Ausgabe 
24.9.1882 Zweites Blatt
 
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. . ~ Unter den deutschen Modenzeitungen behauptetDer Bazar" vor wie nach

seine hervorragende Stellung. Was ihn auszeichnet, ist seine eminente Nützlichkeit für seine Fürsorge für jede Altersstufe des weiblichen Lebens und sein Geschmack und Schönheitssinn in Hervorhebung der charakteristischen Züge der jetzt in so schnellem Tempo wechselnden Mode. Stets das Neueste und in diesem das Geschmack­volle und Schöne, unter Ausscheidung alles Extravaganten, seinen zahlreichen Leserinnen ®n bKr Äb !dner accreditirten Pariser Verbindungen vorzuführen, mit stilvollen Handarbettsvorlagen den in dieser Hinsicht erfreulich sich steigernden Anforderungen entgegenzukommen, darin sucht und findet er seine Aufgabe.Der Bazar" ist in rechtem und echtem Sinne ein Familienblatt, denn -licht nur ist er durch seine vrak- tischen Schnittmuster und Illustrationen ein bewährter Mentor für die Toilette und Handarbeit, auch für den Haushalt, die Küche rc. gibt er eine Fülle nützlicher An- welfungen und erthetlt auf jede in diesen Bereich fallende Anfrage bereitwillig Auskunft und Rath und tn der That finden die Correspondenz-Colonnen imBazar" nicht minder eifrige Leserinnen, als der meist anregende und fesselnde Inhalt seiner auch nach künft- lenscher Richtung hin geschickt redigtrten Unterhaltungsnummer.

Vermischt«-.

Im Bereiche der Großh. Hess. Division sind für Militäranwärter folgende Stellen offen: Mainz, Postamt, Postschaffner, 800 JL Gehalt, 180 JL Wohnungsgeld- Zuschuß pro Jahr. Offenbach a. M-, Postamt, Briefträger, 800 Gehalt und 180 JL Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Näheres bet den Bezirksseldwebeln.

Viernheim, 19.September. Gestern Morgen ereignete sich hier ein gräßliches Unglück. Das 4 Jahre alte Kind des Kaufmanns Hofmann wurde von einem Pferde todtgeschlagen- Die Mutter des Kindes wollte dies hcrvorziehen, als das Pferd zum zweiten Male ausschlug, die Frau traf und ihr die ganze Kinnlade zerschmetterte, so daß man an ihrem Aufkommen zweifelt. Die Thetlnahme für die so schwer betroffene Familie ist eine allgemeine.

Groß-Gerau, 15. September. Wie leichtfertig dasHängen" selbst bet Schul­kindern oft behandelt wird, dafür spricht recht drastisch der hier am verflossenen Sonntag vorgekommene Fall. Es waren ihrer 4 Knaben im Alter von 8 bis 10 Jahren, zwei davon waren Israeliten. Da kam einer von den anderen zwei auf den kaum begreif­lichen Einfall, dem jüngeren der beiden Israeliten 3 Pf. zu bieten, wenn er sich auf- hänge. Der Junae nahm es an und sie gingen miteinander tn die Scheuer und machten noch vorher aus, daß er pfeifen solle, wenn es ihm weh thäte. Hier kletterte er auf

Zum Zwanzigjährigen Ministcrjubitäum des Mrsten Bismarck.

Wenn es auch dem schlichten Character des Fürsten Bismarck entspricht, nicht durch große Feierlichkeiten für seine außerordentlichen Verdienste geehrt zu werden, so kann doch unmöglich das deutsch: Volk einen Tag der Erinnerung verfließen lassen, der in unstreitiger Weise den Anbruch einer neuen, segensreichen Aera für das durch Jahrhunderte hindurch tn politischer Ohnmacht befindliche Deutschland verkündete, denn am 23. September 1882 sind es zwanzig Jahre, daß der damalige preußische Gesandte am französischen Kaiserhofe, Herr von Bismarck, von unserem jetzigen Kaiser zum preußischen Staatsminister der auswärtigen Angelegenheiten und Ministerpräsidenten ernannt und überhaupt mit der Oberleitung der preußischen Staatsgeschäfte betraut wurde. Was Fürst Bismarck in diesen zwanzig Jahren als preußischer Staatsmintster, dann als norddeutscher Bundeskanzler und später als deutscher Reichskanzler für das Vaterland vollbracht hat, lebt so frisch in aller Zeitgenossen Gedächtniß, daß wir dieses großen Staatsmannes Ruhmesthaten nicht der Reihe nach aufzuzählen brauchen, für Fürst Bismarck wird auch der Lorbeer grünen, so lange es ein Deutschland gibt und als Einiger des Vaterlandes, als unerschrockener und unermüdlicher Staatsmann und hochherziger Patriot wird er für immer einen Ehrenplatz in der Ruhmeshalle der Welt- geschichtt emmhm^n^^^^ eg aIf0 flar nicht möglich, in einem Artikel der Tages­

presse dem Fürsten Bismarck, der nun zwanzig Jahre mit unerschütterlicher Ausdauer und beispiellosen Erfolgen am Staatsruder steht, genügend zu feiern. Aber wir wollen es nicht unterlassen, an diesem neuen Ehrentage des Fürsten Bismarck wenigstens auf zwei Punkte in feinem Leben und Streben aufmerksam zu machen, die mit zu den ersten Bedingungen seiner Größe gerechnet werden müssen, es ist dies das scharfe Zielbewußt­sein und das bewundernswerthe Maßhalten in den Bestrebungen des Fürsten Bismarck.

Klarer und zielbewußter, wie er es gethan, ist wohl noch kein Staatsmann vor eine schwierige und gefahrvolle Aufgabe getreten, denn als Fürst Bismarck am 23. September 1862 preußischer Minister wurde, hatte er die großen Gaben seines Geistes als preußischer Bevollmächtigter beim Frankfurter Bundestage und dann als Gesandter Preußens in Petersburg und Paris so ausgezeichnet zu oerwerthen ver­standen, daß er das ganze Getriebe der deutschen und europäischen Politik bereits besser durchschaute, als irgend ein zeitgenössischer Staatsmann und auch bereits an allen Fäden spann, die das Gelingen seiner großen Mission vorbereiten sollten. Diese außerordentliche Thatsache ist aus des Fürsten Btsmarck's Briesen und Berichten während seiner Frankfurter Bundesgesandtschaft und Zeit seiner Mission in Petersburg und Paris ganz klar erwiesen und dieselbe Thatsache gab dem Fürsten Bismarck auch die eminente Befähigung, schon bald nach seinem Amtsantritt als preußischer Minister des Auswärtigen eine leitende Rolle im europäischen Concert zu erzielen. Das Letztere wäre aber mit dauerndem Erfolge nicht möglich gewesen, wenn Fürst Bismarck seine thatsächlich schon führende Rolle nicht mit dem vorsichtigen Maßhalten begleitet hätte, wo es galt, Rücksichten zu nehmen, sich keine vorzeitige oder unerwünschte Feindschaft zu machen und doch alle seine Vorbereitungen zu treffen, um bann in den entscheiden­den Augenblicken mit unwiderstehlicher Wucht einen Schlag zu thun oder mit diplo­matischer Meisterschaft ein Band zu knüpfen. Wäre Fürst Bismarck tn dieser schwie­rigen Kunst nicht so groß, bann hätte er unmöglich ber Feindschaft des Auslandes, den Ränken eines Napoleon und ber Zerfahrenheit ber inneren Zustänbe gegenüber, Preußen und Deutschland aus ihrer früheren ohnmächtigen Stellung so erfolgreich er­heben können. Und die dankbare Anerkennung dieser ruhmreichen That sei an dem Tage, wo Fürst Bismarck zwanzig Jahr Minister ist, sein schönster Lorbeer, den Zein Streit der Tagesfragen verdunkeln kann.

den Heuboden knüpfte sich einen Strick um den Hals und nachdem er das Settchcn festgebunden, ließ er sich heruntcrfallen. Es war ein Glück, daß er noch schreien konnte und die Buden so viel Geistesgegenwart hatten, hinaufzueilen und den Hängenden wieder ^t"Uäee&en,Omit d-m°Schr^-^da°?ng-k°m^-n''°'^ sind di-s-lv-n. wie 'ÄttÄT.tt'iyiÄ ben Klavierheroen Liszt, der in fo edler und uneigennütziger Weise das aufstrebende Genie unterstützt und durch seinen Unterricht schon so Manchem' Huf bte böcörte ©oSfe der Leiter der Äunft yerbolfen hat, nach Baden-Baden, wo zu Ehren des Altmeisters ?u^r anderen Feierlich keilen ein Liszt-Concert veranstaltet wurde. DasBadeblatt" schr^bt darüber u. a.:Eine höchst angenehme Ueberraschung wurde dem Publikum hJSj, iw" Herrn Ludwig Dingeldey bereitet, einem jungen Pianisten.

nmmCfnUnm^hr^d?ßhnt ^b^^uoch wenig bekannt waren, weshalb sein vollendetes Spiel um so mehr zündete. So Bedeutenoes hatte man sicher nicht erwartet. Herr besitzt nicht nur die virtuose Technik, die Liszt's Schüler mehr oder wemger

Ä «ns'pf0£ber^ er hat auch eine Weichheit des Anschlages, eine Sangdarkeit fCr?e§ S?' ble I? be£ seltenen Eigenschaften gehört. Es ist eine Jnnig- fnmnnVhifA h ar ^Pfatbung in seinem Vortrag, bie uns außerordentlich

te übernimmt sich niemals, weder im Ton, noch im Tempo;

d e rA u sffifinmnC° ÖPe' ^usikalischabgerunbet und dabei technisch virtuos tief empfundene und dabei doch brillante Wanherer-Fantafie Franz Schuberts, welche Liszt durch seine symphonische Bear- bestung concertfahig im edelsten Sinne des Wortes gemacht hat, ist wie für Herrn Dingeldey geschrieben. Seine Künstlerindividualität ging darin vollständig auf - es ein Genuß, feiner Interpretation zu folgen. Der Effect war auch ein völlig durch- ^,?m?ber ^err Dingeldey hat mit diesem einen Vortrag sich hier einen bleibenden Künstlernamen erworben. Er wurde durch wiederholten Hervorruf und stürmischen

UpiMa rcnC)e ?net* das Liszt besuchte, veranstaltete, um ihn zu

feiern, ein Aan.eert, welches gleich jenem in Baden-Baden nach dem Grundsätze, daß derTonkunstam würdigsten durch seineselbstgeschaffenen Werke feiert, ausschließlich aus Compofitronen des berühmten Virtuosen bestand. DieBrets- gauer Zeitung schreibt über das Spiel des Herrn Dingeldey, der auch in diesem Concerte mitwirkte: Eine wahrhaft bewunderungswürdige Leistung war die Klavier- ber Symphonie mit Orchester, welche ein Schüler Liszt's, Herr Dingelbey aus Weimar, übernommen hatte." Heber baffelbe Concert läßt sich dieUnion", das verbreitetste Blatt Elsaß-Lothnngens , wie folgt vernehmen:Die dritte Nummer des ^/ogramms bildete ein Werk, das sich durch seine unendliche Feinheit auszeichnet; es °p?8<y£5 von Liszt für Klavier und Orchester

arrangirt. Ein Pi an st aus Weimar, Herr L. Dingeldey, spielte die Klaoierpartte mit einer Vollendung, welche den Schüler Liszt's augenblicklich erkennen läßt. Sein Ton U* von einer unendlichen Weichheit, seine Technik ftaunenerregenb." Aus derFreiburger ZEitung erfahren wir ferner, baß der greife Tvnheld seinen Schüler nach Beendigung ft nes Spiels vor dem gesammten Publikum umarmte und küßte. Aus alledem ersehen JVJ Ar uns nicht tauschten, wenn wir im vergangenen Jahre, als wir einige 7h Qi?L?Cn ,^cnu.& gehabt hatten , Herrn Dingeldey in verschiedenen Concerten spielen zu Horen, ihm eine glanzende Künstlerlaufbahn voll Ehren und Anerkennung voraus- T fo ""hr dankbar, daß er seiner Kunst als Pianist treu blieb und ft» nicht einer anderen zuwandt-, zu der ihm sowohl ein besonderes Talent, als w? Sv6? $rotectton eines Fürsten zog. Herr Ludwig Dingelbey wirb «mehr unb machen^ ° ße crr n0cn un^ seinen Namen zu einem überall gekannten und verehrten

Allgemeiner Anzeiger.

J. Ae Busch Söhne.

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