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Amts- tmb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau : Schulstraße B. 18.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Deutschland.
Darmstadt, 16. Februar. Se. König!. Hoheit der Großherzog und Se. Großh. Hoheit der Prinz Wilhelm sind nebst Gefolge heute Vormittag 11 Uhr 15 Mm. von Schwerin wieder hier eingetroffen.
m. Darmstadt, 16. Februar. (Zweite Kammer der Stände. 4. Sitzung.^ Zu Beginn der heutigen Sitzung wird ein Antrag dls Abg. Racke auf schleunige E n- berufung der Commission zur Untersuchung der Strombauverhältnisse verkündigt. Die Kammer fährt m der Beralhung des Ausgabebudgets fort. Die Forderungen für das Haus- und Staats Archiv (12 200 X), Rheinschifffahrtskosten (4295 J£) und Porto- und Telegraphen-Gebühren (2650 X) Im Ressort des Staatsministeriums werden ohne Debatte einstimmkg bewilligt. Zur Hauptabtheilung 7., „Ministerium des Innern und der Justiz", Cap. 21, „Minister,um", will die Regierung mit Rücksicht auf den Geschäftsumfang der Abtheilung für öffentliche Gesundheitspflege und auf den Umstand, datz der Kreisarzt des Gesundheitsamts Darmstadt, w lcher die ärztliche Rathsstelle im Nebenamt versieht, durch seine kreis- und gerichtsärztlichen Functionen so in Anspruch genommen sei, daß er sich an den Geschäften der Abtheilung nur in geringem Maße und unregelmäßig beiheil gen könne, für den ärztlichen Rath im Nebenamt einen zweiten ärztlichen Ratb im Hauptamt bestellen. Der Ausschuß spricht sich in seiner Majorität dagegen aus. Auch kommt die Regierung auf die frühere Forderung zurück, den Durchschnittsgeholt der Vortragenden Räthe auf 5500 X zu fixeren (gegen dermalen 5200 X . Der Finanzausschuß ist auch hlergegen. Weiter beansprucht die Regierung den Vorbehalt, wenn und soweit es zur Gewinnung oder Erhaltung einer vorzugsweise geeigneten Kraft für die Stelle eines vortragenden Rathes nothwendig wäre, einen höheren als den nach der Anciennetät sich ergebenden Gehalte gewähren zu dürsin Nachdem in heutiger Sitzung durch Herrn Staatsminister Freiherrn v- Starck die Nothwendigkeit nachgewiesen worden, der Regierung die Möglichkeit zu gewähren, in eintretenden ausnohmsweisen Bedürfnißfällen die absolut erforderlichen Mittel aufzuwenden, um dem Staate die Kräfte zu sichern, die zur gedeihlichen Fortführung der Geschäfte nothwendig sind, und nachdem namentlich von den Abgeordneten Heinzerling, Böhm, Baur, D'trmar und Muhl hervorgehoben worden, wie diese wichtige Angelegenheit durch eine Verständigung mit der Regierung zu ollseltiger Zufriedenheit geregelt weiden könne, beschließt die Kammer, di.scn letzteren Punkt an den Finanzausschuß zmückzuverweiscn, tritt j'drch im Uebrigen zu diesem Cap tel den Anträgen der Majorität bei, womit auch die Erhöhung dis Durchschnittsgehaltes der Ober-Rechnungsrathe als obgelehnt erscheint. — Für allgemeine Kosten m dem Collegienhaus werden die geforderten 7230 x, für Por to und Telegraphengebühren 73,000 X bewilligt. — Zu Eap. 24, „Provinzialbirectionen und Kreisämter", schlägt die Regierung wiederholt die Gleichstellung der Gehalte der Kreisräthe mit denen der drei oberen Classen der Land- und Amtsrichter vor. Im Einverständniß mit dcr Regierung beantragt die Majorität des Ausschusses, die desfallsige Anforderung mit der Maßgabe zu bewilligen, daß den Kreisräthen für die gewährte Wohnung oder Wohnungs- Vergütung in der untersten Gehaltsklasse ein Abzug von 100 X, in den beiden oberen Gehaltsklassin ein solcher von 6% ihrcZ Gehaltes gemacht wird. Ein Mitglied des Ausschusses. Abg. Ellenberger, ist für Strich der Mehrforderung. Nach euer langen Debatte, welche vielfache Abschweifungen von dem eigentlichen Tbema der Verhandlung aufzuweisen hat, gelangt der Antrag der Majorität des Ausschusses gegen 7 Stimmen zur Annahme. Unter Anderm bringt Abg. Schröder die Haltung einzelner Kre-sblätter gelegmUich der letzten Land- und Reichstagsw schien zur Sprache, indem er besonders betont, daß er die vollste Ueberzeugung habe, daß die Stellung der jetzigen Regierung die sei, aus diesem Gebiete volle Neutralität zu wahren- — Staarsminist-r Freiherr von Starck, Exc-, erwiderte, daß der politische The'l der Kreisblätter von der Verantwortlichkeit des Krersamts oder der Regierung nicht berührt werde; nur bann, wenn die Discussion in unanständiger Weise geführt werde, glaube die Regierung, daß die Firma als Kreisblatt eine solche Contrebande nicht als Flagge decken dürfe. Die Regierung gehe überall davon aus, daß eine Beeinflussung der Wahlen in specie in amtlicher Eigenschaft unzuläisig sei, und habe dies überall, wo sich Veranlassung dazu geboten, deutlich zu erkennen gegeben. An der weitläufigen Debatte beteiligen sich noch die Abgg. Franck, Seubert, Maurer, Küchler, Pennrich, Wasserburg, Wolz, Jost, Ellenberger, Wirth, Haas, Sturmfels, Pfannstiel, sowie der Berichterstatter Theobald. — Die für die Polizeibehörden geforderten 52,830 X werden ohne Debatte bewilligt, ebenso nach langer Debatte nach dem Antrag des Ausschusses die Anforderung für die Gensdarmerie unter Abstrich von 1000 X an dem Gehalt des Commandeurs des Corps. Die Beanstandung eines Theils der Bekleidungszulagen wird von dem Ausschuß zurückgezogen und ein Antrag des Abg. Böhm angenommen, die Regierung zu ersuchen, die Frage in Erwägung zu ziehen, ob sich nicht durch Verminderung der Zahl der Officiere der Gensdarmerie eine weitere Ersparniß erzielen ließe. — Die Anforderungen für die Criminal- und Polizeikassen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen werden bewilligt und wird auf warme Befürwortung des Herrn Minifterialrath Weber nach längerer Debatte die vorgesehene widerrufliche Anstellung von Aufsehern am Mainzer Gefävgniß und Arresthaus gegen den Antrag des Ausschusses genehmigt. — Nächste Sitzung morgen. Jnteipellations- beantwortung und Fortsetzung der Budgetberathung.
Berlin, 14. Februar. Der „Köln. Ztg." wird berichtet: Die Aufrechthaltung und Befestigung des europäischen Einverständnisses ist in allen schwebenden Fragen und auch nach der Seite Rußlands hin die beste Bürgschaft des Friedens und ohne Zweifel eine größere Beruhigung den Panslavisten gegenüber, als alle officiösen Beschwichtigungsmittel in den verschiedenen Ländern sie zu bieten vermögen. So lange die Regierungen jede Sonderpolitik zurückweisen und sich über alle wichtigen Schritte verständigen, werden auch die Störenfriede an der Newa ihre Pläne vertagen müssen. Die Ansicht gewinnt mehr und mehr Boden, daß auch die überwiegende Mehrheit der Franzosen zu dieser Erkenntniß gelangt ist, und die Besorgnisse, welche die entgegengesetzte Richtung Gambetta's einflößte, mögen zu seinem Sturze vorwiegend beigetragen haben. Man kann die unbestrittene Frage, ob wirtlich Verabredungen zwischen Gam- betta und' der englischen Regierung wegen eines militärischen Einschreitens in Egypten im gegebenen Falle stattgefunden hatten, auf sich beruhen lassen. Namentlich auf englischer Seite wurde das bekanntlich in Abrede gestellt, und man kann jedenfalls daran ermessen, wie froh man in London war, als das Ministerium Freycinet den andern friedlichem Weg einschlug und auch bezüglich Egyptens nur im Verein mit den andern Mächten handeln und vorgehen wollte. Eine Kundgebung in diesem Sinne soll bekanntlich von England angeregt und von Frankreich bereitwillig angenommen worden sein. Gestern Abend hatte hier
zuerst nur von einem französischen Rundschreiben über Egypten verlautet, das in diesem Sinne erwartet werde. Einem Reuterffchen Telegramme zufolge wäre es eine schon abgejandte Erklärung der Westmächte an die andern Regierungen. Die dafür gewählte Form einer „Collectivnote", wie sich das Telegramm ausdrückt, wäre etwas ungewöhnlich, zumal es sich um einen Anschluß an die Politik der andern Mächte handeln soll. Der in Paris officiös' gewählte Ausdruck von Weisungen an die Botschafter ist vielleicht zu eingeschränkt, da sich jedenfalls um eine Mittheilung an die verschiedenen Regierungen handeln soll. In hiesigen politischen Kreisen wird von einem Rundschreiben gesprochen, welches das europäische Einverständniß wegen Egyptens Herstellen und befestigen soll. Man wird hierüber wie über den Inhalt des Schriftstücks Näheres abwarten müssen, oie friedliche und entgegenkommende Richtung indessen nicht bezweifeln dürfen. Für den Baron Courcel übrigens, der gestern dem Kaiser sein Beglaubigungsschreiben überreichte und der heute bei mehreren Botschaftern Besuch machte, ist es ein gutes Vorzeichen, daß seine diplomatische Thätigkeit durch einen derartigen gewiß willkommenen Akt eingeleitet wird. Daß eine europäische Conferenz wegen Egyptens in Sicht sei, wurde heute früh von mehreren gewöhnlich gut unterrichteten Stellen noch immer bezweifelt. Man hielt daran fest, diese könnte erst in Frage kommen, wenn die Muhe und der bestehende Zustand in Kairo ernstlich gestört würden. Jemand bemerkte, eine Conferenz würde thatsächlich, wenn auch unwillkürlich oder vielmehr gegen seinen Willen, von Arabi Bey berufen, d. h. durch ihn veranlaßt werden.
Hesterreich.
Pesth, 15. Februar. Unterhaus. Der Deputirte Hermann richtete eine Interpellation an die Regierung darüber, ob sie Kenntniß habe von einem unter dem Präsidium Falkenstein's constituirten deutschen Schulverein, dessen Aktionsmittelpunkt Berlin sei und der in numerirt erscheinenden Flugblättern offen gegen die ungarische Nation aufreize und mit den Sachsen Siebenbürgens durch Emissäre Verbindung unterhalte, und ob die Regierung beabsichtige, sich hierüber auf amtlichem Wege Kenntniß zu verschaffen, dem Ergebnisse ihrer Schritte entsprechend vorzugehen und dem Hause darüber zu berichten.
England.
«ondon, 15. Februar. Unterhaus. Bei der Berathung des Berichtes über die Adresse wies der Unterstaatssecretär Dilke die Angriffe der Deputirten Wolff und Bartlett zurück und erklärte, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der egyptischen Frage nicht Folgen des Aufgebens der Politik des vorigen Cabinets, sondern Folgen davon seien, daß die jetzige Negierung diese Politik adoptirt habe. Die aintlichen Beziehungen zwischen England und Deutschland seien höchst freundschaftliche. Das europäische Concert sei nicht gestört. Er halte an der Ansicht fest, daß das europäische Concert das beste Mittel sei, europäische und außereuropäische Schwierigkeiten zu lösen und glaube, daß dasselbe auch in Betreff Egyptens angewendet werde. Bezüglich Herats erklärte der Redner, daß nach den der Regierung zugegangenen Nachrichten daselbst keine Revolution ausgebrochen sei. , p, L r f rrf x
— Ueber den Stand der Arbeiten am Panama-Canal stnd sehr schlechte Nachrichten eingetroffen. Die bisher verausgabteii 140 Millionen Francs haben zu keinem praktischen Ergebniß geführt; unter den Arbeitern herrscht sehr große Kränklichkeit.
Türkei.
Konstantinopel, 15. Februar. Der Commandant Crenwell und der Lieutenant Selby von dem enAischen Stationsschiffe und der englische Consular- adjunct Wrench sind auf einer Jagd bei Artaki von albanesischen Hirten angegriffen worden. Der Lieutenant Selby ist durch einen Hieb mit einer Hacke schwer verwundet worden, der Commandant Crenwell ist leicht verwundet. Der englische Botschafter Lord Dufferin hat von der Pforte die energische BestraMg der Schuldigen verlangt. , r
— Ueber den bereits gemeldeten Exceß albanesischer Hirten gegen eng- lische Unterthanen wird noch Folgendes mitgetheilt: Der Lieutenant de« englischen Kriegsschiffes „Falcon", Selby, wurde, als er sich auf emer ^agd bei Artaki in Anatolien befand, von einem Albanesen angegriffen, welcher hn durch Schläge mit einer Hacke schwer verwundete. Die Pfort hat dem^^Valy der Provinz und bem Kaimakam des betr. Distncts befohlen, sich an den Drt der Thal zu begeben und den Thater sestzunehmen Der^englffch Botschaft^ Lord Dufferin, verlangt die Entsendung eines tuAen Krieg« ch Artaki. Dasselbe ivird voraussichtlich von dem englischen Kriegsschiffe „C trice" begleitet werden. _ _.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. (sorrespondenz-Bureau.
,77L,„r Das Abgeordnetenhaus erledigte in unerheb-
Berlin, 16. sebrua . ~ „ Tagesordnung stehenden Etatstheile.
kicher Debatte die zweite Lesung, der« b ^ ^kschrift über die Ausführung ^r^otbf7Sgeieefeer wexbl dem Landtage baldigst zugehen Daß landwirth- Agitation trieben, gehe seiner Alemung nach gegen schaftliche Vernye po 1' $ in einziger Fall von Ausschreitungen landwirth-
schastlich^ Vereine bekannt. Dem Abg. Rickert gegenüber welcher den Justiz- ininister frug ob die landmirthschaftlichen Vereine nach dem Verenisgesetz be-


