in unserer Zeit auf kirchlichem Gebiete von hervorragender Bedeutung ist und dies immer mehr wird. Es i(t das kirchliche V-remswesen zur Ausübung christlicher Menschenliebe. Von jeh-r haben ja Christen christliche Liebe in Gemeinschalt geübt und es sind in dieser Hinsicht kirchliche Vereine zu genanniem Zweck keine u -ue Erscheinung Als neu erscheinen uns aber diese Vereine unserer Tage in der Allgemeinheit ihrer Verdreitung und der Großariigk it ihrer Leistungen. Nach diesen Serien hm ist das bezeichnete Vereinswesen kaum cm Halo Jahrhundert alt und gerade in dem verflossenen halben Jahrhundert ist dasselbe eine der ersreulichsten Thaisachen inmitten der evangelischen Chrliienhrlt Von Aeinden ist die evangelische Küche in dieser Zeit so oftmals als im Verfall begriffen, ja als tobt gesagt worden — jene Vereine zeigen, daß in ihr noch Ströme achter Liebe fließen, daß in ihr noch reicher Glaube mächiig ist, aus dem die Liede kommt. Wo sich aber Glaube und Liebe findet da ist noch religiöses Leden, und eine Kirche, die solches Leben auiweisen kann, ist noch Nicht erstorben, sondern lebt uno darf die Hoffnung hegen, baß auch bessere unb größere Lebenskräfte sie durch- brmgen werben. Von Freunbeu roiib oft über beir Rückgang aller kirchlichen unb religio,en Dinge geklagt — jene Vereine khuu aber kunb, bas auch noch Fortschritt auf oem Gebiete der Kirche ist unb zwar Fortschritt gerade in der Lösung einer der höchsten kirchlichen Ausgaben, nämlich der, die Herzen zu gewinnen für jene Liebe, von welcher der Herr sagt: „Daran wird Jedermann erkennen, daß Ihr meine Jünger seid, so Ihr Liebe unter einander habet", unb bann durch solche gläubige Liebe Werke zu schaffen, die Gott gefallen und den Brüdern Segen bringen. Es ist begreiflich, daß die Organe der Kirche jener reichen und segensreichen Vereinswirksamkeit nicht kalt unb iheilnahmloS zur Seite stehen können. Es erscheint vielmehr als ihre Pflicht, biesetoe in allen Stücken zu fßrbern. Von ben Vereinen christlicher Liebe aber ist zu erwarten, baß sie sich ber Kirche unb ihren Organen innig anschließen. Dieser Anschluß wirb sie vor Eirrjelligkeit bewahren und sie behüten, daß sie Wege betreten, welche von ber Kirche abführen, in subjeetives Belieben, Zersplitterung ber Kräfte unb fruchtloses Thun. Zn unserer Lanbcskirche finb es nun vornehmlich brei Arten von Vereinen, welche an Ausbreitung und segensreichem Wirken hervorragen: Die Gustav-Abolf- Vereme, oie Vereine für Heibenmisston unb biejenigen für bre sogenannte innere Mission Der Gustav-Abolf-Derern ist ber älteste unb verbreitetste jener Vereine im Laube. Mit Recht ist er „ber Liebling bes beutschen evangelischen Volkes" genannt worben. Er hat sich am innigsten auch unserer Lanbeskirche angeschlosien unb wir wünschen und forbern ernstlich daß er von allen Geistlichen unb in allen Gemeinben aus's treulich ne gepflegt werben Leiber aber müssen wir bie Erfahrung machen, baß solches in neuerer Zen nicht überall geschieht. Die Einnahmen unseres Lanbesoercins finb barum oer- minbert und es ist Befürchtung vorhanben, baß fein so nothwenbiges Wirken mcht in früherer Kraft aufrecht erhalten werben kann, zum Nachthell gar mancher bebürftigen Gemcinbe im In- unb Arrslanbe. Wir werben beßhalb unser stetes Augenmerk uuf bie Förderung bieses Vereins richten. Bezüglich ber Vereine für Heibenmissian beklagen wir eine gewisse Zersplitterung der Kräfte, zum Theil hervorgerusen durch ine kirchliche Richtung einzelner Geistlichen. Vorthellhaster wäre es, wenn ein Verein mit gesammter Kiast unterstützt würde, statt baß breien oder vieren spärlichere Gaben dargereicht werde. Wir haben deßhald einen ber größten unb wirkungsreichsten ber oeutsch-evangelischen Missionsvereine schon seit lange zur Unternützung kirchlich empfohlen — die Baseler Missionsgesellschaft. Wir wünschen, daß diese Empfehlung fortwährend die gebührende Beachtung finde. Nur Einigkeit macht stark und wahrhaft kirchliches Handeln ist stets auch gemeinschaftliches Thun. Die Vereine für die so genannte innere Mission sind sehr mannigfaltiger Art. Sie haben aber in dem Theile des deutschen Vaterlandes, welchem unsere Landeskirche angehört, ein n gemeinschaftlichen Mittelpunkt in der „südwestdeutschen Conferenz für innere Mission". Die Com serenz sei Ihnen und Ihren Gemeinden deßhald zum Anschluß ernpwhlen. Sie werden m derselben Rath, Unterweisung und Kräftigung finden. Weder non Ihnen noch von Ihren Gemeinden ist zu viel begehrt, wenn wir thatkrästige Unterstützung der genannten drei Vereine wünschen. Die irdischen Mittel sind gewiß überall vorhanden und auch das Scherflein der Wittwen wird Gott segnen. Sie aber arbeiten nur in dem Berufe, zu dem Sie der Herr beiufen hat, wenn Sie auch in Bezug auf die christlichen Vereine bet Barmherzigkeit ihre Schuldigkeit thun. Wir schließen mit dem herilichen Wunsche, der Herr möge alle Ihre Werke icgnen aus der Fülle seiner Gnade und Sie reichlich Frucht aus denselben gemeßen lassen, Ihnen zur Freude und Ihren Gemeinden zum Segen!
Unter den kirchlichen Nachrichten bemerken wir: Im Februar und im August bestanden je 2 Candidaten die Definitorialprüfung. Aus dem Predigerseminar,zu Friedberg wurden im Frühjahre 2 unb im Herbst 2 Sanbibaten entlassen Arn 12. unb 13. Juli feierte der Hauptoerein der Gustav-Adolf-Stiftung sein achtunddreißigftes Jahr essest zu Lich. Zur Verwendung kam für das Inland die Summe von 9254 X.
Superintendentur Gießen. Die Definitorialprüfung bestand Candidat Heinrich Nies von Gießen. Ordinirt wurden die Eandidaien Christoph Wegfahrt in Usenborn und Heinrich Nies in Langsdorf. Als Pfarroerwalter und Piarrvicore wurden benelli: Adolph für Watzenborn und Leihgestern, Heintze für Lißberg, später auch für Schwickarts - hausen, Wegsahrt für Usenborn und Gelnhar, Heumann für Lindheim, Nies für Langsdorf, Wallbrecht für Frischborn, Pfarrer Sell für Beienheim bei Weckeshftm. Definitiv besetzt wurden: Bernsburg mit Weber, Lißberg mit Heintze II., Wenings mit Wissig, Staden mit Weber, Ober-Roßbach 1 mit Münch, Allendorf a. d. Lda. mit Heberer, Alt-Buseck mit Seriba, Wallenrod mit Heintze I, Burkhards mit Frank. Versetz! wurden: Eisenmenger von Lehrbach nach Neu-Isenburg, Schüler von Hitzkirchen nach Eberstadt, Schnabel von Langsdorf nach Gundernhausen, Heß von Hartershausen nach Crumstadt, Papst von Bobenhausen nach Fürfeld. Erledigt sind: Die Pfarreien Allendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Beuern, Bnfenborn, Bobenhausen II, Dortelweil, Echzell, Eimenrvd, Eschenrod, Freiensteinau, Frischborn, Gedern II, Gelnhar, Groß- Felda. Groß-Eichen, Gonterskirchen, Herbstein, Heuchelheim, Hain-Gründau, Hartershausen, Hitzkirchen. Hopsmannsfelb. Kirtorf (auch bas Diaconat), Leihgestern, Lardenbach, Lehrbuch, Langsdorf, Münzenberg I, Melbach, Oberau, Ober-Seemen, Rodenbaw, Schwickartshausen, Stumpertenrod, Udenhausen, Usenborn, Volkartshain, Wahlen, Watzenborn, Willofs. Eingeweiht wurde die neu restaurirte Kirche in Kirch-Göns: der Grundstein zur neuen Kirche in Herbstein wurde im Juni gelegt. Die Decanats- spnoden wurden gehalten: Im Decanat Gießen am 21. September, Alsfeld am 12. October, Büdingen 5. October, Friedberg 11. Ottober, Grünberg 12. September, Hungen 25. August, Lauterbach 24 August, Nidda 27. September, Rodheim 5. October, Schotten 28. August.
Kirchliche Feste wurden gefeiert: ». des Gustav-Adolf-Vereins in Hain-Gründau, Bruchenbrücken, Klein-Linden, Kirch Göns, Grünberg, Ober-Bessingen, Nieder-Gmünden, Lich, Landenhaus>n, Wallenhausen, Nieder-Eichbach, Sellnrod; b. ber Mission: In Ortenberg, Annerob, Arnsburg, Dorf Güll, Crainfelb, Uetzhausen, Gießen. Sebans- seier- und Syloestergottesgienste warben in oerschiebenen Gemeinden gehalten. Kirchen- Visitationen sanben statt: Zn Allenborf a- b. Lba., Alt-Buseck, Beienheim, Bellersheim, Billertshausen, Breungeshain, Bübingen mft Rinderbügen, Dauernbeim, Eber- ftabt, Echzell, Ehringshausen, Freienseen, Freiensteinau, Glauberg, Gonterskirchen mit Einaitsbausen, Grebenau, Herrnhag, Heuchelheim, Hirzenhain, Hopfmannsfeld, Kaichen mit Heldenbergen, Kirch Göns, Klein-Karben, Leidhecken. Lich, Lindheim, Lißberg, Maar mit Wernges, Maulbach, Merlau mit Flensungen, Mittel-Seemen, Münster bei Friedberg, Nieber Bessingen, Nieder-Ohmen mit Atzenhain und Bernsskld, Okarben, Petterweil, Queck, Reiskirchen mit Burkhardsfelden, Rendel, Selters, Södel, Steinfuri, Udenhausen, Ulfa, Uf.nborn, Wallenrod. Wenings unb Winnerob. Decanatsvisitationen würben gehalten in den Decanaten Büdingen und Rodheim.
Berlin, 27. März. Als Abgabe für die Verwendung von Tabak- Surrogaten wurden in Deutschland von der Ernte pro 1880/81 bezahlt 15,365 Jl., und zwar für 6 Doppel-Centner Weichselkirschblätter, 64 Doppel- Centner gewöhnliche Kirschblätter, 115 Doppel-Centner Meliothenblüthe (Steinklee) und 49 Doppel-Centner eingesalzene Rosenblätter.
Krankreich.
Paris, 27. März. Deputirtenkammer. Der Bischof Freppel inter- pellirte die Regierung wegen der Ausweisung der Benedietiner aus der Abtei Solesmes und warf derselben Willkür vor. Der Minister des Innern erwiderte, die Regierung habe nur das betr. Gesetz ausführen lasten; die Rückkehr zer Benedietiner nach Solesmes sei eine Herausforderung gewesen, welche nicht
hätte geduldet werden können. Die Kammer nahm schließlich mit 418 gegen 73 Stimmen eine Tagesordnung an, durch welche die von der Regierung behufs Anwendung der Märzdekrete ergriffenen Maßregeln gebilligt werden. — Unter den Arbeitern der Eisengießereien in St. Etienne ist heute Vormittag ein Strike ausgebrochen. _____________
Telegraphische Depeschen.
Woiff's telegr. Corresponben,-Bureau.
Berlin, 28. März. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in sechsstündiger, meist aber aus die bereits bei der zweiten Lesung erörterten Fragen zurückgreifender Diseuffion den Etat und das Etatsgefetz in dritter Lesung unverändert und definitiv nach den Beschlüssen zweiter Lesung, ebenso auch die Novelle zum Pensionsgesetz.
Karlsruhe, 28. März. Die in jüngster Zeit von verschiedenen Preß- Organen besprochenen Gerüchte über Differenzen zwischen dem Erbgroßherzog und dein eommandirenden General des XIV. Armee-Corps, v. Obernitz, werden der „Karlsr. Ztg." von bestunterrichteter Seite als völlig grundlos bezeichnet.
Paris, 28. März. Die Deputirtenkammer genehmigte den von der Regierung verlangten Kredit von 8 Millionen zur Deckung der Kosten der tunesischen Expedition für das zweite Quartal 1882 mit 376 gegen 71 Stimmen. Der Ministerpräsident Freyeinet erklärte, daß die Zustände in Tunis gegenwärtig so gute seien, als man nach so kurzer Zeit nur habe erwarten können. Der Effeetivbestand der Truppen werde demnächst auf 30,000 Mann rcdueirt werden. Die Lage bessere sich mit jedem Tage und die Schwierigkeiten, welche noch beständen, feien im Abnehmen begriffen. — Der Gesetzentwurf betr. die Aufhebung des Verbots der Einfuhr amerikanischen gesalzenen Fleisches, wurde mit einem Amendement angenommen, durch welches der Minister ermächtigt wird, den von ihm als geeignet erachteten Modus der Untersuchung des Fleisches anzuordnen.
Der Senat begann heute die Berathung des italienisch-französischen Handelsvertrages und wird dieselbe am Donnerstag fortsetzen.
Palermo, 28. März. Garibaldi traf heute früh hier ein und wurde von einer großen Menschenmenge empfangen. Die Ruhe wurde in keiner Weffe gestört. Der General wurde nach einer in der Nähe der Stadt gelegenen Villa geleitet, von deren Balkon aus der Maire im Namen des Generals der Bevölkerung dankte.
Petersburgs 28. März. Nach einer Meldung des „St. Petersburger Herold" aus Kiew ift daselbst verfügt worden, daß die jüdischen Einwohner ihre im Podol, dem Geschäftsbezirke, belegenen Wohnsitze aufzugeben und sich jenseits des Kanals in die Vorstadt zurückzuziehen haben. Ferner dürfen jüdische Dienstboten, wenn sie nicht berechtigt sind, in Kiew zu wohnen, nicht länger bei ihrer Herrschaft und in der Stadt bleiben. Die jüdische Bevölkerung muß sich verpflichten, ihre christlichen Dienstboten zu entlassen.
Lokales.
Gießen, 27. März. sSterblichkcit in Gießen.) Die Todesfälle 'in Gießen erreichten in ber Zeit vom 19. bis 25. März micber bie bedeutende Höhe von 14 und entfiel davon der größte Jiheil auch diesmal wieder auf Kinder, von denen 8 starben. Diphtherie veranlaßte 6 eterbfäüe, davon 4 bei Kindern, welche bie Schule noch nicht besuchten unb unter denen sich 2 Geschwister aus einer Familie befanden unb 2 bei Schülerinnen über 8 Jahren. Eine birecte Uebertragung aus einer der betroffenen Familien in eine andere ließ sich diesmal nicht Nachweisen. Außerdem starb ein noch nicht schulpflichtiges Kind an einer Nachkrankheit des Scharlachs und ein Kind im ersten Lebensjahre an Krampfen. Bei Erwachsenen ereigneten sich 6 Sterbefälle unb mürbe hier Lungenschwinbsucht 3mal, Altersschwäche, Gehirnerweichung, organische Herzkrankheit je einmal als Todesursache bezeichnet. ' G.
— Gestern Nachmittag traf ein Korbmacher feine ihm fortgelaufene Frau in ber Ostanlage babier; es entspann sich zwischen Beiben ein heftiger Wortwechsel, wobei bte gemeinsten Rebmsurien fielen. Da ber Mann schließlich mit bem offenen Messer auf feine Frau losging, mußte er, um bie Ruhe herzustellen, verhaftet werben.
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Mainz, 26 März. ^Verhütetes Unglück. — Selbstmvrb eines Soldaten.) Wie durch ein Wunder ist gestern Nachmittag h er in der Rheinstraße ein schrecklicher Unglücksfall verhütet worden In oem Augenblicke, als bte Barriere am sogenannten ©ifernen Thor geöffnet war und eine große Menge Leute ben llebergang passiven wollte, raste von ber anbern Seite ber Schnellzug, von Bingen fommenb, baher. Nur ber Geistesgegenwart bes zufällig an bem llebergang anmefenben Herrn Polizei-Com- missärs Eckes, ber bie brohende Catastrophc voraussah unb mit Aufbietung aller Kräfte bie vorwärts strebenden Menschen zurückbrängte unb baburd), bas ber Zugführer bes Schnellzugs, ber ein Unglück vor Augen sah, Nothsignale mit der Dampfpfeife gab, ist es zu hänfen, baß Niemanb verunglückte. Wie cs kam, daß bie Barriere geöffnet worben war, ist noch nicht ermittelt, doch wirb es hoffentlich bie bereits em- g'leitete Untersuchung klarstellen. — In bem Mlliiär-Arrestlocal erhängte sich heute Nacht ein Sergeant von ber 4. Compagnie bes 3. Großh. Hess. Infanterie Regiments Nr. 117. Ursache unbekannt.
— [@in iselbftmoro auf ber Pariser Venbbme-Säule.) Man schreibt uns aus Poris: Etn grausiges Ereigniß füll te gestern Nachmittag die Menge jzu Tausenden nach bem Venbömeplatz. Um 4 Uhr hatte ein Besucher bte Balustrade ber Plattform dicht unter ber Statue Napoleons I. erfaßt und hatte fick kopfüber hinuntergestürzt. Der Selbstmörder schlug, bevor er zur Erbe gelangte, auf einem ber vier Abler des Piebestals auf unb blieb gerade auf ben Stufen vor ber Eingangsthür des Denkmals liegen. Der Leichnam, eine formlose Masse von Fleisch unb Knochen, bot einen entsetzlichen Anblick, ber Kops war gespalten, bie unteren Extremitäten buchstäblich zerstückelt. Eine Same, welche mit ihrem (Hatten gerade im Augenblicke ber Catastrophe ben Platz passirte, brach ohnmächtig zusammen. Der Wächter des Denkmals glaubte einen schweren Gegenstanb durch die Luft sausen zu hören unb trat inUmctiv zur Seite. Er rettete baburd; sein Leben, benn ber Leichnam hätte ihn anbernsalls gerabe auf ben Kopf getroffen. Als bereits ber Leichenwagen bie Ueberrefte bes Selbstmörders nach ber Morgue geführt hatte, brängte sich noch immer eine große Menge um den Schauplatz ber furchtbaren Thot. Ein Bebiensteter ber städtischen Sprengwagen mußte ben Ort von bem iimhergespritzien Blut unb Hirn säubern. Der S-Idstmörber, besten Jbentität bisher noch nicht festzustellen war, soll gut gekleidet gewesen sein. Man fand bet ihm eine golbene Uhr und eine ziemlich bedeutende Summe Gelbes. Darnach scheint also Nahrungssorge nicht bas Motiv seiner Seat gewesen zu sein. Der Selbst- mörber ist wahrscheinlich bereits als Leiche auf bas Pflaster aufgeschlagen, ba ber starke Lustbruck ihn währenb bes Sprunges gelobtet haben bürste. Innerhalb vier Monaten ist bies bereits ber zweite burch einen Sturz von ber Venböme Säule herbei- gesührte Selbstmord! ’ (Fr. I)
— [SaS Alter des Adelspräbikats „von".) In seinem heralbisch-genealogischen Werke über Lucas Kranach den Aelteren, dessen von Kurfürst Friedrich dem Weisen 1508 verliehenes Wappen nebst Wappcitbries darin mitgetheilt wird, erörtert der bekannte Heraldiker Fr. Warnecke auch die Frage, in welcher Zeit die deutschen Adelsfamilien begonnen haben, ihren Namen als Adelsprädikat das Wörtchen „von" vorzufetzen. Im ganzen 16. Jahrhundert waren diese drei Buchstaben noch nicht zur Bezeichnung des Adels üblich. In allen Abeisdiplomen des 16. Jahrhunderts findet man nicht ein einziges Mal das Beiwort „von" verliehen. Noch in einem Adelsbriefe des Kaisers Matthias vom 18. August 1614 für Balthasar New, brandenburgischen Geheimen Rath, findet sich das „von" nicht, ebenso wenig in einem Adelsbriefe Kaiser Ferdinand II.


