Ausgabe 
21.10.1882
 
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Den nachstehenden, -an dem Bürgermeister der Stadt Trient mir zugegangenen Ausruf n-röff-ntlich- ich mit b-r dringenden Bitte um Zuwendung von Gaben, zu deren Empfangnahme außer mir die Expedition dieses Blattes gerne bereit Ist.

Gießen, den 18. Oktober 1882.

A Bramm, Bürgermeister.

Ein angstvoller Rus um Mitleid und Hülse dringt aus unserer Stadtan jebeä sühlenbe Herz und widerhallt verstärkt aus allen Theilen des südlichsten Theiles °On Zi@,n unsägliches Unglück ohne Beispiel in den Annalen unserer G-schicht- hat unser ganz s Land in bas ti-sfte Elenb gestürzt, unser armes Land, bas ohnehin schon von einer Reihe von Mißgeschicken betrosten, burch bie Auswanberung geschwächt, an vilssmstteln «^opst^warn, btn @i§felbern der uns umg-b-nd-n Alpen sich

lösten, im Vereine mit den heftigen und unaushalisamen Regengüssen der letzten^Wochen, ließen unsere Flüsse und Bäche zu einer Hohe anschwellen, rote dies noch bei keiner der früheren Ueberschwemmungen, nicht einmal bet denen der Schreckensjahre 1868 und 1757 ^Die^Etsch"und"die Fersiaa der Aoisio, der Leno, der Noce, die Regnana, der Maso, der Cegglo. die Chieppena, der Grigno, der Clsmon, der Rebrut, oie Sarca, der Chiese unb unzählige kleine Wlldbäche haben ihr Bett verlassen und Verderben und Vernichtung in die fruchtbaren Gefilde unserer Thäler S^lragen.

Fast kein Theil unseres Landes blieb verschont, die blühende Gbene der Etsch, des Val Lagarina, Pine, Valsugana, Primtero, und Canal S- Bovo, Fleims und Fassa, die Thaler des Sol und des Noce, JadikarlM und viele kleinere Alpenthaler find ebensootele Stätten des Unglücks geworden.

Unbeschreiblich ift das Weh, das die schreckliche Katastrophe über uns ge­bracht. Wo noch vor wenigen Tagen die Hoffnung einer reichen Ernte und frohen Weinlese uns lächelte, da herrscht heute Weinm und stumme Verzweiflung.

Die Frucht jahrelanger Arbeit ganz oder therlweise unwiederbringlich verloren Straßen, Brücken, Dämme, Wälle, Sckutzbauten, an denen der Fleiß von Jahr­hunderten gearbeitet und die durch Jahrhunderte dem Anprall der Fluthen widerstanden, Zersplittert zerrissen, zerstört - Wohnhäuser und Stätten der Industrie vernichtet oder schwer beschädigt - Holz. Dreh, Ackergeräthe, die ganze Habe des Landmanns von den Fluthen verschlungen - ganze Dörfer unter Bergen von Sand und Schutt begraben oder zum Theile vom Wasser fortgeschwemmt, zum Theil von Lawmen verschüttet endlich Hunderte und Hunderte von Familien dem entsetzlichsten Elende preisgegeben, ohne Wohnung, ohne Brod und ohne die Mittel, sich solches zu errverben^nach Hilfe flehend, um das Leben zu fristen, nachdem sie dem Tode wie durch em Wunder ent­gangen oder ihm durch den Heldenmuth edler Mitmenschen entnssen wurden

Dock noch mehr bedrückt das Herz der Gedanke an die Menschenleben, die dem entfesselten Elemente zum Opfer fielen, an jene Unglücklichen, die von den fluthen im Dunkel der Nacht überrascht oder von denselben verschlungen wurden, nachdem ste rn langer rrnd wachsender Todespein das erbarmungslose Element sich naher und naher kommen sahen, ohnmächtig, ihm zu entfliehen! Gott! welche herzzerreißende Scenen, welch' Uebermaß an Schmerz. m r _. ...

Nicht genug des Elends! Zu den bereits erlittenen Verlusten gesellt sich der Schaden, der unseren Feldern durch Versumpfung droht, der Verlust an Erd­reich, das an vielen Stellen für Jahre und Jahre, wenn nicht für immer, unfruchtbar geworden. Mangel an Lebensrnitteln, die Aussicht'auf einen harten, ent­

behrungsreichen Winter und das drohende Gespenst ansteckender Krankheiten, deren Keim die feuchten Dünste, die schlechte und karge Ernährung und die moralische und phy­sische Noth jeder Art mit sich bringen. r irr ,,, x

Wenn sich die zerstörten Werthe auf Millionen beziffern, wer konnte auch nm- annähernd die Höhe des Gesamm schadens der nächsten und entfernteren Folgen an-' 4>bcn? Welches menschlich' Herz könnte ungerührt bleiben vor der Beredtsamkeit

so vielen Unglückes, das die Phantasie sich leichter vorstellen, als Worte es beschreiben können?

Wie trübe muß die Zukunft unseres armen Landes auch dem nüchternsten Blicke erscheinen? Und inzwischen drängt die gebietende Noth des Augenblicks! Die Hilfe, die wir vom Staate und dem Lande erwarten, kann weder im Verhältntß zm Höhe des Schadens, noch, so schnell sie auch kommt, der Dringlichkeit des Bedürfnisses genügen. Wir sind daher gewungen. die Hilfe der kooperativen und privaten Wohl Ihät'gkeit anzurufen

Hilfe verlangen wir von Denjenigen unter uns, die, wenn auch von dem allgemeinen Unheil nicht verschont geblieben, doch von demselben weniger hart betroffen wurden, als so viele Andere und denen das Schicksal noch die Mittel gelassen, ihre unglücklicheren Genossen zu unterstützen.

Hilfe flehen wir von Allen, Allen, ohne Unterschied des Standes, der Nation, der Sprache bis zum fernen Amerika, dessen Colonien so viele kräftige Söhne unserer Berge bevölkern.

Um Hilfe flehen im Namen der brüderlichen Liebe, die Ein Band um alle Menschen schlingt und keine Grenzen und Schranken kennnt, wenn es gilt, dem unglück- I chen Nebenmenschen beizuspringen.

Hilfe! Sie erwartet angstvoll traurig, gebeugt unter der Last des Un­glücks eine Bevölkerung von mehr als 400,000 Seelen in Thränen und Verzw iflung

Wir vertrauen dabei auf die gütige Mitwirkung aller Behörden, an bte wir uns mit der Bitte wenden, milde Gaben entgegenzunehmen unb mit möglichster Be­schleunigung dem gefertigten Hilfscomitee zukommen zu lassen, das die Namen der edlen Spender durch die Presse veröffentlichm wird.

Trient, den 26. September 1882.

Das Hilfs-Comitö:

Albert von Rungg, K. K. Hofrath, Vorsitzender. Freiherr von Ciant, Bürger­meister von Trient. Paul Oss-Mazzurana. Emanuel Graf Thun-Hohen­stein. Joseph Santoni. Priester Emanuel Bazzanella. Dr. Victor von Ricca bona. Jacob Mae ft ranzt. Dr. Cajetan Gillt.

Kirchliche Anzeigen -er Stadt Giesten.

Evangelische G e m e i n d e.

Gottesdienst:

Sonntag den 22. Oktober (20. nach Trinitatis'.

Vormittags 9'/r Uhr: Mission^prediger Bergfeldt aus Frankfurt.

Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Nachmittags 5 Ubr wird noch ein besonderer Gottesdienst gehalten, in dem Missionar Bergfeldt predigen wird.

Donnerstag den 26. Oktober, ausnahmsweise Abends 8 Uhr, im Gymnasium: Bibelstunde, Brief Pauli an die Galater, Kapitel 2,1121. Pfarrer Dr. N aumann.

Am Sonntag, den 29. Oktober, feiern wir unser diesjähriges Ernte- Dankfest. In beiden Gottesdiensten dieses Tages wird eine Kollekte für die arme Gemeinde Spiesheim in Rheinhessen erhoben.

Vom Tag des Ernte-Dankfestes an beginnen die Nachmittagsgottesdienste wieder regelmäßig, um 5 Uhr.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 22. bis 28. Oktober besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

21. Sonntag nach Pfingsten.

Von 7 Uhr an Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Communion. VzlO Uhr: Hochamt und Predigt: Pfarrer Rady. 2 Uhr: Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 430 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 5".

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