Ausgabe 
26.11.1882 Erstes Blatt
 
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Ar 277. Erstes Blatt Sonntag den 26 November L882.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

---------- T~77 « » . Preis vierteljiihrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bring-rlohn. Bureau r Schul st raße 7. Erscheint läglich mrt Ausnahme des Monlagv. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz geht uns folgende Verfügung zur Veröffentlichung zu.

Die Petroleum-Großhändler Bremens sind behufs Durchführung der Kaiserlichen Verordnung vom 24. Februar l. I. (Reichsgesetzblatt L-erte 40) unter der BezeichnnngBremer Petroleum-Börse" zu einem Verein zusammengetreten, auf dessen Veranlassung für die Hasenplatze Bremerhaven und Geestemünde ein Testbüreau errichtet worden ist, welchem die Untersuchung des eingehenden und für den deutschen Verbrauch bestimmten Petroleum.' auf Hirn beu^rgefahrlichkett^obkegü^ Verein und die von ihm ausgehenden Einrichtungen näheren Aufschluß ertheilen, können von Interessenten tn

unserer Registratur eingesehen werden.

Gießen, den 21. November 1882.

Großherzogliche Handelskammer.

Ed. Silbereisen. __________________________________

Gefundene Gegenstände:

1 Nachen, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Stück Gummiband, 1 Brieftasche, 1 Taschentuch, 1 Pferdedecke, 1 Tasche mit Inhalt, 1 Metermaß mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.

Gießen, den 25. November 1882.

GroßherzoglicheS Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Darmstadt, 23. November. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog sind heute Vormittag 11 Uhr l8Min., begleitet von Major Wernher, in erwünsch­tem Wohlbefinden aus England hierher zurückgekehrt. Mit Allerhöchstdemselben trafen zugleich auch Se. Durchl. der Prinz Ludwig von Battenberg, nach zwei­jähriger Abwesenheit zur See, wieder hier ein.

Berlin, 23. November. Bei der Feststellung des Regulativs für ein dortiges Retentionslnstttut hat die Zittauer Stadtvertretung als Strafmittel engen Arrest", fogenannten Lattenarrest undkörperliche Züchtigung" einzu- sühren beschlossen. Jene Eiferer, welche Rohheit und Brutalität, mag sie auch in bos- haft-sten, gemctnschödlichsten Formen sich kundgcben, gegen den Exceß körperlicher Züch. ngung umer allen Umstanden geschützt sehen wollen, mögen von den Zittauer Stadt­verordneten auf hie unzählige Male konftatirte Thatsache verwiesen werden, daß boshafte Strolche Leben und Eigenthum ruhiger Mitbürger nur zu dem Zwecke schädigen, um die behagliche Versorgung tn den Straf­anstalten nach dem Zuschnitte der sogenanntenHumanitären" Ideen zu erlangen.

In Frankreich ist derNordd. Allg. Zig." zufolge die mit Wein bebaute Fläche in den letzten 8 Jahre» um 17,3 pCt. zurückgegangen. Die Reblaus hatte bis zum Jahre 1881 zerstört 671,802 Hektar, die Zahl der inficirten Departements betrug 1878 39, 1881 bereits 47. Im Jahre 1880 hat Frankreich zum ersten Male mehr Wem ein- als ausgeführt und zwar ergibt die Verminderung der Ausfuhr gegen die Einfuhr tn den Jahren 187380 nicht weniger als 149,385,000 Liter tm Werthe von 36,300,000 Frcs. Speciell Deutschland gegenüber hat Frankreichs Wemetnfuhr erheb­lich und stetig verloren, der Export Deutschlands dorthin ebenso zugenommen und zwar in 8 Jahren um 298 pCt. Auch im Jahre 1881 hat die Einfuhr nach Frankreich er­heblich mehr betragen als die Ausfuhr von dort. Nicht uninteressant für den aus­ländischen Consumenten französischer Weine erscheinen die folgenden Angaben:

Neben der Produktion an reinem Naturweme sind im Jahre 1881 in Frankreich erzeugt worden: 200,000,000 Liter mit Zucker angemachten Aufgußwetnes tm Werthe von 80,000,000 Fr. und ferner 240,000,000 Liter aus getrockneten ausländischen Trauben (Rosinen) gepreßten Weines zu 48,000,000 Frcs. Wcrth. Es hat also Vs der französi­schen Weinproduklion pro 1881 aus Kunstwein und 28% be§ gesammten rm Jahre 1881 erbrachten Wemvorraths Naturwein, Kunstwein und Einfuhr aus Kunftwein, bezw. nicht französischem Weine bestanden.

Oesterreich.

Pcsth. sZum Tisza-Eszlarer Fall.) DasW. Vaterland" schreibt: Zur Tisza- Eszlor-Affaire wird die Taktik, durch sensationelle Telegramme das Publikum irre zu führen, fortgesetzt. So meldet ein Budapester Telegramm desN. W- A-":In der Eszlarer Affaire ist eine überraschende Wendung eingetreten. Eine Person, welche selbst bei der berüchtigten Leichenschau in Tisza-Dada mitwirkte, hat vor dem Gerichts­höfe freiwillig gestanden, daß die aufgefundene Leiche wirklich jene der Esther Soly- mossy gewesen, daß sämmtliche betreffende Personen das wußten und wissentlich leug­neten, daß ein falsches ärztliches Zeugniß ausgestellt und daß die Mutter d^s Mädchens und der Untersuchungsrichter bet den Jntriguen die Hand im Spiele hatten." Ein Budapester Telegramm derD. Ztg." berichtet:Auf Grund von Gutachten, welche von ärztlichen Sachverständigen ersten Ranges abgegeben wurden, wird zur Wider­legung des im Juni dss. Js. von der Nyiregyhazaer Gerichts-Commission durch den Zahnarzt Dr. Traitler vorgenommenen Befundes und Gutachtens über die auf dem Tisza-Eszlarer Friedhöfe beigesetzte Leiche ein neuerlicher Befund vorgenommen werden. Das Ministerium des Innern hat in den letzten Tagen feststellen lassen, daß das Grab, in welchem jene Leiche beigesetzt wurde, unversehrt ist. In Folge Weisung des Ministeriums wird dieses Grab seither bewacht. Die Prozeßakten kamen gestern von Nyiregyhaza der hiesigen Ober-Staatsanwaltschatt zu." Dagegen telegraphirt man derW- A. Z" aus Budapest:Der in Csongrad aufgefundene Leichnam einer Frauensperson ist nachNemzel" nicht derjenige der Esther Solymossy, sondern einer alteren Frau. Offenbar liegt hier die Absicht vor, die Behörden wieder irre zu führen und den Fall noch mehr zu kompliciren."

Der deutsche Botschafter in Petersburg, General c. Schweinitz, hat sich heute Vormittag nach Varzin begeben.

Der bisherige Gouverneur von Berlin, General v. Frargecky, ist unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens in Brillanten zur Disposition gestellt und an seine Stelle General-Lieutenant v. Willisen zum Gouverneur ernannt

Das Abgeordnetenhaus verwies die Verordnung betreffs des Sauen« burgischen Communal-Verbandes an eine Commission von 14 Mitglieder», v Meuer-Aruswalde und v. Heydebrand sprechen für unveränderte Annahme, Gneist, Hänel, Berling und Windthorst für commissarische Berathung, Letzterer «-ff Rücksicht ans eine ihm erst heute bekannt gewordene Petition der Sauen« burgischen Ritterschaft und Landschaft, daß ihre Wünsche in der S^rordnung nicht berücksichtigt seien. Centrum und Linke bildeten heute die Majorität.

Karlsruhe, 24. November. In Folge des sortdauernden Regenwetters ist der Rhein bei Mannheim wieder auf 745 Ctm. gestiegen. Das Rheinvor­land ist theilweise überschwemmt. Der Neckar ist bei Mannheim bis 812 Ctm. gestiegen und noch im Steigen begriffen. Fast der ganze obere Thell des Neckarvorlandes ist überschwemmt.

Frankfurt, 24. Novbr. Der Main ist über seine Ufer getreten, die Verbindungsbahn und der diesseitige Quai stehen unter Wasser.

Biebrich, 24. Novbr. Der Rhein ist wieder rapid im Steigen be­griffen, die Ufer sinv hier und bei Rüdesheim überschwemmt, die Schifffahrt ist eingestellt.

Hannover, 24. Novbr. Se. Maj. der Kaiser ist mit Ihren König!. Hoheiten den Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl gegen 5% Uhr mittelst Separatzugs hier eingetroffen und hat nach kurzem Aufenthalte die Reise nach Springe fortgesetzt.

Pari», 24. November. Das Project, die Umfassungsmauer von Paris niederzulegen, welches der Municipalrath unterstützt, wird derAgence Havas" zufolge nicht als ernsthaft angesehen. Das Gerücht, der Kriegsminifter habe den General de Villenoisy mit der Untersuchung dieser Frage beauftragt, wird für unbegründet erklärt.

Brazza beabsichtigt, am 1. December die Rückreise nach dem Congo- gebiete anzutreten.

Marseille, 24. Novbr. Gestern fand hier die feierliche Eröffnung Der neuen Dampferlinie Marseille - Australien - Neu - Caledonien statt. Der Minister der Posten und Telegraphen, Cochöry, sowie sämmtliche Deputirte und 2 Sena- toren des Departements wohnten der Feier bei. Das Zeichen zur Abfahrt des DampfersNatal", welcher die neue Linie eröffnet, wurde von dem Minister gegeben, welcher denNatal" an Bord eines anderen Dampfers,Caledomen", bis nach La Ciotat begleitete. In La Ciotat besichtigte der Minister die Werften und wohnte darauf einem Banket bei, an welchem über 100 Gäste, darunter sämmtliche hiesige Notabilitäten theilnahmen.

London, 24. November. Die Eisenbahnbrücke von Bromley an der 1 London-Chatam- und -Dover-Eisenbahn brach heute Morgen zusammen, 7 Arbeiter

; haben dabei das Leben eingebüßt, mehrere Personen stnd verwundet. Die für

! die Reise nach dem Continent bestimmten Züge haben tn Folge des Unfalls nicht abgehen können.

i _ Eine bei Lloyds eingegangene Depesche meldet, daß zwei Wallfisch­fahrer-Boote welche zu dem DampferWinton" gehörten und von Rotterdam nach Ooessa'bestimmt waren, am 17. d. Mts. bei Port Argenton angetroffen worden seien Die beiden Boote waren mit 28 Personen, welche die Beman­nung desWinton" blldeten, gescheitert. Sämmtliche Personen sind bis auf , eine ertrunken.

Petersburg, 24. Novbr. Nach einer eben eingegangenen Meldung aus Archangelsk ist aus der Petschoragegend die amtliche Bestätigung eilige«

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Eorrefpondenz-Burea«.

Berlin, 24. Novbr. Der Kaiser ist mit den Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl heute Nachmittag zur Abhaltung von Jagden nach Sprmge bet Hannover abgereist.