weiter keine ernstlichen Folgen zu haben. Wenigstens hat der diplomatische Agent Englands in Kairo, Mallet, dem egyptischen Ministerpräsidenten Scherif Pascha erklärt, daß die Note nur bezweckt habe, Egypten zu versichern, daß das französisch-englische Einvernehmen auch unter dein neuen französischen Ministerium Gambetta fortdauern werde. Man glaubt, daß die egyptische Regierung in Folge dieser Erklämng Mollet's die Note der Westmächte nicht beantworten werde, womit denn hoffentlich dieser neueste egyptische Zwischenfall beseitigt ist.
Berlin, 15. Januar. Wie wir hören, ist jetzt wegen der Unregelmäßigkeiten, die bei den letzten Wahlen in Berlin vorgekommen sind, die erste Anklage Seitens der hiesigen Staatsanwaltschaft erhoben worden. Die Anklage stützt sich auf § 108 Abs. II. des Strafgesetzbuches, welcher lautet: „Wird die Handlung (die ein unrichtiges Ergebniß der Wahlhandlung vorsätzlich herbei- sührt) von Jemand begangen, welcher nicht mit der Sammlung der Zettel oder Zeichen, oder einer anderen Verrichtung bei dem Wahlgeschäfte beauftragt ist, so tritt Gefängnißstrafe bis zu 2 Jahren ein."
Die erwähnte Anklage richtet sich den: Vernehmen nach gegen einen bereits vielfach wegen Diebstahls und zuletzt mit B’A Jahren Zuchthaus bestraften Menschen, welcher, ohne wahlberechtigt zu sein, abgestimmt hat.
Deutscher Reichstag.
26. Sitzung vom 16. Januar.
Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um IV2 Uhr.
Am Bundesralhsttsche: u. Bötticher, Färber du Faur, v. Liebe n. A.
Tagesordnung: 1) Erste und eventuell zweite Berathung d.r zu Berlin am 3. November v I. unterzeichneten internationalen Reblaus-Convention und der unterm 17. Decembrr 1881 m Bern unterzeichneten Zusatzerklärung zu jener Convention, in Verbindung mit dem mündlichen Bericht der Petttions - Commission über denselben Gegenstand.
Der Referent, Abg. Dr. Thilenius, befürwortet den Antrag der Commission, der dahin geht, über die Petitionen, insoweit sie auf eine Ablehnung der internationalen Reblous^Convention gerichtet sind, zur Tagesordnung überzugehen, insoweit sie aber auf Einführung strengerer Maßregeln im internen Verkehr gerichtet sind, dem Reichskanzler zur thunlichsten und baldigsten Berücksichtigung zu überweisen.
Abg. Ackermann bespricht die Convent on und bemängelt dieselbe insofern, als auck andere Gewächse in das Verbot mit hrneingezogen würden, obwohl nach den gemachten Erfahrungen nur die Rebe von dem Jnsect bedroht werde.
Abg. Dr. Buhl macht auf die großen Gefahren aufmerksam, welche dem Weinbau namentlich im Rheingau von der Reblaus drohe. Er erkenne gerne an, daß von Seiten der zuständigen Behörden mit großer Energie vorgegangen ist, um dem Uebel entgegenzutreten; aber man werde im nächsten Jahre mit großer Sorgfalt nad) neuen Jnfectionsheerden suchen müssen, sollen die Gefahren für unseren Weinbau gänzlich beseitigt werden. Auch gegen den Schmuggel müssen Vorkehrungen getroffen werden, wenn dem Uebel mit Enolg beigekommen werden solle. Nur dann werde es möglich sein, der Vernichtung des Wohlstandes unserer Weinbauern einen Damm entgegen zu setzen, wenn die Interessenten und die Regierungen sich zu gemeinsamem energischen Handeln vereinigen, die Krankheit von unseren Grenzen fernzuhalten, andernfalls würde unser Weinbau demselben Schicksal verfallen, wie bereits zum Theil der Weinbau in Frankreich.
Der Präsident theilt ein Schreiben des Reichskanzlers mit, in welchem derselbe anzeigt, daß nach einem ihm zugegangenen Telegramme der württembergischen Regierung der Abgeordnete Dietz am Sonnabend, 14. Januar, aus der Haft entlassen wurden sei.
Die Abgg. Walter (Sachsen) und Dr. Schulze (Delitsch) empfehlen die Annahme folgenden Antrags: An Stelle der Nr. 2 der Anträge der Ptittons-Com- mission zu setzen: 2i „bte Petitionen, insoweit sie auf Einführung strengerer Maß regeln im internen Rebverkehr gerichtet sind, dem Herrn Reichskanzler zu überweisen mit dem Ersuchen um sofortige Einbringung eines Gesetzentwurfs, wonach tn denjenigen Gegenden des deutschen Reiches, in denen Weinbau getrieben wrd, der Verkehr mit Reben und irgend welchen Theilen der Reben, ausschließlich der Trauben, eine Beschränkung in der Art erleidet, — daß ein solcher nur noch innerhalb unmittelbar aneinander stoßender Gemeindebezirke stattftndet; die Grenzen derjenigen Weinbaubezirke, auf welche diese Anordnung Anwenduug findet, von der betreffenden Landesregierung bestimmt und Zuwiderhandlungen unter angemessene Strafe zu stellen sind; — unter Weinbau >m Swne des Gesetzes die Pflanzung und Cult'virnng der Reben zum Zwecke der Weinbereitung verstanden wird.
Geh. Rath Wey mann erklärt sich gegen diesen Antrag, weil derselbe die Erledigung dieser israge von vornherein in ganz bestimmter Art feststellt. Er bittet um Annahme des Commissionsantrages.
Abg. Buddeberg beschwert sich über den beschränkten Grenzoerkehr mit Gewächsen und Garten-Erzeugnissen nach Oesterreich.
Abg. Dr. R eich ensper ger (Crefeld) kann sich gleichfalls mit dem Antrag Schulze einverstanden erf ären Er findet es bedenklich, den Weinbau in gewisse Grenzen einzuschränken. In den platten Gegenden wächst der Wein sehr zersplittert mit anderen Gewächsen zusammen. Dort fei also die Einschränkung unihunlich; es würde damit aber auch der Regierung eine Aufgab-' gestellt werden, die schwierig und zeitraubend ist, den Zweck der Convention aber völlig in Frage stellen würde.
Abg Härle spricht für die Commissionsbeschlüsse.
Die erste Berathung wird geschlossen, eine Cornmissionsberathung nicht beliebt und deßhalb sofort in die zweite Lesung eingetreten Bei der Abstimmung wird die Convention nebst Zusatz-Convention genehmigt. Der Antrag Schulze wird mit 115 gegen 109 St rnmen abgelehnt, dagegen die Anträge der Commission angenommen.
2) Erste und zweite Berathung des zu Berlin am 26. November 1881 unterzeichneten Consularveitrages mit Griechenland
Die Convention wird unverändert genehmigt und dann die Sitzung vertagt.
Nächste Sitzung Dienstag. — Tagesordnung: Wahlprüfungen und Berufs- Statistik. —
Schluß 43/4 Uhr.
Telegraphische Depeichrn.
Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.
Berti«, 16. Januar, Das Abgeordnetenhaus wählte Köller zunt ersten Präsidenten, Frhrn. v. Heeremann zum ersten Vicepräsidenten und Stengel zum zweiten Vicepräsidenten. Nächste Sitzung Mittwoch.
— Das Herrenhaus beschloß die Vorlagen über Abänderung der Grundbuchordnung und die Regelung des Kirchenwesens im Jadegebiet durch Schluß- berathung zu erledigen und verwies das Gesetz über die Fürsorge für Hinterbliebene unmittelbarer Staatsbeamten an eine besondere Commissin.
— Die heute im Abgeordnetenhause eingegangene neue Kirchenvorlage bestimmt das Wiederinkrafttreten der Art. 2, 3 und 4 des Juligesetzes vom Jahre 1880 betreffs Erlaß des bischöflichen Eides, der connnissarischen Vermögensverwaltung und der Wiederaufnahme der eingestellten Staatsleistungen. Ferner kann den gerichtlich abgesetzten Bischöfen vom Könige die staatliche Anerkennung als Bischof der früheren Diöcese wiedererthellt werden. Das Ministerium hat die Vollmacht, von den vorgcjchriebenen staatlichen Prüfungen zu dispensiren und ausländischen Geistlichen die Vornahme von Amtshandlungen zu gestatten. Der staatliche Einspruch bei der Anstellung von Geistlichen soll nur erfolgen, wenn der Änzustellende aus bürgerlichen oder staatsbürgerlichen Rücksichten nicht
geeignet erscheint, insbesondere bei den Gesetzen nicht entsprechender Vorbildung. Beschwerden gegen die Einspruchserklärungen können nur bei dem Cultusminister erfolgen. Das Staatsministerium kann für bestimmte Bezirke widerruflich gestatten, daß Geistliche, welche die gesetzlichen Erfordernisse besitzen oder davon dispensirt sind, zur Hülfsleistung ohne vorherige gesetzliche Anzeige (Benennung) verwendet werden können.
London, 16. Januar. Ihre königliche Hoheit die Herzogin von Eon- naught, Tochter Sr. königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, ist gestern von einer Prinzessin entbunden worden.
Rom, 16 Januar. Der Papst verließ gestern Nachmittag gegen 4 Uhr seine Gemächer und begab sich unter Vorantritt des hohen Collegiums, der hohen Prälatur, des Episcopats und der Würdenträger des Hofes in den Saal, in welchem am Vormittag die Seligsprechung vollzogen worden war. Gegen 800 Personen waren daselbst versammelt, unter ihnen befand sich auch die Herzogin von Madrid mit Gefolge und das gesamntte, beim Vatican accredirte diplomatische Corps. Der spanische Gesandte nahm als Vertreter des Landes, welchem der Seliggesprochene angehörte, den Ehrenplatz ein. Der Papst betete einige Zeit vor dem dem Seligen geweihten Altäre, in welchem ein Theil der Reliquien desselben aufbewahrt werden, und empfing sodann die Antragsteller der Seligsprechung, welche dem Herkommen gemäß ihm Dank sagten und Geschenke anboten. Der Papst erwiderte mit einigen Worten. Die Fayaden der spanischen Kirchen zu Rom waren Abends illuminirt.
— Heute Vormittag fand im Pantheon ein feierlicher Trauergottesdienst für Victor Emanuel statt, welchen der erste Hofkaplan Anzino unter Assistenz einer zahlreichen Geistlichkeit celebrirte. Deputationen des Senates und der Kammer, alle Minister, das gesammte diplomatische Corps, die Würdenträger des Hofes, die Municipalität, Deputationen der Armee und der Marine und ein zahlreiches distinguirtes Publikum wohnten der Feier bei.
Teplitz 16. Januar. Gestern Abend wurde die Hauptspalte der Quelle in dem Stadtbade auf einer Seehöhe von 153 Metern geöffnet; das Wasser, mehr als 37 Grad R. warm, stieg um 10 Meter. Die Teufungsarbeiten sind beendet.
Petersburg , 16. Januar. Heute finden vor dem hiesigen Militärbezirksgericht mit Ausschluß der Oeffentlichkeit die Verhandlungen in dem Processe gegen Sankowsky und Melnikoff in Sachen des Attentats gegen General Tsche- rewin statt.
Handel und Verkehr.
Gießen, 17. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete- Butter «pr M 0.95-1.03, Hühnereier 1 Glück 7-8 2 Stück 00-00 T @nten“er nfr Ä
0 H, Gänseeier p. St. 00-00 Käse per Stück 5—9 Käsemaltc Der q Erbsen 1 Liter 22 H, L-nsen 1 Liter 25 Tauben das Paar 80-100 Hübner3 Stück Jt 1.00 1.40, Hahnen per Stück 1.30—2.00, Enten per Stückel 70 om (Sänfe per Pfund 60 -72 H, Weliche per ©lücf ^ 00-00 edSeif* per 60-62 4, Kuh- und R'ndf/eis» 40-50 Kaibfl^sch 40-44 L Schwemefle^ck 60 bis 64 Ifleüch 50-60 A, Koffein 100 L 11'00-4.00, fi?beta
per Gentner JL 6 7, Mckch per Liter 16—18 Weißkraut das Hundert ^7.50-9. sw . Frankfurt a. M-, 16^ Januar. Der heutige Vsehmarkt war gut befahren Angetr.eben waren circa 32b Ochieii. 362 Kühe, 426 Kälber und 267 Hämmel Die fteUti” sich: Ochsen 1. Qualität 69-00
1. OÄ “ MÜ 2. Ä
miPedbaf iBf0unh0be3?b«.,"Cme °Ori0e 2Bod,e CCL 314 Stück verkaufend
9ä ^aAJ8^tpreife.) Weizen, effektiv hiesiger und Wetterauer tJL 25.2t), fremder .M. 24 2.d.2d Roggen effcciiö hiesiger 19 00 91 nn c v 20.50 :21. Gerste cffectiv hitsige und Wetteruuer 17.50-20 50 frembe^^^R pÄ 100 idoCr effe h,Cf,8er uno W-tt-rauer 15-17.25. fremder'
Lokale».
Gießen, 17. Januar. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 19. Januar 1882, Nachmittags 4 Uhr.
1) Die Bildung der Ersatz Commission im Aushebungsbezirk G^ßen.
2) Das Beschneid-n der Hecken.
3) Die Verpachtung der Gemeindejagd.
4) Voranschlag der A'r-nenkasse für 1882/83.
5) Die Vergebung des Unterhaltungsmater-als für die städtischen Wege.
6) Das Befahren der Wetzsteingasse. *
7) Gesuch des Stationsassisienten August Zöckler dahier um Bauerlaubmß.
8) Gesuch des Metzgermeisters August Schmidt dahier um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen.
9) Gesuch des Oeconomen Friedrich Helfrich dahier um Erlaubniß zur Anlegung einer prostorischen Einfriedigung
Theater.
Das altbewährte Schauspiel Charlotte Birch-Pfeiffers ^Die Waise von Lowood" stand am Montag Abend auf dem Repertoir des hiesigen Theaters. Der Inhalt des Stückes ist unseren Lesern ohne Zweifel bekannt, weswegen wir auch von einer Wndergab. absehm und nur das Spiel der darstellenderi Personen ins Auge fassen wollen.
Das ungetheilteste Lob des Abends gebührt Frl. von Jarz<?bowska (Jane Eyre) und Hm. Schreyer (Rochester), welche be;t>: ihre Rollen mit vollendeter Meisterschaft zur Durchführung brachten. W'r besitzen in Frl. von Jarz^bowska wie Hm. Schreyer zaiei Schauspieler, denen sich die Kunst jur Natur geweiht hat Was wir von Ihnen auf der Bühne dargestellt sehen und hören, berührt uns nicht oie ein gemachtes Kunstwerk, sondern wie die wahre Natur selbst. Den Leistungen beider würdig zur Seite stellen wir die des F>rn. Schma hlfeldt, dessen Dr. Blackhorst ebenso gut wie natürlich wirkte. So oft wir Hrn. Schm a hlfeldt in dieser Saison gesehen, haben wir seine vortrefflichen Masken stets bewundern müssen und ist die Rolle des Dr. Blackhorft auch keine umfangreiche, so -war doch fein alter Offizier in Benedix „Gefängmß" ein Mann von echtem Schrot und Korn. 5
Die M streß Re.d der Frau Simon war eine feine Aristokratin wie sie eben Frau Simon so ausgezeichnet wiederzugeben versteht. '
Die anderen Schauspieler, denen die Ausführung der verschiedenen kleinen Rollen oblag, wurden ihrer Sache nach Kräften gerecht.
Wtt haben schon manche Aufführung der „Waise von Lowood" gesehen können aber mir Recht behaupten, daß die Vorstellung am Mittag Abend, abgesehen von den Mängeln jeder kleinen Theater, Dank auch der tücht-gen Regie, eine^ du chaus ante genannt werden darf. th
MitgethM durch bat SL?1)£Stusman^ ^r«^'Eoursbericht actien 2773/4 gtaateb.;«dien 269'2 fflnli, ier 95R*/ ®«>. in Gießen.) Credtt-
Oolbtente 743/4, 4°/° 1880er /iuffen 72 nÄu'Ä' 65’/e, 4=/0 Ungar.


