Einzelbild herunterladen

Zu bilden, sondern daß Gambetta wieder an die Spitze einer Opposition treten könne, gegen welche jedes Ministerium sich ohnmächtig erweisen würde. Gam- betta habe zwar sein Prestige verloren, aber er könne wieder zur Geltung kom- inen , wenn er bei seinem gegenwärtigen Mißgeschick Lehren aus seiner Haltung zu ziehen und dieselben zu benutzen verstehen werde.Aus dem Grunde, be- merkt dasJournal", sagten wir, das erste Ministeriunl Gambetta sei vom Schauplatz abgetreten. Die letzte Krise zeige, daß wenn man auch die weit- gehendsten Aspirationen erfüllen will, inan sich damit doch nieder des Vertrauens der Radikalen, noch der Unterstützung derjenigen Interessen versichert, welche man angeblich durch Concessionen befestigen will. Angesichts dieser Agitationen des doctrmären Parlamentarismus empfindet man ein Gefühl der Ruhe und Erholung, wenn inan die jüngste machtvolle Parlamentsrede des Fürsten Bis­marck liest."

DerReuen Zeit" zufolge findet die für dies Jahr projectirte Aus­rüstung mehrerer russischer Festungen nicht statt, sondern ist auf einen für den Ausgabe-Etat des Kriegsressorts günstigeren Zeitpunkt verschoben worben. In dem Befinden des Fürsten Suworoff ist eine Besserung eingetreten. Der neue chinesische Geschäftsträger ist hier eingetroffen.

Rumänien.

Bukarest, 28. Januar. Kammer der Deputirten. Da Eogalniceano in der gestrigen Sitzung das Cabinet beschuldigt hatte, diplomatische Documente gefälscht zu haben, beantragte heute der Conseilpräsident, daß die Kammer zur Prüfung aller Documente und der gesammten diplomatischen Correspondenz eine parlamentarische Ilntersuchungs-Commission einsetze, welche berechtigt sei, alle Diejenigen vor ihre Schranken zu citiren, welche an den öffentlichen Geschäften theilgenommen haben, seit die liberale Partei am Ruder ist. Die Kammer nahm diesen Antrag an und ernannte die Commission, welcher mehrere Mitglie­der ,be.r Opposition angehören. Der Senat ernannte auf Antrag Gradiste- ano's gleichfalls eine solche Commission.

Amerika.

New-Aork, 28. Januar. DerNew-Iork-Herald" veröffentlicht eme Depesche aus Washington, demzufolge der bisherige Gesandte in Peru, Hurlbut, zurückberufen ist und sich bereits auf dem Wege nach New-Dork befinden dürfte. Dasselbe Blatt enthält einen Artikel, in welchem die Diplomatie des ehemaligen Staatssecretärs Blaine als unehrenhaft bezeichnet wird.

Washington, 28. Januar. Eine telegraphische Depesche des ameri­kanischen Specialgesandten für Chili und Peru, Trescott, an den Staats- secretär des Aeußern, Frelinghuysen, sagt, Chili habe die guten Dienste der Bereinigten Staaten angenommen und dadurch eine Conferenz Trescott's mit irgendwelcher provisorischen Negierung von Peru, sofern nicht Calderon dieselbe repräsentire, erleichtert. Die von Chili geforderten Friedensbedingungen bestän­den in der unbedingten Abtretung des Districts von Tarapaca an Chili und in der Zahlung einer Kriegsentschädigung von 20 Mill. Dollars, ratenweise binnen 16 Jahren zahlbar, während welcher Zeit Chili Arica besetzt halten werde. Im Falle die Kriegsentschädigung nicht gezahlt werde, gelte Arica für abgetreten an Chili. Außerdem werde Chlli die Guano-Depots von Lobos nehmen. Wenn Peru die chilenischen Bedingungen nicht annimmt, wird Chili ein neues An­erbieten freundschaftlicher Intervention der Vereinigten Staaten ablehnen.

Deutscher Reichstag.

37. Plenarsitzung Samstag den 28. Januar.

Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um 1V4 Uhr.

Am Tische des Bundesraths: o. Bötticher, Dr. Stephan u. A

Tagesordnung: 1) Mündlicher Bericht der Budget-Commission über die Petition des deutschen Hovsenbauo.relns zu München- nberg um Gewährung eines jährlichen Zuschusses von 20,000 <X aus ReichsmUteln Die Petäion wird dem Atitragc der Gommrssion gemäß durch Uebergang jur Tagesordnung erledigt.

2) Fortsetzung her Etatsberathung. Die Berathung wird über den Etat des Reichsschatzan-.tS fortgesetzt.

Abg. Dr. Bamberger sührt die Agitat-on gegen die Goldwährung auf gewisse Fabrikanten^ und Börsenkrckse zurück. D-nen gegenüber aber steh.- die große Menge u'-.feier Geschäftswelt, welche mit unserer Münzversassuog vollständig einverstandni ist und den dringenden Wunsch hegt, das Fehlende an derseloen möglichst bald vollendet zu sehen- Ebenso hätten sich 86 Handelskammern für Beibeh.iltung der reinen Gold­währung ausgesprochen, rote denn überhaupt die Stellung unserer inbuftiicUeii Kreise und des Großhandels zu unserer Münzpolitik als eine durchaus günstige bezeichnet werden muß. Was die von dem Abg. Leuschner zur Untelstützung seiner Ansichten vorgeführten Zahlen anlangt, so hätten dieselben nur für Sachkenner Werth. Die allerdings lebhafte Bewegung gegen unser Münzsystem befchränke sich auf sehr inge Grenzen, denen dieBerliner Börsenzeitung" als Hauptträger diene. In der Geschäfts- roclt ruft diese Bewegung sehr wenig Beunruhigung hervor; von politisch n Kreisen seien es allerdings die Agrarier, welche die Agitation betreiben Es fei ein großer Jrrthum, dcn Freihandel mit der Goldwährung und die Schutzzöllner mit der Doppel- wähiung zu identificiren. Anhänger und Gegner der Goldwährung befinden sich m beiden Lägern. Die Anregung, die Sache hier zur Svrache zu bringen komme von Außen her. Sie liege in dem am 12. April d. I in Poris wieder zusammentretenden Münzcongreß. Er zweifle auch keinen Augenblick daran, daß morgen dieBörsen­zeitung" und nach einiger Zeit Pariser und nordamer konische Blätter drhoupt-n werden, daß die große Mehrheit des deutschen Reichstages sich für die Doppelwährung ausgesprochen Hobe. Und wenn dann der Münzcongrcß sich versammelt, werde mon sagen:Wie bekannt, hat sich der deutsche Rnchstog in feiner groß n Mehihe t für die Doppelwährung ausgesprochen." Redner süh.t dann weiter aus, daß rocnn Deutsch­land nicht zur Goldwährung übergegangen wäre, Frankreich uns in die Silberwährung hineingedrängt hätte, und wir wären dann in die allerschlimmste Lage gerathen Was man bei Einführung der Goldwährung als vortheilhaft für Deutschland allgemein anerkannt hat. könne doch im Verlause weniger Jahre nicht 'n fein Gegentheil sich verkehren. Er gebe zu daß die Entwerthung des Silbers nicht in dem M,ße voraus- gesehen rooiben sei, wie sie thatsächlich stattgefunden, aber das habe unsere Voraussicht nur bestätigt, daß btt gcnze W lt zu- Goldwährung dränge. Redner spuckt sich für volle Durchführung der Goldwährung aus und ist der Meinung daß die Schwierig­keiten sich leicht beseitigen lassen werden. Herr Leuschner sagt: Unsere Goldwährung stände nur auf dem Papier. Da babm Sie em großes Wort gelassen ausgesproch n, .fierr Abgeordneter Leuschner! Wisstn Sie denn nicht, daß unser ganzer Handel und Verkehr, unsere ganze St llung in der Welt auf der; Goldwährung beruht? Ohne die Goldwährung könnten wir uns in der Welt gar nicht sehen lassen. Was glauben Sie, würde ein Wechsel aus Beilin in Paris roertb sein, wenn rotr keine Goldwährung hätten? Garz das Gcgentbeil von dem, was Sie sagen, ist Thatsache. W'r haben noch nicht die Goldwährung in d.m Moße durchgeführt, daß in unseren Banken durch­aus nur Gold liegt. Aber in der Prax s des Bankoerkehrs tft^nur die Goldwährung maßgebend, das weiß jedes Kind. Die Einführung der Doppelwährung würde erforber lich machen, baß wir unsere Silber werthen vollwerthig machen, das würde aber eben­falls eine Ausgabe von 37 Millionen e forderlich machen, die nach seiner Meinung vollständig weggeworfen wären. Und wenn der Silberverkauf uns auch noch hundert Millionen Mark an Opfer kosten sollte, so würden die Opfer doch noch lange nicht hoch genug sein, um den Vortheil auszugleichen, der uns durch die Goldwährung im

allgemeinen Verkchr und namentlich tm internationalen Handelsverkehr gewährt werde. Deutschland habe bereits den größten Theil der Unbequemlichkeiten überwunden, welche mit seiner Münzreform veibunden, und die Zahl derjen'gen Uebelstände, welche uns noch bevorstehen, feien verhältnißmäß g geringe. Andere Staaten dagegen feien ge­zwungen, sich dem System der Goldwährung nunmehr anzuschließen und hätten noch alle b|C schwierigen Phasen durchzumachen, die w-r bereits überwunden hab<n. Die Befürchtung einer künftigen Goldnoth kann Redner n cht theistn, das Gold, das man bedürfe, fei vorhanden, und w nn er auch zugeben wolle, daß die Goldproduction Amerikas und Australiens in letzterer Zeit nachgelassen habe, so werde doch immer noch Gold in nicht unerheblicher Mmge fortprobucit; unb wo sollte es denn hin? Ver- schrvinden vom Geldmarkt könne es doch nicht, wenn cs ausgemünzt sei. Daß man sich einer bimetalistischen Conv ntion anschließtN könne ohne England, hält Redner für undenkbar. Auch die eifrigsten Bimetallisten wären niemals so weit gegangen. England denke gar nicht daran, einer solchen Convention beizutreten.

Abg. v. llteden (nationall'beral) legt dar, daß der Liberalismus nicht, wie es so vielfach geschehen, mit dem Manchesterthum ident ficttt werden dürfe, unb verwahrt sich dagegen, baß ein Anhänger der Doppelwährung gleichzeitig em politischer Reactionär sein müsse- Beides sei.n ganz verschiedene Ri tungen, die sich du chaus nicht zu decken brauchen. Er s i trotz seines liberalen Standpunktes Anhänger der Doppelwährung, deren Berechtigung und Nutzen für Deutschland er darzulegen sucht. Er geht unter Widerlegung der Bamberger'schen Ausführungen ausführlich auf die Geschichte der bimetalistischen Bewegung ein, d 'ren allmächt ges Anwachsen aus kleinen unschein- barcn Anfängen bis zu ihrer gegenwärtigen Ausdehnung deutlich beweise, daß man in den we testen Kreisen keine Hoffnung mehr auf die Goldwährung setze.

Die Diskussion wird geschlossen. Es folgt nunmehr die Berathung über den gestern an die Budgetkommission v>rwiesen n Antrag Richter, die Ueberschüsse von 15 Millionen Mark aus b 11 Einnahmen b s laufenbm Jahres in ben Etat zur Deckung der Martrikularbeiträge einzustellen.

Die Budgetkommission - Referent Abg. Löwe empfiehlt die Annahme des Antrages Richter.

Abg v. Wedell-Malchow erklält Namens eines Thnls feiner politischen Freunde, daß sie dem Anträge zuftimmen roüiben unb zwar weil fie einerseits eine Gefahr in b r Zustimmung zu berfdben n cht erblicken könnten und anbererseits, weil sie ber Meinung seien, baß es sich bei der ganzen Frage eigentlich nur um emeUeber- tragung aus bem Reich in b-e Finanzveiw.sttung ber Emzelstaaten h^nbele, unb baß unter Umftänben bie Einzelstaattn eine bessere Verwenbung für die Mehreinnahme finden könnten, als dies be einem Defizit von 5 Millionen möglich wäre.

Schatzstkretair Scholz: Er müsse seine Ausführungen auch noch heute festhalten, ohne indeß dieselben heute zu wiederholen Nur das Eine wolle er betonen, baß burch berattige Anträge die Grundlage des Etats vollständig umgeworsen werbe, insbesondere seien diejenigen Anhaltspunkte, welche der Bundesrath durch die zweite Berathung ge­geben, vollständig beseitigt. Aus diesem Gmnbe sei der Bundesrath noch nicht in der Lage gewesen, sich über den Antrag schlüssig zu machen unb bas Resultat sei nunmehr, baß ber erhoffte Schluß bes Reichstages heute noch nicht ernteten könne.

Aög. Rickert erklärt sich auch heute gegen ben Antrag unb bemerkt bem Abg. Windhorst, baß er burch in Folge der Berathung bes Antrages bn-.ch bie Budget­kommission durchaus n cht kluger geworden sei.

Abg. Richter (Hagen) erwidert dem Vorredner, die kommissarische Berathung sei nur deshalb so schnell gegangen, weil ber Antrag sehr einfach sei. Dem Herrn Schatzsekretär bemerke er. daß der Antrag schon mehrere Tage gedruckt vorliege. Eine Entschließung baiüber wäre daher dem Bundesrathe sehr wohl möglich gewesen. Ueb- rigens werde man sich nun überzeugen, daß die Fortschrittspartei noch etwas anderes als zu nörgeln verstehe. Wenn man so leicht ber Reichsregierung 10 Millionen ab­nehmen könne, bann stehe zu erwarten, baß noch viel mehr zu haben sei (Heiterkeit) baß also an neue Steuern gar nicht gebucht werden dürfe.

Abg v. Benda erklärt sich nach ben Ausführungen bes Reg.-Kommissars für den Antrag.

Aba. Frhr. v. Minnigerode erklärt, baß bieFortschrittspartei sich mit ener positiven Leistung nicht brüsten dürfe, denn ohne die Wlrthschaftspolitik der Regierung würde der Ueberschuß gar nicht zu erreichen gewesen sein.

Abg. Richter (Hagen): Es freut mich, baß ber Abg. v. Minnig robe bie ent- scheibende Stimme bes Reichstages in Geldsachen anerkennt Wenn die Sache so ein­fach war, warum hat denn Herr v. Mmnigerobe nicht den Vai schlag gemacht? Unsere Finanzpolitik unterscheidet sich von der Jhngrn dadu ch. daß die Kons rvativen leichten Herzens Steuern bcmill'g-'n, aber schwer zur UebeiWeisung zu bewegen sind.

Nach einigen Bemerkungen des Abg. R'ckert wird die Diskussion geschlossen unb ber Antrag Richter fast einstimmig angenommen.

Der Etat wirb hieraus in E'naohme unb Ausgabe auf 610,632,707 JL, unb zwar an bane^nbe Ausqabin auf 531,829,028 «X unb an einmaligen auf 78 803 679 «x r: t setzt unb bas Etats- unb Anleihegesetz genehmigt.

Schlußsitzung, Montag 10V2 Uhr.

Schluß 43/4 Uhr.

TelkqraWiche ^>pcschfn.

Wolff's tekflt. tzorrcspondcn,-Burcau.

Berlin, 30. Januar. Reichstag. Der Staatsjecretär Bötticher theilt die Zustnninung des Bundesraths zur erfolgten Etatsfeststellung mit und spricht die Erwartung aus, daß die in letzter Stunde beschlossene Annahme des Rich- ter'schen Antrags, worin die Bundesregierungen eine ungerechtfertigte Abweichung von deni bisher ümegehaltenen Gange der Etatsberathungen erblickten nicht als cm Präcedenzfall gelte. Er verliest sodann die Kaiserliche Botschaft 'welche den Reichstagvschlnß ausspricht. Der Präsident schließt die Sitzungen mit einem dreifachen eitthnfrastischen Hoch auf den Kaiser.

Paris, 30. ^anuar. Zwischen Frepcinet und Leon Say ist eine Ver­ständigung über ein wirthschaftliches Programni erreicht. Say übernahm den Posten eines Fmanzmimsters. Das neue Cabinet ist nunmehr also zusaminen- gesetzt. Arepeinet, Präsident und Auswärtiges, Leon Sap, Finanzen Ferry, Unterricht, Goblet, Inneres, Humbert, Justiz, Billot, Krieg' Jauregniberry, Alarme, Varroy, Arbeiten, Tirard, Landmirthschast Cochery, Posten.

London, 29. Jan. DemObserver" wirb aus Dublin das Fallssse- ment eines großen Fondsmaklers gemeldet. Die Passiva desselben sollen über 200,000 Pfd. sterling betragen. Weitere Fallissements würden befürchtet.

L o k a l e Ä.

. r ^0- Ja uar. sDas Concert vom 29. Januar.) Das vierte Concert

^er .uscnden Saison brachte uns Kammermusik unb war in seinem größten Theile ausgnullt mtt Compostttouen bes Herrn Scholz, Musikdirektor aus Breslau, theils tur Klavier ober Klavier mit Violine theils für Gesang Herr Scholz ist offenbar au§ ^brem Beruf Componist unb ein solcher von eigenartig r Natur. Er giebt durch seine PsObucttonenAnlap zu Beifall, ohne gerabe burch glänzendes und pointiertes Klongwestn detselb n gesteigertes Staunen zu erreg-n Solche Erscheinungen tbun aber barum n-ebt minder roobl Scholz wirkte weniger sprühend electrisirenb als melmeht rnilb galvan'sirenb. Seine Sonite für Violine unb Klavier in A-moll roar tn bem rrften Satze einförmig, wenig packenb, das Andante war eher verschwommen und verlies tm ®enbe ohne merklichen Effect, dagegen gewann er durch den dritten eeherzändo gehaltenen Satz den ungeihe lten Beifall der Hörer, der im Endsatz sich zu lauter . ewuudeiung steigerte. In feinen durchaus originell ausgeführten Klavier­en war fern Entschluß" aus Op. 52 uno derLändler" aus Op. 50 von durch­schlagender Wirkung. Dte Palme des Abends trug Beeth o v en's Trio für Piano, Violine und Violincello in Es-dur davon. An der ged egenen Aus^ füyrung desselben nahm, neben Scholz, unser wohlbekannter H?r? Heer- mann imd Müller hervorragenden Antheil. Herr Heermann hat außer-

m 0 rasatesMelodie arabe und in bem anbern Violinstück des spant' scheu Virtuosen e8 offenbar diesem vortrefflich abgesehen und abgelauscht; sonst hätte