Ausgabe 
27.8.1882 Erstes Blatt
 
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-rr. 199» Erstes Blatt. Sonntag den 27. August 1882*

Mehener Anzeiger

Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

: Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontagS.

PreiK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hhei 5.

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem St. Rochus-Verein zu Dieburg gestattet, zur Vermehrung der Mittel, welche zu der Errichtung einer für Kranke aller Confessionen bestimmten Heilanstalt bereits angesammelt sind, verschiedene Gegenstände im Werthe von 6423 zu verloosen und die Loose im Großherzogthum zu vertreiben. Es dürfen 20000 Loose ä 50 ausgegeben werden.

Gießen, am 26. August 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________________________________________I. V-: vr. Hoffmann, Regierungsrath.___

Gefundene Gegenstände:

1 Portemonnaie mit Inhalt, 2 kleine Bürsten, 1 Hundehalsband, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.

Gießen, am 26. August 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Darmstadt, 25. August. Heute Vormittag 7V2 Uhr fand auf dem hiesigen Jnfanterie-Exercierplatz durch Seine Königliche Hoheit den Großherzog die feierliche Uebergabe der Fahne an das Füsilierbataillon des 2. Großh. Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116 statt. Zu diesem Zwecke war die 49. Infanterie-Brigade (L Großherzogliche) in Linie mit Front nach der Stadt in Parade aufgestellt. Als Sich Seine Königliche Hoheit der Großherzog, Allerhöchstwelcher die Uniform des 116. Infanterie-Regiments trug, der Paradeaufstellung näherten, wurde regimenter- wcise präsentirt; Seine Königliche Hoheit ritten die Front vom rechten Flügel aus ab. Demnächst formirte sich die Brigade in Compagnie-Front-Colonnen, worauf von der Großb. Garde-Unterofficier-Compagnie die zu verleihende Fahne unter Vorantritt eines Musikcorps an die Brigade herangebracht und von letzterer unter präsentirtem Gewehr erwartet wurde. Seine Königliche Hoheit der Großherzog Übergaben hierauf die Fahne an das Füsilierbataillon des 2. Großh. Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116 mit folgender Ansprache:

Füsiliere! Ich übergebe Euch heute Eure Fahne, welche schon S. K- H. der Höchstselige Großherzoa für das Bataillon bestinimt hatte. Ich übergebe sie Euch mit Vertrauen; denn Ich bin überzeugt, daß Ihr Euch dieses höchsten Militärehrenzeichens würdig zeigen werdet durch Manneszucht im Frieden und Tapferkeit im Krieg. Wenn Euch das Vaterland und der Kaiser zum Kampfe ruft, dann folgt dieser Fahne, wohin sie Erich auch vorgetrogen werde, sei es bis zum Tode, damit Ihr einst wie Eure Kameraden hier mit Stolz auf Eure Fahne blicken könnt. Sollte aber Jemand wagen, sie in ihrer Ehre anzugreifen, dann schaart Euch zusammen und vertheidigt sie mit Eurem letzten Blutstropfen. Ihr habt Euren Fahneneid auf verschiedene Fahnen ge- lefstet, erneuert ihn hier bei Eurer eigenen Fahne, indem Ihr in den Ruf einstimmt: Es lebe Seme Maiestat der Kaiser! Hurrah!"

Dreimal erneuerte sich der brausende Ruf. Die Ansprache Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurde von dem Commandeur des mit der Fahne beliehenen Bataillons mit emem dreimaligen Hurrah auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog erwidert, in welches die Mannschaften begeistert einstimmten. Hierauf formirten sich die beiden Regimenter zum Paiademarsch, welcher einmal, und zwar in Compagnie-Fronten ausgefuhrt wurde. F °

m . ^"^^^ßherzogliche Hostasel, zu welcher das gesammte Officiercorps der Großh. 49. Jnfantene-Brigade Einladungen erhalten hat, findet heute Nachmittag 1 Uhr im Großherzoglichen Neuen Palais statt. Nach Beendigung derselben begeben Sich Se. KA' H^tt Großherzog mit dem 4-Uhr-Zug nach Friedberg zurück in Begleituna Sr. Gr. H. des Prinzen Heinrich, Höchstwelcher morgen den ubu 11 ßen bei?un>obnen und, lm Lailfe des Tages wieder hierher zürückzukehren gedenkt. , . Friedberg, 24. August. Seine Königliche Höhest der Großherzog wohnten heute Vormsttag dem froren der Großherzogltchen 25. Cavallerie-Brigade nördlich von Wolfersheim bei. Zum Schluß der Uebung manövirte die Brigade unter Eommando des Generalmajors v. Radecke gegen die 21. Cavallerie-Brigade.

Im Laufe des Nachmittags fuhren Seine Königliche Hobelt der (Arokberro-r und """ besuch II. Äff. HH des Prinzen und der Prinzessin von Wales nach Homburg. v 01

Abends fand dahier Grobherzogliche Tafel statt, zu welcher der Kreisrath ®r. Braden und der Bürgermeister Scriba die Ehre hatten zuaewaen >u werden. Nach der Tafel brachten bie Bereinigten hiesigen Gesangvereine den Allerhöchsten Herr- schäften eine wohlgelungene Serenade bar. J

Friedberg, 24. August. Die Ankunft Sr. K. H. des Prinzen Friedrich Karl steht am Sonntag den 27 d. Mts. zu erwarten. Ebenso werden am Sonntag die Söhne Sr. Kgl. Hoh. des Prinzen von Wales, die Prinzen Alben Victor und Georg, eintteffen, um am Montag den Cavallerie-Manöoern betzuwohnen

Bad-Nauheim, 24. August. Montag Nachmittag 3 Uhr findet dabier ein von den Offizieren der Division veranstaltetes Pferde-Rennen statt, zu welchem auch S K H- der Prinz von Wales fein Erscheinen zugesagt hat. Nach demRennenAetn Diner der Offiziere im Curhaus, Abends ist große Illumination und Beleuchtung des Strudels beabsichtigt. ö

Berlin, 23. August. In dankenswerther Weise ist jetzt ein Hinweis erfolgt, wie die Angehörigen von Soldaten, welche sich im Manöver befinden, Anhalt gewinnen, wohin mit Sicherheit die Correspondenz an dieselben zu richten ist Briefe an Soldaten im Manöver, sofern der Aufenthaltsort nicht unzwei­felhaft feststeht, sind geeignetst nach den bekannten Garnisonorten des Truvven-

-u adressiren, von wo sie auf die schleunigste Weife und kostenfrei in allen Fallen an die Adressaten nachgesandt werden.

England.

London, 24. August. Die Abendblätter veröffentlichen eine Depesche aus Alexandrien von heute Abend 6 Uhr, welche constatirt, daß heute Nach­mittag eine Meldung eingegangen sei, wonach die Engländer Tel-el-Kebir einge­nommen und dabei 2000 Gefangene gemacht hätten.

Rußland.

Petersburg, 24. August. Nach hier eingegangenen Nachrichten ist der japanefische Gesandte, von einer Escorte begleitet, in die Hauptstadt von Korea

zurückgekehrt und daselbst freundlich empfangen worden. Die chinesische Regie­rung hat Truppen und Kriegsschiffe nach Korea gesendet.

Aegypten.

Alexandrien, 24. August. Das österreichische KanonenbootNau­tilus" soll in Abukir wegen der von den Egyptern gefangen genommenen Mann­schaften desNautilus" Verhandlungen anknüpfen. Auch hat der österreichische Consul den General Wolseley ersucht, Arabi Pascha anzuzeigen, daß die gefan­gen genommenen Mannschaften desNautilus" keine Engländer seien.

Heute früh überfielen etwa 50 berittene Beduinen die Einwohner von Rarnleh und begannen die Häuser zu plündern. Zwei Compagnien englischer Truppen wurden gegen dieselben gesandt, die Beduinen flohen und entkamen. Die Egypter errichten neue Geschützstände auf der Eisenbahn nach Kairo.

Port Said, 24. August. Alle Eisenbahnen in der Nähe des Suez- kanals sind nunmehr durch englisches Milttär besetzt. Die Abgrabung des Süß­wasserkanals für Jsmailia erfolgte in der Nähe von Mapannah.__

Telegraphische Depeschen.

Wolss'S telegr. Eorresponderrz-Burearr.

Berlin, 25. August. DerPost" und derKreuz-Ztg." zufolge hat der Kaiser das Abschiedsgesuch des Commandeurs des Garde-Corps, Prinz August von Württemberg, nunmehr bewilligt.

Nürnberg, 25. August. Der Akt der Preisverthellung bei der hier stattfindenden Landesausstellung wurde heute Mittag durch den Staatsminister des Innern, v. Feilitzsch, eröffnet, der in längerer Rede auf die Erfolge der Ausstellung hinwies und der Thätigkeit der Preisrichter mit anerkennenden Worten gedachte. Der erste Bürgermeister, v. Stromer, dankte dem Minister Namens des Landes-Comit6s und schloß mit einem Hoch auf den König, in das die Anwesenden lebhaft einstimmten. Im Ganzen sind 1642 Medaillen zur Ver- theilung gelangt, darunter 156 goldene, 374 silberne, 1000 broncene und 112 Anerkennungs-Medaillen.

London, 25. August. Die Nachricht von der Einnahme Tel-el-Kebirs hat sich bisher nicht bestättgt. Die Morgenblätter melden, General Wolseley sei in Nefiche angekommen, der allgemeine Vorstoß der englischen Streitkräfte solle am Sonntag erfolgen. Dieselben Blätter melden das Gerücht, der Gou­verneur der Citadelle von Kairo sei erbötig, die Citadelle Namens des Khedive den britischen Truppen zu übergeben. Die Engländer sollen versuchen, von Suez aus Kairo zu erreichen und zu dem Behufs den alten Schienenweg von Suez nach Kairo wieder herzustellen.

London, 26. August. Eine Depesche Wolseley's an das Departement des Kriegs aus Jsmailia vom 24. August meldet: Ich habe heute Morgen nnt Cavallerie und 1000 Mann Infanterie den Vormarsch angetreten und nach einigen Scharmützeln den von den Egyptern zwischen den Ortschaften Magfar und Mahuta am Kanal errich­teten Faschinendamm besetzt. Einige Officiere und Mannschaften sind verwundet, ^zch werde morgen die Stellung des Feindes bei Halenka angreifen.

Konstantinopel, 25. August. Bezüglich der Militarkonventton ist noch keinerlei Beschluß gefaßt; wie es heißt, würde von Lord Dufferrn )edes wettere Zugestandmß verweigert, man will sogar wissen, daß Lord Dufterin letzt darauf bestehe, daß die Proklamirung Arabi Paschas zum Rebellen noch vor dem Abschlüsse der Milttarkon- vention erfolge. In Folge der von Lord Dusserin überreichten Rote hat die Pforte ungeordnet, daß die wegen ihrer Anwerbung für den englischen Dienst in Egypten ver­hafteten Arbeiter wieder freigelassen werden. -

- Regierungsseitig wird bekannt gegeben, daß die Nachricht von der Ermordung eines Christen in Beirut und von einem Angriffe von ^Drusen des Libanons aur maronitiscbe Dörfer unbearündet fei. Ebenso fei es auch unrichtig, daß der Gouver­neur von Damaskus Verstärkungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung erbeten habe. 3" AugE Er°" N°uttluV liegt noch immer oor Abukir.

Alle Bemübuimen "s österreichischen Konsuls, die Freigabe der gefangenen Mann- schaftm des I?aütilÜs-° u erlangen, sind bisher ersolglcs g-blreben. Die zur Per- mtttelung der Freigabe nach Abukir und Kafre-Dowar gesandten Personen smd noch mcht luriicfaefehrt Asiens erklärte auf ein Telegramm des österreichischen Konsuls, er ^önne nicht/thun Gerüchtweise verlautet, Arabi Pascha beschuldige Lessevs, ihn durch falsche Vnrsnieaelunaen getäuscht zu haben, um den Kanal an die Engländer verkaufen u tönnem ^«be8eimn'Vei§ auf .ßeffepS &pf 0efe8t. - Li- Bildung des neuen Kabincts ist noch nicht erfolgt, da Haidar noch nicht angekommen ist.

Alexandrien, 26. August. Die Truppen Arabi Paschas, die gestern Abend ihre Zelte bei Kafre-Dowar abgebrochen hatten, schlugen dieselben heute früh vor der Position von Kafre-Dowar auf, man hält dies für eine Kriegslist,