Es gilt, das Gut der militärischen Tüchtigkeit, die Grundbedingung für das Bestehen der Nation, ungeschmälert zu erhallen neben der Tüchtigkeit für alle Werke des Friedens, für die höchsten dem gesammten Volke zu stellenden Aufgaben. Die Gesundheit und Kraft der Nation ruht in der Gesundheit und Kraft der breiten Schichten, die in harter Arbeit um des Lebens Nothdurft ringen.
Von diesen Erwägungen geleitet, ersuche ich Ew- Excellenz ganz ergebenst, die medicimsche Sachoerständigen-Commission in meinem Namen von Neuem zu berufen und zum Gutachten über die Forderungen zu veranlassen, welche an die Elementar- und höheren Töchterschulen im Gesundheitstnteresse zu stellen sind.
Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß Ew. Excellenz sich der Leitung und die von mir am 21. April d. I. ernannten Herren sich der Theilnohme an den Beraihungen gerne unterziehen werden. Außer den Letzteren bitte ich noch die Herren Professoren Dr. Lücke und Dr. Freund, deren Specialfächer für die nunmehr sich darbietenden Fragen von Wichtigkeit sind, zum Eintritt in die Commission einzulaben. Die Bezeichnung von Schul-Technikern als Auskunftspersonen und die Vorbereitung des der Commission zu unterbreitenden Materials stelle ich Ew. Excellenz ergebenst anheim.
Der Kaiserliche Statthalter in Elsaß - Lothringen.
gez.: E. Manteuffel, G--F-M.
An Seine Excellenz den Herrn Staatssecretär.
Wie der „Straßb. Post" mitgetheilt wird, haben sowohl die schon früher als auch die jetzt neu berufenen Mitglieder der medicinischen Sachverständigen-Commission die ihnen durch den Erlaß des Herrn Statthalters übertragene Aufgabe mit der dankens- weitlptten Bereitwilligkeit übernommen.
Vermischtes.
Aus der Pfalz. Em originelles Leumundszcugniß über einen Schulverweser stellte vor einiger Zeit ein Westrichter Bürgermeister aus. Es lautet ungefähr also: „Dieser N. ist weder für die Schule geboren noch gezogen und es wundert noch alle Leute hier, wie er Schullehrer geworden ist. Es wundert mich, daß ihn die Gemeinde N. so lange behalten hat. Die Gemeinde N- kann „Großer Gott, wir loben dich" fingen, wenn er von dort fort ist." N-, Datum. L., Bürget meister.
Wien, 21. November. [Die Wasserschäden in Südtirol-j DaS Hülfs- und Actionscomitä der vereinigten südtirolischen Sectionen des deutschen und österreichischen Alpenvereins gibt die Schadenerhebungen in Bruneck, Hochpusterthal, Ampezzo, Brixen, Bozen und Meran.
Die Berichte schildern durchgehends die Lage der armen, von den Katastrophen betreff nen Bewohner als eine wahrhaft trostlose und hülssbedürsttge, so daß angesichts des nun mit Macht hereingebrochenen Winters der Aufruf an die allgemeine Mild- thätigkeit nur wiederholt werden kann.
Die Ziffern sprechen in diesem Falle eine beredtere Sprache als die anschaulichsten Schilderungen.
Die Section „Hochpusterthal" meldet: In Jnnichen sind 3 Häuser ganz, 13theil- weise zerstört, 2 bis zum ersten Stock verschüttet, 20 ebenerdig eingeschlammt; 90000 Quadratklafter Felder sind vermuhrt, die Ernte auf einer Fläche von 700000Quudrat- klaster verdorben. — In Toblach wurden 22 Gebäulichkeiten ganz, 8 theilweise zerstört, 21 dis zum ersten Stock eingesandet, 13 ebenerdig verschlammt. Die Fläche der weg- gerissenen Felder wird auf 20000, die der abgerutschten auf 70000 Quadratklafter geschäht, während die Ernte von etwa einer Million Quadratklafter zu Grunde ging. In Niederdorf wurden 20 Gebäulichkeiten ganz und 16 theilweise zerstört; etwa I
25000 Quadratklafter Felder sind abgerutscht und weggerissen, 30000 Quadratklafter vermuhrt. Die Feldfrüchte sind auf einer Fläche von ungefähr 700000 Quadratklafter verdorben.
In Bruneck wird der Schaden mindestens auf 400000 st. geschätzt, woran die Stadtgemeinde mit 123 000 fl. Theil nimmt. — Die Gemeinde Oberrasen erlitt nach dem Berichte der Section „Bruneck" einen Schaden von 50,000 fl., die Gemeinde Niederraßen einen solchen von 48000 fl. — Die große Gemeinde Olang beziffert ihren Schaden mit mindestens 200000 fl ; die Gemeinde Percha bezeichnet einen solchen von etwa 87 000 fl. — Im Antholzerthal wütheten die Gewässer ebenfalls in entsetzlicher Weise; man berechnet den erwachsenen Schaden mit 106000 fl.
In der Gegend von Cortina d'Ampezzo richtete die Botte ebenfalls große Verheerungen an; u. a. wurde das bekannte Bagno Campo vollständ'g weggeriffen. Der Schaden beträgt gegen 100000 fl.
Der Bericht der Section „Brixen" beziffert die Gesammtschäden auf 435200 fl, wobei indessen bemerkt werden muß, daß sich die Schadenerhebungen nur auf das Hochwasser vom September beziehen, was auch von den meisten übrigen Schätzungen gilt.
Dem Berichte der Section „Meran" zufolge betragen die Wasserschäden im Martelthale 8130 fl., im Passeierthale 1500 fl ; im Ultenthale erlitten die Grundbesitzer durch Verwüstung von Feldern und Wiesen einen Schaden von 45000 fl., wozu noch die Schäden der Gemeinden mit mehreren Tausend Gulden kommen. Von Glarus wird ein Verlust von 26200 fl., von Schlanders ein solcher von 1600 fl. augemeldet.
Es ist bedauerlich, daß die Privatmildthätigkeit sich vielfach durch die Erwägung zurückhalten läßt, daß ja der Staatshülfe gegenüber das Scherflein des einzelnen kaum in Betracht kommen könne. Dem gegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß die Regierung sich der Natur der Sache nach vorwiegend mit den allgemeinen Landschäden befassen muß, während es die edle Aufgabe der Privatbethätigung ist, die Unsumme des individuellen Elends nach Kräften zu vermindern.
— [Empfehlenswerthe Heilung der Trunksucht.) In einer unserer Nachbar- ftäbte, schreibt man aus Barmen, ist vor einigen Wochen ein den besseren Ständen angehöriger Kaufmann auf eine höchst drollige Weise von der Trunksucht geheilt worden. Monatelang batte man denselben Abends nur „unter Bedeckung" nach Hause zu schaffen vermocht. Als er nun einmal wieder sich nicht allein heimfind:n konnte, führten ihn einige Freunde zu einem Barbier, der ihm feinen stattlichen Vollbart, sowie sein Haupthaar gänzlich abrafirte und so stellte man ihn, nachdem vorher die Schelle gezogen worden war, gegen seine eigene Hausibür. Seine Frau erschrack nicht wenig, als sie beim Oesfnen einen ihr unbekannten Menschen-Kops voran hereinftolpern sah. und erst bet näherem Beleuchten erkannte sie in dem Glatzköpfigen ihren eigenen Mann Der so unfreiwillig seiner männlichen Zierde Beraubte wagte in dieser seltsamen Metamorphose während vieler Wochen nicht, sich dem Gelächter der Nachbarn und dem Spotte seiner Kameraden auszusetzen und — in dieser Zeit gewöhnte er sich das Trinken ab.
— Für die Weihnachtsbescheerung wird nun bald mit Einkäufen begonnen und es ist uns eine angenehme Aufgabe, auf einen soeben erschienenen Weihnachtskatalog aufmerksam zu machen, nach welchem es den Eltern leicht sein wird, für ihre Kinder etwas gutes und nützliches auszuwählen und denselben durch Bescheerung geeigneter Gegenstände, dauernd Freude zu machen. Der Katalog wird gratis und franco von der Leipziger Lehrmittel-Anstalt von vr. Oskar Schneider in Leipzig versandt und sollte sich Jeder einen solchen umgehend schicken lassen.
Bekanntmachung.
Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahre? fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:
2. Dezember 1882
den
ff
1883
den
Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Mittwoch Donnerstag Samstag
sowie Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag
2. Januar
3. „
4.
6. „
9. „
10. „
H. „
13. „
5.
6.
7.
9.
12.
13.
14.
16.
19.
20.
21.
23.
27.
28.
30.
Die Interessen werden daher aufgefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.
Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Sadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind-
Di: Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen-
Gießen, den 24. November 1882.
Der Rechner der Spar- und Leihkasse.
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