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recöt in ein Schreibheft, welches ihm vorgelegt wurde. Erst nachdem man dem Knaben Scnfteig auf die Brust gelegt, erwachte er und fühlte sich etwas angegriffen.
Osterburg, 18. Oktober. Vor Kurzem wurde in Calwe a. M. (Altmark) ein junges blühendes Mädchen durch Wahrsagerei in den Tod getrieben. Dasselbe batte sich vor längerer Zeit von einer Zigeunerin .wahrsagen" lassen und war seit dieser Zeit tiefsinnig geworden, denn die Wahrsagerin hatte ihr prophezeit, daß sie in einem halben Jahre sterben müsse. Das entsetzliche Bewußtsein, dem furchtbaren, immer näher rückenden Tode nicht entgehen zu können, versetzte das arme Mädchen in eine unsägliche Angst, die sich, je näher sie dem vermeintlich gesteckten Ziele kam, von Tage zu Tage steigerte und sie schließlich zur Verzweiflung brachte, in der sie, um der schrecklichen Prophezeihung zu entgehen, Hand an sich selbst legte. Daß das beklagenswerthe Opfer allseitiges Mitleid erregt, bedarf keiner Erwähnung; wohl aber, daß abergläubische Leute meinen, die Zigeunerin habe doch Recht gehabt Ein energisches Einschreiten gegen die herumziehenden Zigeunerbanden wäre dringend angezeigt.
Bonn, 20. Oktober. Die Bonner Zeitung empfängt folgende Zuschrift: „Es scheint, daß auch bei uns in Bonn die Mode in diesem Winter wieder einmal einer Unsitte huldigen wird, gegen die mit Recht schon so oft geeifert wurde, aber der abzusagen unsere Damen noch immer nicht geneigt sind: ich meine die Unsitte, ausgebalgte Vögel oder Theile von Vogelbälgen als Schmuck auf Hüten u. s. w. zu tragen. Man braucht sich gelegentlich nur die ausgestellten Sachen in den Schaufenstern der Mode- waarenhandlungen anzusehen, um zu erkennen, wie viel dieser häßlichen Mode noch gehuldigt werden muß. Wären es nur Bälge von ausländischen Vögeln, von Papageien, Tukanen, Kolibris u. s. w., die man dort fände, man könnte es eher übersehen: aber nein, unsere einheimischen Sänger werden geopfert, um in ihrem ursprünglichen oder nachher gefärbten Federkleide als „Schmuck" auf Damenhüten zu prangen- Man braucht nicht gerade Specialist auf ornithologischem Gebiete zu sein, um an manchen Merkmalen freundliche Sänger unseres Vaterlandes zu erkennen. Was nützt es, daß man mit Eifer für Schutz der Vögel eintritt, wenn man gleichzeitig ihre Verfolgung durch Huldigung einer solchen Unsitte befördert! Wer ist im Grunde genommen mehr zu tadeln, der Vogelsteller oder Jäger, der die kleinen Sänger tobtet, um daburch sich einen Verbienst zu erwerben, oder die Dame, welche die Bälge der Getödteten auf ihrem Hute trägt und so die Nachfrage nach diesem Gegenstand erst bedingt?! Man hört da schon den Einwand: „Kaufe ich diesen Hut mit dem Vogel nicht, so nimmt ibn eine andere und lebendig ist der Vogel doch nicht mehr zu machen." Aber spricht sich nicht in der Wahl der einzelnen Dame die richtige Ueberzeugung aus, so wird es in der Gesammthelt nimmer anders. Ich meine, jede geistig hochstehende Dame hätte die moralische Verpflichtung, sich von dieser Ausgeburt der Mode abzuwenden und nicht durch eine solche Wahl die vielverbreitete Unsitte geradezu zu sanctioniren! Erkennte zudem doch jede Dame, wie sehr letztere dem weiblichen Zartgefühl zuwiderläuft und einen feinen Sinn geradezu beleidigt, ihre Wahl würde schwerlich auf einen derart mit „Vogelleichen" herausgeputzten Hut fallen, wo zudem ein Ersatz in Blumen und anderen Gegenständen der Kunst ja so leicht sich finden läßt."
— In den North Woolwich Gardens, unweit London, wurden am Donnerstag die Thtere und Effecten von Myers Circus unter zahlreicher Vetheiligung von Circus- und Menageriebesitzern, sowie des Publikums versteigert. Die höchsten Preise erzielten die wilden Thiere. Sechs männliche Löwen, der jüngste 9, der älteste 20 Jahre alt, wurden dem Circusbesitzer Cooper für 1000 Guineen zugeschlagen, ein Preis, der nicht zu hock ist, wenn man in Betracht zieht, daß Löwen für 40 bis 50 L- die Woche ver- miethet werden können. „Blind Bill", ein großer weiblicher Elephant, derselbe, welcher vor einiger Zeit im Alexandra-Palast seinen Wärter getödtet und der, wie der Auctionator versicherte, mit seinem Kopfe einen Gegenstand von 12 bis 14 Tons von der Stelle bewegen kann, brachte 150 Guineen. Vier abgerichtete und sehr gelehrige Elephanten gingen für 1000 Guineen in den Besitz des Circusbesitzers Sanger über. Die Sckml- pferdc erzielten 50 bis 100 Guineen per Stück. „Selam", ein vollblütiger Trakehner Hengst, brachte 200 Guineen und fünf abgerichtete Trakehner Pferde wurden für 250 Guineen verkauft.
Lemberg, 23. Oktober. Die russische Stadt Pawlowsk brennt an 7 Stellen, die Stadt gleicht einem Flammenmeer.
Eingesandt.
Der „Feierabend für Lehrlinge", der nach einer Bekanntmachung in heutiger Nummer dieses Blattes, am nächsten Sonntag wieder eröffnet werden soll, ist im vergangenen Winter, von Oktober 1881 bis Ostern 1882, Sonntag für Sonntag regelmäßig gehalten worden. Derselbe wurde während dieser Zeit im Ganzen von 185 Lehrlingen besucht, von denen freilich viele nur einmal oder nur selten kamen. Dre Zahl ber ganz regelmäßig erscheinenden jungen Leute betrug sonntäglich mindestens 40 50; gewöhnlich waren es 60—80. Diese spielten in kleineren ober größeren Gruppen mit einanber die mannigfaltigen ihnen gebotenen Spiele, sie lasen in Büchern, die ihnen gegeben wurden und sie schrieben Briefe. Fast sonntäglich fand auch gemeinsamer Gesang von Vaterlands-, Volks- ober geistlichen Liedern statt und etwa alle 14 Tage wurde den jungen Leuten ein erzählender Vortrag gehalten. Hoffen wir. daß auch im Winter 1881/82 der „Feierabend" reichlich den Zweck erfüllt, zu dem er gegründet wurde und daß die Lehrlmge diese Gelegenheit zu ftoher, anregender und fördernder Unterhaltung fleißig benutzen. In dem Kirchenkalender für 1883 werden noch weitere Mittheilungen über den „Feierabend" gemacht werden.
Handel und Beikehi.^
Berlin. Nichtraucher-Coupäs haben dem Minister der öffentlichen Arbeiten Anlaß gegeben, in einem Erlasse vom 14. d. Mts. die darauf bezüglichen Anordnungen von 1878, 1880 und 1881 zur genauesten Beachtung in Erinnerung zu bringen. „Es ist mindestens der dritte Theil der in einem Zuge voryandenen Coupäs zweiter Klasse (außer den Damencoupäs) als Nichtraucher-Coup^ zu bezeichnen." Insofern die Unzulänglichkeit der Nichtraucher-Coupes für ntchtrauchende Herren, wie mitunter wahrgenommen ist, dadurch hervorgerufen wird, daß diese Coupös wegen unzureichender Einstellung von Frauencoupss von allein reisenden Damen in größerer Zahl eingenommen werden, ist dafür Sorge zu tragen, daß die im Zuge vorhandenen Frauencoup6s vorübergehend vermehrt werden.
ftrantftirt a. M., 25. October, Nachmittags 2 Uhr - Min. (Telegraphischer Coursberrcht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 262% Staatsbahnactien 294% Galizier —, Lombarden 119, Nord- westbahnactien 176% Darmstadter-Bankactien 157% Oberschlesische E.-B.-Act. 258% Oesterr. Silberrente 66, 4% Ungar. Goldrente 74%, 4«/0 1880er Russen 70%, 5% 1877r Russen —, 2. Orient-Anleihe 5515/ie, Spanier 64, 5% Rumänische Rente 9215/ie, 4% Unific. Egypter 72, Disconto Comm. 206% Gotthardbahnactten 94^4- Tendenz weichend. _________________________________________________
Für die Tyroler Wasserbeschädtgten sind eingegangen:
Bet der Exped. d. Bl. von Prof. C. 10 X, Frl. B. 3 X, B. Erlenbach 3 X, Fr. Textor 10 X, von einer Spielgesellfchaft 1,36 X, $. £. 10 X, @ . . § 4 X.
Elise Will 3 JL, Joh. Lenz 5 X M. N. 3 ^L, Kath. Kirchen-Gesang-Verein 30 X, Summa 82,36 X;
bei dem Unterzeichneten von Herrn Holzhändler S. Katzenstein 5 X, Bankdirector Wortmann 5 X, Bürgermeister Bramm 5 X, Louis und Ernst Schmidt 1 X, von der Loge Ludwig zur Treue 50 X, Bäckermeister Wilhelm Löber VI. 10 X, Fräulein Bramm 1.50 X, Lehrer Römer 1 X, Lehrer E sert 1 X, H. S. in Grünberg 14 X Bei dem entsetzlichen Nothstand bittet dringend um weitere Gaben
A. Bramm, Bürgermeister.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde Gießen.
Donnerstag den 26. Oktober, ausnahmsweise Abends 8 Uhr, im Gymnasium: Bibelstunde, Brief Pauli an die Galater, Kapitel 2,11—21. Pfarrer Dr. Naumann.
AffenWe Aufforderung.
Die Kinder des Josef Bamberger I. non Muschenheim haben dessen überschuldete Erbschaft ausgeschlagen. — Forderungen an den fragt. Nachlaß sind binnen 4 Wochen bei uns anzumelden, als sonst sie bei der Ver- theilung nicht berücksichtigt werden könnten.
Lich, den 21. Oktober 1882.
Großherzogliches Amtsgericht Lich. 7037 Langer mann.
Bekanntmachung.
Die Lieferung von 200 Centner Steinkohlen — Nußkohlen 1. Sorte — franco Bahnhof Lich für Großh. Amtsgericht Lich soll an den Wenigstfordernden vergeben werden.
Schriftliche Angebote sind bis zum 10. November d. I. dahier einzureichen.
Lich, den 21. Oktober 1882.
Die Gerichtsschreiberei Großh. Amtsgerichts Lich.
7011_________Will.____________
Versteigerung.
Freitag den 27. lfd. Mts.,
von Vormittags 10 Uhr an, werden in dem früheren „Adler" in der Wallthorstraße guterhaltene Thüren, Fenster, Dachziegel verschiedener Art, Bretter, Sandsteinplatten, Oefen rc. versteigert. 7019
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Herausgeber :
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/ Verlag von / E. L. Morgenstern, Leipzig.
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