Nr. 296» Dienstag den 19. December IS §2
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Deutschland.
Darmstadt, 16. Decbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Dteldungen entgegen imb enipfingeli eine Deputation,' bestehend aus dem Bürgermeister Lahm von Bingenheim, dem Herrn Adolf Römheld von Friedrichshütte und dem Fabrikant Dietze von Frankfurt a. M., den Reallehrer Müller von Gießen, den Oberförster Georgi von Gießen, den Kammersänger Reichmann aus München, den Professor an der Großh. technischen Hochschule ^eplius, den Oberstabsarzt Dr. Deininger vom 3. Infanterie-Regiment; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck und den Hofceremonienmeister v. Werner.
Darmstadt, 16. December. Se. Königl. Hoheit der Großherzoa haben Allergnädigft geruht:
Am 9. December den Steuercommissär des Steuerconimiffariats Fürth, Friedrich Bechtold, in gleicher Diensteigenschaft in das Steuercommissariat Alzey zu versetzen, sowie den Hauptsteueramts-Revisor bei dem Hauptsteueramte Mainz, Friedrich Deisler, zum Steuercommissär des Steuercommissariats Fürth zu ernennen;
an dems. Tage den Revisions-Jnspector bei dem Hauptsteueramte Mainz, Wilhelm Dorn sei ff, zum Hauptsteueramts-Revisor bei diesem Amte, den Steuercontroleur zu Nidda, Adolf Kolb, zum Revlsions-Jnspector bei dem Hauptsteueramte Mainz, den Hauptsteueramts-Controleur Georg Roßmann gu Offenbach zum Rendanten bei dem Hauptsteueramte Gießen, den Steuercontroleur zu Mainz, Jacob Grimm, zum Hauptsteueramts-Controleur bei dem Hauptsteueramte Offenbach, den Controleur bei dem Steueramte Bensheim, Karl Geiß, zum Hauptsteueramts-Controleur bei dem Hauptsteueramte Gießens den Districtseinnehmer der Districtseinnehmenei Lauterbach, Adolf Schmitt, und den Districtseinnehmer der Districtseinnehmerei Alsfeld, Adolf Hippenstiel, sowie den Finanzaccessisten Julius Rieß aus Bad Nauheim zu Steuer- controleuren zu ernennen.
— Am 9. December wurde der Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Wald-Michelbach, Johannes Ludwig Wenchel, zum Amtsgerichtsdiener bei Dem Amtsgerichte Ulrichstein ernannt;
an dems. Tage ivurde der Anitsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Ulrichstein, Johannes Lerchs in den Ruhestand versetzt.
Darmstadt, 15. Decbr. Das heute ausgegebene Großh. Regierungsblatt Nr. 24 enthält: Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Gebühren der Gerichtsdiener betr.
Darmstadt, 13. December. Schluß des Inhalts des Großh. Regierungsblattes (öulape Nr. 2b):
16. Concuirenzeröffnungen.
Erledigt sind: Eine (die 2.) mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gcmemdeschule zu Brensbach mit einem jährl. Gehalte von 900 dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrechl zu dieser Stelle zu. Dle mit einem ev. Lehrer zu besitzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nonnen,oth mit einem jährl. Gchalte von 900 JL- dem H rin Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Präsentat-onsrccht zu dieser Stelle zu; mit derselben ist Organistendienft verbunden. Drei Lehrennnenstellen an btr Volksschule zu Darmstadt mit dnem Anfangsaehalte von je 1200 Dre mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gememde- schule zu Hergersdorf mit einem iährl. Gehalte von 900 JL, mi: der Stelle ist Kirchendienst verbunden. Eure mit einer Lehrerin zu besetzende Stelle an der Volksschule zu Worms mit einem jahrb Anfangsgehatie von 1200 Die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hitzk.rchen mit einem jährl. Gehalte von 900 JL, mit der Stelle ist Organistendienst verbunden, dem Herrn Fürsten zu Ysenburg-Birstein steht das Prasen- tationsrecht zu derselben zu. Die mit einem ev. Lehrer zu besetzende neu errichtete an der Gemcindeschule zu Unter-Widdersheim mit einem jährl. Gehalt von 900 Tte mit einem ev.. Lehr er ^besitzende Lehrerstelle an der Gemeindeschnle zu Unter-Schrnstten mtt einem jährlichen Gehalt von 900 «AL. Die mit einem ev. Lehrer ^?/^Lbnde erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mittel-Gründau mit einem iährl. Gehalte von 900 ^ dem Herrn Fürsten zu Ysenburg und Büdingen in Büdingen st<ht das PrasenMionSrecht zu dieser Stelle zu. Die beiden Lehrerstellen an der Ge- memdeschule zu Stammheim mit Gehalten von je 900 JL jährlich, mit beiden Stellen ist Organistendienst unter gleicher Belastung und Thellnahrne an der Vergütung von 100 JL verbunden. Die evang. Pfarrstelle zu Bosenheirn, dotationsrnätziaer Gehalt
2107 X- Die 3. L-br-rst-lle an her fatfi. Schul- zu ®ern86=im mit einem na» b£m Dienstalter des betreffenden Lehrers sich bemessenden Gehalte von 1000-1400 AL jährlich; dem Kreisrath des Kreises Groß-Gerau, dem katholischen Pfarrer und dem Ortsomstande zu Gernsheim steht das P, äsentafonsrecht zu dieser Stelle zu Eine nit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein Äubeim Mit einem jährl. Gehalte von 900 JL. Die ev. Pfarrstelle zu Siefersheim dotat'ons- mäßiger Gehalt 2618 JL. Eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle am der Gemeindeschule zu Hechtsheim mit einem jährl. Gehalt von 1000 Lä Die mit einem evang Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hüttentbal mit eixem jährl. Gehalte von 900 JL, dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das PSrasentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine Lehrerstelle an der en* Schule zu Gimbsheim mit einem nach dem Dienstalter des betreffenden Lehrers sich bemessenden Gehallt von 900-1200 jährlich. Die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrei stelle an brr Gemeindeschnle zu Frankenhausen mit einem jährl. Gehalte von 900 JL mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine Lehrerstelle an der ev Schutt'zu Groß- ^rw^^nc^^^icnfla,,cr h<5 b-tr-ffmd-n L-hr-rs sich b-^-ss-nd?n 17. Sterbefälle.
Gestorben sind: Ami 25. August 1881 der Rentamtsdiener i. P. Geora Mainzer zu Seligenstadt; am 18. Juni 1882 der Garnisonsschullehrer i. P. Dr. Fölstng m D.armstadt; mn 2. Juli der Hoszimmerwärter Valentin Kraft zu Darmstadt- am u. Juli der Ob-r-P°s!c°mmIssSr i. P. Hörig nan Mainz; am 17. Kr.E Tn«ar8t fl d Kortin Aloys Kunz zu Birkenau; am 22. Juli der Schullehrer Hein- riÄ Karl Merz zu Stammheim; am 24. Juli der evang. Pfarrer Friedrich Labr zu lliingshausen; am 29. Juli oer Aufseher bei der Grube Ludwigshoffnung bei Melbach Tseorg Bingel zu Schwalheim ; am 30. Juli der Justizraih i. P.Reatz zu Darmstadt- (O 31. Juli der Kanzttibote Laquai Heinrich Hettinger zu Darmstadt; am 6. August
ber Rendant i. P. Peter Strauß zu Darmstadt; am 19. August der Hauptsteueramts- Conl-oleur Anton Korman zu Gießen; am 22. August der 1. ev Pfarrer und Decan Wilhelm Trautwein zu Lauterbach: am 23. August der Districtseinnehmer t. P. Karl £enaf0* Darmstadt; am 31. August der ev. Pfarrer i. P. Georg Ernst Müller zu öppenbr-tm; an dems. Tage der ementirteNotar Georg Bernhard Dubois zu Bingen- am b- September der evangelische Pfarrer Carl Christian Friedrich zu Wölfersheim-
Ä Septdr. ber Schullehrer Georg Klassert zu Gau Algesheim; am 12. Septbr'. Per Districts-E'nnlbmer i. P. Heinrich Cornelius zu Heppenheim an der Bergstr; am l. Octob r der Lehrer an der 2. Schule zu Nieder -Olm Philipp Kerz; am 15 October der Steuer-Commffsar Heinrich Welsch zu Alzey; am 28. October der Gallerie-Jnspector Professor Rudolf Hofmann zu Darmstadt; an demselben Tage der eoangelische Schullehrer i. P. Johannes Kriegbaum zu Heppenheim a. W.; am 3. November der Orts- einnehmer und Salzmagazinsverwalter i. P Andreas Pfifferling zu Heppenheim; -am 4. November der evangelische Pfarrer Georg Scriba von Biebelnheim; am 14. November der eoangelische Pfarrer Christian Cellanus zu Rohrbach; am 25. November der Großh. anßerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister wirk!. Gcheimrath Julius DOmT^rd^nLa^' 5rcellenz. zu Stuttgart; an demselben Tage der Domcap,tular und geistliche Rath Johann Baptist Sa ger zu Mainz.
Berlin, 15. December. Die „Nordd. Allg. Ztg." knüpft an eine Zei- tungsmelbung mehrfache ähnliche Nachrichten aus jüngster Zeit an, wonach die Franzosen ihre Abneigung, Produkte der deutschen Industrie zu beziehen, gegenwärtig, wo immer möglich, bethätigen, und sagt: Wir glauben behaupten zu dürfen, daß die deutschen Consmnenten bei der Entscheidung über die Güte der Waaren und die geeignetsten Bezugsquellen zu sehr an der Gewohnheit vernünftiger Ueberlegung festhalten, um sich dabei durch politische Rücksichten wie die Franzosen beeinflussen zu lassen. Aber die deutsche Politik pflegt solche Erscheinungen nicht ruhig hinzunehmen. Wir hören, daß in Anbetracht der erwähnten Umstände die Absicht besteht, Frankreich gegenüber nicht bei der gegenwärtigen enthaltsamen Zollskala zu verbleiben, insbesondere die moussiren- den Weine und die sogenannten „Articles de Paris" höheren Zollsätzen zu unterziehen.
Berlin, 16. December. Dem „Reichs-Anz." zufolge hat der Kaiser wegen eines leichten Erkältungszustandes der heutigen Hofjagd nicht beigewohnt und „wird voraussichtlich einige Tage das Zimmer hüten müffen.
— Die „Börsen-Ztg." schreibt über den Wedell'schen Börsensteuer-Antrag, man dürfe schon jetzt annehmen, daß ein Theil der Conservativen selbst von demselben zurucktreteu werde und der Antrag keinerlei Aussicht mehr habe, die Majorität des Reichstags zu erhalten.
— Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung der Licenzsteuer- Borlage fort. Buchtemann sagt: Nach den Erklärungen des Fmanzministers sei die Vorlage ein Mittel zur Durchführung des indirecten Steuerspstems auch in Preußen. Mit dem Aufgeben der Reform der directen Steuern setze sich die Regierung sogar in Widerspruch zu den Conservativen. Der Fortschritt werde m der Commission die Beseitigung der Licenzsteuer und eine anderweite Abgrenzung der directen Steuerstufen zu erreichen suchen. Der Finanzminister betont nochmals den Druck der Steuer-Executionen, seine diesbezüglichen Ausführungen beruhten aus zweifellosem amtlichem Material. Professor Wagner führte aus, dafür, daß der Reichskanzler dem Reiche ein materielles Band eigener Einnahmen aus dem gemeinschaftlichen Zoll- und Steuersystem geben wolle, verdiene er den Dank der Nation. Für den Steuererlaß sei er aus finanztechnischen und prinzipiellen Gründen. Der Steuererlaß könne bis zur 6. Stufe gehen, für die übrigen Stufen müßte eine gerechtere Einschätzung erfolgen. Was die Deckung des Ausfalls angehe, so halte er eine Börsensteuer für eine gerechte Reformmaßregel, das Prinzip der Lttenzsteuer wäre ein Grund gegen dieselbe, wenn nicht die Einführung derselben für das Reich geplant wäre. Der vorgeschlagene Steuermodus gestatte keine Abwälzung, Redner wünscht aber eine baldigste Reform der directen Steuern aus Gründen der Gerechtigkeit und weil den directen Steuern den Finanzen Preußens die ihnen nachgerühmte feste Grundlage geben, ferner sei auch wegen des Zusammenhangs der directen Steuer mit der Communalsteuer eine Reform zur besseren Heranziehung der wohlhabenden Klaffen nothwendig. Eine Verzögerung der Reform der Reichssteuern sei dadurch nicht zu befürchten. Wagner warnt schließlich vor einer Steueraushebung ohne Deckung, als einer verderblichen Finanzpolitik, welche Oesterreich ruinirt und den Schwerpunkt Deutschlands von Wien nach Berlin verlegt habe. Bennigsen hebt den Widerspruch hervor, wegen der die Aermeren drückenden indirecten Steuern die directen Steuern aufzuheben und letztere durch neue indirecte Steuern zu decken. Der Ersatz des Steuerausfalls müsse durch eine Reform der übrig bleibenden Steuerklassen vollständig wieder vorgebracht werden. Die Vorlage wurde schließlich an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen.
Köln, 15. December. Eine Berliner Correspondenz der „Köln. Ztg." weist auf die umfangreichen Bahnbauten Rußlands an der westlichen Grenze hin, welche jedenfalls militärischen Zwecken dienen sollen, und schließt, dieselben können ebensowohl auf Vertheidigung wie als Angriffsmaßregeln berechnet fein. „Wir glauben gern und möchten die feste Ueberzeugung aussprechen, daß die Russen uns sehr freundnachbarlich gesinnt sind, wie es zweifellos ist, daß wir fest gewillt sind, bestehende gute Beziehungen aufrecht zu erhalten. Aber Vorbereitungen, die ebensowohl Angriffs- wie Vertheidigungszwecken dienen können, zwingen den Nachbar zu entsprechenden Vorkehrungen und eine Regierung' welche versäumte, solche rechtzeitig anzuordnen, würde eine schwere Verantwortung auf sich laden."
Marburg, 16. December. Der Geh. Medicinalrath Prof. Beneke ist plötzlich gestorben.


