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Dienstag den 29. August

1882,

Nr. 200

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Bureau r Schulstraße B. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringcrloh'u Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf.

Deutschland.

Darmstadt, 26. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 17 enthält:

Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, betr. die Versetzung des Sicherheitsdienstes im Großherzogthum durch das Großh. Gensd'armerie-Corps. Dieselbe lautet:

Des Großherzogs Königl. Hoheit haben Allergnädigst zu befehlen geruht, daß mit Wirkung vom 1. October l. Js. an der § 11 des Dienstreglements für das Großh. Gensd'armerie-Corps vom 8. Mai 1880, publicirt durch tue Bekanntmachung des unterzeichneten Ministeriums voin 14. dRai 1880, Regier.- Blatt Seite 95, abzuändern ist und folgende Fassung zu erhalten hat:

Nach mehrjährigem ausgezeichnetem Dienst im Gensd'armerie-Corps kann der Gensd'arm nach Acaßgabe der nachstehenden Bestimmungen den Civilversorgungs-Schein erhalten, durch welchen er einen vorzugsmeisen Anspruch auf Anstellung in den betr. Stellen des Civildienstes erwirbt.

Der Civilversorgungs-Schein kann solchen GenSd'armen ertheilt werden, welche als ehemalige Unterofficiere nach mindestens neunjährigem activem Dienst im Heere oder in der Marine in das Gensd'armerie-Corps einge­treten und hier als Invaliden ausgefchieden sind oder unter Einrechnung der im Heere oder in der Marine zugebrachten Dienstzeit eine gefammte active Dienstzeit von 12 Jahren zurückgelegt haben. Derselbe hat Gültig­keit für den Reichsdienst urw den Civildienst des Großherzogthums.

Sind in Ermangelung geeigneter Unterofficiere von mindestens neun­jähriger activer Militärdienstzeit auf Grund des §6 des Dienstreglements Unterofficiere von geringerer, aber mindestens sechsjähriger activer Mililär- dienstzeit in das Gensd'armerie-Corps ausgenommen worden, so darf den­selben der Civilversorgungs-Schein verliehen werden, wenn sie entweder eine gefammte active Dienstzeit von 15 Jahren zurückgelegt haben oder nach ihrem Uebertritt in die Gens'darmerie durch Dienstbeschädigung oder nach einer gesammten activen Dienstzeit von 8 Jahren invalide gewor­den sind. Dieser Schein hat nur Gültigkeit für den Civildienst des Großherzogthums.

Wird dem GenSd'armen eine Civildienststelle übertragen, dann erfolgt Entlassung durch den Commandeur des Gensd'armerie-Corps."

Der hier versammelte Vereinstag der deutschen Erwerbs- und Wirth- schafts-Genossenschaften beschloß aus den Antrag von Schulze-Delitzsch in Bezug auf die bevorstehende Revision des Genossenschafts-Gesetzes zu erklären, daß das Princip, wonach sämmtliche Rechtsverhältnisse der Genossenschaften, ausschließlich der Cognition der Gerichte überwiesen sind, aufrecht erhalten werden müsse und daß jeder Versuch, das dahin Einschlagende einer Controle durch administrative staatliche oder communale Behörden zu unterwerfen, als im Widerspruch mit dem Wesen und mit den Aufgaben der Genossenschaften auf das Entschiedenste zu bekämpfen sei. Als Versannnlungsort für den nächsten Vereinstag wurde Halberstadt bestimmt.

Berlin, 26. August. DerReichs-Anz." veröffentlicht eine aus Babels­berg vom 24. ds. datirte königliche Verordnung auf Grund des Artikels 63 der Verfassung, betr. die Vertretung des Lauenburgischen Landescommunal- Verbandes.

Hinsichtlich der Frage, betr. die Unificirung der deutschen Postwerth- Zeichen, erscheint es nicht ohne Bedeutung, daß bei der letzten, im Frühjahre dieses Jahres abgehaltenen, höheren Postdienstprüfung im Königreich Württem­berg den Candidaten u. A. folgende Ausgabe zur schriftlichen Bearbeitung gestellt worden war:

Wäre die Einführung einheitlicher Postwerthzeichen für das ganze deutsche Reich in der Weise möglich, daß jeder der drei deutschen Postverwaltungen die ihrem Verkehr und den bestehenden Portobezugs-Verhältnissen entsprechenden Ein­nahmen verbleiben würden, und daß dabei die für das Publikum zu erhoffenden Vortheile im richtigen Verhältniß zu der mit den erforderlichen Vorkehrungen verknüpften Geschäftslast für die Organe der Post ständen?

Candidat hat je nach seiner Auffassung entweder die der Ausführbar­keit der Maßregel entgegensiehenden Gründe, oder, wenn er die Einrichtung unter den bezeichneten Voraussetzungen für durchführbar hält, die Momente, welche behufs genauer Feststellung der jeder der drei deutschen Postverwaltungen, insbesondere der württembergiichen, zustehenden Einnahmen berücksichtigt werden müssen, möglichst vollständig, wenn auch georängt, zum Ausdruck zu bringen."

Aranüreich.

Paris, 26. August. DieAgence Havas" erwähnt unter allem Vor­behalt eines ihr aus Alexandrien gemeldeten Gerüchtes, daß die englische Avant­garde Kairo besetzt und eine Anzahl Gefangene gemacht habe. Die Nachricht scheint mindestens verfrüht zu fein.

England.

London, 26. August. Wolseley telegraphirt aus Jsmailia, Abends 10 Uhr, daß er neuerdings mit der ersten Division, einer ganzen Kavallerie- Brigade und 16 Kanonen vorrückte. Die Egypter hatten ihre Position bei Mahuta stark verschanzt und noch 10,000 Mann Verstärkung herangezogen. Englischerseits standen ihnen nur 1500 Mann den ganzen Tag gegenüber und

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zwar erfolgreich. Wolseley befahl dem General Lowe, mit Kavallerie und Artillerie die Egypter im Rücken anzugreifen. Lowe führte dies sehr geschickt aus. Die britischen Truppen schlugen den Feind in die Flucht und brachten ihm empfindliche Verluste bei; sie erbeuteten das große Lager bei dem Bahnhofe Mahsamet mit 5 Krupp'schen Kanonen, Munition, Gewehren und 75 Eisen­bahn-Waggons mit Proviant. Wolseley erklärt, er sei so sehr von dem Aus­gange des Zusammenstoßes befriedigt, daß er bereits morgen den Weitermarsch antrete, um die Schleuße bei Kassasin am Süßwasserkanal zu besetzen, da die'e Position den Weg der Truppen durch die Wüste zwischen Jsmailia und Dette sicherstelle. Er erwarte, bevor er nach Zagazig gelange, keinen ernsthaften An­griff der Egypter mehr, welche durch die heutige Niederlage höchst entmuthigt erschienen. Wolseley giebt die gestrigen Verluste der Briten auf 6 Todte und 12 Verwundete an. Die heutigen Verluste sind noch unbekannt, aber nicht bedeutend. Seymour stellte auf dem Süßwasserkanal den Schiffsverkehr her, um die Truppen zu verproviantiren.

Gerüchtweise verlautet, Wolseley habe um einen Truppennachschub ersucht. Die Regierung lehnte, nachdem sie mit dem Khedive correspondirt hatte, das Anerbieten des Prinzen Ibrahim, den Feldzug in Egypten in der britischen Armee mitzumachen, ab. Der Erzbischof 'von Canterbury ist an einer Lungen-Congestion schwer erkrankt.

Melgien.

Antwerpen, 25. August. In der Nähe der Bassins ist eine große Feuersbrunst ausgebrochen, welche Nachts 11 Uhr noch sortdauert, mehrere Korn­magazine, Holz- und Kohlenspeicher bereits eingeäschert hat und die Petroleum- Magazine bedroht. Der Schaden ist erheblich.

Kußtand.

Petersburg, 26. August. Gestern Abend 10 Uhr 30 Min. entgleiste aus der Nikolaibahn zwischen den Stationen Klin und Reschetnikowo der aus Moskau kommende Kurierzug, wobei 8 Personen verwundet, zwei Wagen zer- trür^nert und drei beschädigt wurden. Die Katastrophe ist dem Vernehmen nach durch faule Schwellen verursacht worden. Die Passagiere wurden durch einen Eilzuq weiterbefördert. f

Aus Moskau wird denBerl. Polst. Nachr." geschrieben: Die fieberhafte Thätigkest der Polizei, die nun schon seit Monaten hier andauert, hat ohne Zweifel den Erfolg gehabt, daß die große Beängstigung, welche sich der Gemüther seit dein Tage, da die ersten Vorbereitungen für die Krönung des Czaren begonnen haben, be­mächtigt hatte, im Weichen begriffen ist. Die Dinge lagen allerdings hier im Argen und seit der -Zeit, da die Moskauer Alexander II. das Anerbieten gemacht, die Haupt- und Residenzstadt Moskau wieder zum ständigen Aufenhalt zu nehmen, weil er dort inmitten der Altrussen vollständig sicher gegen nihilistische Anschläge sei, ist die revo­lutionäre Propaganda hier rasch vorwärts gekommen. Die Polizei hat mehrere glück­liche Entdeckungen gemacht, die ihr einige Hauptakteure der Nihilisten tn die Hande lieferten. Die allergrößte Aufmerksamkeit wird nach wie vor dem Kremel zugewandt: dort wird Alles umgegraben, der Boden durchwühlt und es sollte schier unmöglich scheinen, daß auch nur etwas Verdächtiges übersehen würde. Minen rc. wurden bis her nicht gefunden, aber andere sehr interessante Entdeckungen wurden gemacht. Bet den Ausgrabungen stieß man auf zahlreiche gemauerte Gänge, von deren Existenz man bisher keine Ahnung hatte, und die von einem Kloster aus nach verschiedenen Thetl-m des Kremel führen. Jahrhunderte scheinen vergangen zu sein, seit ein menschlicher Fuß diese unterirdischen Räume betreten hat, die ihrer ganzen Anlage und Ausdehnung nach nicht selten stumme Zeugen der Justiz eines Iwan des Schrecklichen u. A- gewesen sein mögen. Die Gänge sind weit verzweigt, durch Felsen geführt und das Mauer­werk selbst felsenfest geworden. Die Entdeckung macht natürlich großes Aufsehen und es bedarf wohl nicht erst der Versicherung, daß diese, man möchte fast sagennatürlichen Minen" strenge bewacht werden-

Türkei.

Konstantinopel, 26. August. Dufferin hatte gestern eine Conferenz mit Said Pascha und Affym Pascha. Dufferin erklärte, England gebe den Be­denken des Sultans nach und sei bereit, die Forderung zurückzuziehen, daß jede Bewegung des englischen Commandanten gutgeheißen werde. Der türkische uw der englische Commandant sollten miteinander berathen. Wenn erne turkycher- seits beabsichtigte Bewegung die englische Zustimmung nicht findet, soll es den Türken sreistehen, dieselbe gleichwohl auszuführen. Said Pascha besteht daraus, daß die Landung der Truppen in Alexandrien stattfinde. Zur Combmirung der auszusührenden Operationen sei das unerläßlich.

Konstantinopel, 26. August. ®e0enmaiti0 nnblt..e" wi^iSt&onDention Vorsitze des Sultans statt zur definitiven Beschlußfaffungi über bt

und andere schwebende Fragen- Lord Dufferin^besteht darauf, daß die: türkisen Trugen nur in Rosette, Damiette und Aboukir landen sollen und verweigert auf das Ent­schiedenste die Landung in Alexandrien, Port-Said und L>uez.

Aegypten.

Alexandrien, 26. August. Zuverlässigen Nachrichten aus dem Innern zufolge ist das Anwachsen des Nils hinter dem Stande ,m verflossenen Jahre bedeutend zurückgeblieben, welcher Umstand für dre Ernte ungünst^ ift Tue Kanalgesellschaft stellte die Arbeiten zur Zurustung der Baggerschlffe auf ^der Rhede von Port Said und im Kanal wegen dreckagrgen Fallens des Sutzwaiier- kanals ein Lessevs und sein Sohn reisen am Sonntag ab. Die Oberleitung der Kanaläesellschaft ist Ronville. dem Chef des Transitverkehrs, anvertraut. - Die aeMae enaMche R-cognose rung ergab, daß Gemileh voll arabischer Trup­pen k makaber k?ine Vörden nach Port Said zu ausgestellt hat. Gemileh wird wahrscheinlich demnächst bombardrrt werden. - Die Arbeiter tn

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