-Jfr 73 Zweites Blatt. Sonntag bell 26. März 1882.
Keßmer Anzeiger
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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ungen nicht einverstanden erklärt, während doch allen Ortsvorstünden der Recurs an den Provinzialaussckmß offen stand. Hätte der Kreisausschuß seine Aufgabe leichter genommen, so würden heute an den Kreis anstatt der veranschlagten 49,000 Mk. wenigstens 75,000 Mk. angefordert sein, und würde die Differenz von 26,000 Mk. von denjenigen Gemeinden mitgetragen werden müssen, die bisher in vollem Maße ihre Pflicht gethan haben. Die Kreisstraßen müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und deßhalb künftig nothwendigerweise besser werden, als die bisherigen Vicinalstraßen. Daß aber die bessere Unterhaltung eben so billig bleiben soll, als die bisherige schlechte, ist selbstverständlich unmöglich. Soviel aber steht fest, daß die künftige gute Unterhaltung billiger sein wird, als eine gleich gute unter den bisherigen Verhältnissen, weil nämlich die sachverständige einheitliche Leitung wesentliche Ersparnisse ermöglicht. Die Anforderung von 234 Mk. pr. Klm. für Unterhaltungskosten muß gegenüber denjenigen anderer Kreise als ein überaus geringer bezeichnet werden. Dieselbe beträgt in den Kreisen Büdingen 232, Lauterbach 243, Friedberg 400, Bens heim 310, Darmstadt 371, Dieburg 366 , Erbach 293, Groß-Gerau 667, Offenbach 596 Mk. und bei den Staatsstraßen des Kreises Alsfeld 248, Friedberg 348, Gießen 530, Grünberg 244, Nidda 270 Mk.; desgleichen hat der bisherige Aufwand für entsprechende Unterhaltung in der Gemarkung Gießen (nach lOjährigem Durchschnitt) 235, Hungen 398 und Villingen 264 Mk. per Kilometer betragen.
Kreis-Ingenieur Gnauth bittet, bei Beginn seiner Thätigkeit vor Allem um dasjenige Wohlwollen und Vertrauen, ohne welches eine ersprießliche Wirksamkeit des Kreistechnikers nicht denkbar ist.
Nach den Motiven des Gesetzes und nach der Auffassung der Stände- kammern soll der durchschnittliche Zustand der Vicinalstraßen des Großher-
Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung und erläutert den ersten Gegenstand der Tagesordnung:
Nachtrag zum Kreiskasse-Voranschlag für 1882/83.
In der Sitzung vom 18. Juni v. I. war der Voranschlag pro 1882/83 beschlossen und nur die Entschließung in Bezug auf die durch Ausführung des Weggesetzes entstehenden Kosten einer im Frühjahre l. I. abzuhaltenden Sitzung vorbehalten worden. In Ausführung des Beschlusses des Kreistages wegen Anstellung eines academisch gebildeten Bautechnikers hat der Kreisausschuß nach den sorgsamsten Ermittelungen in der Person des Herrn Baumeisters Gnauth aus Hechingen eine in analoger Stellung bereits bewährte tüchtige Kraft gewonnen. Derselbe konnte erst am 1. Januar eintreten. In Folge der angestrengtesten Thätigkeit gelang es aber in dieser kurzen Zeit, die umfassenden Vorarbeiten zu erledigen und die heutige eingehende Vorlage zu ermöglichen. Die meistens unter Leitung des Vorsitzenden vorgenommene eingehende Untersuchung der Vicinalwege ergab, daß dieselben durchschnittlich sich in einem schlechten Zustande befanden. Der Kreisausfchuß würde das Interesse des Kreises gefährdet haben, wenn er nicht bei der Uebernahme der Straßen genau den strengen Maßstab angelegt hätte, den die Bestimmungen des Weggesetzes ermöglichen. Ohne Zweifel sind über diese Strenge des Kreis-Ingenieurs wie des Kreisausschusses vielfache Beschwerden erhoben worden, aber deren Haltlosigkeit ist von den Beschwerdeführern selbst anerkannt worden, denn schließlich hat nur ein Ortsvorstand sich mit den von dem Kreisausschuß gestellten Anforder-
ProtoRoff
d-s des K.-U-S Gießen « d-m am to. Maq 1882.
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Anwesend:
1. Großh. Kreisrath, Provinzial-Director Dr. Boekmann, Vorsitzender.
Keller, Gießen; Beigeordneter Heß, Gießen; Bürgermeister Lang, Wieseck; Fabrikant A. Noll, Gießen, Fabrikant M. Homberger, Gießen; Hüttenwerkbesitzer Buderus Lollar; Bürgermeister Bopp, Bellersheim; Freiherr Adolf Nordeck zur Rabenau; Karl Geißler, Lollar; Heinrich Velten IIL, Groß-Linden; Bürgermeister Ranft, Beuern; Rechner L e i d i ch, Grüningen; Bürgermeister R o n t h a l e r, Langd; Bürgermeister Dern, Sausen; Bürgermeister Mengel, Hattenrod; Bürgermeister Bramm, Gießen; Bürgermeister Pracht, Grünberg; Rechtsanwalt Hirschhorn, Gießen
3. die Kreisausschußmitglieder
Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, Gießen; Bürgermeister Zimmer, Villingen
4. der Kreis-Ingenieur Gnauth
5. der Protocollführer Sauber
Als Urkundspcrsonen fungiren die Herren: Geißler, Lollar, Hetz, Gießen.
zoqthums kein guter sein, und ist — neben gerechterer Lastenvertheilung eine Besserung desselben eben die Absicht jenes Gesetzes gewesen Dw m den beiden letzten Monaten vorgenommene Prüfung sammtücher ~6a Kilometer Vicinalstraßen des Kreises hat die Richtigkeit dieses allgemeinen Satzes in seiner Durchschmttsanwenduog ergeben. Die Schuld liegt daran, datz namentlich in den letzten Jahren und vielleicht schon m Erwartung des Weqbaugesetzes — an den Vicinalwegen über Gebühr gefpart wurde, um daß die Aufwendungen nicht immer in sachgemäßer Weife erfolgten. Statt einer stetigen, aber anhaltenden Pflege der Straßen war em ruckweiscs Arbeiten an denselben in der Mehrzahl beobachtet worden; statt jeden einzelnen Schaden an der Fahrbahn (speziell der Decklage), an den Grabenund Banketten gleich nach dem Entstehen zu beheben, hat man gewartet, bis dersell e über Gebühr angewachsen, bis die Decke abgewickelt, , der GrundbavtW- legt und abgerundet, die Bankette zerfahren und zu jumpftgen N^astflachen geworden, und die Gräben verschlammt waren. Wenn dann em folcher Zustand eine Weile gedauert und dessen Nnleidlichkeit auch Seitens der zähesten Vertreter eines falschen Sparsamkeitssystems anerkannt war, dann wurde die Straße wohl auf ihre ganze Länge mit Steinen bedeckt, und die-, und die Beseitigung der übrigen Mängel mit einem nicht unbeträchtlichen Ausgeb.l von Taglöhnern und Accordanten zur Ausführung gebracht.
Das System, das Referent an den, ihm in lemein früheren Wirkungskreis unterstellten Straßen beobachtet hatte, und nn den letzigen Kreu-straßen beobachten möchte, ist das umgekehrte: und ,o wie ja wohl emeneuere R S - tuna der Seilkunde ihre Aufgabe weniger m der Heilung der jchon voll enl- w7ckelten Krankheit als vielmehr in der Vorbeugung gegen deren Entstehung erblick!, so möchte Referent auch hier das Entstehen und ^"terwach^n rer Schäden unserer Kreisstraßen vermeiden durch vorbeugende langsam aber stetig wirkende Pflege des großen und werthvollen Kapitals, das m den Kreisstraßen überantwortet ist. omtimmunr
Demnach hat er bei Ausstellung der Ausschlage - Zustimmung be§ Kreisausschusses — die Ausführung sammtlicher Arbeiten an den Straßen mit Ausnahme des Steinschlags, nicht als stoßweise aufzufuhrem e Lglohn- oder Kleinaccordarbeiten beabsichtigt, er schlagt vielmehr: vor, die Besorgung derselben auf eine Strecke von ca. 6 Kilometern eurem hm- ur ver^ antwortlichen Accordarbeiter in Jahresaccord zu geben. Teßsleichen oll an die Stelle arößerer — für den Verkehr und die Bankette gtercy ia>ao ttchen - Schüttungen von Decksteinen auf ganze Wegstrecken kleine, über Re nassen Monate des^ganzen Jahres vertheilte, Ausbesserungen und dem entsprechend ein Jahr um Jabr gleicher Aufwand an Ecksteinen tretem
Sodann soll überall einer rationellen Sparsamkeit durch Verwendung des zwar theureren, aber wesentlich besseren Basaltmaterials und endlich
Referent, daß die in den Erläuterungen L
einzelnen Arbeits- und Lieferungslefftungen durchschnittlich pro "etm den Kreis sind daß aber der gemarkungswei e sur jede Wegrichtung gerienm au gestellte Ausschlag sich in wesentlichen Abweichungen von diesem Durck>- schntt den localen Verhältnissen und Erfordernissen anzuschimegen sucht.
W v. Rabenau. Der Ansatz von 45 StratzEarten ist zu groß, um sie voll zu beschäftigen, und gewährt zu genügen Verdienst, da di selber NW dann höchstens auf 200 Thaler stellen wurden .Außerdem °iner
schlag überhaupt zu bemängeln und erscheintgeboten.” Was Commission zur Prüfung der Anträge d Z Kreisausschuss-^^^ ^Ertrauen das von dem Kreis-Ingenieur m feinen E g D , entqeqenzubringen: betrifft, so vermag v. Rabenau nicht demselben^ solches entge^enz^^ bei der Prüfung der Vicmalwege und die emzel e t
fahren und dabei Wegstrecken für gut, an c e & brste Auftreten worden, von denen jedes Kind anders urt^ Indern im Gegentheil hat dem Kreis-Ingenieur im Kreis fern Vertrauen, M°ein y Atißtrauen erworben. ^r?»iedenbeit die Verdächtigungen des
Der Vorsitzen e werft mtt enheit^d^e^^
Krers-Jngenreurs als formell m hohem O^ bie meisten Besich-
durchaus unbegründet zuruck. Der L9 Gesundheit erlaubte, die tigungen d,r ft“ Sraom«.«« P-»M» »«
«7°°- durch die bei ungünstigste .toltc wurde stets im offenen
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