Ausgabe 
25.6.1882 Zweites Blatt
 
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Mr. 1415. Zweites Blatt. Sonntag bell 25. Ium 1882.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Schulstraße B. 18.

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Gießener Anzeiger,

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Wochenschau.

Gießen, 24. Juni.

Die sogenannteSaison morte, die todte Jahreszeit, ist nicht nur in die Salons der Gesellschaft, sondern, seitdem sich der Reichstag sammt seinen Commissionen bis weit in den Herbst hinein vertagt hat auch in die Rämne eingezogen, in denen für gewöhnlich nurin Politik gemacht" wird. Unser inneres politisches Leben wird sich demnächst für einige Monate sehr gleichförmig gestalten, wenn auch nicht ausgeschlossen ist, daß einzelne Er­eignisse den Wellenschlag der politischen Angelegenheiten wieder lebhafter gestalten können. Ob das, ohne Zweifel die Allerhöchste Genehmigung findende Rücktritts- gesuch des preußischen Finanzministers, Herrn Bitter, als ein derartiges Ereigniß zu betrachten ist, erscheint allerdings ziemlich zweifelhaft, wenigstens hat in ein- geweihteren Kreisen die Demission des bisherigen Leiters der preußischen Finanzen gerade keine große Überraschung hervorgerufen. Es war in diesen Kreisen kein Geheimniß, daß Herr Bitter sich über die Behandlung verschiedener wichti­ger Fragen seines Ressorts mit dem Reichskanzler in einem tieferen Widerspruche befand, als Fernerstehende annehmen konnten, welcher Widerspruch nur durch den Rücktritt Herrn Bitter's gelöst werden konnte, doch wurde dieses Ereigniß nicht für so nahe gehalten. Hefter den Nachfolger Bitter's sind verschiedene Gerüchte im Umlauf, doch ist nicht zu bezweifeln, daß nur eine Persönlichkeit, welche den Anschauungen des Fürsten Bismarck Rechnung trägt, die Leitung des preußischen Finanzministeriums übernehmen wird.

Der Kaiser hat an das preußische Staatsministerium einen Erlaß gerichtet, in welchem angeordnet wird, daß ihm von jetzt ab in jedem Monat über die Zahl und Vertheilung der auf dem Gebiete der Staatssteuern, der communalen Zuschläge und der Beitreibung des Schulgeldes stattgefundenen Zwangsvollstreckungen eine Uebersicht vorgelegt werden soll. Es soll hierdurch m erster Linie neues und authentisches Material zur Feststellung des Maßes des Steuerdruckes beschafft werden, um dann eventuell Abhülfe durch Gesetzes­vorlagen zu schaffen.

Die Begnadigung und Anerkennung der abgesetzten preußischen Bischöfe läßt trotz der Vollziehung des neuen Kirchengesetzes auf sich warten. In ultramontanen Blättern spricht sich hierüber eine nur schlecht verhüllte Ver­stimmung aus, da man die Rückkehr des einen oder andern abgesetzten Bischofs für unmittelbar bevorstehend gehalten hatte. Aus einem überaus gereizten Streit zwischen derRordd. Allg. Ztg." und derGermania" kann man übri­gens entnehmen, daß zur Zeit sowohl in Regierungskreisen, wie in den maß­gebenden kirchlichen Kreisen Erwägungen darüber stattfinden, welchen Bischöfen die Rückkehr gewährt, resp. welchen Bischöfen der Verzicht auf ihre Stellen nahegelegt werden soll.

Die Befestigung geordneter Verhältnisse in den von Oester­reich besetzten Provinzen nimmt ihren steten Fortgang. Ein erfreulicher Beweis hierfür ist das sehr günstige Ergebniß der Rekrutenaushebung in Bosnien, namentlich haben sich hierbei viele Freiwillige, darunter auch Mahomedaner, ge­meldet. Die WienerPolit. Corresp.", welche diese Mittheilungen bringt, theilt ferner mit, daß zahlreiche Flüchtlinge nach Bosnien zurückgekehrt seien, sowie daß eine große Anzahl noch in Montenegro befindlicher bosnischer und herzego- winischer Flüchtlinge u:n straffreie Rückkehr gebeten habe, was ebenfalls als ein wichtiger Beleg für die wesentliche Besserung der Verhältnisse zu betrachten sei. Da auch der Aufstand, abgesehen von zeitweise hie und da auftauchenden Räu­berbanden, nunmehr gänzlich unterdrückt ist, so werden sich von jetzt an die Dinge inReu-Oesterreich" hoffentlich in friedlicher Weise weiterentmickeln.

Die Franzosen wollen immer etwas Neues haben und so kommt ihnen eine neu auftauchende Frage gerade recht, nämlich dieTonking-Frage." Tonking ist die nördlichste und zugleich fruchtbarste Provinz des hinterindischen Reiches Aman. Die Franzosen, welche in Hinterindien Cochin-China besitzen, hatten ihr Auge längst auf Tonking geworfen, welche Provinz namentlich durch den Umstand, daß sie mit der angrenzenden reichen chinesischen Provinz Mn-nan lebhaften Handel treibt, als ein werthvolles Besitzthum erscheint. Französische Marinetruppen haben nun vor einiger Zeit unter dem Vorwande, daß die Ama-

niten mit den hinterindischen Küstenpiraten unter einer Decke steckten, Han-noi, die Hauptstadt von Tonking, mit Sturm genommen und besetzt. Die französische Negierung soll nun beabsichtigen, ohne sich um den Einspruch des Herrschers von Aman zu kümmern, die wichtigeren Punkte des Landes zu besetzen und die französische Einwanderung nach Tonking zu begünstigen. Nun, wenn nur Tonking den Franzosen besser bekommt als Tunis!

Die Befürchtung einer allgemeinen Revolution in Irland hat sich bei den englischen Staatsmännern seit der Entdeckung des letzten großen für Irland bestimmten Waffen- und Munitions-Transportes wieder geltend ge­macht. Die Militärbehörden haben deshalb in Irland entsprechende Vorsichts­maßregeln getroffen, namentlich wurden sämmtliche Militärkasernen unter scharfe Bewachung gestellt, da man erneute Versuche der fanatisirten Iren, derartige Gebäude in die Lust zu sprengen, für sehr wahrscheinlich bält. In dem am Mittwoch zu London stattgefundenen Ministerrathe wurde beschlossen, Lord Dufferin, den englischen Botschafter in Konstantinopel, zu instruiren, seine Thü- tigkeit auf der Conferenz daraus zu beschränken, daß eine solche Lösung herbei- gesührt werde, welche die Aufrechterhaltung der Rechte des Khedive, die Wah­rung der Freiheiten des egyptischen Volkes und die Innehaltung der internationalen Verpflichtungen Egyptens sichere.

Für Rußland scheinen wieder einmal Veränderungen in der Diplomatie wie in den wichtigeren innern Verwaltungsposten in Aussicht zu stehen. Baron Mohrendorff, der russische Gesandte in Kopenhagen, ist bestimmt, den russischen Botschafter in London, Fürsten Lobanoff, zu ersetzen, falls letzterer eine andere Verwendung finden sollte. Der Votjchafterposten in Konstantinopel, den bisher Novikoff innehatte, soll durch Herrn v. Nelidoff, den Vertreter Rußlands am Dresdener Hofe, wieder besetzt werden. Endlich verlautet, General Orschewski werde zum Oberpolizeimeister von Petersburg an Stelle des Generals Koslow ernannt werden, weich' letzterer auf seinen früheren Posten als Oberpolizeimeister von Moskau zurückkehren werde.

Hinsichtlich der egyptischen Frage macht sich neuerdings eine etwas friedlichere Auffassung derselben geltend. Sowohl der Zusammentritt der Botschafter-Couferenz in Konstantinopel, welcher am 22. Juni erfolgt ist, wie auch die Neubildung des egyptischen Cabinets werden als Anzeichen dafür be­trachtet, daß die Spannung am Nil allmälig nachläßt. Der Umstand, daß Arabi Pascha auch im neuen Cabinet seine einflußreiche Stellung beibehalten hat, t|t als eine neue Schlappe der Westmächte zu betrachten, welche ja gerade die- Ent­fernung Arabi's forderten; sür eine friedliche Entwickelung der Dinge ru scheint aber dennoch das Verbleiben Arabi Pascha's im egyptischen Ministerium eine Bürgschaft zu sein. _____________

Aus Thüringen, 19. Juni. ^Schaden durch

17. auf den 18. Juni hatte sich tn einigen Strichen Thür 6^ n und @urfen nicht eingestellt. Derselbe hat auf den Reibern an 'b b?e Äartoffelpflanaen ganz

unbeträchtlichen Schaden angerichtet. In vielen Fluren s Bamberg", sind sämmtliche schwarz. In der Gegend vori Gottern, dem^th^«g'fch-n AE 0^1 die bis letzt sehr gut gestandene Gurkenfelder vom ip ofi 0 »

Aussicht auf eine günstige Gurkenernte geschwunden m- 141000 Auswanderer aus

Newyork, 18. Juni. Im vorigen, Monat Dampfergesellschaften haben

Europa in den Vereinigten Staaten aU'-^^rer^zu entrichten, so daß dieselben nun- letzt eingewilligt, die Kopfsteuer für oon (Salcutta angefommene «befttff

mehr in Castle Garden landen können. b m seiner Cajüte schlief, von

Freeman Clarke" berichtet, daß der Capita , unb ba^ ber chinesische Koch den

dem chinesischen Schiffsdiener brutal ermc»bet jnur^ ^Eschaft tödtete darauf

ersten Steuermann angriff und feftwer n 5)q§ bte Gewaltthat

beide Chinesen und warf beide Leichen r-ö Jedermann an Bord wohl gelitten der Chinesen ist unerklärlick>, d d- Zpttan von ^Qffcnftrifc für Wu Löhne ent- war. - Unter ben ©tritenber verhinbert, andere zur Arbeitsem-

standen. Die Polizei hat eme merben tn Bereitschaft gehalten, um

stellung zu zwingen. Die Polizei uno o u»norbnunQ $at sich setzt am einzelne etwaige Rudeftorungen zu umerd u ben Walzmühlen von Cleveland

Fälle von bk nWhern Verband- ongchor-n mit jedem

Sro6eV.ni(ie e®W" "« der Nacht am Freitag di- Staaten Mchaun und Kansas^h°lln, wodurch m-hr-r- Menschen ihr Leben verloren und großer Eigenthmns.