Ausgabe 
18.4.1882
 
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Ar 88. Dienstag den 18. April 1882.

Gießener Anzeiger ( [ £ Vv Vf wjF

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täqliÄ mit Ausnahme des Montags.

r Schulstraße B. 18.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Telegramm: , , . ..

Aus Moskau liegen so betrübende Nachrichten vor, daß tue Kronungs- feier säst unmöglich ist. Es sind abermals zahlreiche Verhaftungen vorgekoin- men. Unter Anderem wurden achtzig bei der Reparatur der Uskenski'schen Krönungs-Kathedrale beschäftigte Arbeiter mit verhaftet. Mit Rücksicht hierauf hat sich sogar der Metropolit geweigert, den solennen Auferstehungs-Gottesdienst am Osterfeste zu celebriren. Besondere Wichtigkeit legt man ferner dein Um­stande bei, daß ein Beamter verhaftet ist, welcher im Ausstellungsgebaude ange­stellt war Derselbe ist von Nihilisten eingeschmuggelt worden, um dort über die Ankunft der hohen Persönlichkeiten genau informirt zu werden und den Nihilisten die nöthigen Winke erthellen zu können. Auch eine gesellschaftlich hervorragende Persönlichkeit, welche schon unter geheimer Beobachtung stand, als Kosloff noch Oberpolizeimeister von Moskau war, wurde in einer der letzten Nächte samlnt seiner Geliebten plötzlich verhaftet. Die Polizei befürchtet tz^ >, daß oie Nihilisten, nach diesen vorzeitigen Berhastungen gewarnt, sich zerstreut

ist". Und so hoffe er, daß es gelingen werde, in einiger Zeit geordnete Zu­stände in jenen Ländern einzuführen und den Moment vorzubereiten, wo die­selben, wie dies zweifellos der Fall sein werde, in den Rahmen des Kaiserstaates eingeftchrt werden könnten. Die Delegation werde alle darauf gerichteten Be­strebungen unterstützen. (Lebhafter Beifall).

Aus Cattaro wird gemeldet, daß mehrere muhamedamfche Banden­führer in der Umgegend von Stolac und Durascevic sich zur Unterwerfung für sich und ihre Banden bereit erklärt hätten. In der Umgegend von Bilek und Trebinje hätten die zurückgekehrten Flüchtlinge die Feldarbeit wieder aufgenommen.

Zara, 15. April. DieNarodnp Lisiy" meldet, Jnfurgenten hätten die Gensd'armerie-Kaferneu zu Dubar und Trtzina, im Bezirke von Stolae, nieder- gebrannt und das Dorf Gojikovic im Bezirke von Ljubinje überfallen.

Mußtand.

Aus Petersburg erhält dasFrkftr. Journal" folgendes Privat-

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.

Wien, 16. April. In einer heute stattgehabten von etwa 1000 Per­sonen besuchten Volksversammlung, in welcher über die Stellung der Arbeiter zu der Äntisemitenbewegung Beschluß gefaßt werden solle, wurde nut allen gegen 17 Stimmen eine Resolution angenommen des Inhalts, daß die Versammlung mit der Antiseniilenbewegung nichts gemein habe.

Belgrad, 16 April. Das neu erfchienene JournalDie Gegenwart richtet das Ersuchen an die Regierung, dem serbischen Volke mitzuthellen, wie der ehemalige Metropolit Michael die während der Kriegszeit aus verfchledenen Ländern von der Gesellschaft voin Rothen Kreuz eingegangenen 300,000 Ducaten verwendet habe. m

Schwerin, 17. April. Durch em gestern Abend wahrend der Vor­stellung ausgebrochenes Feuer im Schauspielhaufe wurde dasselbe bis auf die Ringmaueru zerftört. Die Räumung des Hanfes erfolgte ohne jeden Unfall. Die Gefahr wurde dem Publikum von der Bühne aus rechtzeitig mitgetheilt, Der Großherzog selbst richtete beruhigende Worte an das Publikum.

Deutschland.

Darmstadt, 15. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Obersten und Com- Mandanten der Residenz Frhrn Rbder v. Diersburg, f-n Obersten jerna, Jnspector des Trains, den Oberst z. D. Gettach^ den Mafor Frhrn. V. Gemmingen vorn Großen G-Nira,stabe, den Professor -schad-, den Salmen- Rentmeister Krau», den LandgerichtSdirector Kohler, den Mmtstenalrath >. P Kamnmrkmrrn ftrbrn v Preuschen. den Kanzleidiener Schickedanz; zum Vor- ^ag'^den Staatsminister Frhrm ». Starck und den A-inisterial - Präsidenten ^chleiennach^er Sprit. Rach einer Prwatdepcsche desAtainzer Tagebl." aus Darmstadt ist das Project für den Bau der festen Brücke zu Mainz un Ränisterium definitiv festgestellt und von der Militärbehörde, sowie den Rhem- uferstaaten sanctionirt. Die Achse der Brücke ist auf die Mitte des Zeughauses gerichtet, die zwei Absahrtsrampen gehen stromaufwärts bis an die jetzige Schiff­brücke, stromabwärts bis zur Großen Bleiche. Durch diese Lage der Brücke sind verschiedene Aenderungen an den dermattgen Uferanlagen, Dhoren und for- tificatorischen Werken erforderlich. Falls sich die Stadt Mainz zur Uebernahme der Kosten bereit erklärt, soll der Brückenbau sofort begonnen werden.

Berlin, 15. April. Aus Petersburg wird demVerl, nagelst. tele- qraphirt:In der Gefellschaft cursirt folgendes Gerücht: Der Ober-Polizei- meister General Kosloff habe in den Feiertagen ein Körbchen Ostereier geschenkt bekommen, deren einzelne sich als mit Sprengstoff gefüllte Atrappen erwiesen. Auf dem Boden des Körbchens lag ein Zettel:Dergleichen Geschenke waren so viele fertig gestellt, daß man auch noch eine genügende Menge zur Verthei- lung während der Krönung übrig behielte. DerRat -Ztg." wird aus Petersburg geschrieben:Officiere des Eisenbahn-Bataillons haben die gesuchte, wohl verborgene Mme auf der Nieolai-Bahn aufgefunden. Die Erdarbeiten waren vollendet; eine Drahtleitung führte unter den Damm. Sprengstoff und galvanische Batterie fehlten." - DieVossische" schreibt: In Rußland wird nächstens eine Razzia en gros auf Nihilisten abgehalten werden Wie man uns meldet, soll die ganze Strecke zwischen Petersburg und Odessa nut beson­derer Berücksichtigung Moskaus und Umgebung, wo es von politisch Verdächti­gen ordentlich wimmeln soll, durch Gensd'armerie abgesucht werden. Zu dieser Expeditou sind die sähigsten Gensd'armerie-Officiere commaudirt worden. Na­türlich müssen die nöthigen Truppenmassen ihnen zur Verfügung gestellt werden.

Berlin, 16 Apnl. D:e bundesstaatlichen Minister sind hier eingetroffcu; morgen dürste eine Plenarsitzung des Bundesraths stattfinden. In den Ausschüssen wurde das Referat über das Tabaksmonopol an den meimarschen Commissar Geheim- rath Heerwarth, das Referat über die Unfall- und Krankenkassenversicherung und bte Novelle zur Gewerbeordnung an den bayerischen Mmisterialrath Herrmann über­wiesen. Der jetzt dem Bundesrath zugekonlmene Monopolentwurf weist die bereits gemeldeten drei Abänderungen von der ursprünglichen Vorlage auf. Für die am 6. Mai in Aussicht genommene Versammlung der Vertrauensmänner der liberalen Vereinigung ist folgende Tagesordnung festgesetzt: Politische Lage und Aufgabe der liberalen Orgamsatwn für die bevorstehenden Wahlen und Verhandlung über die bevorstehenden Wahlen. Die morgen hier zusammentretende Conferenz der Landes­directoren wird sich auch mit den vom Minister des Innern versandten Anfragen wegen Abänderung der Selbstverwaltungs Gesetzgebung beschäftigen. Geheimrath Hübler ist von Italien hierher zurückgekehrt. (Frkf Ztg.)

Libau, 15. April. Der auf der hiesigen Rhede ankernde Flensburger DampferDiana" wurde in der vergangenen Nacht von dem englischen Dampfer Vernon" übersegelt, dieDiana" sank sofort, die Mannschaft ist nur mit großer Mühe gerettet worden. Das Vordertheil desVernon" ist stark beschädigt.

Strastburg, 15. April. DerElsaß-Lothr. Ztg." zufolge ist zur Her­beiführung eines geregelten und wirkfamen Sicherheits-Dienstes gegen Rhein- Ueberfchwemmungen die Herstellung einer telegraphischen Verbindung von Hünin- gen dem Rhein entlang bis Straßburg in Vorbereitung begriffen und wird mit den Arbeiten für Herstellung der neuen Linie binnen Kurzem begonnen. Auch mit der Großh. Badischen Regierung sind die behuss Regulirung der Strom- Verhältnisse bei Rheinau gepflogenen Verhandlungen zum Abschluß gelangt.

Oesterreich.

Wien, 15. April. Oesterreichische Delegation. Präsident v. Schmerling eröffnet die Sitzung nut einer Rede, in welcher er conftatirt, daß die seiner Zeit von ihm ausgesprochene Erwartung einer baldigen Pacisieation des Jnsurrec- tions-Gebietes sich thatsächlich erfüllt habe.Wir haben die Beruhigung, daß im Großen und Ganzen der Aufruhr fein Ende erreicht hat. Wir danken dies der umsichtigen Führung der Befehlshaber und der ausnehmenden Tapferkeit unserer braven Truppen, die auch diesmal alle militärischen Tugenden ans's Glänzendste betätigt haben. (Lebhafter Beifall). Unter den aus allen Theileu des Reiches detachirteu Truppen Herrschte die edelste Waffenkameradschaft. Auch ein dalmatinisches Regiment betheiligte fich an der Aetion und auch diese braven Soldaten bewiesen, daß sie da keinen Bruder kennen, wo es sich um die Be­kämpfung von Hochverräthern handelt. Nach der Pacification tritt an die Regie­rung die Aufgabe heran, Vorsorge zu treffen, daß uns eine Wiederholung ähn­licher Ereignisse erspart bleibe. In diesen Gebietstheilen ist nur Ernst und in gewissem Grade Strenge angezeigt; daher dort die Einführung conftitutioneUer Einrichtungen vorläufig kaum wird Platz greifen können. Andererseits giebt es in diesen Gebieten gerechte Wünsche, deren Erfüllung Aufgabe der Negierung

Friedbera, 13. April. In dem Wasserrefervoir des hiesigen Bahnhofes hat sich gestern ein hiesiger

u Leebecm. Der h esige Storch ist ein gelungener Kerl und vorsorglicher Fawfum vater Fn letzUr steit verschwanden hier nämlich von der Bleiche und ausi Garten mehrfach klein? Wäschestücke, namentlich Kinderwäsche Der

sich auf den Storch und eine Untersuchung von dessen Nest forderte die oeimtBien S°^Vu?B a?er^l3. April. Der Schaden, den der plötzliche Witte« verursachte, nimmt größere Dimensionen an , alv M°^schenblü'thcn, die sich bayern hat der Frost zwar nur Aprikosen, Pfirsiche und 9 Nachrichten über zu früh hervorgewagt, getödtet; dagegen lauten aber auo - Schneefall der Oster- Frostschäden sehr traurig. B's über Botzen hineinha sich der cscyn r

tage erstreckt und namentlich dem Weinstock weh: gethan. ^^ bioereins zur Hebung

Berlin, 13. April. Der,-Bestrebung n desdeutschen tfum Vertilgung

der Fischzucht in den deutschen Gewässern ist cs z Beachtung geschenkt wird, der Fischfeinde aus der Thierwelt eine 'w^.^^mainen und Forsten unterstützt Auch der preußische Minister für La^wirthsch°tt, nnfen Vereins neuerdings das diese Bemühungen und hat m A. dem Vorifmd eg Staatsforsten erlegten Reiher,

Verzeichruß der im Jahre 1881 ln den g . Erden insgesammt 53/v Fischreiher Komorane, Fischottern rc- zugehen^lästern m . w f P^sdam davon aüem 143c/, erlegt und zwar entfallen auf den Reg ^^^4, Schleswig 261 Magdeburg (Regierungsbezirk Hannover 1571, Marien Regierungsbezirk Danz g allem

195 2C) Komorane wuiden erlegt 154 u » 195, bie meisten entfallen davon auf UO Die stahl der Fischottern belauft^siw aui gsberg (19) und Potsdam (14). GaffelWl?H«baben (21)und zwar m Hannover 80, Magdeburg 73, Besetzte Re.herhorste sind zerstört woKgn den Regierilngsbezirken Münster Frankfurt 56, Marienwerder 40 Potsd Fischräuber getödtet worden. Es erscheint und Koblenz ist m Staatsforsten re feinerlei genaue Aufzeichnungen vorliegen und nur bedauerlich, daß aus vriDal 0lttene Thatsache gilt, daß besonders Horste von daß es noch immer als e ne in ctner Weise gehegt werden, die den

Fischreihern ©diaben verursachen. Der in srüheren Jahren wenig

wässern 'n weiter Umgeb ng^ ^ roirb dagegen eine immer höhere Aufmerksamkeit oder ^cht beachtettn^ E. Freiherr von Egloffstein im 2. diesjährigen Circular