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Mittwoch den 22 November
1882
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bureau: Schulstraße 7.
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Nachdem nun die österreichische und die ungarische Delegation in der Hauptsache ihre Arbeiten beendigt haben wird demnächst der österreichische Reichsrath zu seiner neuen Session zusammentreten 3ßS den Erlauf der Delegations-Sitzungen anbelangt, so kann die österreichische Reaie" mng hiermit zufrieden sein, denn die Delegationen haben die Reaierunas-idord - rungen fast unverkürzt bewilligt selbst der Occupatwns-Credifur^Lien gelangte diesmal m der ungarischen Delegation unbeanstandet zur Annab ne Ueber das Arbeitsprogramm, welches für den Reichsrath in Aussicht aenommen ist, vernimmt die „Neue Fr. Pr.", daß den Reichsrath hauptsächlich volk-mst7tb schastliche Vorlagen beschäftigen würden, namentlich Vorlagen bezüglich der Arbeiterverhältnisse. — In Lemberg wurden sechs Handwerksgesellen ^in deren Behausung die Polizei Kugeln, die mit einem noch zu prüfenden Stoffe aeiüllt waren, und socialistische Brochüren fand, verhaftet 8 f “
Die gegenwärtige Unsicherheit der politischen und varlamenta- rischen Verhältnisse Frankreichs spiegelt sich in den ®e6atte/beVs™utoi kammer wider. Die Verhandlungen der letzteren, die hauptsächlich das Cultus- budget zum Gegenstand hatten, haben sich bis jetzt ebenso unfruchtbar als stürmisch gestaltet; über einzelne Positionen mußte sogar mehrere Male abg § stimmt werden, da die Kammer ihre Meinung stets wechselte, Gambetta bat demnach nicht Unrecht, wenn er behauptete, daß mit dieser Kammer nicht ^zu regieren sei. Ja, in der Sitzung vom Donnerstag wäre es bei Beratüuna von Kapitel 7 des Cultusbudgets (Pensionen der Geistlichen) beinahe zu einem Tadelsvotum für die Regierung gekommen. Der radikale Deputirte Rocke b an- tragte dasselbe, indem er constatirte, daß dem Erzbischof von Algier ungeachtet Der ablehnenden Haltung ein Credit von 50,000 Frcs. qewäbu mordm sei ®ei der in der Kammer herrschenden Verwirrung wäre wahrscheinlich der Antrag Roche s durchgegangen, wenn nicht der Ministerpräsident Duc erc recktreitm intervenirt hätte, indem er verlangte, es solle in dieser Slngele^enöeR exn/befon® °ere Interpellation emgebracht werden, da es nicht gebräuchlich se daß anW-
Politische Ueberfkcht.
Giesten, 21. November.
Kaiser hielt am vergangenen Freitag und Sonnabend in Beglei- tung der königlichen Prmzen bei Hubertusstock Jagden ab, denen auch König Albert und Pnnz Georg von Sachsen beiwohnten. Am Sonnabend, Abends, ^ohe, Jagdgesellschaft wieder in Berlin ein und nahmen die erlauchten sachstfchen Gäste im königlichen Schlöffe Nachtquartier, worauf dieselben am Sonntag Abend nach Dresden zurückkehrten.
^ounerstag im preußischen Abgeordnetenhause erfolgte Präsidentenwahl ist so verlaufen, wie es bereits vorher angekündiqt war und hat die Wahl demnach keinerlei Ueberraschungen gebracht. Wiederqe- wahlt wurde zum ersten Präsidenten Herr v. Köller (conservativ',, dem alle Fraktionen ihre Stimmen gaben, ebenso wurde zum ersten Vicepräsidenten Frhr. v. Heeremann Zentrum) wiedergewählt, wobei jedoch von einem Theil der Liberalen weiße Zettel abgegeben wurden. Zum zweiten Vicepräsidenten wurde Herr v. Benda ^nationalliberal) gewählt, wogegen das Centrum für den frei- conservatwen Abg Stengel stimmte, obgleich die Freiconservativen zu Gunsten der Nationalliberalen ausdrücklich auf die Besetzung der zweiten Vicepräsidenten- stelle verzichtet hatten. Eine größere politische Bedeutung wird der diesmaligen Präsidentenwahl schwerlich zuzumessen sein, der Ausfall derselben dürfte aber allseitig Befriedigung erregen, da hierdurch das Stärkeverhältniß der Parteien im Abgeordnetenhaus den richtigsten Ausdruck findet. Nach der durch Accla- matwn erfolgten Wahl der Schriftführer, sowie derjenigen der Abtheilungs- Vorstande und nach Berufung der Quästoren ist nunmehr das neue preußische Abgeordnetenhaus constituirt. - In der folgenden Sitzung am Freitag brachte der Fmanzminister Scholz, welcher sich in dieser Eigenschaft zum erstenmale dem Hause prasenttrte, den Staatshaushalts-Etat pro 1883/84 ein. Aus dem län- geren Vortrage des Herrn Scholz sind als wichtigste Punkte folgende hervorzuheben: Die Gesammtziffer des Etats balancirt mit 1089 Mill. und betragt die hierzu erforderlich Anleihe 31,8 Millionen. Das Deficit ist vorwie- ?end durch Minder - Einnahmen und namentlich durch den Minderansatz von 10 Millionen bei den Gerichtskosten entstanden. Ein Steuererlaß findet statt zum Betrage von 20 72 Mill. «X Besonders hob der Minister die Thatsache hervor, daß m diesem Jahre zum erstenmale das große Ziel der Finamreform - finanzielle Selbst^ erreicht sei, denn währmd noch vor
IO Jahren Preußen etwa 55 Millionen an das Reich zu zahlen hatte, empfängt es iy?si«mTtäajrCJU™etftemna(e com Reiche 3-/- Millionen. Die Ankündigung des Ministers die Regierung gedenke den durch die Aufhebung der vier untersten Stufen der Klassensteuer entstandenen Ausfall von 12 Millionen durch die Besteuerung des Vertriebs geistiger Getränke und des Tabaks zu ersetzen erregte auf der linken Seite des Hauses große Bewegung. Die nächste Sitzung ®atb bln 22: b- Mts., anberaumt, an welchem Tage' die
General-Diskussion des Etats ihren Anfang nimmt. 8
■ am Donnerstag unter dem Vorsitz des Staats-
Ministers v. Bötticher eine Plenarsitzung ab, in welcher nur Vorlagen und Eingaben von untergeordnetem Interesse erledigt wurden.
Wie die „Aat.-Ztg." berichtet, beabsichtigt die „Liberale Vereini- gung , wie es im Reichstage geschehen, auch im preußischen Abgeoidnetenhause eine Verenngung der drei liberalen Fraktionen dahin herbeizuführen, daß sich vAändigen *r 5 ro,^ti9en 5ra8m durch Delegitte regelmäßig
! eCS ^^dgets Tadelsvoten eingebracht würden. In Folge dessen verschob die Kammer die Erörterung dieser Angelegenheit bis Sonnabend, den 18. d. Bits her °>?bda"en des englischen Unterhauses über die Reform' Sn sffiS *n d°" Tagen etwas mehr Lebendigkeit gekommen. Im Verlaute der Sitzung vom vergangenen Freitag nahm das Haus mit 137 gegen 69 Stimmen die siebente Resolution zur Geschäftsordnung an so daß man m dieser Woche dem Schluß der Debatten über diesen Gegenstand ent- Wensehen kann - Lord Dufferin ist, wie aus Kairo gemeldet wird miteiner eingehenden Prüfung der politischen und finanziellen Lage Egyptens beschüstiat und conferirt deshalb täglich mit höheren egyptischen Beamten.
- ^0^5. ^er russischen auswärtigen Angeleqenheiten
Herr v. Giers, ist m vonger Woche in's Ausland abgereist, doch sollen seiner Reise keinerlei politische Motive unterliegen.
Die spanischen Cortes sind zum 4. December einberufen worden womit nun auch lenfeits der Pyrenäen das politische Leben einen neuen Auf-' schwung nehmen wird. Die Cortes werden sich mit verschiedenen für Spanien wichtigen Angelegenheiten zu befassen haben. In Bezug auf die auswärtige Politik harren die wegen der eubanischen Flüchtlinge mit England begonnenen diplomatischen Pourparlers noch ihrer Erledigung. Verschiedene innere Fragen
J re? Eolomal-Verwaltung hervorgetretenen Mißstände, dürften der Opposition Gelegenheit zu scharfen Angriffen auf das Cabinet Sagasta geben ^/^S l°.S°r u-cht unwahrscheinlich, daß die Cortes-Verhandlungen eine partielle Krisis im spanischen Cabinet zur Folge haben werden.
, Die Frage wegen Entsendung eines türkischen Special-Commissars nach Egypten scheint eine Verstimmung zwischen der Türkei und England her-
^land^at sich bekanntlich gegen diesen Plan, den die Psorte in golge der egyptischen Mission Lord Dufferiksis faßte, erklärt. Trotz dieses Einspruches Englands beharrt aber die türkische Regierung darauf, auch ihrerseits ^Eunssar nach Egypten zu senden, was doch eigentlich England dem Sultan, als dem Oberherrn Egyptens, nicht verweigern kann, frirt r?a 1 <$ntel7e c an- ben kgstptischen Angelegenheiten eoncen- mrt sich fetzt vorwiegend auf die aufständische Bewegung in der Grenzprovinz ist hni v*er " “ & Prophet", welcher die Seele dieser neuen Jnsurrcetiog ist, Yat schon not Beginn des egyptischen Krieges die Truppen des Kbedive Sauvtswä empri"iiI‘cb Sachlagen und bedroht jetzt sogar ernstlich Khartum , die taÄ J®16 bStzptlsche Regierung macht alle Anstrengungen, um
d r"Dbellenfuhrer em Heer von ca. 20,000 Mann entgegenzuwerfen, aber bei
Lage, IN der sich gegenwärtig Egypten befindet, begegnet die Bildung des Expeditions-Corps großen Schwierigkeiten, es sollen selbst unter den hierzu angeworbenen Mannschaften schon Meutereien vorqekommen sein '3m Ganzen ist also der Aufstano im Sudan für die egyptische Regierung eine erJifte ter^erfortern au$ no$ bie abermalige Intervention ter Englän-
Telegraphische Depesche«,
$ kelegr. Eorrespondenz-Bureau.
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Emladungcn b^chr/mord'n fta,If,nbenbe;1 «oberen Diner sind beide Sit
— $Cr j^onJ>r,n» empfing Nachmittogs Giers in Audienz.
s-üs zwar nnf m, re £:'?Ua' 3tg--erflärt die Nachricht, daß der Fmanzminifter seiner- aber etoer n/k? »^^°hung der Lotterieloose von 90,000 auf 1SO,0M verzichtet habe für ftdes «etne »“ «enefgt fetz
intimen dbsuch des iussjschen Ministers Giers gilt als Ausdruck der guten und Ueaen G ers Rußland, ohne daß ihm irgend welche Specialzwecke zu Grunde KalnokyWieu^zu feinCr "°ch P-t-räurg auch
Wrtrfif 201 November. Der Großherzog von Baden, welcher gestern
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.rUn^ sammtllche zur Eröffnung der Eisenbahnlinie Novara-Pino aeladenin Gaste Iheilnahmen. Der Chef der Municipalität von Genua und d.e anwesenden Ver- und Deutschlands brachten gegenseitig Toaste aus, welche von der ^st?brsammlurig mit großem Beifall ausgenommen wurden. Der Prinz Amadeus
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Wlen 20. Novbr. Die Wählerversammlung im Innern der Stadt wurte verfchoben, weil nur em geringer Theil der großen Masse welche kick emgefunden, den Wahlberechtigten des ersten Bezirks angehörte und' Demonsträ- honen befurchtet wurden.
Darmstadt, 20. Novbr. Ernannt wurden:
, . Am 15. November der Gerichtsvollzieher mit des Amtssitze xu Bad Nau- |eim ^acob Heutzenröder zum Gerichtsvollzieher mit dem ^Amtssitze ru
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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf. '


