Ausgabe 
29.10.1882 Zweites Blatt
 
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bfint lasse mir uf jar nischt in un von wejen die Unterschlagung, da müssen Seücb schon Jemand anders aussuchen - (mit starker Betonung und lebhaften Kesten? - die Lehmann hat'n Jewerbeschein - die Lehmann macht ooch de Polizei ^en ? forn U - Präs.: Sie bestreiten also, zehn Mark empfangen zu haben. - S ^Wenn's nu eenmal zujejeben werden soll, jeden Sic's doch zu Herr Richter, tcF weiae'remckjauzÄ - Die Aussage des Beschädigten fällt entschieden zu Ungunsten der Angeklagten aus und der Staatsanwalt beantragt gegen die Angeklagte eine Geldstrafe von 20 Mark eventuell ,mer Tage Gesangn ß- Ang. (zum S a a^- anwalt gewendet): Wat, ick soll 20 Mark zahlen und 4 Tage nach Perleberg?! Se sind woll nich von hier, Herr Staatsanwalt Ick iche nach de Lmdenstraße int ^nmmpriertcbt UN wenn de janze Jefetzjebung umjeandert werden soll I Der Gerichtshof tndeß hält den Thatbestand nicht für vollständig erwiesen und couragirte Angeklagte von Strafe und Kosten frei.Nu, det meen ick ooch . (Zum Ktaotsanwalt gewendet): Sehn Se. Herr Staatsanwalt, von die Herren konn Se wat lerTw »in« M&t" Mit dieser Bemerkung endet die Sache.

- fein fideles Gefängn'ß l DerBoh." wird folgender merkwürdige Vorfall aus Triest geschrieben- Kurz nach dem Bomben-Attentate vom 2. August d.I. wurden der^ in voltti cher Be'ziehung höchst anrüchige städtische Turnlehrer Drachichw. der städtische Verzehrungssteuerbeamte Donnaggio und der Fleischhauer Moretti von der Polizeibehörde unter der Anschuldigung eines politischen Verbrechens verhaftet, dem k k Landesgerichte eingeliefert imb von diesem wegen Mangels an Raum in den eigenen Localitäten einstweilen in den städtischen Arresten in Verwahrung beha len. Gleich­zeitig hatte die städtische Arrestverwaltung den schriftlichen Auftrag erhalten, die drei genannten Individuen streng separat zu halten und jeden Contact zwischen chnen zu verhindern, da ein solcher den Verlauf des Prozesses praMiciren konnte. Wie es nun kam. ist nicht genauer bekannt Thatsache aber ist es, daß am vorigen Freitag, Abends aeaen 10 Uhr plötzlich eine polizeiliche Commission m den städtischen Arresten erschien und direct die Canzlei des Oberkerkermeisters Alois Calligaris betrat, wo sich ihr ein merkwürdiger Anblick darbot! Die streng separirt zu haltenden genannten politischen ^nauistten saßen im größten Neglige in Gesellschaft mit dem Oberkerkermeister und dem Unterkerkermeister Johann Lovrtnich und drei in den nämlichen Arresten in Haft befindlichen Frauenspersonen, von denen zwei gleichfalls wegen politischer DeUctein Untersuchung stehen, an einer reich besetzten Tafel beisammen und unterhielten sich höchst wahrscheinlich auch über ihre Prozesse! Selbstverständlich wurde dem Gelage sofort ein Ende gemacht und die Häftlinge wurden in ihre Zellen abgeführt. Die Angelegenheit wurde sofort von der Statthalterer und vom Landesgerichte indie Hand amommen und nach gepflogenem Einvernehmen mit dem Podesta wurde der k-k- Statt- haltererrath Ritter v- Repa zum kaiserlichen Kommissär für die städtischen Arreste bestimmt. Am 16. d. Mittags aber wurden die Kerkermeister Calligaris und Lovrinlch über gerichtliche Anordnung unter der Anschuldigung des Mißbrauches der Amtsgewatt verhaftet und in die Criminalgefängnisse eingeliefert gleichzeitig

die Leitung der städtischen Arreste einem Jnspector der k. k. Sicherheitswache übergeben. Die Sache macht begreiflicherweise großes Aufsehen im Publikum.

Das Blut als Träger des Krankheitsstoffes.

lieber dieses, für Jeden gewiß das größte Interesse bietende Thema, entnehmen! wir einer Broschüre des berühmten Hospital-Arztes Dr. Liebaut, dem eine sehr erfahrungs-I reiche 40jährige Praxis zur Seite steht, folgendes: -Die meisten Menschen der heutigenI Generation sind nicht mehr wie in früheren Zeiten in dem Vollbesitz ihrer Gesundheit.! Die frühere einfache, dem Körper zuträglichere Lebensweise ist in andere Bahnen! gedrängt; die Genußsucht, Leichtlebigkeit, Ausschweifungen einerseits und der schwere, die Körper^räfte aufs äußerste anspannende Kampf um's Dasein, häufig in Verbindung mit mangelhafter Ernährung andererseits, haben eine Verschlechterung des Blutes ver­ursacht und den Grundstein zu einer ganzen Reihe von Uebeln gelegt, die sich von Generation auf Generation vererben und in progressiv zunehmender Weise äußern Namentlich in der Anlage zu Tuberculose, Scrofeln, Bleichsucht, Gicht und Rheumatis­mus, Gehirnleiden, Epilepsie, Syphilis, Flechten, Hautkrankheiten machen sich diese Ueberlieferungen vorausgegangener Generationen bemerkbar.

Sehr verschieden ist die Zeit, in welcher sich das eine oder das andere dieser Leiden bei den Menschen entwickelt, ja es sind Fälle constatirt. in welchen der Krank heitskeim in einer Generation überhaupt nicht zum Ausbruch kam, um desto heftiger aber die Nachkommen Heimzusuchen. Die Anlage zu den vorher namhaft gemachter Erkrankungen lassen sich in der Regel durch folgende Erscheinungen feststellen: Flach Brust, schnelles Wachsthum, Andrang des Blutes nach Kopf und Brust, öfteres Nasen bluten, Verdauungsstörungen verbunden mit Magenbeschwerden, Verstopfung, Urrn beschwerden, Neigung zur Erkältung (Husten, Catarrh, Hals- und Lungenleiden rc.) häufige Ermattung, Rückenschmerzen, saures Ausstößen, häufiges Herzklopfen, gel! angehauchtes Auae, Kopfschmerzen, Bleichsucht, Blutarmuth, Abmagerung, belegt! Zunge, Schmerz m der Leber- und Magengegend, Hämorrhoidalleiden, gereiztes Wesen, Angst und Beklommenheit rc. tr. . < e .

Alle diese Symptome, sofern sie anhaltend find oder regelmäßig wiederkehren, lassen aut eine krankhafte Anlage und Blutbildung im Organismus schließen. Sehr häufig finden derartige Erscheinungen keine Beachtung und erst roenn J)er unaufhaltsam sich weiter entwickelnde Keim zu einer bestimmten Krankheit sich ausprägt, dem Menschen qualvolle Stunden, jahrelanges Siechthum rc. bereitet hat, dann erst sucht man na« Hülfe und häufig zuspät". Aus diesen Gründen sollte die vorbeugende Behand­lung, sobald sich Erscheinungen, wie die beschriebenen, einstellen, ohne allen Verzug in Anwendung kommen, denn in sehr vielen Fällen wird die auf rechtzeitige Aufbesserung der Beschaffenheit des Blutes abzielende rationelle Behandlung den Krankheitskeim zerstören und eine völlige Gesundung zur Folge haben. , * ,

Dr. Liebaut hat mit seiner Broschüre über dieRegenerationskur' ein großes Humanitätswerk vollbracht, indem er die Erfahrungen und Erfolge seiner lang­jährigen Thätigkeit als Chefarzt eines bedeutendeii Hospitals in derselben mederlegtc und so jedem Leidenden Gelegenheit gibt, sich auf rasche und sichere Weise von seiner liebel zu befreien. Der Preis dieser hochinteressanten lehrreichen Broschüre ist 50 j und wird dieselbe gegen diesen Betrag (in Briefmarken) von der Er ras schen Buch Handlung in Frankfurt a. M. versendet-

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

Die Realschulgelder pro II. Quartal 1S82|83 Juli, August, September können in den nächsten 8 Tagen noch ohne Holten an den Zahltagen: Dienstag, Donnerstag nnd Samstag zur hiesigen Kaste

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bezahlt werden.

Gießen, den 26. Oktober 1882. -

Der Realschulkafferechner: Enders, Stadtrentmeister.

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