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Är Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
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Bureau: Schulstraße 8. 18.
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Deutschland.
«Berlin 24. März. Der Reichskanzler begiebt sich morgen mit seiner Gemahlin und'seinem Sohne Wllhelm nach Friedrichsruh. Er wird etwa 4 Wocken aus dem Lande bleiben und zur Frühjahrs-Session des Reichstags, die iür die zweite Hälfte des April (?), etwa den zwanzigsten, in sichere Aussicht genommen ist, nach Berlin zurückkehren. Heute verabschiedete sich der Kanzler persönlich vom Kronprinzen. Später empfing er den Besuch des Großherzogs □on 2^mar.^ ^iärz. Dre „Köln. Ztg." schreibt: Es ist die Angabe aufqetaucht daß der Reichskanzler ein neues Tabaksteuergesetz ausarbeiten lasse, um es gleichzeitig mit dem Monopol dem Reichstage geivissermaßen zur Auswahl zu unterbreiten. Die Meldung begegnet lebhaften Zweifeln, wenn sie auch an sich nicht gerade unwahrscheinlich ist. Fürst Bismarck soll jedenfalls darauf bestehen, den Monopol-Entwurf noch in diesem Frühjahre dein Reichstage zu mltlll®etltn, 25. März. Fürst Bismarck ist heute Nachmittag 3% Uhr nach Friedrichsruh abgereist.
— Der Kronprinz empfing gestern Nachmittag den Reichstanzter.
— Der „Reichs-Anz." veröffentlicht einen Erlaß oes Kaisers an den Reichskanzler, worin der Kaiser für die rührenden Beweise der Liebe anläßlich seines Geburtstages der Gesammtheit sowohl, wie jeden: Einzelnen seinen innigsten, aufrichtigsten Dank ausspricht. Er habe aus den von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Huldigungen, nachdem er nunmehr in des 86. Lebensjahr eingetreten, von Neuem Muth und Vertrauen gewonnen, um die Pflichten seines verantwortungsvollen Berufs auch ferner auf sich zu nehmen und, solange ihm Gott die Kraft dazu verleihe, seine Fürsorge unausgesetzt der Wohlfahrt und dem Gedeihen des Volkes zu widmen.
— Der Volkswirthschaftsrath genehmigte die ersten 9 Nummern der Unfallversicherungs-Vorlage und zu Nr. 2, betr. die Versicherungspflicht, einen Zusatz, wonach auch die mit Werken verbundenen Schifffahrts- und Eisenbahnbetriebe und land- und forstwirthschaftlichen Betriebe versicherungspflichtig sein sollen. Der Antrag, daß der Reichszuschuß 33>/g pCt. zu betragen habe, wurde mit allen gegen 13 Stimmen angenommen. Staatsminister v. Bötticher schloß hierauf die Session mit dem Dank für den Eifer, den Fleiß und die freimllthigen Vota der Mitglieder. Unter dreifachem Hoch auf den Kaiser trennte sich die Versammlung.
Oesterreich.
Wien, 25. März. Officiell. Auf einer Streifung am 23. ds. über Backopolje, Zivanj und Tresnovica wurden keine Insurgenten vorgefunden. Eine Seiten-Colonne wurde in der Nacht vom 19. zum 20. März bei ihrem Abstiege von Selanj nach Zivanj von Insurgenten angeschossen, wobei die Truppen 1 Todten und 3 Verwundete hatten. In der Umgebung von Bilek tauchten wiederholt Jnsurgentenbanden auf. Dieselben beschießen die Truppen auf große Distanzen und ziehen sich dann in der Richtung auf die Grenze zurück. Im Allgemeinen treten in der Herzegowina zahlreiche kleine Banden auf, welche sichtlich den Truppen überall ausweichen. Größere Ansammlungen scheinen gegenwärtig nirgends stattzufinden.
Arankreich.
Paris, 23. März. Die Wahl der Mitglieder der Budget-Commission hat noch niemals in gleicher Weise wie heute die politischen Parteileidenschaften aufgeregt und das Grövische „Paix" kennzeichnet ihre Bedeutung geradezu dahin, daß ein Sieg der Anhänger Gambetta's die Verleugnung der Abstimmung vom 26. Januar bedeuten würde. Gambetta könnte dann in der Budget- Commission sein Ministerium wieder einrichten und würde vielleicht im Besitz dieser geheimen, unverantwortlichen Gewalt gefährlicher sein, denn als wirklicher und deshalb verantwortlicher Ministerpräsident. Daß Gambetta selbst den Wahlen zur Budget-Commission den größten Werth beilegt, ersieht man aus der Sprache seiner „Republique franyaise", die von Tag zu Tag heftiger auftritt und bald vor Wuth rasen wird. Unter diesen Umständen sah man dem Ergebniß der heutigen Wahlen auch in nicht parlamentarischen Kreisen mit großer Spannung entgegen. Während einige Blätter die Wahl von 30 gemäßigten Republikanern und nur 3 Gambettisten voraussagten, glaubten andere, daß 10 Gambettisten in den Ausschuß eintreten werden. In letzter Stunde verbreitet sich das Gerücht, daß ein Theil der Rechten der ministeriellen Liste seine Stimmen wegen der Austreibung der Benedictiner in Solesmes verweigern wolle. Die Abstimmung hat gelehrt, daß die Mehrheit fest zu Grövy, Frepcinet und Sap steht.
— Die gesummte Presse, mit Ausnahme der Gambettistischen, spricht ihre volle Zufriedenheit Uber die Niederlage Gambetta's bei der Wahl des Budget- Ausschusses aus. Die „Röpublique fran^aise" ist erbitterter als je; sie droht:
Serbien.
Belgrad, 25. März. Eine bulgarische Deputation, an deren Spitze der Kriegsminister Krilow steht, ist hier eingetroffen, um dem Könige zu gratu- liren. Dieselbe hatte heute Audienz und wurde zu einem Galadmer geladen.
Türkei.
Konstantinopel, 24. März. Der russische Botschafter m Nowikow hat an die Pforte das Ersuchen gerichtet, den rumschen Dampfer „Nlschmnow. gorod", welcher unter russischer Kriegsflagge DepMrte nu militärischer Escorte nach der Insel Sachalin transportiren soll, den Bosporus passtren zu laffm. Die Pforte macht unter Berufung aus den Pariser Vertrag Schwierigkeiten während der russische Botschafter auf zahlreiche Pracedenzfalle hinwies. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen-
„Frankreich wird nicht dulden, daß Republikaner mit Hülfe der Reaction andere Republikaner ausschließen; es wird diesen Unfug nicht lange ertragen. Warum die zahlreichste Gruppe der republikanischen Mehrheit beiseite schieben? Die einzige Erklärung ist Haß und Reid, Unfähigkeit, Tücke und Aerger. Mit dieser Politik geht man gesenkten Hauptes gegen eine Stauer und wird daran zerschellen. Man kann auf's Capitol steigen, aber der tarpejische Fels ist nicht weit entfernt."
Paris, 25. März. Die Kammer der Deputaten hat den französisch- belgischen Handelsvertrag genehmigt. Zum Präsidenten der Budget-Commission ist Wilson gewählt worden.
England.
London, 25. März. Wera Sassulitsch und Peter Lavrow veröffentlichen einen Aufruf an das englische Volk um Unterstützung für die russischen Gefangenen, Flüchtlinge und deren Familien. Sie sprechen im Namen einer „Gesellschaft des Volkswillens vom rothen Kreuze", die-sie hier gegründet haben, um den Leidenden zu Hülfe zu kommen. Diese soll keinen politischen Charakter tragen und keinen Krieg gegen die Obrigkeit beginnen; ihr Verhältmß zur Revolutionspartei sei das des Genfer rothen Kreuzes zu den Armeen.
Wußland.
Petersburg, 24. März. Anläßlich des Geburtstages des deutschen Kaisers hat das officielle Rußland sich beeilt, in sehr demonstrativer Weise dem erhabenen Oberhaupte des deutschen Reiches seine Sympathieen entgegenzutragen; es blickte bei diesen lärmenden Kundgebungen deutlich die Absicht durch, all' die Zweideutigkeiten der letzten Wochen vergessen zu machen. und gewisse Berliner Kreise davon zu überzeugen, daß Rußland wieder loyal ist.
— Recht bezeichnend für russische Verhältnisse ist folgender kleine Vorfall. Ein Hamburgischer Unterthan, der Gastwirth Schmidt, stand vor dem Petersburger Friedensrichter Botscharow unter der Anklage, einen Gast beleidigt, d. h. auf die Straße geworfen zu haben. Nach der Verhandlung geruhte der Friedensrichter folgende höhnende Bemerkung zu machen: „Solch ein germanischer Unterthan, solch ein Deutscher will hier in Rußland einen Gast hinauswerfen Der Privatanwalt machte eine bescheidene Bemerkung über die Unzulässigkeit solcher Ausdrücke, wurde aber dafür vom Richter zur Ruhe verwiesen. Dieser Vorfall giebt dem Petersburger „Herold" Anlaß zu folgender Bemerkung: Wie wir erfahren, wird Herr Schmidt der hiesigen deutschen Botschaft eine Beschwerde über diesen Fall vortragen. Sicherlich wird die hiesige deutsche Botschaft der Beschwerde des Herrn Schmidt Folge geben und ebenso gewiß wird unser russischer Justizminister auf Grund dieser Beschwerde diesen netten Richter belehren, daß es seine Aufgabe ist, ohne auf die Nationalität der Parteien 3u sehen, Recht zu sprechen, andernfalls er eben untauglich zu dem hohen Amte eines Richters sei."
Petersburg, 25. März. Der Großfürst und die Großfürstin Wladimir sind gestern nach dem Auslande abgereist. Der „Regier.-Anz. hringt
heute den Wortlaut des Toastes des Kaisers Alexander auf den Kaiser Wllhelm bei dem Galadiner in Gatschina: „Ich tränke auf das Wohl, des deutschen Kaisers, meines besten Freundes und Verbündeten; möge Gott sein Leben noch lange erhalten, zum Segen seiner Untertanen und zur Erhaltung der Ruhe und des Friedens von Europa."
— Den „Nowosti" zufolge ist eine Commission behufs administrativer Organisation vom Turkestan unter dem Vorsitze Skobeleff s creirt.
_ Die Newa ist bei Schlüsselburg von ihrem Ausfluß ab 5 Werst weit eisfrei geworden, die Rheden von Kronstadt sind thellweise eisfrei th-ilweye mit gebrochenem Eise angefüllt. Die Eröffnung der Schifffahrt ist nut Ende
wrfmt Ludwig Jacob Hahn, geboren am 4. Februar 1861 zu Oppenrod, Kreis Gießen, welcher feiner innehabenden Gestellungs-Ordre zum 0 Novencker 1881 bis dato keine Folge leistete, wird hiermit aufgefordert, innerhalb vier Wochen bei dem unterzeichneten Landwehr-Bezirks-Commando sich zu ^stellen midriaensalls das Desertionsverfahren gegen ihn eingeleitet werden wird. . a . .. ,
Mimen, wumgensaus ' . ' Königliches Bezirks-Commando
Heidelberg, -- i ■ 2. Bataillons (Heidelberg) 2. Badischen Landwehr-Regiments Nr. 110.


