namentlich nicht für die oberste Strecke von der Landes- grenze bis Worms, weil auf die Beobachtung an den benachbarten Badischm und Bayerischen Pegeln halte zurückgegriffen werden müssen, was jedoch zur Zeit nicht

Am klarsten liegen die bezüglichen Verhältnisse zw schen Worms und Mainz, in­dem dort durch die Ausführung des Durchstich« am sogenannten Geyer eine erhebliche Aenderung in den Wafferstandkoerhältnlssen eingetreten ist, bezw. von vornherein an­zunehmen war.

Wie es in der Natur der Sache liegt, haben nämlich oberhalb des Durchstichs die Wasserstände zu Gunsten der Landwtrthschaft und unterhalb zu deren Nachtheil sich geändert. Darüber, daß vom Durchstich abwärts bis Mainz die in Rede stehenden schädlichen Wasserstände in sehr empfindlicher Weise nicht allein an Dauer, sondern auch an Höhe zugenommen haben, kann kein Zweifel bestehen. Auch hat die Corn- Mission deutliche Zeichen dafür gewonnen, daß die für die Strecke vom Durchstich auf­wärts bis WorrnS nachweisbaren verbesserten Wasserstände wieder im Abnehmen be­griffen sind, daß die besseren Zustände dort also allmählig von schlechteren, wenngleich gegen früher immer noch besseren Zuständen verdrängt werben-

Bei der Untersuchung der Strecke von Mainz bis Bingen hat sich aus den an den Pegeln zu Mmnz, Biebrich, Rüdcsheim und Bingen regelmäßig stattgehabien Beobachtungen ergeben, daß im oberen Thctle dieser Strompartte ebenfalls bezügliche Verschlechterungen eingetreten sind, jedoch nur in verhältmßmäßig geringem Matze, wohingegen im unteren Thetlc derselben uachthetlige Veränderungen der Wasserstände bis jetzt nicht nachzuweisen sind.

Die Behauptung der Beschwerdeführer, daß die der Landwtrthschaft schädlichen Wasserstände des Rheins tm Großherzogthurn Hessen zur He:t häufiger und empfindlicher seien als vordem, wird Seitens ber Kommission hiernach al« tdatsächlich begründet erachtet, auch sind die dieser Benachtheillgung des landwirthschaftl'chen Betriebes zu Grunde liegenden Ursachen zum Theil richtig von den Interessenten angegeben.

Es wirken jedoch beim Strome so zahlreiche Umstände auf die jeweilige und streckenweise Höhenlage seines Wasserspiegels zusammen, daß e8 schwer ist, diese tm Einzelnen und ihrem Einflüsse nach anzugeben Faßt man eine bestimmte Strom­strecke inS Auge, um zu prüfen, ob innerhalb derselben die Wasserstände im Laufe der Zeit nach Höhenlage und Dauer sich geändert haben, so müssen die anzustellenden Ermittelungen bekanntlich sowohl nach oberhalb wie nach unterhalb wett Über die zu untersuchende Strecke hinausgehen Nicht allein die im Strombette angelegten Bau­werke und etwa auSgesührten Durchstiche, die entstandenen Verlandungen und Pflanzungen, Brücken- und Quaibauten haben Bedeutung, sondern auch die im Sammel- gebiet des Stromes etwa itattgehabten Meliorations-Anlagen und Aenderungen im Laufe der Bäche und Nebenflüsse, sowie namentlich auch Aenderungen in den Damm- systemen sind von wesentlichem Einfluß zur Sache und stehen untereinander in unbe­dingter Wechselwirkung. Auf Grund dieser Erwägungen kommt man im vorliegenden Falle alsbald zu dem Schlüsse, daß eine Aenderung der Verhältnisse nur noch theilweise sich ermöglichen lassen wird und daß es jedenfalls ernst erwogen fein will, bevor man zu vermeintlich bessernden Aus­führungen übergeht. Wenn diese auch immer wohl nicht ohne Nutzen bleiben konnten, so würden doch die aufzuwendenden Kosten vielleicht außer jedem richtigen Verhältnisse zum Erfolge stehen.

Daß es richtig fein wird, die anzustrebenden Verbesserungen zunächst da zu ver­suchen, wo dieselben am dringlichsten sind, also oberhalb Mainz, und hierbei dem Stromlaufe entgegen vorzugehen, bedarf wobl der weiteren Begründung nicht.

Was die Schiffbarkeit der Rheinstrecke von der oberen LandeSgrenze bis Mainz betrifft, so läßt dieselbe nach Ansicht der Commission wenig zu wünschen übrig. Ein Fahrwasser von 2 Meter liefe bei dem sogenannten gemittelten niedrigsten Wasserstände ist fast durchweg in genügender Breite hergrstellt.

8 o f a I c.

Gießen, 31. Januar. (Sterblichkeit in Gießen) Die Sterblichkeit wahrend der Woche vom 21. bis 27. Januar war in unserer Staat eine mittlere. ES ereigneten sich tm Ganzen 7 Todesfälle, davon nur einer bei einem Kinde im ersten Lebensjahre, welche« rasch an Krämpfen starb. Bei den 6 verstorbenen Erwachsenen war Tuberkulose deS Bauchfells, Blasenentzündung, Krebs, Altersschwäche, Lungenschwindsucht je einmal Todesursache und in einem Falle, der nicht ärztlich beobachtet worden war, blieb die Todesursache unbekannt. G.

Vermischtes.

Aus dem Großherzogthurn Hessen, 28. Januar. Die Berechnung des

Landeskultur-Inspektors über die lang« des Main« und Rhemstrom's überschwunrnten

Kuliurflächen enthält folgendes Resultat. 1) Kreis Bensheim 11,088 Hektar über­schwemmte Flächen. 2) Kreis Groß-Gerau 16,755. 3) Kreis Offenbach 874 4) KieiS Mamz 888. 5) KreiS Bttigcn 1500. 6) KreiS Oppenheim 3612. 7) Kreis WormS 6322 P-Ovinz Rheinhessen 12,322, P ovinz Starkenburg 28,717. Im Ganzen

42,039 Hektar ober 410,39 Qu -Kilometer. Vollständig überschwemmt sind die Ge­markungen Osthcim, Berkach und Gernsheim, Ginsheimer Rhein-Auen, Trebur,

Treburer Auen und Wallerstädten (Kreis Groß-Gerau), Hammer-Aue und Mauldeer-

Auc (Kreis Bensheim) In den hauptsächlichsten hetmgesuchten Gemeinden ergibt sich folgendes Verhältniß:

Flächeninhalt der gai zen Gemeinde. Uederschwemmte Fläche.

1) Biblis 2259 2226

2) Bobstadt 440 435

3) Bürstadt 1871 1789

4) Hofheim 1240 1235

5) Wattenheim 423 408

6) Ginsheim 882 793

7) Ludwigshöhe 297 225

8) Eich 2105 1750

9) Hamm 776 650

Nach der Statist'k des Vereins deutscher Eisen-und Stahlindustneller wurden

im deutschen Reich (mit Einschluß Luxemburgs) tm December 1882 283758 Tonnen Roheisen probucirt. Die Jahresproduct'vn von 1882 beltef sich auf 1980 976 Tonnen Puddelroheisen, 157 714 Tonnen Spiegeleisen, 733 665 Tonnen Bessemer Roheisen, 298602 Tonnen Gießereiroheisen, in Summa auf 3170 957 Tonnen Roheisen, dagegen in 1881 auf 2 914009 Tonnen, in 1880 auf 2 729 038 Tonnen, in 1879 auf 2 226 587

Tonnen Roheisen

Wiesbaden, 26. Januar. Am letzten Sonntag wurde hier ein junger Mann eingebracht, welcher den im vorigen Jahre in den Sandgruben bei Modbach an einem alten Schiffer verübten Mord begangen haben soll. Er war bald nach der Tbat nach Afrika entflohen und hatte sich dort bei den Chasseurs d'Afr'que anwerben lassen, au« Gewissensbissen aber ein Geständnis gemacht und dadurch seine Auslieferung hterder herbetgeführt.

Köln, 26 Januar, lieber einen Akt schauderhafter Rohheit theilt dieKöln. Zig." Folgende« mit: Dieser Tage gegen Abend waren die bei den Stadtumwallungs, arbeiten beschäftigten Italiener tn ihrer nahe bei Sülz gelegenen (Santine mit Her­richtung Ihres Abend ssens beschäftigt, al« eine große Zahl ländlicher Arbeiter in die Cantinc eintrat, die Kochkessel der Ausländer aufdeckte, in da« Effen spukte und noch andere Gemeinheiten verübten, welche wir hier nicht näher bezeichnen können. Infolge davon entstand ein Streit, in welchem die Italiener den Bauern unterlagen. Zahl reiche Mißhandlungen kamen vor, die Bauern machten von Messern und Hacken Ge­brauch, zertrümmerten einem dcr fremden Arbeiter, der seitdem schon gestorben ist, beit Schädel und zerhackten und zeischnitten einem zweiten ein Bein, so daß diese« ampu-- ti t werdrn mußte. Mehrere der frevelhaften Kerle sollen bereits verhaftet sein. Die

Italiener werden als fleißig, will g, nüchtern und sparsam geschildert; dieselben schicken von ihrem geringen Ve.dienfte fortgesetzt einen Theil nach Haufe.

Barmen, 26.Januar. Eine opsermuthige Rettung au« Lebensgefahr vollführte laut derDarm. Ztg " vorgestern Nachmittag Amtsrichter Endemann von hier in der Laake. Derselbe war eben dort angekommen und hatte seine Schlittschuhe an den Sohlen befestigt, als ein Hülferuf ertönte: ein Knabe, welcher sich zu weit nach einer offenen Stelle gewagt, war durch« Eis gebrochen. Sofort versuchte Herr Endemann ihn zu retten, brach habet aber selbst durch das Eid; er ergriff jetzt den Knaben, nahm ihn auf den Rücken und suchte schwimmend mit ihm das etwa 10 M. entfernte Ufer zu er- eichen, was abei schwierig war, da Herr Endsinann nur mit einer Hand schwimmen kannte, indem ec mit der andern dr.s dünne Eis vor sich her zertiüminern mußte. Beinahe wäre er selbst ein Opfer feiner Menschenfreundlichkrit geworden und beide wären ertrunF'ii, wenn nicht in der höchsten Noth Arbeiter mit einem langen Tau hcrbeigccilt wäeen, das sie dem Retter zuwarfen, um ihn damit an« Land zu ziehen.