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167 Freitag den 21. Juli L88L.
Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
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V«^ra«r Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
(Nr. 1478.)
Amtlicher Iheit.
Nr. 17 des Reichs-Gefetzblatts, ausgegeben den 17. l. M., enthält:
Bekanntmachung, betreffend eine Abänderung des Verzeichnisses der gewerblichen Anlagen, welche einer besonderen Genehmigung bedürfen.
Vom 12. Juli 1882.
Gießen, den 20. Juli 1882.
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Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann.
Politische lteberfkcht.
Gießen, 20. Juli.
Seit Dienstag weilt unser Kaiser aus österreichischem Boden in Wildbad Gastein, wo der Monarch von einem Vertreter des Kaisers Franz Josef, den städtischen Behörden und einer Anzahl distinguirter Badegäste auf das Herzlichste empfangen wurde. Mag auch diesmal das Wildbad Gastein seine wunderbare Heilwirkung bei unserem hochbetagten Kaiser bewähren, damit er noch lange den Regierungsgeschäften vorstehen kann.
Wie es nicht anders zu erwarten ist, steht die egyptische Frage noch immer im Vordergründe aller politischen Erörterungen und beschäftigt alle Großmächte in hohem Grade. Auch von der deutschen Negierung liegt nunmehr eine halb officielle Kundgebung zur egyptischen Frage vor, worin gesagt wird, daß die Neichsregierung den scharfen Ton, den ein Theil der deutschen Presse über das Vorgehen Englands in Egypten angeschlagen habe, nicht billige, denn Deutschland könne nicht den Vormund anderer Staaten spielen und müsse in erster Linie England als allein verantwortlich für sein Thun halten. Im Uebrigen verfolge Deutschland eine Verständigung der Großmächte in der egyp- tischen Frage und sei stets bereit, eine Vereinbarung der Westmächte mit der Türkei oder eine solche zwischen England und Frankreich allein, bezüglich Egyptens zu begünstigen. Aus diesen Kundgebungen der Neichsregierung geht unzweifelhaft hervor, daß Fürst Bismarck die, wenn auch furchtbare Lage der Dinge in Egypten doch nicht schwarz ansieht, sondern darin nur den Ausgleich unvermeidlicher Gegensätze erblickt und eine Lösung der egyptischen Frage ohne Störung des Weltfriedens erwartet.
Das Schicksal des deutschen Consuls v. Treskow und der noch mit ihm in Kairo weilenden zahlreichen Deutschen ist ein befriedigendes geworden. Der Consul und die Deutschen in Kairo haben sich des Schutzes der egyptischen Behörden erfreut. Auch wurde dem Consul und cct. 300 Deutschen und Oesterreichern am 15. Juli von den Egyptischen Behörden ein Exlra- zug zur Verfügung gestellt, in welchem sie unbehelligt nach Jsmailia fuhren und sich von dort ab auf dem Suezkanale unter dem Schutze der englischen und französischen Kriegsschiffe nach Port Said begaben, von wo aus sie auf verschiedenen Transportschiffen die Heimreise fortsetzten. Auch erfährt man, daß in Alexandrien wahrscheinlich nur sehr wenige Deutsche umgekommen sind, da es dem deutschen Consul v. Saurma noch im letzten Augenblick gelang, 160 deutsche Flüchtlinge auf ein Schiff zu bringen.
lieber den Stand der kirchenpolitischen Verhandlungen in Preußen erführt man noch, daß die Audienz des preußischen Gesandten v. Schlözer vor seiner Abreise nach Deutschland beim Papste sehr lange dauerte. Herr v. Schlözer verschwieg dem Papste nicht, daß in Folge des wenig erklärbaren Verhaltens der Kurie seine Regierung sehr begründeten Verdacht über die Aufrichtigkeit der Absichten derselben und deren Wunsch schöpfen mußte, die Friedensverhandlungen auf einer festen und dauernden Grundlage zu Ende zu führen. Die Antwort des Papstes enthielt aber ganz andere Versicherungen. In Folge dieser Antwort entschloß sich Herr v. Schlözer, seine Abreise auf einige Tage zu verschieben. Auf Einladung des Papstes besuchte er am folgenden Tage im Staatssecretariat den Kardinal Jacobini, welcher im Auftrage Sr. Heiligkeit mit dem preußischen Gesandten mündlich und schriftlich in Betreff der Verhandlungen zwischen Rom und Berlin die drängendsten Mittheilungen austauschte; auch nahm Herr v. Schlözer einen Brief des Kardinals Jacobini an den Fürsten Bismarck mit.
Die diesjährige Generalstabsreise wird zum ersten Male von dem Stellvertreter des Feldmarschalls Grafen Moltke, vom Generalquartiermeister Grafen Waldersee geleitet werden. Dieselbe soll Mitte August in Bautzen ihren Anfang nehmen und sich vom Königreich Sachsen nach der Provinz Schlesien erstrecken. Der Feldmarschall Graf Moltke bleibt zur Schonung seiner Kräfte der Generalstabsreise fern.
Der am letzten Sonntag in Wien unter großen Tumulten aufgelösten Versammlung der deutsch-österreichischen Volkspartei darf man keine große Bedeutung beimessen, denn die deutsche Volkspartei in Oesterreich hat durchaus mit der deutschen Verfassungspartei des Landes nichts zu thun, sondern die deutsch-österreichische Volkspartei ist eine noch im Entstehen begriffene ganz junge Partei, welche es wahrscheinlich zu gar keiner gesunden Existenz bringen wird, da die besten deutsch-österreichischen Elemente bereits in der liberalen Verfassungspartei vertreten sind.
Paris und Frankreich haben sich allmälig wieder von dem Freudenräusche erholt, in welchen sie die großartige Nationalfeier versetzt hatte. Mag man von den Festessen, Truppenparaden, Ballfestlichkeiten und Schulfeierlichkeiten, welche Frankreich an seinem Nationalfeste begeht, sonst denken, was man will, Eins steht dabei doch fest, daß die große Mehrheit der Franzosen mit der republikanischen Verfassung ihres Landes recht zufrieden sind und dies ist gewiß
eine für den Frieden Europas sehr werthvolle Thatsache. — Hinsichtlich der egyptischen Frage wird in der französischen Presse fast einstimmig eine gemeinschaftliche Action Englands und Frankreichs betont und wenn auch das formu- lirte Programm noch fehlt, so dürfte doch bereits ein ziemliches Einverständniß über die Behandlung der egyptischen Frage zwischen der englischen und französischen Regierung erzielt sein.
Rußlands auswärtige Politik macht der Gerechtigkeitsliebe des Czaren Alexander HL alle Ehre, denn man muß sagen, daß die russische Regierung in der egyptischen Frage sehr zurückhaltend auftritt und es augenscheinlich verschmäht, die alten Gegensätze ihrer Orientpolitik auch in der egyptischen Frage, die mit der orientalischen so nahe verwandt ist, wieder auf das Tapet zu bringen. Wir begrüßen diese Handlung Rußlands als einen Beweis dafür, daß es seine ganzen Kräfte den inneren Reformen widmen will.
In England ist man über die Katastrophe von Alexandrien keineswegs erbaut und wenn die englische Nation auch vollständig damit einverstanden ist, daß ihre Interessen in Egypten um jeden Preis gewahrt werden müssen, so sieht man in England doch auch ein, daß dies ohne die Zerstörung Alexandriens möglich gewesen wäre und macht deshalb der Regierung wie dem Admiral Seymour Vorwürfe wegen ihres einseitigen Vorgehens in Egypten. Bekannt ist ja auch, daß dieserhalb sogar in England eine Ministerkrisis stattfand, indem John Bright aus dem Cabinet austrat. Alles in Allem werden diese Vorgänge wohl dazu beitragen, den englischen Ansprüchen auf Egypten eü.ige Mäßigung auszuerlegen und dies ist für eine, Menschenleben möglichst schonende Lösung der egyptischen Frage, offenbar gut.
Hinsichtlich der Entschließungen des Sultans über die Annahme oder Ablehnung der ihm von der Conferenz der Großmächte angetragenen Intervention in Egypten liegen noch keine Nachrichten vor. Der Sultan soll Truppen auf die Dauer von 6 Monaten nach Egypten senden und die Autorität des Khedive unter der Controle der Großmächte wieder Herstellen. Die Kosten der Intervention soll Egypten bezahlen und wollen die Großmächte der Türkei einstweilen die nöthigen Gelder vorstrecken. Man fürchtet trotz dieser günstigen Vorschläge dennoch eine ablehnende Antwort des Sultans, der es mit den Arabern nicht verderben will.
In Alexandrien sind bis jetzt gegen 5000 englische Truppen gelandet und versuchen die Autorität des Khedive wieder herzustellen, sowie die noch immer von Plünderern und Feuersbrünsten bedrohte Stadt zu schützen. Die Plünderer werden verhaftet, die Brandstifter erschossen. Ordnung und Verkehr findet in Alexandrien wieder Eingang. Wieviel Europäer in Alexandrien um- gekommen sind, ist schwer zu ermitteln, man glaubt aber, daß die ersten Schreckensnachrichten übertrieben waren. Arabi Pascha, der mit ungefähr 9000 Mann und 40 Kanonen einige Meilen hinter Alexandrien steht, verhält sich anscheinend ganz passiv, obwohl ihm der Khedive angezeigt hat, daß er als Rebell befyxtv beit werden soll.
Deutschland.
Worms, 17. Juli. Seine Erlaucht der Graf zu Erbach-Schönberg und Ihre Durchlaucht die Frau Gräfin zu Erbach^Schönberg trafen mit ihrem hohen Gaste, Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Herzogin von Edinburg, hiute Nachmittag 4 Ubr in Rosengarten ein, besichtigten die Sehenswürdigkeiten der Stadt und fuhren, nachdem sie bei Herrn Rittmeister ä la suite Heyl den Thee genommen, um 8 Uhr nach Schlotz Schönberg zurück. Die Führung durch unser Paulusmuseum — welches in sietem Wachsthum begriffen ist und namentlich in der letzten Zelt durch neuerlrch gesundene römische Gläser, worunter ein Trmkhorn mit Netz-Aufguß von hoher Schönheit bereichert worden ist — hatte Herr Rittmeister Heyl übernommen.
Frankreich. m 4 „ s x,
Paris, 18. Juli. D-putirtenkamm-r. Berathung der^Vorlage' btt^ffmd die Bewilligulig eines Credites von 7,800,000 FrcS. für bh:n’,t‘t«,W£" '
Loekroy griff das Eabinet heftig an. CharmeS sprach meaen e ner
mit England aus. Der Ministerpräsident Freprmet^erklärt«' '“' Ä?'’™!“1 bewaffneten Intervention sei nach den Erenznisfen^nAttrandrienu°thw-n°.g geworben Man hätte aber mit Europa handeln müifen, bo man fonft gegen
Haven würde. England habe die Initiative ergriffen, ba^°uropmsche Coneert zu ArtPTlf nlffcf)e ftraae ohne Europa hätte^lösen wollen, wendig, denn jedesmal, wo man die orientalische F g $ Eomerenr sei ein Akt sei daraus ein großer Krieg entstanden. Die Cm f 0 intervenire so würde
der Klugheit und deS Patriotismus gewesen Wenn die Türkei wtervemre,w würbe dies unter bestimmten B-dingungerW Suezkanal dürfe nicht
werden wir vorausstchtlich ein Mandat ^urop^^hören, welche ihn beschützen, aufhoren frei zu stim .^banals wünsche Frankreich, unter Wahrung seiner vollen Aber selbst bezüglich des Konferenz zu provociren. In diesem Sinne sei
Actionsfreihe t einen ^sch getroffen worden. Die Erreichung der Allianz mit
gestern ein Abkommen m ng g^^^ europäischen Concerts habe die Regierung KMSStWM h°be Grund zu glauben, daß sie ihrem hM,8metfe gut gedient habe. (Beifall.) Dellafosse spricht gegen die Be- mpmbitTi«nLbh?s Eredit/ da er die Politik des Cabinets mißbillige. Gambetta billigt nicht °däß das Cabinet eine Intervention der Türkei zugelassen habe, dieselbe fei gefährlich.


