PSnrunae wird man von der bisherigen tricotartigm Gewandung zurückkehren zu der rS.® der Kaiserin Eugen!-. Derartige Umwälzungen vollziehen sich langsam.
Aber ^dah wir an dem Wendepunkte angekommen sind, erscheint dem citirtcn Blatt iw-ifellos. Bei dieser Sachlage drängt sich von Neuem die Frage auf: Wie entsteht i" Mode und läßt sich nichts dagegen thun, daß ,,e nicht gar zu abgeschmackt sich entwickelt r Di-Mode entwickelt sich nicht wie eine elemenwre Gewalt die unaus- baMame Bahnen geht, sie ist vielmehr das Erzeugniß einer R-,h- leitender Fabriken giarig die sich über di- Richtung verständigen, welche sie der Mode geben wollen.
Du^ch ein Zusammenwirken de? verschiedenen beim Bekl-idungswes-n thätig-n Branchen weiden die Vorbereitungen getrosten, daß in dem entscheidenden Augenblick, in dem L Mode h-rv rtreten soll, alles"„M°derne" gerade in dem System, das man ange- und nur in diesem vorhanden ist. Das Grundprmcip, von dem d,e
Arrimaeure de? Mode ausgehen, besteht darin, di- neue Mod- stets so einzurichlen, daß di- nach der bisherigen Mod- gearbeiteten Kleidungsstücke so schnell und so gründlich wie möglich untragbar gemacht werden und rede Umänderung ,n di- n-u- Mode Nicht brumm-n! Präsident: SmdSi-di-Waschfrau
Wilhelmine Wenzel? „D-t bin ick", lautete d,e in kräftigem Baß ertönende Rück- antwort der Angeklagten, welche sich vor dem Schöff-ngcricht- wegen Körperverletzung verantworten sollte. Präsident: Sie sollen am 15. Februar d.J. den Fuhrherrn Heide mit einer Wäschestütze aus den Kopf geschlagen haben und zwar d-rm°ß-i^ daß er gleich zusammensank; erzählen Sie mal die Geschichte, anacflaßte: 2Bat? ^u roeien
Bmetelle verklagt mir so'n M-iisch und will mir möglicherweise ins stoch stecken? Nee so wat! Präsident: Fassen Sie sich kurz, haben Sie mit der Wäschestütze geschlagen oder nicht1 Angeklagte: Jh gewiß hab ick ihm eenen ui'n Dats lei-ben, wat braucht so'n Stiesel mit ner Karre voll Müll und weeß Jott sor Rariteten u'n Hch zu kommen menn ick ierade Wäsche ufhänge, flooben Sie denn, bet eene djrlldjeSßafdjfrau bet scheene buht, wenn die frischjewaschenen Faltenhemden mit Kalk unb Maurerschutt bestreut luer’n? Präsibent: Sie brauchten bem Fuhrmann aber mcht in dieser brutalen Weise zu Leibe gehen' Angeklagte: Wat wer ick ba lange Faxen machen; wenn ick ierabe een Levkojenstengel in bte Finger jehabt hatte, so halt td n mol damit uf n Kopp ettoöt nu hab' ick aber jerabe eene Wäschestltze lehabt und bet mag wol'n bischen derbe ausjefallen sinb. Uebrigens hat bet 'hm .'lischt jeichadt und ick will lerne in t Blatt setzen lassen, bet ick ihn sonst sor'n anstanbigen Mann halte. Mehr kann er n ch verlangen- Der Gerichtshof erkannte bie mannhafte Waschfrau ber Korperver etzung für schuldig unb erkannte bem Anträge bes Staatsanwalts gemäß auf eine achttägige Gefänanißstrafe. Auf bte Frage, ob sie sich bet dem Urtheil beruh gen wolle, giebt ste noch folgende Erklärung ab: „Jh Jott bewahre! Wo werd ick denn, erst meenc Hemden verunjeniren und dafor noch brummen, meen Mann sagt so immer. Olle, b^"^D-r" Familienname Müller gilt als einer der biedersten deutschen Namen. Ein Franzose, welcher Deuischland durchreist hatte, setzte sich, als er wieder nach Hause g-kommen, an s-in-n Schreibtisch und schrieb ein Buch, da« mit den Worten anstng : Die Deutschen sind ein Volk, das Müller heißt." -Der Mann hat so unrecht nicht. Nach den neuesten statistischen Nachrichten leben im deutschen Reiche nicht weniger als 629,987 Müller. Der 73. Mensch in Deutschland ist also, mag er wollen ober nicht, ein Müller. halbvergangener Zeit.) Bei einer Soiree im Wlnterpalaste
zu Petersburg während ber Regierung bes Czaren Nikolaus siel bie Conversation auf besonders reichen Bartwuchs und ber Gouverneur einer entfernten Provinz bemerkte, daß jhm in einer ber größeren Stäbte seines Gouvernements ein alter Jude aufgefallen sei, besten Gesicht ein Bart von ungewöhnlAer Lange unb Schönheit f^müdte erspn mnehte ick aber aerne sehen!" rief eine Dame aus, inbem sie ben Erzähler li^enswürdig anblickte. „Der geringste Wunsch Eurer Hoheit ist mir Befehl," ant-
wortet- ber galante Gouverneur, unb noch in berselben Nacht schickte er km en b. sonderen Courier in jene Provinzstabt, mit ber kurzen Weisung, ber betreffenbe Hebräer fei ihm uuverzügl'ch zuzuschicken. Einem solchen Befehl gegenüber zögerten die lokalen -üe- hörden keinen Augenblick und sandten den Juden per Eilpost nach Petersburg. Als er nack einer Reise von mehr als vierzehn Tagen den Ort seiner Bestimmung erreicht .hatte schlossen die Polizeibehörden, welche von seiner Escorte erfahren hatten, daß er auf besonderen Befehl des Gouverneurs hierher gesandt worden fei, er müsse ein ganz ungewöhnlicher Verbrecher sein und warfen ihn demzufolge in das finsterste Loch des Gefangenhauses, nachdem sie ihm zuvor nach Gefängnißregel Bart und Haare hatten kurz scheeren lassen. Mittlerweile waren einige Wochen verflossen und die Caprice der Dame war sowohl von ihr, als dem Gouverneur total vergessen worden; der arme Jude blieb daher in seiner Zelle und hätte wahrscheinlich ben Rest seines Ledens dort verbringen müssen, wenn nickt seine Verwandten sich bemüht batten, feine Befreiung zu erwirken. Als es ihnen endlich gelungen war, die officieQe Slufmerfjamfeh auf den Fall zu lenken, kam zur großen Belustigung des Hofes heraus, daß der schöne Bart des Juden, die Ursache seines langen Martyriums, schon langst zu existiren aufgehort habe und mit demselben die Nothwendigkeit seines ferneren Aufenthaltes in Petersburg entfaUe^^n 16 August. Bei dem starken Gewitter am Dienstag Nachmittag hatten die Besucher des Kaiserhofes Gelegenheit, die Gewalt des Blitzes als zerstörendes Element aus nächster Nähe zu beobachten. Alle Gäste hatten die Platze an den Fenstern besetzt und sahen dem vom Winde gepiitschten, in schrägen Strömen auf den Wilhelmsplatz hermebergießenden Regen zu, als ein zuckenber Blitzstrahl, begleitet non einem prallenden Donnerschlage, auf die an der Paßstraße gelegene Ecke des Handelsministeriums herabfuhr unb ber dort bte Dachecke zierenben Figur ben Kopf vom Halse trennte, der auf das Dach herabfiel. Glücklicherweise war es ein kalter Schlag gewesen und von keinen weiteren Folgen begleitet.
Gewerbliche und technische Notizen.
— (Künstliches Eis.) Eine wichtige Entdeckung auf bem Gebiete der Chemie ist kürzlich von d-n Herren A- I- Rossi, L. F. Beckwith und Etienne Gillet gemacht worden. Diese Herren haben nämlich eine Methode zur Herstellung künstlichen Eises gefunden, welche bedeutend wirksamer als die seither angewandte und auch beträchtlich wohlfeiler ist. Während man früher zur Erzeugung von Kälte schwefelige Saure oder Aether verwandte, hat man in neuester Zeit Versuche mit Ammoniak S^umcht, allem der Druck von 125 Pfund auf den Quadratzoll, den es im Ruhestande 225 bis 300 Pfund im Apparat ausübt, verhinderte den günstigen Erfolg. Es gelang den Herren nach längerem Experimentiren, eine Methode zu finden, durch welche man zum Zwecr der Kälten resp. Eiserzeugung bei niedrigem Druck Ammoniak durch Absorption in Glycerin flüssig macht. Glycerin nimmt Ammoniak bis zum Sechshundertfachen seines eigenen Volumens auf. Durch ein auf mechanische Weise hergestelltes Vacuum wird Ammoniak von Glycerin getrennt, entwickelt eine ungeheuere Kälte, wird dann durch eine sinnreiche Einrichtung wieder vom Glycerin abforbirt und der Proceß beginm von neuem. Experimente, welche kürzlich in Gegenwart des Professois Charles A. Seely gemacht wurden, ergaben, daß innerhalb 15 Minuten die Temperatur im ^frigerator von 68 Grad Fahrenheit auf 18 Grad Fahrenheit fiel und daß sich in 20 Minuten Eis bildete. Dabei übte das Ammoniak so gut wie gar keinen Druck im Zustande der Ruhe aus.
— sSchutz gegen ben Kornwurm.) Um bas Getreibe beim Aufbewahren vor Kornwürmern unb anderen Schmarotzern zu schützen, wendet Labois ein Gemenge von 77-87pCt. Schwefelkohlenstoff, 8—20pCt- Alkohol und 3-5pCt. Harz an. Die Mischung soll langsam verflüchtigen und die Dämpfe weniger entzündlich als btejenigen des reinen Schwefelkohlenstoffes sein.
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