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Türkei.

Konstantinopel, 19. August. Die Psorte hat dem Vernehmen nach die englischen Vorschläge über die Militär-Convention nicht abgelehnt, sondern einen Gegenentwurf vorgelegt, der augenblicklich berathen wird.

Aegypten.

Alexandrien. 19. August. Sechs englische Transportschiffe mitTrup- pen und zwei Kanonenboote verließen gestern Abend den Hafen. Dieselben nehmen heute Stellung außerhalb der Rhede und stehen bereit, nach Abulir auszulau,blautet, hätte der Khedive beschloffen, Cherif Pascha mit dem Vorsitze in dem neu zu bildenden Cabinet zu betrauen, lieber die sonstige Zu­sammensetzung des Cabinets würde erst nach der Ankunft Riaz Paschas Be­schluß ^^^^rden^ SanonenbootHabicht", das russische KriegsschiffEriklik" und einige andere Kriegsschiffe schicken sich an, den Hafen zu verlaßen.

Arabi Pascha hat wahrscheinlich in der Meinung, daß die englischen Vorposten-Stellungen in Folge der Truppensendung nach Abukir schwach besetzt seien - in der vergangenen Nacht einen Angriff auf die Position bet Mex ge­macht, ist aber mit starken Verlusten zurückgeworfen worden-

Der AvisoSalamis" hat heute Mittag mit den Generalen Wolseley und Adye an Bord den Hafen verlassen- Um 1 Uhr sah man die Transport­schiffe und die Flotte in östlicher Richtung unter Segel, alle Kriegsschiffe waren gefechtsbereit. Admiral Seymour wird aus dem PanzerschiffAlexandra" lerne Flagge aufhissen. Die von General Wolseley an die Bevölkerung erlassene, ihrem Inhalte nach bereits bekannte Proklamation ist heute veröffentlicht roor« den. Wie es heißt, hätte der frühere Minister der Wakufs, Haffan Cheri Pascha, eine Verbindung mit Arabi Pascha unterhalten und solle in Folge dessen an Bord des egyptischen SchiffesMehemet Ali" gebracht werden. Nachrichten aus Kairo vom 14. ds. besagen, es herrsche Ruhe, mehrere euro­päische Kaufleute seien zurückgekehrt und hätten ihre Läden wieder geöffnet.

Alexandrien, 19. August. Heute Nachmittag hat zwischen den briti­schen Truppen und den Egyptern am Mahmudieh-Kanal ein Gefecht begonnen.

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S telegr. Correspondenr-Bnreau.

Pot-dam, 20. August. Se- Maj. der Kaiser wohnte mit Ihren Kgl. Hoheiten den Prinzen Wilhelm, Alexander, Friedrich Leopold und einer glänzen­den Suite heute Morgen 10 Uhr dem Festgottesdienst in der Garnisonskirche dei welcher aus Anlaß des 150jährigen Bestehens derselben abgehalten wurde. Se Majestät wurde am Eingänge des Gotteshauses von dem Oberpräsidenten Achenbach und der gesummten Geistlichkeit empsangen und in das sestlich und iverhevoll decorirte Gotteshaus geleitet. Nach feierlichem Glockengeläute begann der Gottesdienst An demselben nahmen Truppentheile der sämmtlichen Garnison in, Paradeanzug Theil. Das Schiff der Kirche und der Platz um dieselbe war vom Publikum dicht besetzt. - Se. Maj- der Kaiser hat den Hofpredigern Rogge und Strauß den rothen Adlerorden 3. Klaffe verliehen. Ihre Map die Kaiserin war ihres Befindens wegen verhindert, an der Feierlichkeit theilnehmen zu la, August. Dem Dolmetscher der italienischen Botschaft,

Leronp ist heute das Protokoll der Conferenzbeschlüste vom 14-ds. betreffend den Suezcana, mit den Unterschriften Said Paschas und der Vertreter der Machte, em- ^gangen. Lord Dufferin wiederholt in dem Proto oll den Vorbehalt der force majeure.

Gemäßheit dieses Protokolls werden Marin-ofstz.-re aller Nationen in Port Said Mamm-ntret-n zur Ausführung der Maßregeln, zu denen sie von der Conferenz er­mächtigt sind. bi£ Hauptpunkte der Modifikationsvorschläge Said Paschas zu

der Militiircouveution, welche dem an Lord Granville zur Ratlfitatlon elngesendeten vermittelnden Conventionsentwurs zu Grunde gelegt ,ein sollen, werden bezeichnet, daß behufs Erleichterung des Verkehrs zwischen dem englycheu und dem türkischen Ex- pedilionscorps dem türkischen Hauptquartier ein englricher General attachrrt werde, daß die militärischen Bewegungen beider Expeditionscorps von beiden ^heilen so eingerichtet und ausaeführt werden, daß das eine nicht die Operationen des andern behindert und daß endlich eine Zeitbestimmung für die Räumung Aegyptens seitens der englischen Armee festgesetzt werde.

Port-Said, 20. August. Heute früh landeten hier englische Matrostn. Dre- elben entwaffnen die Eingeborenen ohne auf Widerstand bei denselben zu stoßen. Mehrere Transport- und Kriegsschiffe liegen auf der hiesigen Rhede, ein Geschwader von 7 Schiffen ist in den hiesigen Hafen eingelaufen. Die KriegsschiffeDee und ,Don" sind in den Suezcanal eingelaufen. Der englische Admiral hat dem Vernehmen nück die Schifffahrt auf dem Canal untersagt.

Port-Said, 20. August. Port-Said ist heute früh 3 Uhr durch 600 Matrosen besetzt worden, die Eingeborenen wurden, ohne daß Widerstand erfolgte, entwaffnet, die Befehlshaber der egypt schen Truppen wurden gefangen gesetzt, der zur Partei Arabt Paschas gehörende Gouverneur war nach Jsmailia gegangen, es ist eine Verwaltung im Namen des Khedive eingesetzt- Zwischen dem europäischen und arabischen Quartier der Stadt werden jetzt Erdverschanzungen errichtet, in beiden Quartieren herricht aber Ruhe. Admiral Seymour und General Wolseley befinden stch hier, ebenso find hier 17 Transportschfffe und 5 Kriegsschiffe vor Anker gegangen, derSerapis" und mehrere Kanonenboote sind in den Suezkanal eingelaufen. Die Telegraphenlinie zwischen Port- Said und Suez befindet sich im Besitz der Regierung, die Bureaus der Suezkanal- aesellschaft sind militärisch beseht, die Verbindungen mit Jsmailia und Suez sind unter­brochen. Der Suezkanal ist für Handels- und Baggerschiffe geschlossen und in einer Länge von 24 Kilometer durch die Engländer besetzt.

Die CorvetteTourmaline" lief heute Morgen mit einem bewaffneten Kanonen­boot desDee" in den Kanal ein und besetzte Jsmailia Die Truppen Arabi Paschas wurden aus Nesich vertrieben; auch Kantara wurde besetzt- Der französische Aviso Aspis" ist gestern nach Suez abgegangen, um die dort befindliche Corvette nForbin" ersetzen, welche sich zum Schutz der französischen Staatsangehörigen nach Masiowa 66iebt£Dnbon, 21. August. (Privat-Depesche). Eine am Sonntag Abend publicirte Depesche der Admiralität bestätigt die Besetzung von Port Said, des Kantara-Kanalö und Jsmallias durch die Engländer unter Seymour und Wolseley. Die egyptischen Truppen unterhalb Nefich wurden durch das Bombardement vertrieben. Die Telegraphenverbindung mit Jsmailia ist wieder hergestellt.

Lokale-.

Gießen, 21. August. Tagesordnung für die Stadtoerordneten-Sitzung atn Donnerstag den 24. Angnst 1882, Nachmittags 4 Uhr.

1. Prüfung der Rechnung der Armenkasse vom Jahre 1881/82.

2. Den Umguß einer Glocke betr.

3. Die Thorhäuser am Wallthor betr.

4. Das städtische Haus in der Weidengaffe betr.

5. Die höhere Mädchenschule betr.

6. Die Kleinkinderschule betr.

7. Den Frauenverein für Krankenpflege betr.

8. Holzrechnung für das Jahr 1882 betr.

9. Die Verwerthung der Nadelholzsamenernte pro 1882.

10. Ausbau der Bleichstraße betr.

11. Ausbau der Löberftraße betr.

12. Straßenausbau auf der Westanlage.

13. Unterhaltung der Weganlagen auf dem Friedhof.

14 Straßenbeleuchtung betr.

15. Gesuch des Kaufmanns I M. Schulhof dahier um Angabe einer Baulime.

16. Gesuch um Überlassung des Rathhaussaales.

17 Die Anschaffung von Schulbüchern u. s. w. aus Gemeindemmeln.

18. ' Thetlung der fünften Klasse der Stadtmädchenschule.

Gießen, 21. August. Der Offizier,welcher am 16. I. M-, Morgens 7 Uhr, in seinem Quartier vor dem Bette liegend, mit einer Pfftolenkugel in der Stirne von seinem Burschen gefunden worden", ist am Samstag Nachmittag gestorben. Dre Leiche soll heute nach Magdeburg übergeführt werden Entgegen unserer diesbezüglichen Notiz wird derHess. Landeszeitung" von hier berichtet:Die von einem Localblatt gebrachte Notiz, daß der Lieutenant M- von der hiesigen Garnison sich zu erschießen versucht hat, ist in dieser Unbedingtheit nicht richtig, vielmehr schwebt über der ganzen traurigen Angelegenheit ein noch unaufgeklärtes Dunkel- Nur das eine steht fest, daß der um 7 Uhr Morgens (am 16. August) in das Zimmer tretende Offizierbursche feinen Herrn neben dem Bette liegend und von einer Pistolenkuael in die Stirn getroffen fand. Verschiedene Jndicien schließen nicht aus, daß ein Mord vorliegen kann. Die Unter­suchung dürfte vielleicht die bekannte Frage der französischen Criminallsten: «Ou e.t la femme?' bestätigen. Herr M-, der noch am Leben, ledoch vernehmungsunfähig ist, ist der Sohn eines geachteten Kaufmanns in Magdeburg und galt für einen der ver­mögendsten Oifiziere des Regiments." - Wir sind in der Lage, Vorstehendem gegen­über mittheilen zu können, daß an betreffender Stelle heute Morgen bet der Todes- Anzeige als Todes-UrsacheSelbstmord" verzeichnet ist.

Gießen, 21- August. sMilitärdienstnachrichten.) Baron v. Co Has, Oberst­lieutenant vom 5- Thürmg. Ins--Reg. Nr. 94 (Großherzog von Sachsen) zur Ver­tretung des erkrankten Regiments - Commandeurs, zum 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116 commsndirt. Wir fügen dieser Nachricht noch bei, daß Herr v Co Has am Samstag Nachmittag bereits hier eingetroffen, im Hotel Kühne Quartier genommen und ihm gestern das 116. Regiment vorgestellt wurde

Am Samstag wurde unserem Nedacteur ein Strafantrag insinuin, welchen Herr Rechtsanwalt Wetdig, ehemaliger I. Hauptmann der frei®, städt. Feuerwehr, gegen den gesammten Stadtvorstand der Gr. Amtsgericht Gießen gestellt hat und bei welcher Anklagesache im Sinne des Preßgesetzes unser Redacteur als mitbetheiligter Thater betroffen ist. Es handelt sich um den f. Z. in unserem Blatte (Nr. 112, erstes Blatt) veröffentlichten Gemeinderathsbeschluß in Betreff der Auflösung der fretw. städtischen Feuerwehr. Termin ist noch nicht angesetzt, es dürfte jedoch immerhin interessant sein, demselben anzuwohnen.

Vermischtes.

Dresden, 17. August. Heute früh 5 Uhr ist im Hause Annenstraße Nr. 16 durch den erst 16 Jahre alten Lehrling Ernst Wilhelm Noack, aus Lobendau in Böhmen gebürtig, das 19jährige Dienstmädchen Anna Marie Backofen ermordet worden. Noack, welcher beim Juwelier v. Schlechtleitner in der Lehre steht und bei ihm wohnhaft ist, hatte nach dem Ergebntß der bisher angestellten Erörterungen den Entschluß, geatzt, seinen Lehrherrn zu ermorden, zu berauben und sodann mit dem geraubten Gelde nach Amerika zu entfliehen. Da er aber fürchtete, es möchte die in dem nämlicher Logis schlafende Backofen erwachen und Lärm machen, hatte er sich zunächst m deren Kammer geschlichen und diese durch zahlreiche Messerstiche und Schnitte m Hals -oruft und Oberarm getödtet. Durch das Schreien des Mädchens wurde v. schlechtleitner erweckt und rief zum Fenster nach der Straße hinaus um Hilfe, welche denn auch alsbald zur Hand war. Der Mörder, welcher sich inzwischen schnell gewaschen, vom Blute gereinigt und hinter eine Thüre versteckt hatte, wurde gerade, als er bst Flucht ^reffen wollte, vom Gendarm Mach ergriffen und in das Polizeigesangmß gebracht- Der Mörder hat die That in der kaltblütigsten Weise unumwunden eingeraumt.

- [Sie Neffen sind Schwindler.) In Brünn hatte -in Geschäftsmann das Glück, von seiner Gattin mit Zwillingen, zwei g-sund » Knaben, b- ch-nkt zu werden. U-b-rglücklich zeigte er dl-s-s seinem in der Hauptstadt lebenden Bruder in einem humoristischen Briese an:Gestern sind zwei Jungens in mein Haus gekommen, die sich als d-m-Neffen ausgeben. Ich h^-, s'-^d-mg-maß,m Hause ausgenommen.- Tags daraus erhielt unser Geschäftsmann i"^endes Telegramm.Habe keine Neffen, d,e bewußten sind sicherlich Schwindler. Hüte dich! D-r Empsäng-r deS Telegramms hütete in der That - die Kmder aus's Sorgsamst- und schrieb dann an seinen ängst­lichen Bruder eine nüchterne Anzeige von der Ankunft der Zwillinge, welcher auch bald ein zweites Gratulations-Telegramm folgte, in welchem die Neffen anerkannt wurden^ d , cnj,cn nur folgende Mittheilung: Dem Geheimrath v Langenbeck ist vom Kaiser "gelegentlich seines Abschiedes von Berlin eine besondere Auszeichnung verliehen worden. Der Kaiser har ihn zum Wirklichen G-h-im-n Rath mit dem Titel Ercellenz" ernannt, eine Auszeichnung, welche bisher nur ein Mediciner in Preußen erhalten hat, der Geheimrath Lauer, der Leibarzt des Kaisers, den der Monarch diesen Titel an seinem achtzigsten Geburtstag verliehen Hai und zwar, wie vielleicht wewg bekannt, auf @iunb eines Scherzes, den er zehn Jahre vorh-r gemacht hatte. Der Kaiser hatte an seinem siebzigsten Geburtstag zum Geheimrath Lauer gesagt:

Aranürcich.

Paris, 19. August. In Folge des Geständnisses eines der in Monceau les Mines verhafteten Ruhestörer gelang es, sammtltche Papiere der soq. schwarzen Bande, von welcher die Unruhen ausgegangen waren, sammt ihren Statuten und den Listen der Affiliirten mit Beschlag zu belegen. De Bandenführer, Namens Demay, entfloh, doch wurde em ihm untergeordneter Anführer festgenommen. Weitere Unordnungen stnd nicht vorgekommen.

ßngland.

Dublin. 18. August. Gestern Abend wurde in Mullaghadruma (Graf- schäft Mayo) eine Famstie von einer aus Mitgliedern der Agrarliga bestehenden Bande überfallen; der Mann, dessen Blutter, Frau und Tochter wurden durch Schüsse getödtet, zwei Knaben liegen verwundet darnieder.

Rußland.

Petersburg, 19. August. Gestern langte der Schiffsofficier der Jeanette", Melville, mit seinen Gefährten hier an.

Petersburg, 19. August. Bei der gestrigen Kirchenparade des Preo- braschenskischen Garderegiments beschied der Kaiser die an der Parade theilneh- menden österreichischen Osficiere vor die Front und druckte dem Ches derselben, FBlL v Ramberg, feine Glückwünsche zum Geburtsfeste des Kaisers von Oester­reich in herzlicher Weise aus. Die Kaiserin, die Königin von Griechenland, sännntliche anwesende Großfürsten und Großfürstinnen schloffen sich die en G uck- wünschen an. Aus Anlaß des Geburtstags des österreichischen Kaisers fand gestern Mttag ein großes militärisches Destuner tn KraSnoe-Selo statt , zu welchem auch der österreichische Botschafter zugezogen wurde. Der Kaiser brachte in französischer und russischer Sprache emen Toast aus den Kaffer von Oester reich ~ 1Q zollst. Die Polizei entdeckte gestern hier eine Werkstatt zur Fabrikation falscher Münzen und Creditscheine. Ein Frauenzimmer und em Tsch-rkeffe wurden in Haft genommen, der Haupturheber soll sich nach Seba- stopol geflüchtet haben. - Große Mehlvorräthe gehen von hier auf Lloyd- darnpsern nach Alexandrien.